Nacktbestattung der Verstorbenen


Vielleicht sollte man hier, ausnahmsweise, ins Mittelalter zurückkehren. Damals wurden Tote üblicherweise in einem speziellen Totenhemd aus Leinen oder Wolle bestattet, das sehr schlicht gefertigt war (nicht mal mit Taschen - daher das Sprichwort, daß das letzte Hemd keine Taschen hat...), und das sich die meisten Leute in Erinnerung an das "Gedenke, daß du sterblich bist" bereits zu Lebzeiten besorgten, damit zum Sterbezeitpunkt alles Wichtige bereit war. Mir ist das Geldverpulvern für Beerdigungen auch ein Greuel, ich sehe es auch nicht ein, warum irrsinnige Geldbeträge in superteure Särge gesteckt werden, für die Wälder abgeholzt werden (Mahagoni-Särge! wirklich!), die nach dem Verscharrtwerden dann nur die Umwelt verpesten (Lackierung! Chemie in Sperrholz-Särgen!) und die natürliche Verwesung behindern (außer in Gebieten mit extrem "schweren", lehmigen Böden, wo die Luft in einem Sarg die Verwesung sogar besser fördert als die Erde drumherum). Ich wäre durchaus dafür, da billige, für jeden Hinterbliebenen finanzierbare Standards einzuführen, wie besagtes Totenhemd statt teurer und umweltschädlicher (Chemiefaser-)Anzüge.
Künstliche Körperteile wie Prothesen oder ganz besondere Herzschrittmacher sind auch ein Problem, letztere ganz besonders, weil die Batterien im Herzschrittmacher bei Feuerbestattung explodieren können. Deshalb werden sie meist vor der Bestattung vom Bestatter entfernt (ist keine aufwendige Prozedur, und die Geräte können wiederverwendet werden - spart der Krankenkasse Geld), deshalb sollte übrigens der Bestatter immer vorab auf so etwas hingewiesen werden. Sonstige "fest montierte" Prothesen und Goldzähne werden nach der Einäscherung aus der Asche bzw. nach Ablauf der Liegefrist im Erdgrab vom Totengräber gesammelt, was dann damit passiert ist je nach Gemeinde unterschiedlich, weil diese Sachen oft aus wertvollen Metallen (Gold, Titan, Edelstahl...) bestehen, meistens werden die Materialien zugunsten der Gemeindekasse an Recyclingfirmen weiterverkauft. In Nürnberg gab es vor einiger Zeit Riesentheater, soweit ich mich erinnere, weil die Mitarbeiter im Krematorium das Gold für sich behalten und auf eigene Rechnung weiterverkauft haben, da es bis dahin keine offizielle Regelung gab.
Noch was zu Särgen: während man da in Deutschland ziemlich einfallslos ist, gibt es in einigen afrikanischen Ländern die ausgefallensten Sachen. In einem Dorf (weiß nicht wo, ich hab mal einen Artikel gelesen) ist es üblich, den Sarg nach den Vorlieben oder dem Beruf des Verstorbenen zu gestalten - ein Fischer wird in einem bunten Riesenfisch bestattet, der Besitzer vieler Rinder in einer Kuh, ein Photograph in einer Riesenkamera, jemand der von einer Flugreise träumte in einem Flugzeug (alles aus Holz hergestellt und bunt bemalt). Manch einer bestellt sich deshalb seinen Sarg noch zu Lebzeiten und ziert sein Heim damit, und auch bei Touristen sind die Särge inzwischen der große Renner.

Für mich persönlich würde ich mir ein Begräbnis in einem "Friedwald" wünschen. Aber nicht so, wie es bis jetzt gemacht wird und vorgeschrieben ist, mit Feuerbestattung und Urne unter einen Baum, sondern normales Erdbegräbnis und einen jungen Baum (was langlebiges, Eiche vielleicht) daraufpflanzen anstelle eines Grabsteins. Das wäre fast wie Wiedergeburt... und wenn sich da viele begraben lassen, jeder mit eigenem Baum (oder Familie mit Baum, das wär dann ein Stammbaum, hm? ) und festgelegt wird, daß der Friedhof nach "Vollbelegung" mindestens 100 Jahre oder so in Ruhe gelassen werden muß, bevor z. B. die Bäume gefällt werden dürfen... umweltfreundlich mit Wiederaufforstung. Eine schöne Vorstellung, gell?
Ich denke, das mit dem Friedwald wäre keine schlechte Idee, ich kann dort ja auch nackt bestattet werden, ohne gegen Regeln der Gesellschaft zu verstoßen, meine ich.
Hallo ich bin 65 jahre alt und habe mich für eine annonüme (Einäscherung) Beerdigung obwohl ich 4Kinder habe entnschlossen. Habe aber totzdem Angst dafor wie wird es mir danach ergehen schlechter weil ich verbrannt wurde?

Xam0203
Eine Kollegin war zur Bestattung ihrer 100jährigen Großmutter im Friedwald bei Heiligenberg und fand es wunderschön.


