Bahai und Mirza Ghulam Ahmad


@Sören

Das Problem ist das man die Position der Ahmadiyya Muslim Jamaat bezüglich Mirza Ghulam Ahmad nicht ganz in das Bahai-Schema einordnen kann.

Einerseits sehen sie Mirza Ghulam Ahmad eindeutig als Muhammad nachgeordnet an und in dessen Perfektion nachstehend und kein neues Religionsgesetz bringend, sondern nur das koranisch-mohammedanische erneuerd. Dies würde auf das hinweisen was im westlichen Bahai-Jargon als 'abhängiger Prophet' bezeichnet wird.

Auf der anderen Seite Sieht die Ahmadiyya Muslim Jamaat Mirza Ghulam Ahmad als den Mahdi, Messias und die Wiederkunft Christi welcher ein Friedenszeitalter einläutet. Das kann man nicht mehr so ganz unter 'abhängiger Prophet' einordnen.

Das Mirza Ghulam Ahmad kein Prophet und nur ein Reformer sei ist gerade die Position der Lahore Ahmadiyya-Bewegung.

Auch bin ich mir nicht so ganz sicher ob die Stelle im Aqdas sich tatsächlich lediglich auf Leute bezieht die den Anspruch erheben eine Manifestation Gottes (o.ä.) zu sein. Oft ist es auch - wie gesagt - schwer die Ansprüche anderer Religionen hier einzuordnen. Mirza Ghulam Ahmad hat aber wohl recht eindeutig gesagt, dass Gott ihm direkt Offenbarungen gegeben hat: http://en.wikipedia.org/wiki/Claims.....za_Ghulam_Ahmad#His_claim
Tobias hat folgendes geschrieben:

Ist es.



Salam,

Dann,

Dann Kommt o Söhne des Bahai,zu einem Wort in Wahrheit und lasst uns zu euch und unseren Gott beten-er möge das Licht dessen der in der Wahrheit ist über dem der in der Falschheit ist erheben!-Amin


Tobias hat folgendes geschrieben:


Das mit dem Erfolg verstehe ich noch immer nicht so ganz und das mit den Mitgliedern auch nicht, aber sei es drum.


Das ist so,als Hazrat Mirza Ghulam Ahmad(Allahs Frieden auf ihm) sein Anspruch erhob der "Promsied One" zu sein sich alle art von Feindschaft gegen über in und seine Jaamat(Gemeinschaft) erhob noch im Jahr(1891) wurde er mit Fatwa dem ihm zu Kafir erklärt überflutet-und dennoch bleib er voller Vertrauen das seine Gemeinschaft sich außergewöhnlich verbreiten wird.Was zu folge hat das das heute ca.175 Mio zu seine Jaamat gehören.Was frage ist ; wo ist die Strafe für in?Wo ist die Strafe für die die an ihm Glauben?








Tobias hat folgendes geschrieben:

Keine einzige neutrale oder wissenschaftliche Statistik spricht eurer Gemeinschaft fast 200 Millionen Mitglieder zu.

Bahai erwenden solche Mittel nicht[, könnten wir doch aber auf genau den gleichen Umstand der Unterdrückung hinweisen wie die Ahmadiyya.


Zitat:
Breach of Faith. Human Rights Watch. June 2005. p. 8. Retrieved March 29, 2014. "Estimates of around 20 million would be appropriate"


Larry DeVries, Don Baker, and Dan Overmyer. Asian Religions in British Columbia. University of Columbia Press. ISBN 978-0-7748-1662-5. Retrieved March 29, 2014. "The community currently numbers around 15 million spread around the world"



Juan Eduardo Campo. Encyclopedia of Islam. p. 24. ISBN 0-8160-5454-1. Retrieved March 29, 2014. "The total size of the Ahmadiyya community in 2001 was estimated to be more than 10 million" "Ahmadiyya Muslims". pbs.org. Retrieved 6 October 2013.



