Zweifel am (Bahai-)Glauben beseitigen


Hallo lieber aqua,

also ich kenne diese Auslegungen jener Art, die du hier gepostet hast. Ich muss dazu sagen, dass diese Auslegungen sehr jung sind und viele Themen umfassen. Sie legen nahezu alle Regelungen und Gebote, die über 2000 Jahre essentieller Bestandteil des Christentums waren, in einem liberalen Sinne aus. Dabei verdrehen sie, meiner Meinung nach, das, was da steht. Es gibt so ähnliche Auslegungen im Bezug auf 3. Mose 18,22 ("Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel."). Hier wird dann der vollkommen gegenteilige Sinn dargestellt.
Es wird genau das getan, was im Römerbrief veruteilt wird und in Richter 21,25b steht: "Jeder tat, was recht war in seinen Augen."

Es ist natürlich jeder frei, zu tun, was er/sie möchte. Jedoch glaube ich nicht, dass man Biblische Gebote verdrehen kann in einem Sinne, der klar dargestellt wird. Es ist so, als würde man sagen, in den 10 Geboten steht, "Du sollst nicht stehlen." und die Menschen deuten daran herum und kommen dann zu dem Schluss, dass Stehlen erlaubt ist, da wir heute andere Zeiten haben.
Kirchen haben begonnen, viele Biblische Gebote anders auszulegen, jedoch nicht im Blick auf die Bibel, sondern aus politischen und gesellschaftlichen Perspektiven.

Nautürlich ist es ein schwieriges Thema. Menschen mit homosexuellen Gefühlen wurden lange streng verfolgt und litten an Ausgrenzung und Hass, ja sogar Gewalt. Es ist ein sensibles Thema.

Wie schon gesagt: Wenn man Baha'u'llah anerkennt als Manifestation Gottes, als Offenbarer und Wiederkunft Christi, dann ist das Befolgen Seiner Gebote eine natürliche Folge. Wenn man eine Erkenntis hat, die so tief ist, dass sie das Herz erwärmt, den Verstand anspricht und den Körper in Emotionen versetzt, dann folgt man dieser Erkenntnis und versucht, nach dieser Erkenntnis ausgerichtet zu leben.

LG Yahia
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https://youtu.be/XJ9E4sbnW-k
@Aqua,

ich finde diese Interpretation mehr als bedenklich...

Zum Einen ist dieser Satz natürlich Humbug:

Zitat:
(Und ganz nebenbei: es gibt weit mehr heterosexuelle als homosexuelle Aids-Kranke)


Es gibt auch unverhältnismäßig mehr heterosexuelle Menschen. Wenn du das ins Verhältnis zu der Anteil der Bevölkerung setzt, dann spricht das eine eindeutig andere Sprache! Ich glaub da gibt es auch keine zwei Meinungen..

Das Zitat im Römer ist eigentlich recht klar..."Männer mit Männer Schande trieben" - das entspricht auch dem Gesetz im AT.

Richtig ist, dass man das im Gesamtkontext sehen muss, aber der Gesamtkontext ändert nichts an der Klarheit des Römerbriefes, sondern sagt sogar im Gegenteil aus, dass wenn Menschen "gottlos" sind, sie die Sitten und Moral völlig vergessen und in Beliebigkeit verfallen.

Der Autor schreibt:
Zitat:
Die Liste der Sünde ist lang und ein markanter Punkt auf der Liste ist, dass sie ihre natürliche Sexualität mit einer unnatürlichen ausgetauscht haben.


Er tausch dann im Folgenden mit unnatürlich Homosexualität mit Promiskuität aus. Wo er das herholt, das Promiskuität damit gemeint ist, lässt er offen.

Desweiteren würde mich interessieren wo dann die Grenzen zu setzen sind bei Promiskuität? Schon beim zweiten oder zehnten Partner? Warum steht dann deutlich "Männer mit Männer"? Das ist alles meiner Meinung der verzweifelte Versuch den modernen Zeitgeist bzgl. Homosexualität in den Brief hineinzuinterpretieren...

Und den folgenden Absatz finde ich noch bedenklicher...

Zitat:
Nun ist es aber so, dass es homosexuelle Christen gibt. In vielen christlichen Gemeinden ist dies zwar undenkbar, aber es gibt tatsächlich Christen, die auch homosexuell sind. Was ist nun mit Christen, die schwul oder lesbisch sind? Sind sie in Römer 1 steckengeblieben und müssen dort bleiben bis sie sich ändern? Natürlich nicht. Genauso wie Heterosexuelle nicht in Römer 1 bleiben, wenn sie Christen werden, ist das auch bei Homosexuellen nicht der Fall. Genauso wie heterosexuelle Sexsüchtige nicht ihre Sexualität aufgeben müssen, wenn sie Christen werden, müssen auch Homosexuelle nicht ihre Sexualität ablegen.

