Hakuin Zenji Zazen Wasan


Hallo Mara-Devi,

du schreibst:
Zitat:
Und diese Sehnsucht kann dazu führen,
die "andere Welt" schon hier zu suchen und zu finden.

Denn diese "Welt, von wo wir kommen",
ist nicht ein räumlich oder zeitlich ferner Ort,
sondern hier und jetzt erfahrbar.

Ja, ich stimme dir zu.




Hallo soraia,

du schreibst:
Zitat:
Meiner Erkenntnis zufolge sind wir magnetische Wesen.
Was wir ausstrahlen, ziehen wir an.


Auf psychologischer Ebene sehe ich das auch so.


Zitat:
Dass das so ist, lernen wir hier mit der Zeit, denn wenn wir böse handeln, so leiden wir selbst darunter, wenn wir verzeihen, Mitgefühl lernen, Wahrheit und Verständnis erwerben, so gewinnt unser Leben an Glück und Freude.

Diese Welt lässt uns die Folgen beider Seiten besonders stark spüren.



Das sollte so sein. Und wenn es so wäre, hätten wir eine bessere Welt, weil dann die Bösen unter ihrer eigenen Boshaftigkeit leiden würden und aus reinem Egoismus heraus das Mitgefühl und die Liebe üben würden.
Meine persönliche Erfahrung mit dem Verzeihen, dem Verständnis und der gelebten Nächstenliebe ist leider anders. Ich habe festgestellt, dass um so mehr du mit Verständnis und Vergebung auf jemanden zugehst, der sich dir gegenüber "verschuldet" hat, desto weniger zeigt er Einsicht in sein Fehlverhalten und desto mehr verlangt er von dir. Deine Nachsicht wird radikal ausgenutzt.
Ziehe ich mich aber zurück und zeige, dass ich wütend, verletzt oder enttäuscht bin, hat derjenige die Möglichkeit zu erkennen, dass er sich falsch verhalten hat. Mit deine Worten gesprochen: Er zieht wie ein Magnet an, was er austeilt. Dann kann er fragen: Was ist los und man kommt in einen Dialog, der beiden Seiten die Möglichkeit eröffnet, zu reflektieren.

Zitat:
Wenn wir schwer krank werden oder materielle Probleme bekommen oder andere Schwierigkeiten, werden wir uns mehr bemühen, nach unseren Ursachen zu suchen, wie wenn die Folgen nicht so drastisch wären.




Das ist richtig und ist der Grund dafür, warum so einige in Sekten und zweifelhaften Religionsgemeinschaften landen. Obwohl man sicher immer mal wieder vor seiner eigenen Haustür kehren sollte, sehe ich in deinem Argument aber hauptsächlich die Gefahr, sich selber für Dinge verantwortlich zu fühlen, die andere verschuldet haben. Sh*it happens. Manchmal sind es einfach die Umstände.
Wenn jemand schwer erkrankt ist es ein Dolchstoß, wenn du ihm auch noch erklärst, er sei selber daran schuld. Auch wenn psycho-somatische Faktoren oft eine Rolle spielen können, ist es ein fataler Fehler, einem Krebspatienten auch noch für den Erfolg der Therapie verantwortlich zu machen. Ganz nach dem Motto: Such' mal in deiner Seele oder deinem Verhalten, was du falsch gemacht hast. Oft erkranken ja ausgerechnet die Leute, die immer bemüht waren, bloß nichts falsch zu machen.

LG
Helle
_________________
Im Labyrinth verliert man sich nicht
Im Labyrinth findet man sich
Im Labyrinth begegnet man nicht dem Minotaurus
Im Labyrinth begegnet man sich selbst

Hermann Kern
soraja hat folgendes geschrieben:
Meiner Erkenntnis zufolge sind wir magnetische Wesen.
Was wir ausstrahlen, ziehen wir an.


Schlechte Metapher.

Magneten stoßen gleiche Ladungen ab und ziehen die andere Ladung ab. Du würdest als Magnet also genau das Gegenteil von dem was du ausstrahlst anziehen.