in diese 3 Statistiken wird gesagt das es im Jahr 2001 es 10 Mio Ahmadis gab und innerhalb 13 Jahre ca. 5-10 Mio dazu kamm.(ich bezweifel diese Statisk das es schon zu Zeiten des 2.Kalifen Hazrat Mirza Bashir-ud-Din Mahmood Ahmad(ra) die Zahl der Ahmadis auf 3 Mio angeben wird von einer Muslimisch Zeitung-wenn man ausrechnet vom Tod des Hazrat Mirza Bashir-ud-Din Mahmood Ahmad(ra) 1965 bis 2001 es ungefähr 36 Jahre sind und die Jaamat gemäß diese 3 Statik nur ca.7 Mio neue Mitglieder bekommen hat,aber innerhalb nur 13 Jahre plötzlich 5 biis zu 10 Mio Ahmadis dazu gewonnen haben soll?Naja.



Zitat:

Year Number of Converts


2013[2] 540,782

2012[3] 512,352

2011[4] 480,822

2010[5] 458,760

2009[6] 416,010

2008[7] 354,638

2007[8] 261,969

2006[9] 293,881

2005[10] 209,799

2004[10] 304,910

2003[10] 892,403

2002[10] 20,654,000

2001[10] 81,006,721

2000[10] 41,308,975

1999[10] 11,820,226

1998[10] 5,004,591

1997[10] 3,004,585

1996[10] 1,602,721

1995[10] 847,725

1994[10] 421,753

1993[10] 204,308


Total 169,601,931

Daily Alfazl, Pakistan, 5. September 2013
Daily Alfazl, Pakistan, 11. September 2012
Daily Alfazl, Pakistan, 3. August 2010
Daily Alfazl, Pakistan, 28. July 2009
Daily Alfazl, Pakistan, 30. July 2008
Daily Alfazl, Pakistan, 1. Aug. 2007
Daily Alfazl, Pakistan, 2. Aug. 2006
[10] Daily Alfazl, Pakistan, 3. Aug. 2005


Das es keine neutrale oder wissenschaftliche Statistik gibt ist mir sehr bewusst aber ich glaube an das Wort der Kalifen des Verheißen Messias(as).


Welche Mittel?


Tobias hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Bitte sei doch wenigstens aufrichtig
. Es ist recht deutlich merklich, dass ihr (die Ahmadiyya hier im Forum) euch anscheinend irgendwie versprecht, dass Bahai irgendwie eine gute Zielgruppe für eure Da'wa darstellen. Eure Religion verbreiten zu wollen ist ja auch erst einmal euer gutes Recht. Du darfst uns (die Bahai hier im Forum) doch nun nicht für so doof halten, dass wir das nicht bemerken.

Zumindest bei mir (und ich denke auch bei allen anderen Bahai hier im Forum) dürftest du damit ziemlich schlechte Karten haben. Selbst wenn du mir darlegen könntest, dass Bahaullah nicht der Verheißene des Islams wäre würde ich weder in die Ummah Mohammeds, noch in die Jamaat von Mirza Ghulam Ahmad gehen. Das Mohammeds soziale Lehren nicht mehr in dieses Zeitalter passen ist offenkundig und Mirza Ghulam Ahmads Reformversuch mag einer der besten sein die der Islam hervorgebracht hat, aber auch er genügt nicht aus.



Ich bin aufrichtig,-ich mache Dawa?Und was ist die Forum?wenn nicht euch art Dawa zu machen?

Aber die Wahrheit Richtet sich Gott sei Dank nicht nach dem Verstandniss von dir oder euch

Erzähl mal welche soziale Lehren den nicht mehr zeit gemäß ist?

Was ich bei Bahai merke das es um Mensch handelen die zwar meist sehr gute und freundliche Menschen sind aber das Gott sich jedes mal für sie neue erfinden muss um ihre "zeitgemäße" Wünsche gerecht zu werden.


