Die Geister beruhigen


Hallo ihr Lieben,

gerade habe ich einen neuen Artikel online gestellt. Er beschäftigt sich mit Schamanentum, Geistern und Daoismus.

Die Geister beruhigen

Das Schöne am Daoismus ist, daß er nichts verneint. Er gesteht den Religionen Götter zu, den Atheisten deren Abwesenheit, und den Unentschlossenen läßt er die Wahl. Dieser Relativismus tritt bei Chuangzi um eines stärker zutage als im Dao De Ching von Laozi.

Schön finde ich es deshalb, weil der Daoismus keine Aussage macht darüber, ob es Götter nun gibt oder nicht. Auf dieses Spiel läßt er sich nicht ein. Tatsache ist, daß Dinge passieren, und ob die nun passieren, weil ein Gott oder Geist seine Hände im Spiel hat, oder weil sich das Weltgefüge einfach so gibt, darüber gibt es, zumindest im philosophischen Daoismus, keine Auskunft.

Der religiöse Daoismus dagegen ist sehr nahe am chinesischen Schamanentum, und dementsprechend viele Götter kennt er.

Was mich immer wieder fasziniert, sind Ereignisse, die plötzlich in mein Leben hereinbrechen und mich wieder daran erinnern, daß unsere Welt aus mehr aus nur der Welt besteht, die wir mit Augen, Ohren und Nase wahrnehmen können. Beispielsweise erinnere ich mich gerade an eine Gehmeditation im Wald, vor ungefähr anderthalb Jahren. Es war ein Exerzitium christlich-mystischer Prägung, mit offenen Sinnen, schweigend, ohne Gespräch mit mir selbst.

Ich betrete einen kleinen Wald, es ist fünf Uhr nachmittag. Im Wald selbst ist es tief winterlich und dunkel. Die ohnehin sehr leise Geräuschkulisse nimmt im Waldesinnern noch mehr ab. Jetzt bin nur noch ich und der Wald. Plötzlich, und ich schwöre das bei allem, was mir heilig ist, höre und sehe ich… Wesen. In den Zweigen, an den Baumstämmen, in den Pflanzen am Pfad. Überall. Und sie sind freundlich.

Ich, der ich zu dieser Zeit streng kontemplativ ausgerichtet bin, versuche zuerst, diese Eindrücke als “Illusionen” abzutun. Was natürlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Je stärker ich versuche, die Geister wegzuerklären, desto eindringlicher nehme ich sie wahr. Nach einigem Bemühen gebe ich auf.

Mir laufen Tränen die Wange herunter, als ich eine alte Eiche umarme. Ihre Borke ist fast schwarz vom Alter. Ich, Bäume umarmen? Lächerlich! Und doch, es passierte einfach so. Meine Dankbarkeit über diesen Einbruch der “anderen Welt” in meine alltägliche Wirklichkeit ist groß. Und sie hält bis jetzt an.

In manchen Schulen des Daoismus spricht man von 36.000 Göttern und Geistern, die alleine unseren Körper bewohnen. Und unzählig viele andere mehr, die woanders leben. Das lehrt Ehrfurcht, gegenüber sich selbst und der Welt. Auch, wenn diese Trennung im Grunde genommen nicht vorhanden ist. Aber wir nehmen sie die meiste Zeit so wahr.

Im folgenden Clip geht es um eine U-Bahnstrecke in Portland, Oregon. Sie wurde unter einem alten Friedhof durchgebaut. Prompt kam es Tage nach der Fertigstellung zu mehreren bösen Unfällen. Ein Schmamane der Hmong führte ein Ritual zur Besänftigung der verärgerten Geister der Begrabenen durch. Buddhistische Mönche taten das gleiche. Und der Schamane steht in der Casa U-Bahn in engem Kontakt mit Priestern der indianischen Kirche und einem Rabbi. Auch das finde ich wunderschön. Viele Finger, die alle auf denselben Mond zeigen.