Es geht in Römer 1 um Abgötterei, um Vergötterung von Sexualität, die auch in homosexuellen Geschlechtsverkehr zum Ausdruck kam. Es geht nicht um eine ganz normale Liebesbeziehung zwischen zwei lesbischen oder zwei schwulen Christen.


Da wird dann jede Grenze hinter sich gelassen mit der Prämisse "Man muss Christ sein, dann kann man soviel Sex haben, wie man will, solange man den Sex nicht vergöttert."

Sorry, aber sowas bestärkt mich noch mehr in dem Glauben, wie notwendig die Gebote Bahá'u'lláhs für eine orientierungslose Menschheit sind.

P.S. Ich will keine Debatte über Homosexualität entfachen, es geht um das was Yahia gesagt hat, den verzweifelten Versuch das Christentum in den westlich-liberalen Zeitgeist zu packen!

LG
Wichtig ist aber auch zu sagen das der Römerbrief keine, von Menschen praktizierte, Strafe gebietet. Er besagt das die Strafe für Homosexualität die Homosexualität selber ist.

Zitat:
...indem sie Männer mit Männern Schande trieben, und empfingen den gebührenden Lohn ihrer Verirrung an sich selbst.


Greifst du ins Feuer, wundere dich nicht über Verbrennungen.
Mehr besagt der Vers auch gar nicht. Jene Christen also, welche in der Vergangenheit gegen Homosexuelle vorgegangen sind, haben nicht im Sinne der Bibel bzw. NT gehandelt. Deshalb lässt es sich auch nicht, wie so oft behauptet, auf diese zurückführen.

Was die AT Stellen bei Mose angeht, muss man diese historisch kritisch sehen und in seinem gesammten Kontext betrachten. Die Gesetzgebung bei Mose beinhalten nicht nur Homosexualität. Sie verbieten auch Geschlechtsverkehr mit Tieren, Verwandten und Kindern. Das gehörte alles damals als Normalität zum Alltag und war ein krasser Einbruch in den damaligen Zeitgeist.
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Realität ist etwas für Leute, die Angst vor Einhörnern haben!
Pommes hat folgendes geschrieben:
Wichtig ist aber auch zu sagen das der Römerbrief keine, von Menschen praktizierte, Strafe gebietet. Er besagt das die Strafe für Homosexualität die Homosexualität selber ist.


Und wenn aber ein Mensch seine Homosexualität gar nicht als Strafe empfindet?

Es ist natürlich sehr schwer, sich als Heterosexueller dazu zu äußern. Man hat so leicht reden zu sagen, dass Homosexualität nicht gut sei. Aber gerade weil ich Menschen kenne, die mit ihrer Homosexualität auch glücklich sind, beschäftigt mich das Thema.

Ich finde ja z.B. auch, dass die Bahaireligion im Rahmen des nunmal gegebenen Verbots, sehr vernünftig mit dem Thema umgeht.

Aber die einzige Strafe, die Homosexualität an sich hat, ist denke ich die, dass man eben nie leiblicher Vater werden kann.
Eben.
Deshalb verstehe ich die Hysterie darum auch gar nicht. Im Grunde ist keinem Christen der Weg versperrt genauso locker mit dem Thema umzugehen wie wir Baha'i. Es gibt ja auch genug Christen die das tun.
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@Pommes:

Natürlich hast du recht und triffst auch den Kern der Diskussion. Aber der Verfasser hat eben meiner Meinung nach sehr bedenklich argumentiert...

Unabhängig davon ist jeder Mensch unermesslich wertvoll. Das lehrt der Bahá'í-Glaube. Und er lehrt weiterhin, dass solange wir selbst Fehler haben, nicht über die Fehler anderen sprechen sollen (also eigentlich nie).

Von daher alles ganz easy
Hitman hat folgendes geschrieben:
Natürlich hast du recht und triffst auch den Kern der Diskussion. Aber der Verfasser hat eben meiner Meinung nach sehr bedenklich argumentiert...


Da hast du absolut recht. Der Verfasser der Seite hat die Aussage des Verses ins absolute Gegenteil verkehrt. Der Hl Paulus spricht sich unmissverständlich gegen die Homosexualität aus. Ich wollte lediglich sagen das er mit keiner Silbe zu Gewalt oder Verspottung gegen Homosexuelle aufruft. Das wird Christen gerne unterstellt.