"Ich war 40 Jahre alt in diese Welt als ich durch Die Offenbarung Gottes gesegnet wurde"
- Hazrat Mirza Ghulam Ahmad(Allahs Frieden auf ihm)

Zitat:

Similarly,Almighty Allah and His Holy Prophet(sa) have given to the Promised Messiah(as) the titles of Nabi and Rasul.

(Nazulul-Masih, Ruhani Khaza’in, vol. 18, p. 426)
.
- Hazrat Mirza Ghulam Ahmad(Allahs Frieden auf ihm)





Tell the whole world clearly that this Nabi appeared in Qadian and his name was Mirza Ghulam Ahmad. Following the Holy Qur’an and in humble service to the Holy Prophetsa, he was honoured with the title of “Ahmad,” and he was the recipient of revelations from God.
Amir-ul-Mo’minin II(ra) (Badr, January 19, 1911, p. 4)

und nun liese wir die Offenbarung Gottes im Kitab-i-Aqdas ;

Wer vor Ablauf eines vollen Jahrtausends den Anspruch auf eine unmittelbare Gottesoffenbarung erhebt, ist gewiß ein Lügner und Betrüger....... Verharrt er jedoch in seinem Irrtum, so wird Gott sicherlich einen herabsenden, der erbarmungslos mit ihm verfährt. Gott ist fürwahr schrecklich, wenn Er straft. - Kitab-i-Aqdas

( Das Helilgister Buch der Bahai)


zur Sonne und Mondfinsterns,es gibt überzeugenede Hadis die eine wörtliche Ansicht bezeugen-

Du schreibst ;
Tobias hat folgendes geschrieben:
Wenn du die Zeichen des Korans über den Tag des Gerichtes wörtlich nimmst, dann bedeutet dies eine Zerstörung vom kosmischen Ausmaß. Danach gäbe es keine Erde mehr


Ich sage; Ja dem ist so,aber man muss sich daran erinnern das Allah der Allmächtige im Quran sagt das ein Tag bei ihm wie 1000 Jahre bei uns Menschen ist.Dass heißt es ist seit das Zeichen der Sonnen-und Mondfinsternis nicht mal ein Tag umgegangen ist.(Hazrat Mirza Ghulam Ahmad(Allahs Frieden auf ihm,lehrt ja auch dass in 1000 Jahre nach seinem kommen die Welt untergehen wird. im Quran heißt es das Allah nicht bestraft bevor ein Warner von ihm kommt.)

Wassalam
_________________
"religious extremism, be it Christian extremism, Muslim extremism or any other kind, is never a true reflection of the religion".
(Amir al-Mu'minin Khalifatul Masih V Hadrat Mirza Masroor Ahmad(atba) )
Ayaad hat folgendes geschrieben:
Das ist so,als Hazrat Mirza Ghulam Ahmad(Allahs Frieden auf ihm) sein Anspruch erhob der "Promsied One" zu sein sich alle art von Feindschaft gegen über in und seine Jaamat(Gemeinschaft) erhob noch im Jahr(1891) wurde er mit Fatwa dem ihm zu Kafir erklärt überflutet-und dennoch bleib er voller Vertrauen das seine Gemeinschaft sich außergewöhnlich verbreiten wird.Was zu folge hat das das heute ca.175 Mio zu seine Jaamat gehören.Was frage ist ; wo ist die Strafe für in?Wo ist die Strafe für die die an ihm Glauben?


Salam Ayaad,

immerhin haben wir dich schonmal auf 175 Millionen runtergehandelt. Noch eine Weile, und wir werden uns einig

Übrigens gibt es keine göttlichen Strafen für Anhänger anderer Religionen, zumindest nicht nach unserer Auffassung. Selbst WENN man sich am Ende durchringen würde, Mirza Ghulam Ahmad vollständig abzusprechen, in irgendeiner Weise von Gott inspiriert worden zu sein, dann hieße das immer noch nicht, dass plötzlich Feuer auf Pakistan herniederregnen würde. Wichtig ist, dass die Ahmadis ihr Leben nach Gottes Geboten ausrichten, und das würde ich grundsätzlich niemandem absprechen. Wenn sie das tun, dann erwartet sie alles andere als der Zorn Gottes.