Der Clip:
http://youtu.be/ftd0t_p0aZk
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Hallo Carl,
danke für deinen interessanten Beitrag.

Zitat:
@carl reed
In manchen Schulen des Daoismus spricht man von 36.000 Göttern und Geistern, die alleine unseren Körper bewohnen. Und unzählig viele andere mehr, die woanders leben. Das lehrt Ehrfurcht, gegenüber sich selbst und der Welt. Auch, wenn diese Trennung im Grunde genommen nicht vorhanden ist. Aber wir nehmen sie die meiste Zeit so wahr.


Die Veden sprechen von 33 Millionen Göttern die in einer Pyramiden Förmigen Hierarchie gegliedert sind und das Universum verwalten. Vom Makrokosmos bis in den Mikrokosmos ist alles einer bestimmten Ordnung unterworfen.
Das was du für kurze Zeit wahrnehmen durftest war keine Phantasie sondern die "feinstoffliche Realität" dieser Welt.

Unser Körper und auch die Körper aller anderen Lebewesen sind untrennbar mit dem gesamten Kosmos verbunden. Aus diesem Grund wird im Daoismus von 36.000 Göttern gesprochen die allein unseren Körper "bewohnen" (da sie Einfluss auf unsere Körperfunktionen haben).

Shri Krishna erklärt im 5. Canto des Shrimad-Bhagavatam:
Zitat:
"Unter den beiden manifestierten Energien (spirituelle Energie und tote Materie) stehen Wesen, die Lebenskraft besitzen (Pflanzen aller Art) höher als tote Materie (Stein, Erde usw.). Höher als sich nicht bewegende Pflanzen sind Würmer und Schlangen, die sich bewegen können. Über den Würmern und Schlangen stehen Tiere die Intelligenz entwickelt haben. Den Tieren überlegen sind Menschen, und höher stehend als die Menschen sind Geister, da sie keinen materiellen Körper besitzen. Über den Geistern stehen die Gandharvas (himmlische Krieger), und ihnen überlegen sind die Siddhas (jemand der die 8 Arten materieller Yogaperfektion erreicht hat). Höher als die Siddhas sind die Kinnaras (höherdimensionale Wesen mit Halb-Mensch-Halb-Tierkörper), und höher als die Kinnaras sind die Asuras (Dämonen die die unteren Dimensionen bewohnen). Höher als die Asuras sind die Devas (Halbgötter die das Universum verwalten), und unter ihnen ist Indra, der König des Himmels, der höchste. Über Indra befinden sich die unmittelbaren Söhne Brahmas (der sekundäre Schöpfer des Universums) wie König Daksha, und unter den Söhnen Brahmas ist Shiva der höchste. Da Shiva der Sohn Brahmas ist, gilt Brahma als höher stehend, doch Brahma ist Mir, der Höchsten Persönlichkeit Gottes untergeordnet." SB 5.5.21-22

So ist alles in einer festen Hierarchie gebunden vom feinstofflichsten Wesen (Lord Brahma), bis hinab zu den sich nicht bewegenden Lebewesen, den Pflanzen.

Der Schamane im Film hat die Geister auf dem Friedhof durch eine Opferung zufriedengestellt. Es hätte jedoch auch die Möglichkeit gegeben höher stehende Wesen, welche über der Hierarchie der Geister stehen zufriedenzustellen.

Shri Krishna erklärt hierzu in der Bhagavad-Gita:
Zitat:
"Diejenigen, die die Halbgötter (Devas) verehren, werden unter den Halbgöttern geboren; diejenigen, die die Vorfahren verehren, gehen zu den Vorfahren; diejenigen, die Geister und Gespenster verehren, werden unter solchen Wesen geboren, und diejenigen, die Mich verehren, werden mit Mir leben." BG 9.25

So gesehen kann man das Verehren von Geistern sicherlich als Religion betrachten auch wenn es eine nicht sehr hohe Form dessen ist.

