Tagore zur Religion...


soraja hat folgendes geschrieben:
Beide irren sich im Bezug auf die echte Erlösung.

Die Kirche aber noch weniger als die Esoterik, aber dafür ist ihre Struktur fester, die schenken sich also nichts in meinen Augen...man wird sie dann loslassen, wenn man das Echte will und mit nichts weniger zufrieden ist.


Soraja ich bitte dich - glaubst du wirklich die Erlösung ist etwas, das man sich selbst schenken kann?

Erlösung hat Geschenkcharakter - kommt also von jemand Anderem, nicht aus sich selbst heraus, nicht durch eigene Leistung, sie ist restlos unverdient. Man kann sie sich nicht verdienen, sie muss geschenkt werden, sonst ist sie nicht echt. Offen sein für das Beschenktwerden ist die einzige "Leistung" die es braucht.
Das Gleiche sage ich auch.
Das echt offen sein ist nicht so einfach und wird vor allem durch Dogmen im Denken verhindert.
soraja hat folgendes geschrieben:
Das Gleiche sage ich auch.
Das echt offen sein ist nicht so einfach und wird vor allem durch Dogmen im Denken verhindert.


Das sehe ich ganz anders.

Dogmen sind Fenster - eingefasst in Wände, die sonst undurchschaubar wären. Sie ermöglichen erst einen Blick dorthin, wo man sonst nicht hinsehen kann. Sie sind Geschenk und nicht machbar, so wie die Erlösung. Sie sind Anfangspunkt nicht Endpunkt.

Wo diese von Gott geöffneten "Fenster" fehlen, da macht sich der Mensch seinen eigenen Gott. Er schaut letzlich auf seine eigenen Projektionen von Gott, nicht auf seine Wirklichkeit, zu der nur er Wege eröffnen kann.
Burkl hat folgendes geschrieben:
soraja hat folgendes geschrieben:
Beide irren sich im Bezug auf die echte Erlösung.

Die Kirche aber noch weniger als die Esoterik, aber dafür ist ihre Struktur fester, die schenken sich also nichts in meinen Augen...man wird sie dann loslassen, wenn man das Echte will und mit nichts weniger zufrieden ist.


Soraja ich bitte dich - glaubst du wirklich die Erlösung ist etwas, das man sich selbst schenken kann?

Erlösung hat Geschenkcharakter


Oh nein, Erlösung ist extrem harte Arbeit an sich selbst und jeder ist selbst verantwortlich dafür, ob er sich selbst erlöst oder nicht.

Aber da hast du schön das Kirchendogma wieder ausgebreitet: Erlösung ist demnach nichts, was der einzelne tun kann.

Der einzelne kann deiner Meinung nach gar nichts tun außer beten und hoffen, dass er bei der Erlösung nicht übersehen werde, na vielen Dank.
soraja hat folgendes geschrieben:
Der einzelne kann deiner Meinung nach gar nichts tun außer beten und hoffen, dass er bei der Erlösung nicht übersehen werde, na vielen Dank.


Ein grundlegendes Missverständnis über den christlichen Glauben, liebe soraja.

Die Erlösung ist in Jesus Christus schon da in vollem Umfang, ganz rein und vollständig, unüberbietbar. Für jeden gleich - als Gottes ausgestreckte Hand. Es kann also kein Mensch "übersehen" werden, weil die Erlösung von Gott ausgeht, der jeden einzelnen Menschen kennt.

Beten und hoffen - ja. Aber dafür, dass man nicht aus der Gnade, die die Annahme dieser Erlösung bringt, wieder herausfällt, indem man sich des Geschenkes unwürdig erweist.

soraja hat folgendes geschrieben:
Oh nein, Erlösung ist extrem harte Arbeit an sich selbst und jeder ist selbst verantwortlich dafür, ob er sich selbst erlöst oder nicht.


Aus eigener Kraft ist es sehr hart, letzlich unmöglich Gott zu "gefallen", egal was wir tun. Es bleibt unmöglich durch "spirituelle Leistung" zu reüssieren. Womit sollte ein Mensch den vollkommenen, allwissenden und allmächtigen Gott, der das ganze Universum aus dem Nichts erschaffen hat, "beeindrucken" können? Aus der Warte Gottes "von oben" ist all unser Streben nach dem Guten ein Nichts.

"Gott blickt vom Himmel herab auf die Menschen, / ob noch ein Verständiger da ist, der Gott sucht.
Alle sind sie abtrünnig und verdorben, / keiner tut Gutes, auch nicht ein Einziger." (Ps 53,3 u. 4)

Auf die Suche nach Gott kommt es also an. Auf die Suche nach der ausgestreckten Hand, die er uns in Jesus hinstreckt.