Auch Mirza Ghulam Ahmad selbst wird zumindest nach meinem Dafürhalten (da können adere Baha'i durchaus anderer Meinung sein) nicht in der ewigen Verdammnis enden, denn er war überzeugt davon, den Islam im göttlichen Auftrag zu reformieren. Da ich zu denen gehöre, für die das Weiterbestehen der vorangegangenen Religionen nicht bloß ein historischer Unfall ist, sehe ich auch durchaus einen Sinn darin, auch dem Islam weiterhin göttliche Führung zuteil werden zu lassen. Die spannende Frage ist ja, ob Gott seine früheren Stiftungen fallen lässt. Gemäß Abdu'l-Bahas Aussagen wirkt aber der Geist Christi nach wie vor in der christlichen Kirche, weshalb ich glaube, dass Gott sich sehr wohl um alle Religionen kümmert, nicht nur um die jüngste.

Insofern mag ich Ahmad zwar nicht als Wiederkunft Christi oder Mahdi akzeptieren, wohl aber als dezidiert islamischen Reformer und Propheten.

Ayaad hat folgendes geschrieben:
Ich bin aufrichtig,-ich mache Dawa?Und was ist die Forum?wenn nicht euch art Dawa zu machen?

Aber die Wahrheit Richtet sich Gott sei Dank nicht nach dem Verstandniss von dir oder euch


Nach dir aber genausowenig. Da halte ich es mit den Juden, die auf die Frage, wie man den Gegensatz zwischen erfüllter Messiaserwartung bei den Christen und unerfüllter Messiaserwartung bei den Juden klären könnte, antworten: Wenn der Messias eines tages kommt, werden wir warten, ob er sagt "Hey, schön euch wiederzusehen!"

Wir können sowieso nicht wissen, was jetzt am Ende tatsächlich die Wahrheit ist. Wir können darüber streiten, bis wir alt und grau sind, aber wissen werden wir es erst, wenn wir tot sind und vor unserem Schöpfer stehen.

Außerdem gibt es bei den Baha'i keine Da'wa. Wir können lediglich Informationen anbieten, aber dürfen niemals versuchen, jemanden zu überzeugen. Überredung schafft keinen wahren Glauben. Und noch dazu diskutieren hier viele verschiedene Menschen mit vielen verschiedenen Ansichten und Überzeugungen, nicht nur Baha'i. Und auch die Baha'i sind nicht alle einer Meinung, was den Vorwurf, dieses Forum würde zur Mission benutzt, noch mehr entkräftet.

Übrigens finde ich es schon bemerkenswert, mit welcher Vehemenz du versuchst, uns dazu zu bringen, Mirza Ghulam Ahmad offen zu verdammen. Was hast du davon?

Ayaad hat folgendes geschrieben:
Ich sage; Ja dem ist so,aber man muss sich daran erinnern das Allah der Allmächtige im Quran sagt das ein Tag bei ihm wie 1000 Jahre bei uns Menschen ist.Dass heißt es ist seit das Zeichen der Sonnen-und Mondfinsternis nicht mal ein Tag umgegangen ist.(Hazrat Mirza Ghulam Ahmad(Allahs Frieden auf ihm,lehrt ja auch dass in 1000 Jahre nach seinem kommen die Welt untergehen wird. im Quran heißt es das Allah nicht bestraft bevor ein Warner von ihm kommt.)


Auch hier werden wir wieder sehen, was am Ende tatsächlich passiert. Ich glaube, auch in 1000 Jahren wird wieder ein neuer Prophet kommen, der Baha'u'llah ablösen und seine Gesetze aufheben wird. An diesem tage wird sich das Weltgericht vollziehen, indem dieses Mal ein Prophet das göttliche Urteil über die Baha'i-Religion sprechen und ihre Irrwege und die Fehler ihrer Anhänger tadeln wird.