Was der Filmbeitrag ebenfalls sehr deutlich aufzeigt ist, wie ignorant wir doch heute geworden sind. (wir ignorieren die rudimentärsten feinstofflichen Zusammenhänge)

Gruss
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"Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer."
(Lucius Annaeus Seneca)
Lieber Jivatma,

danke für deine Antwort.
Mich freut es wirklich sehr, daß wir beide auch mal dieselbe Meinung haben

Was die Ignoranz angeht, auch da gebe ich dir völlig recht. Einfach plattwalzen, entheiligen, zerstören -- nur, weil einem die Sinne vernebelt sind...

Liebe Grüße,
Carl
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Finde ich auch nicht gut, eine Bahn unterirdisch durch einen Friedhof zu bauen. Aus Respekt vor den Toten sollte das nicht gemacht werden.
Hihi, dass ich nicht verrückt bin was das angeht weiss ich schon lange. Bei mir funktioniert diese Sichtweise, wenn ich versuche, durch etwas hindurchzusehen/ knapp daran vorbei; also meine Augen nicht auf den Gegenstand/Punkt zu richten, sondern auf einen Punkt hinter dem Gegenstand.

Bei uns gibt es eine Stelle, da fürhrt ein Pfad direkt an einem Bach entlang (ca.2m breit und 30-50cm tief, also der Bach, der Pfad ist nur 50-80 cm breit und nicht gerade). An einer stelle fallen nachts immer wieder Menschen in den Bach, weil sie schwören, da wäre 'plötzlich etwas gewesen, wie eine Wand auf die man mit geschlossenen Augen zugeht'. In der Tat läuft dort eine Art 'mystische Linie' entlang, welche relativ gerade verläuft und wenn sie eine Strasse kreuzt, einen Punkt passiert, der seit über 50 Jahren als 'hier schepperts laufend' bekannt ist. Auch das Hedafeld (örtlicher mytischer Ort mit dem Heda-Männchen) wird von dieser Linie gekreuzt. Das interresannte an dieser Linie ist, dass sie ca.1,5m-2m über dem Erdboden bleibt und sich den höhenveränderungen anpasst, als wenn sie 'auf dem Boden schwebend liegt' wie ein Hoovercraft.

Aber primär freue ich mich für dich, dass du eine solche erfahrung machen durftest. Nur ein Tip: Versuch dass nicht in Bergen-Beelsen oder Auschwitz zu machen/passieren zu lassen. Ist nicht schön dann....
Achso; zu den Naturgeistern/Göttern: Viele niedere Engel haben keine Körper, sondern sind Prinzipien wie Wind oder Hitze/Thermik, Bewegung etc.. Also gibt es 'Naturgeister auch in den Monotheistischen Religionen.
Namaste

Eine Sache der Wahrnehmung, lieber Norbert. Zurzeit bzw. bisher glaube ich nicht auf dieser Ebene. Trotzdem eine sehr interessante Geschichte, danke dir.

LG Tiro

PS Alldeutigkeit ist in dieser Form fast ausschließlich im Daoismus zu finden, da geb ich dir recht. Die Frage ist ob man Alldeutigkeit/Freideutigkeit schätzt.
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Hallo Carl Reed

Carl Reed hat folgendes geschrieben:
[...] Ich betrete einen kleinen Wald, es ist fünf Uhr nachmittag. Im Wald selbst ist es tief winterlich und dunkel. Die ohnehin sehr leise Geräuschkulisse nimmt im Waldesinnern noch mehr ab. Jetzt bin nur noch ich und der Wald. Plötzlich, und ich schwöre das bei allem, was mir heilig ist, höre und sehe ich… Wesen. In den Zweigen, an den Baumstämmen, in den Pflanzen am Pfad. Überall. Und sie sind freundlich.
[...]