Nichts für ungut,
dein erbsenzählender Long Road
Moin Moin Mara-Devi

Zitat:
Was verstehst Du unter "Achtsamkeitsmeditation"?

http://sphinx-suche.de/weisheitslehren/achtsamkeit.htm

Im Zen, so wie ich es kennengelernt habe, beginnen wir damit den Atem zu beobachten. Das heißt, du siehst dir einfach beim Atmen zu. Beim Einatmen denkst du "Eins", beim Ausatmen "Zwei" und wenn du bei Zehn angekommen bist, fängst du wieder von vorne an. Am Anfang, wenn du Glück hast, kommst du bis Drei und dann gehen dir schon andere Gedanken durch den Kopf; Einkaufen, Streit mit Freund oder Freundin, die lieben Kleinen....usw.
Das heißt es zur Kenntnis nehmen, wieder zum Atem zurück gehen und wieder mit Zählen anfangen.
Damit kannst du schon mal ein zwei Jahre verbringen.
Hier ein Link zum Achtsamkeitssutra im Pali-Kanon. http://www.palikanon.com/diverses/satipatthana/satipattana.html. Insgesamt gibt es vier Objekte der Achtsamkeit.
Im Zen wird dies unterschiedlich intensiv geübt.

Zitat:
Bei den Skandhas wird unter den 6 Bewusstseinsarten auch "Geist-Bewusstsein" genannt. Was ist damit gemeint?

http://sphinx-suche.de/weisheitslehren3/skandha.htm
Hier ist unser Denken, unsere Gedanken gemeint.

Zitat:
Was wird Deinem Verständnis nach bei der Reinkarnation weitergegeben? (Aus früheren Leben, erinnere ich die Person, die "Ich" war, neben anderer Menschen, mit denen sie interagierte).

Reinkarnation in diesem Sinne hat meiner Meinung nach mit Buddhismus nichts zu tun.
Für den Zen Weg ist das Thema Wiedergeburt uninteressant. Ich beschäftige mich auch nicht damit.
Was nach buddhistischem Verständnis weitergegeben wird, sind die Früchte karmischer Handlungen. Das ist auch der Sinn der Karmalehre. Sie macht deutlich, das all unser Handeln Folgen hat. Folgen, deren Ausmaß wir in den seltensten Fällen voll und ganz überschauen können.
Die Überlegung z. B. "du hast im vorherigen Leben einer Spinne ein Bein ausgerissen und hast in diesem Leben deshalb nur einen Arm" ist Blödsinn. Wir werden nicht nur durch karmische Folgen beeinflusst. Es gibt mehr im Leben als nur Karma.
http://sphinx-suche.de/weisheitslehren2/karma.htm
Zitat:
Buddhistisch; Zen:


(Pali: Kamma). Universelles Gesetz von Ursache und Wirkung, das nach buddhist. Auffassung auf folgende Weise wirksam wird: »Die Tat (Karma) erzeugt unter gewissen Umständen eine Frucht (Phala); ist sie reif, dann fällt sie auf den Verantwortlichen nieder. Damit eine Tat Frucht bringt, muss sie moralisch gut (Kushala) oder schlecht (Akushala) und durch eine Willensregung bedingt sein, die, indem sie in der Psyche des Täters eine Spur hinterlässt, sein Geschick in die durch die Vergeltung der Tat bestimmte Richtung lenkt. Da die Dauer des Reifens gewöhnlich die der Existenz überschreitet, hat die Vergeltung der Taten notwendigerweise eine oder mehrere Wiedergeburten zur Folge, die zusammen den Daseinskreislauf (Samsara) ausmachen.«
Die Wirkung einer Tat, die körperlicher, geistiger oder sprachlicher Natur sein kann, wird also nicht in erster Linie durch den Vollzug der Tat selbst, sondern vor allem durch die Tatabsicht bestimmt. Es sind die Tatabsichten, die eine karmische Wirkung entstehen lassen. Wenn eine Tat nicht vollzogen werden kann, aber die Absicht dazu besteht, erzeugt schon dies allein Wirkung. Ohne karmische Wirkung ist nur eine Tat, die man frei von Gier, Hass und Wahn ausführt. Dabei ist zu beachten, dass auch gute Taten, die »Belohnungen« mit sich bringen, »Karma« und somit eine neuerliche Wiedergeburt bewirken. Um sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu befreien, muss man sich also »guter« und »schlechter« Taten enthalten.
Die Lehre vom Karma stellt keinen Determinismus dar: Die Taten bestimmen zwar die Art der Wiedergeburt, nicht aber die Handlungen eines Menschen; das Karma liefert nur die Situation, nicht die Antwort auf die Situation.