Wir können uns das Ganze dann gerne zusammen anschauen und abwarten, wer Recht hatte
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Ihr Lieben,

ich habe mich auch nach dem Ende der Diskussion hier weiter mit der Frage beschäftigt, wie man die Ahmadiyyah-Bewegung und Mirza Ghulam Ahmad aus Baha'i-Sicht bewerten könnte. Dazu habe ich mir insbesondere angesehen, wie vergleichbare Fälle gehandhabt worden sind, da es keinen bekannten Brief von Shoghi Effendi direkt zur Ahmadiyyah gibt und man entsprechend auf Analogieschlüsse zurückgreifen muss. Hierfür bieten sich neben einigen europäischen Denkern vor allem Joseph Smith und die Mormomen an, zu denen Shoghi Effendi und das Universale Haus der Gerechtigkeit tatsächlich einiges geschrieben haben.

Mirza Ghulam Ahmad als Manifestation Gottes?
Es ist relativ offensichtlich, dass sich Mirza Ghulam Ahmad nicht als Manifestation Gottes einordnen lässt, da hierfür von Abdu'l-Baha ganz klare Kriterien aufgestellt worden sind:

1. Er bringt eine neue Offenbarung und eine neue Heilige Schrift, die die Autorität der früheren Schriften aufhebt. Nur ein Offenbarer kann Offenbartes ändern.

2. Er ist völlig unabhängig von seinen Vorgängern und bezieht sich nur dann auf sie, wenn er sie ausdrücklich bestätigt.

3. Er legt die Schriften seiner Vorgänger aus und bindet sie somit an seine eigene Offenbarung zurück.

Weitere Punkte, die jetzt an dieser Stelle nicht wesentlich sind, können noch ergänzt werden. Das hieße für jeden, der den Anspruch erhebt, eine solche Manifestation Gottes im Baha'i-Sinne oder etwas vergleichbares zu sein:

UHG (06.07.1994) hat folgendes geschrieben:
Die Baha’i können natürlich den Anspruch des Gründers dieser Bewegung, oder seines Nachfolgers, nicht anerkennen, dass es sich bei ihm um das Äquivalent einer Manifestation Gottes handle, selbst wenn er vom Geist des Zeitalters inspiriert sein mag. Aus den Baha’i-Schriften geht unmissverständlich hervor, dass solch eine strahlende Gestalt nicht vor Ablauf von wenigstens tausend Jahren nach dem Kommen Baha’u’llahs erscheinen kann.


Mirza Ghulam Ahmad hingegen hat zu keinem Zeitpunkt für sich in Anspruch genommen, Mohammed ablösen oder den Koran selbst erneuern zu wollen. Im Gegenteil hielt er sich für einen Vollstrecker Mohammeds und band sich an den Koran und dessen Rechtsetzung. Sein einziges Privileg als Mahdi der Ahmadiyyah-Bewegung war dessen verbindliche Auslegung im göttlichen Auftrag.

Da Mirza Ghulam Ahmad in diesem Sinne nicht behauptet hat, eine "unmittelbare Gottesoffenbarung" zu bringen, wie dies Baha'u'llah tat, trifft der bereits zitierte Vers aus dem Kitab-i-Aqdas (#37) "Wer vor Ablauf eines vollen Jahrtausends den Anspruch auf eine unmittelbare Gottesoffenbarung erhebt, ist gewiss ein Lügner und Betrüger" nicht auf Mirza Ghulam Ahmad zu.

Problematisch ist allenfalls seine Selbstidentifikation mit dem Mahdi und mit Christus, wobei man natürlich an dieser Stelle genauso gut annehmen kann, dass er diese Titel gebrauchte, um damit seinen Anspruch auf verbindliche Auslegung des Koran zu untermauern. Die geistigen Qualitäten, die mit beiden Titeln verbunden sind, sind von der Frage völlig unberührt, ob sie nur dem Wert oder dem Sinn nach zutreffen. Tatsächlich sind konkurrierende Messiasansprüche aber ein Problem.