Du hattest kürzlich eine Situation beschrieben in der du dich spontan im Wesen als Strassenkreuzung erlebt hast.
Hm, hört sich jetzt nicht so gelungen an, aber du hattest etwas geschrieben wie "ich war diese Kreuzung" oder so ähnlich...

War dieses Erlebnis im Wald vom Wesen her so ähnlich oder vergleichbar?
Wärest du dazu in der Lage diese Wesen figürlich zu beschreiben?
Und... was glaubst du selbst warum dir das so passiert ist?

Ist das eher eine Frage der Übung oder der Wunsch sich mit allem verbunden zu fühlen, oder was auch immer...?


@Tiro

Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
[...]

PS Alldeutigkeit ist in dieser Form fast ausschließlich im Daoismus zu finden, da geb ich dir recht. Die Frage ist ob man Alldeutigkeit/Freideutigkeit schätzt.


Wie kann ich mir denn "Alldeutigkeit" vorstellen?
Mir sagt der Begriff gerade nichts.

Gruss Grubi
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https://youtu.be/f2ROFnA4HRA
Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Namaste


Hi lieber Tiro,

Zitat:

Eine Sache der Wahrnehmung, lieber Norbert. Zurzeit bzw. bisher glaube ich nicht auf dieser Ebene. Trotzdem eine sehr interessante Geschichte, danke dir.


Für mich, in meiner Welt, in meinem Realitätstunnel, existieren Geister und Götter. Jetzt kommt es darauf an, was ich damit anfangen möchte. Wenn ich mich entschließe, mit ihnen zusammenzuarbeiten, hilft mir die Psychologisierung nicht weiter...

Zitat:

PS Alldeutigkeit ist in dieser Form fast ausschließlich im Daoismus zu finden, da geb ich dir recht. Die Frage ist ob man Alldeutigkeit/Freideutigkeit schätzt.


Was ist "Alldeutigkeit"?
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Grubi hat folgendes geschrieben:
Hallo Carl Reed


Moin Grubi!

Zitat:

Du hattest kürzlich eine Situation beschrieben in der du dich spontan im Wesen als Strassenkreuzung erlebt hast.
Hm, hört sich jetzt nicht so gelungen an, aber du hattest etwas geschrieben wie "ich war diese Kreuzung" oder so ähnlich...

War dieses Erlebnis im Wald vom Wesen her so ähnlich oder vergleichbar?


Es fühlte sich ähnlich an, ja. Vielleicht nicht ganz so akzentuiert, aber generell schon sehr ähnlich.

Zitat:

Wärest du dazu in der Lage diese Wesen figürlich zu beschreiben?


Nicht unbedingt. Schemenhafte, humanoide Wesen, die habe ich gesehen. Aber viel mehr noch gespürt, eine nichtverbale Kommunikation.

Zitat:

Und... was glaubst du selbst warum dir das so passiert ist?


Ganz ehrlich, ich weiß es nicht... ich frage sehr selten nach dem Warum. Da halte ich mich an die alte Regel von Aleister Crowley, deren Wahrheit ich für mich schon vor Jahren erkannt habe: "Perish with the Dogs of Reason" -- gehe mit den Hunden der Ratio zugrunde... Warum hat mich immer nur in Probleme geführt, deshalb gehe ich nur noch wenig drauf ein...

Zitat:

Ist das eher eine Frage der Übung oder der Wunsch sich mit allem verbunden zu fühlen, oder was auch immer...?


Oh, nach allem, was mir Menschen erzählt haben, die nix mit diesem Wunsch am Hut haben, passiert das auch einfach mal so, ohne Übung, ohne alles. Plötzlich bricht das, was Harner "Nicht Alltägliche Wirklichkeit" nennt, oder Castaneda "nagual", in die alltägliche Wirklichkeit herein. Ne typisch schamanische Erfahrung, würde ich sagen.


Liebe Grüße,
Norbert
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