Bei dieser Gelegenheit habe ich einen Beitrag von "Mona Lisa" entdeckt, der diesen dt. Friedwald zeigt und durch den sich noch andere Möglichkeiten eröffnen, wie z.B. seine Asche in der Schweiz in einen Bach streuen zu lassen.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beit.....hestaette-der-anderen-Art
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Peter.Trim hat folgendes geschrieben:
Ich frage mich ernsthaft, welcher Sinn dahinter steckt, dass ein Verstorbener als Leiche bekleidet verbrannt oder eingegraben werden soll? Nicht nur, dass eventuell Wertgegenstände (Führerschein, Autopapiere) verloren gehen: Darüber hinaus könnte vielen Armen geholfen werden, wenn man die Kleidungsstücke des betreffenden Verstorbenen der Caritas übergeben würde, anstatt sie mitsamt dem organischen Abfallprodukt der Person, die das Zeitliche gesegnet hat, einzugraben oder zu verbrennen. Denn kein Toter kann Gegenstände mit hinübernehmen, würde ich meinen. Ich denke, wenn wir nackt geboren sind, warum sollten wir nicht nackt bestattet werden?


Namaste

Ich sehe das ganz genau so, wozu soll Bekleidung nötig sein? Ich halte ebenso einen Sarg für relativ überflüssig. Ich bin mir aber auch der Tatsache bewußt das eine Beerdigung, besonders hierzulande, hauptsächlich für die Hinterbliebenen gedacht ist. Ihnen, den Verwandten wie den Freunden, soll der (zeitweilige) Abschied erleichtert werden. Daher habe ich in meinem Testament nur sehr wenig festgelegt. Ich möchte in einem schlichten Hanfgewand gekleidet werden, aufgebahrt (sofern dies die die mich mochten für nötig erachten) und dann verbrannt werden. Vor der Verbrennung soll das Metta Sutta rezitiert werden. Alles weitere bis zur Bestattung überlasse ich meinen Lieben. Meine Asche soll dann in eine organische Urne gefüllt und in einem Friedwald am Fuße eines Baumes vergraben werden, so das das Protoplasma meines Körpers dem Leben als Nahrung dienen kann und möglichst wenig Platz für diese Hülle verschwendet wird.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Man kann ein Hanfgewand wie einen Armanianzug tragen...
Busshari hat folgendes geschrieben:
Man kann ein Hanfgewand wie einen Armanianzug tragen...


Namaste

Beides ist Bekleidung, also insofern richtig. Auf was willst Du hinaus?

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Man kann sich so viele Gedanken darüber machen was man trägt und wie einfach und schlicht es sein soll, man kann sich so viel Mühe geben alles so einfach und schlicht und weise und spartanisch und heilig und spirituell aussehen zu lassen, dass man in die Welt schreit: "Seht alle her, schaut mich an, so egal ist mir wie und worin ich beerdigt werde!". Egal ob Armani oder Hanfgewand, der letzte Gang wird somit zu einer Parade der Eitelkeiten, von denen man vorgibt sich ihrer entledigt zu haben.

Und bitte bekomme das nicht in den falschen Hals, das letzte was ich möchte, ist dir so eine Einstellung anzudichten.

Ich finde es nur lustig und sehe das immer gerne (auch) bei Buddhisten; sie nehmen einfach ein gesellschaftliches Konstrukt, ändern das Vorzeichen und meinen damit sei es getan, dabei sind sie nur sich selber auf den Leim gegangen.
Keine Sorge, so empfindlich bin ich nicht. Ich verstehe durchaus was Du meinst, aber fühle mich da aus meiner Sicht ohnehin nicht angesprochen. Mir geht es auch nicht um Schlichtheit, vielmehr zählt Funktionalität und Kommunikation mit der Umwelt. Nackt verbrannt zu werden wäre mir am liebsten, da dabei so wenig wioe möglich verschwendet wird. Aber das ist nun mal nicht drin da ich zum einen an meine Mitmenschen und deren Empfinden und zum anderen an meinen Glauben und dessen Riten denken muß. Für Hanf habe ich mich entschieden da er die meisten Nährstoffe für die Erde enthält und am schonensten/sinnvollsten abbaubar ist.

Wie gesagt, es kommt eben auf die Motivation an. Mir geht es um Verträglichkeit mit so viel von allen und allem wie mir möglich. Wenn andere dies als "schaut mal her wie genügsam ich bin" meinersets interpretieren so ist mir das wurst.

LG Tiro
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(Machiavelli)
Auf jeden Fall, meine ich, macht es nicht nachhaltig Sinn, eine Leiche gekleidet zu verbrennen oder einzugraben, denn der verbrauchte Organismus ist dem biologischen Verfall sowieso preisgegeben. Daher sehe ich es auch als keinen relevanten Unterschied, ob der Leichnam abbrennt oder unter der Erde ganzer eingegraben wird.