Mirza Ghulam Ahmad als "abhängiger" Prophet?
Hier wird die Frage schon etwas schwieriger, denn seine Selbstidentifikation mit einem gottgesandten Erneuerer des Islam verträgt sich relativ gut mit dem jüdischen Konzept der alttestamentlichen Propheten, die das Volk zur Umkehr und zum wahren Glauben rufen. Heikel wird es bei der Frage, ob nach dem Erscheinen einer neuen Manifestation Gottes überhaupt noch Propheten der vorangegangenen Religionen möglich sind, Gott also parallel die anderen Religion weiterhin mit Führung versorgt. Auch die Qualität von religiösen Reformbewegungen wird hierbei unterschiedlich bewertet.

Hier kann man einen Vergleich mit der Reformation ziehen, die Shoghi Effendi in den Kontext des inzwischen aufgetretenen Islam stellt:

LoG #1653 hat folgendes geschrieben:
Die Reformation war eine richtige und wichtige Infragestellung der menschengemachten Organisation der Kirche, und als solche ein Fortschritt. In ihren Ursprüngen war sie eine Widerspiegelung des neuen Geistes, den der Islam freisetzte, und eine von Gott gesandte Strafe für diejenigen, die versäumt hatten, seine Wahrheit zu bezeugen.


Hier wird also die Reformation tatsächlich als göttliche Strafe angesehen, die offenbarte, dass das Christentum sich weit von den ursprünglichen Lehren entfernt hatte. Die Rückbesinnung auf das ursprüngliche Christentum sollte also vor allem auch den Geist der Sendung Mohammeds zur Geltung bringen. In ähnlicher Weise könnte man argumentieren, dass auch die Lehren Mirza Ghulam Ahmads in islamisch-reformatorischer Absicht den Geist der Sendung Baha'u'llahs zum Ausdruck brachten. Ein Wirken Gottes wäre also in diesem Fall gegeben, auch wenn dadurch noch nicht sicher behauptet werden kann, dass es sich bei Mirza Ghulam Ahmad um einen abhängigen Propheten gehandelt habe. Denn für Martin Luther würde man dieses Privileg wohl kaum beanspruchen.

Außerdem ist die Frage, inwieweit Mirza Ghulam Ahmad aus dem islamischen Kontext heraus ableitbar ist, denn Shoghi Effendi versichert:

LoG #1696 hat folgendes geschrieben:
Wir können die Namen von Personen, die wir (order irgendjemand anders) für abhängige Propheten halten mögen, keinesfalls zu denjenigen hinzufügen, die wir im Koran, der Bibel und unseren eigenen Schriften erwähnt finden. Denn nur diese können wir als authentische Schriften ansehen.


Die Ahmadis berufen sich hierbei auf eine Prophezeiung Jesu aus dem Koran (61:7):

Zitat:
Und gedenke der Zeit da Jesus, Sohn der Maria, sprach: "O ihr Kinder Israels, ich bin Allahs Gesandter an euch, Erfüller dessen, was von der Thora vor mir ist, und Bringer der frohen Botschaft von einem Gesandten, der nach mir kommen wird. Sein Name wird Ahmad sein."


Der Name Ahmad taucht in allen Koranübersetzungen gleichlautend auf, wenngleich zum Beispiel die Lies!-Übersetzung versucht, sich aus Ahmad irgendwie doch noch Muhammad zu zaubern. Ein Textbeleg für einen Propheten namens Ahmad gibt es also im weitesten Sinne, eine verbindliche Auslegung hierzu fehlt allerdings. Es gibt dabei noch ein weiteres Problem, denn wenn Mirza Ghulam Ahmad ein abhängiger Prophet gewesen wäre, dann dürften seine Schriften und Auslegungen denen des Bab und denen Baha'u'llahs nicht widersprechen bzw. müsste man zwingend auch Ahmads Schriften vor dem Hintergrund der Baha'i-Schriften lesen und sie deren Autorität unterordnen.