Die Reihenfolge ist im christlichen Glauben also eine Andere als in den anderen monotheistischen Religionen: Gott ist es der nach christlichem Glauben in "Vorleistung" getreten ist, der die Hand hinstreckt - nicht weil er müsste, sondern weil er barmherzig ist und weiß, dass wir ihn brauchen, um nicht verloren zu gehen. Er nimmt uns an aus Liebe sonst nichts, wer das erkannt hat "kann nicht anders" als diese Liebe zu beantworten - mit seinem Leben. Doch auch auf diesem Weg wird es immer wieder falsche Abzweigungen geben, werden Korrekturen notwendig sein.
Rüssieren. Soso. Ich bin wirklich begeistert vom diesem Wort.
Wir sind ganz sicher derselben Meinung über Gott- aber dennoch ist es die Anstrengung des einzelnen, wenn er ein gutes Ergebnis reüssieren möchte, dass er sich aus eigenem Antrieb Gott zuwendet.

Wenn er meint, es genüge, am Sonntag in die Kirche zu gehen und ansonsten mit Gott nichts am Hut zu haben, so nützt ihm der Kirchgang nichts, er wird nur immer das bleiben, was er von Anfang an war.

Wenn er aber seine Zeit, seine Aufmerksamkeit, seine Hingabe, sein Vertrauen und am besten jeden seiner Gedanken in Richtung Gott wendet, so wird er sicher gut reüssieren.

Und das meine ich mit großer Anstrengung, denn es ist eine große Anstrengung, Gott in keiner Sekunde zu vergessen.

Ich rede also nicht davon, Gott gefallen zu wollen, sondern von Gott lernen zu wollen, wie man liebt.

Sagen tut das die Kirche auch, aber das Problem- aller Ideologien- ist, dass das nicht getan wird, was geredet wird.

Spiritualität ist also meiner Ansicht nach hauptsächlich Arbeit und erfordert dann auch noch eine Menge Mut, das, was man für den selbst erkannten Willen Gottes hält, auch zu tun, auch wenn einen alle- und ich meine alle- für verrückt halten.

Man muss dann alleine beweisen, dass man an das glaubt, was Gott einem eingibt zu tun, auch wenn man sich nie sicher sein kann, dass es auch Gottes Willen ist.

Das ist ja das Problem. Der Glaube wird- von Gott- verunsichert, je mehr man sich Gott nähert.

Die Prüfungen der eigenen Sicherheit in die Richtigkeit dessen, was man meint, zu erkennen, werden härter und schwerer.

Deshalb ist es ja die sogenannte enge Pforte, eben ein Nadelöhr.

Das meinte ich mit Arbeit. Die Prüfungen zu meistern, die dadurch entstehen, dass die Verrücktheiten, die passieren, alles das gesamte Erleben, das nur in einem drin statt findet und immer, absolut immer- einer Einbildung unterliegen könnte.

Der Glaube wird von Gott in Zweifel gezogen, und zwar immer wieder.

Bis wir unser Vertrauen tatsächlich nicht nur geredet, sondern bewiesen haben.
soraja hat folgendes geschrieben:
Wenn er meint, es genüge, am Sonntag in die Kirche zu gehen und ansonsten mit Gott nichts am Hut zu haben, so nützt ihm der Kirchgang nichts, er wird nur immer das bleiben, was er von Anfang an war.


Ja - nur wer meint das?

Außerdem wäre ich nicht ganz so voreilig. Beten kann Menschen verwandeln, unterschätze nicht den Einfluss des Gebets.

Zitat:
Das ist ja das Problem. Der Glaube wird- von Gott- verunsichert, je mehr man sich Gott nähert.

Die Prüfungen der eigenen Sicherheit in die Richtigkeit dessen, was man meint, zu erkennen, werden härter und schwerer.


Das steckt etwas drinnen, das ich für wahr halte. Nur - die Näherung an Gott ist eine Annahme dessen, was er für unser Leben vorgesehen hat, nicht ein Kampf durchs Dickicht, nicht das alleinige Besteigen eines Berges, sondern die schrittweise Aufgabe des Vertrauens in das eigene "Machen" hin zum Glauben, dass man alles von Gott erwarten kann und dabei nichts verliert, sondern alles gewinnt. Auf diesem Weg sind die Prüfungen zahlreich - und ja, auch schwerer werdend. Wobei Gott auf diesem Weg - auf dieser Bergbesteigung - niemandem mehr aufbürdet, als er tragen kann, solange man seine Pfade nicht verlässt.

soraja hat folgendes geschrieben:
Spiritualität ist also meiner Ansicht nach hauptsächlich Arbeit und erfordert dann auch noch eine Menge Mut, das, was man für den selbst erkannten Willen Gottes hält, auch zu tun, auch wenn einen alle- und ich meine alle- für verrückt halten.


Alle waren sie feig. Die größten Helden, die sich am meisten "angestrengt" hatten, die größten Liebesschwüre gegenüber Gott im Munde führten. Wer stand unter dem Kreuz? Niemand von Ihnen.

Der Mut kam erst, als sie erkannten, dass es Gott um etwas Anderes geht als um "Glaubensmuskeln". Darum, dass wir leben - leben in Fülle.