Liebe Grüße
Ji'un Ken
_________________
Mitgefühl heißt, dass der Geist von einem Geschmack erfüllt ist:
der liebenden Güte allen Wesen gegenüber.
Long Road hat folgendes geschrieben:
soraja hat folgendes geschrieben:
Meiner Erkenntnis zufolge sind wir magnetische Wesen.
Was wir ausstrahlen, ziehen wir an.


Schlechte Metapher.

Magneten stoßen gleiche Ladungen ab und ziehen die andere Ladung ab. Du würdest als Magnet also genau das Gegenteil von dem was du ausstrahlst anziehen.

Nichts für ungut,
dein erbsenzählender Long Road


Du hast nicht fertig gedacht.

Der Pluspol zieht den Minuspol an und umgekehrt.

Wenn ein Mensch sagt: du sollst nicht töten und töten ist schlecht, so erschafft er mit dieser Aussage einen Pluspol und einen Minuspol.

Der Pluspol (nicht töten ist gut) erschafft in seinem Leben einen Schatten-Minuspol, z.B. er erlebt, dass er töten muss, vielleicht seinen Hund einzuschläfern.
Der Minuspol (töten ist schlecht) erschafft einen Schatten-Pluspol, z.B. er verhindert einen spirituellen Prozess, indem er Antibiotika nimmt, d.h. es geht ihm scheinbar gut, aber er hat ein Wachstumspotential damit verhindert.

Ziel ist es, den Pluspol und den Minuspol zu erlangen, die das Leben aufbauen und nicht zerstören.

Bsp.: Töten ist ein notwendiger Teil des Lebens.

Pluspol: Manchmal muss ich töten, um zu helfen oder zu heilen.
Minuspol: Wenn ich nicht töten würde, so würde ich sinnvolle Lebensprozesse verhindern.

Was ich damit sagen will: jede Aussage selbst erschafft in sich einen Minus- und einen Pluspol, die jeweils einen Gegenüberminus- und -pluspol erschaffen.

Es ist zwingend notwendig, die Uraussagen zu prüfen, denn wenn sie falsch sind im Sinne der Wahrheit, die absolut ist, so sind beide Pole falsch und erschaffen Leid, Schmerzen und Zerstörung.
Helle hat folgendes geschrieben:

Das sollte so sein. Und wenn es so wäre, hätten wir eine bessere Welt, weil dann die Bösen unter ihrer eigenen Boshaftigkeit leiden würden und aus reinem Egoismus heraus das Mitgefühl und die Liebe üben würden.
Meine persönliche Erfahrung mit dem Verzeihen, dem Verständnis und der gelebten Nächstenliebe ist leider anders. Ich habe festgestellt, dass um so mehr du mit Verständnis und Vergebung auf jemanden zugehst, der sich dir gegenüber "verschuldet" hat, desto weniger zeigt er Einsicht in sein Fehlverhalten und desto mehr verlangt er von dir. Deine Nachsicht wird radikal ausgenutzt.

Ja, das ist so.

Hier stoßen wir auf das Problem, das ich schon öfters angesprochen habe:

der Einzelne kann sich nur selbst erlösen.

Wir müssen strikt trennen in unser Verschulden und das der anderen.

Wenn ein anderer seine Schuld nicht einsieht und dich weiter missbraucht, musst du dich trennen.

Und weil das so ist, bleiben einige Menschen in ihrer Entwicklung stehen, weil ihnen die Konsequenzen, nämlich die Einsamkeit, zu viel Angst macht.