Mirza Ghulam Ahmad als Seher und Herold des neuen Zeitalters?
Hier kommt jetzt der Analogieschluss zu Joseph Smith und den Mormonen zum Tragen, denn auch dieser ist, wenn man es genau nimmt, bereits zu Lebzeiten Baha'u'llahs und des Bab aufgetreten und fällt somit in eine ähnliche Kategorie wie Mirza Ghulam Ahmad. Ebenfalls in diesen Zusammenhang hineinnehmen kann man auch Emanuel Swedenborg. Shoghi Effendi ordnet ihn als "Herold des neuen Zeitalters" ein:

LoG #1722 hat folgendes geschrieben:
Swedenborg mag, aufgrund der außergewöhnlichen Fortschrittlichkeit seiner Lehren, in gewisser Weise als Herold dieses Tages gelten.


LoG #1719 hat folgendes geschrieben:
Die Lehren solch geistig erleuchteter Seelen wie Swedenborg, Emerson und anderer sollten als die hochentwickelten Regungen der Geister herausragender Seelen betrachtet werden, die die Offenbarung, die durch den Bab und Baha'u'llah in der Welt anbrach, erahnen ließen.


LoG #1723 hat folgendes geschrieben:
Menschen wie Emerson waren unzweifelhaft göttlich inspiriert, da viele der Gedanken, die uns in diesen Tagen beleben, von ihnen geäußert und angeregt wurden.


Ähnlich äußert sich das Universale Haus der Gerechtigkeit zu Joseph Smith, der zeitlich später lebte.

LoG #1728 hat folgendes geschrieben:
Was die Stellung von Joseph Smith, dem Gründer der Mormonen, betrifft, wird er von den Baha'i nicht als Prophet, weder abhängig noch sonstwie, anerkannt. Doch war er freilich ein religiöser Lehrer, empfänglich für die geistigen Ströme, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts unmittelbar aus dem Erscheinen des Bab und Baha'u'llahs und der Offenbarung Ihrer Botschaft der Hoffnung und göttlichen Führung hervorquollen.


Ein göttliches Einwirken wird also im Grundsatz auch diesen Personen nicht abgesprochen, Emanuel Swedenborg als "Herold" und Joseph Smith als "Religiöser Lehrer" beschrieben, der für die "geistigen Strömungen" empfänglich war, die mit der Zwillingsoffenbarung verbunden sind. Dies, wohlgemerkt, bei einem Mann, der kurz nach der Erklärung des Bab verstarb. Es ist also nicht auszuschließen, nein, im Gegenteil sogar anzunehmen, dass die Offenbarung Baha'u'llahs zangsläufig auch außerhalb der Baha'i-Gemeinde wirkt und geistige Kräfte freisetzt.

In mehreren Pilgernotizen (ja, ich weiß, dass sie keine Autorität haben) bezeichnet Shoghi Effendi solche Menschen zusammenfassend, Joseph Smith aber im Besonderen als "Seher" und definiert einen Seher als einen Menschen, der göttliche Botschaften empfängt und einen Blick auf die Zukunft werfen kann, also in beschränktem Maße über höheres Wissen verfügt, aber im Gegensatz zu einem Propheten nicht unfehlbar ist. In Bezug auf Swedenborg und Emerson legt Shoghi Effendi fest:

LoG #1719 hat folgendes geschrieben:
Nichtsdestotrotz kann nichts, was sie äußern, das nicht von den Lehren untermauert wird, als absolute Wahrheit betrachtet werden, sondern lediglich als Widerspiegelung ihrer eigenen Gedanken.


Andererseits heißt das aber auch nicht, dass alles, was diese Menschen predigten, ausnahmslos falsch wäre. Denn der Geist des Zeitalters wirkt, wie bereits angesprochen, nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb der Baha'i-Gemeinde:

UHG (06.07.1994) hat folgendes geschrieben:
Wahrheit findet sich überall. Es wäre in der Tat schwierig, ein Bekenntnis oder eine Lehre zu finden, die nicht irgendeine Form von Wahrheit enthalten würde; dies ist es, was Baha’u’llah geglaubt und gelehrt hat.