Was der Hl Paulus anspricht ist ein Phänomen welches gerne von vielen verschwiegen wird. Es gibt auch Homosexuelle die nicht glücklich mit sich sind. Es gibt Homosexuelle die total an sich selbst verzweifeln weil sie gar nicht Homosexuell sein wollen. Meiner Meinung nach sollte man diesen Menschen die Hilfe nicht verwehren, nur weil es vielen nicht ins Weltbild passt.
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Hallo Pommes,

es gibt, heterosesexuelle, bisexuelle, homosexuelle, transsexuelle und asexuelle Menschen (ganz zu schweigen von Zwittern). Und bei allen Formen der Sexualität gibt es Menschen, die mit ihrer Art der Sexualität nicht zurecht kommen. Diese sollten sich professionelle Hilfe suchen. Die werden sie aber nur sehr selten in irgendeiner Art von Religion finden. Meistens geraten sie gerade durch Religionen in Gewissenskonflikte.
Wer Hilfe sucht, soll Hilfe bekommen! Wer sie aber nur sucht, weil seine Art zu leben von seiner Religion nicht akzeptiert wird, sollte lieber die Religion wechseln!

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Ich glaube, worum es dem Hl. Paulus beim Thema "Sexualität" generell gegangen ist, ist das Thema der "Kanalisierung". Es ist eine der stärksten Antriebskräfte des Menschen, die viel Gutes bewirken kann, aber eben auch ein Potential hat "dem Menschen im Wege zu stehen", im schlimmsten Fall ihn sogar ihn ins Unglück stürzen kann, zur Sucht werden kann, jeden Fortschritt in menschlicher und spiritueller Hinsicht hintanhalten kann.

Der einzig wirklich sichere Ort für die Geschlechtlickeit, der Ort, der Menschen vor den möglichen sehr tiefen Verletzungen bestmöglich bewahren kann, ist eine im Treueversprechen auf Lebenszeit angelegte Ehe zwischen Mann und Frau.

Aus christlicher Sicht ist somit jede Form der Sexualität, die nicht im geschützten Rahmen der Ehe stattfindet nicht gut, weil sie eben nicht an dem gesicherten Ort stattfindet, an dem sie den Menschen wirklich nachhaltig glücklich machen und zu seiner Reifung beitragen kann. Man kann also beim Vergleich des ehelichen Verkehr mit den außerehelichen Form der Geschlechtlichkeit nicht das halbvolle Glas als "gleich gut" wie das volle Glas bewerten, weil es unwahrhaftig wäre zu sagen es besteht zwischen den beiden Dingen kein Unterschied - das tut es sehr wohl, weil nur die Ehe im wahrsten Sinne die "volle Verbindlichkeit" für die Sexualität herstellt und zudem den "inneren Kern" der Sexualität umfasst - die grundsätzliche Ausrichtung auf Lebensweitergabe.

All das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass alle homosexuell empfindenden Menschen genau die gleichen Brüder und Schwestern vom gleichen Vater sind - die die ganz exakt gleiche volle Achtung und christliche Liebe als Mitmensch verdienen. Wenn sie ihre Neigung ausleben, ihnen aber dann zu sagen: "Ja - das tut euch gut - weiter so, bleibt dabei!", wäre Lüge. Und man darf keinem Menschen etwas raten oder ihn in etwas bestärken, das ihm in seinem Wesenskern nicht gut tut. Davon bin ich überzeugt.
Hallo Burkl,
Zitat:
Aus christlicher Sicht ist somit jede Form der Sexualität, die nicht im geschützten Rahmen der Ehe stattfindet, schon "in sich nicht gut" ist, weil sie eben nicht an dem Ort stattfindet, an dem es den Menschen wirklich glücklich machen und zu seiner Reifung beitragen kann. Man kann nicht das halbvolle Glas als "gleich gut" wie das volle Glas bewerten, weil es unwahrhaftig wäre zu sagen es besteht zwischen den beiden kein Unterschied.


hmm, ich habe eigentlich noch nie verstanden, warum Menschen nur "wirklich" glücklich sein und "reifen" können, wenn sie Sex nur innerhalb einer Ehe haben. Zumal es genügend Beispiele von gelungenen Beziehungen auch ausserhalb einer Ehe gibt.
Nur, um gleich Kritik einzuschränken: Ich halte für den grössten Teil der Menschen eine Ehe für eine durchaus anstrebenswerte Sache. Aber ich kann sie nicht per Religion oder Gesetz oder Gebot allen Menschen überstülpen.

Pjotr Kala
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