Da aber auch einem Seher göttliche Eingebung zuteil wird und er aus dieser Schlüsse ableitet, wäre dieses Bild, wenn auch nicht vollständig, aber doch im Grundsatz mit der Stellung Mirza Ghulam Ahmads vereinbar, lässt man einmal den Messiasanspruch außen vor, den ja auch Joseph Smith für sich entdeckte. Trotzdem bleibt natürlich grundsätzlich die Frage unklärbar, ob es sich bei Joseph Smith oder Mirza Ghulam Ahmad tatsächlich um solche Seher handelt. Es bleibt also jedem selbst überlassen, einen oder beide als Seher anzuerkennen oder zu verwerfen. Eine offizielle Lehrmeinung der Baha'i-Gemeinde, die verbindlich den Status Mirza Ghulam Ahmads feststellen würde, gibt es aber nicht.

LoG #1721 hat folgendes geschrieben:
Daher kann es keinen offiziellen Baha'i-Standpunkt in Bezug auf diesen Mann und sein Werk geben.


Trotz alledem ist es aber auch nicht entscheidend, ob es sich bei Mirza Ghulam Ahmad tatsächlich um einen Propheten, Reformer oder Seher handelt, denn Shoghi Effendi stellt in Bezug auf die Mormonen unmissverständlich klar:

LoG #1727 hat folgendes geschrieben:
Die Baha'i sollten nichtsdestotrotz mit den Mitgliedern aller religiösen Gruppen im Geiste der größten Toleranz und des höchsten Respekts verkehren, und versuchen, die Bedeutung der Offenbarung Baha'u'llahs für die heutige Zeit herauszustellen. Der Hüter würde Ihnen raten, die Mormonen wie alle anderen Menschen auch den Glauben zu lehren, wenn Sie sie empfänglich finden. Sie haben viele hohe Ideale, und ihre Lehren bezüglich Keuschheit, das Verbot von Alkohol und Rauchen usw. sind den unsrigen sehr ähnlich, und diese sollten daher eine Frage von gegenseitigem Interesse sein.


UHG (06.07.1994) hat folgendes geschrieben:
Herr … erbittet Führung, welche Art von Beziehung man zu den Anhängern der verschiedenen genannten Gruppen aufbauen solle und wie man ihnen helfen könne, die Stufe Baha’u’llahs zu verstehen. Grundsätzlich sollte ein Baha’i, wenn er den Glauben darstellt, zuallererst versuchen, Brücken zum gegenseitigen Verständnis mit der Person zu bauen, die er oder sie zu erreichen sucht. Diese Brücke dient in der Folge als Basis für weitere Gespräche und die Grundlage für eine tiefergehende Diskussion über die Lehren.


LoG #1729 hat folgendes geschrieben:
Die Mormonen sind eine Gemeinde mit hohen Prinzipien und Idealen, und der Weg zur Sache ist für sie nicht so steinig wie für so viele andere, die nicht ihren Glauben und ihre Hingabe besitzen.


Wichtig ist also, vorurteilsfrei mit den Menschen aller Religionen umzugehen und die Anhänger und ihre Religion nicht zu verdammen, weil sie nicht in das Baha'i-Schema passen. Jede Religion enthält einen wahren Kern, der im Gespräch herausgestellt werden kann und soll.

Es ist also klar und völlig unzweideutig, dass es in erster Linie darauf ankommt, wie die Anhänger einer Religionsgemeinschaft leben, ob sie (ihre) göttlichen Gebote halten und sich Gott zuwenden. Wenn sie das tun, dann spricht nichts dagegen, sich mit ihnen auszutauschen und mit ihnen über ihren (und den eigenen) Glauben ins Gespräch zu kommen.

Zu den Glaubensinhalten und Moralvorstellungen der Ahmadiyyah und deren Vereinbarkeit mit den Baha'i-Lehren werde ich mich in einem zweiten, noch ausführlicheren Beitrag auslassen
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523