Zitat:
Das neue WIR und die Einsamkeit


Das neue WIR wächst aus der Einsamkeit. Es braucht nichts kompliziertes dazu: Bleib in der Einsamkeit stehen. Ohne Konzepte von Dir, ohne Konzepte von Einsamkeit, ohne Konzepte von Sinn und Mission.

Einsam zu sein, das bedeutet, sich von dem loszulösen, was einem Trost, Wissen und Sicherheit spendet.
Wenn Du Buddhist bist, wirst Du nur ohne Buddha die Einsamkeit erfahren können - und dann zutiefst wissen, wer Buddha ist. Wenn Du Christ bist, wirst Du nur ohne Christus die Einsamkeit erfahren können - und dann zutiefst wissen, wer Christus ist.
Was immer Dich bis jetzt gehalten hat, es hält Dich jetzt nur noch fest. Was immer bis jetzt der feste Boden unter den Füßen war, es ist jetzt der Klotz an Deinem Bein.

Es ist nichts schwieriger als in diesem Moment das Herz offen zu halten und die Angst und den Schmerz und die Einsamkeit zu fühlen. Ohne Sinn und Verstand.
Mein Beruf ist es, Menschen in diesem Prozess zu begleiten. Einsamkeit auf gesunde Weise zu erfahren, bedeutet zwei Dinge zu berücksichtigen:

Erstens: Lebe weiter Dein Leben. Es ist äusserst wichtig zu verstehen, dass es hier um einen inneren Prozess geht, der Dich nicht von einem verantwortungsbewussten Leben entbindet – ganz im Gegenteil! Dein Job ist es, in Deinem sozialen Umfeld ganz für Dich und Deine Lieben da zu sein – während Du innerlich im Feuer der Einsamkeit stehst.
Ohne dieses verantwortungsvolle Leben – für Dich und Deine Lieben – ist diese Einsamkeit nur ein Ego-Trip.

Zweitens: Es hat nichts mit Deiner Person zu tun. Mach kein persönliches Drama daraus. Bilde Dir nicht ein, es hätte etwas mit Deinem persönlichen Karma, Schicksal oder sonst was zu tun. Stehe ganz unbemerkt in der Einsamkeit, erfinde keine Opfer-Geschichte. Bleibe ein sozialer Mensch in der totalen Isolation.
Bleibe solange in der Einsamkeit, bis Dir die Einsamkeit nichts mehr sagt. Solange, bis Einsamkeit einfach Wort ist, mit dem Du nichts mehr verbindest.

Du wirst immer wieder versuchen von der Einsamkeit in die Gemeinsamkeit zu flüchten und genau das ist etwas, was das neue WIR nicht ist: Es ist kein Kollektiv von Menschen, auf der Flucht vor Einsamkeit. Das neue WIR erwächst nicht aus Bedürfnis.
Erst aus diesem seelenruhigen und geistigen Gestanden-Haben vor dem Mysterium der Einsamkeit, wächst das neue WIR.

Es gibt nichts besseres, was Du für das neue WIR tun kannst, als das, was Du jetzt gerade tust: Einsam sein. Lächelnd. Ohne Drama. Liebevoll und verantwortungsbewusst.
Biete Dich der Einsamkeit vollkomen dar und bleibe dabei in Verbindung mit allem.
Halte aus, das beides wahr ist.

http://missionmensch.blogspot.com/2.....r-und-die-einsamkeit.html
Ich habe die Einsamkeit erlebt. Mit 17/18, also vor 25 Jahren. Ich halte es aber nicht für verkehrt, Gemeinschaft zu suchen, denn der Mensch ist auf Gemeinschaft angelegt.
Ich habe den link angeklickt. Die Ausführungen erinnern mich an die esoterische Theorie des Saturn-Menschen. Wenn man den Gedanken zulässt, dass sich die gesamte Menschheit oder wenigstens ganze Gesellschaften ebenfalls in evolutionären Schritten entwickeln, könnte man die "Wüstenstation" des Einzelnen als typisches Phänomen unserer Zeit ansehen. Zumindest in den westlichen Gesellschaften. Aber vor Erfindung der Pille, vor der Vorstellung: jedem sein privates Zimmer, war die Einsamkeit praktisch nicht durchführbar. - Gut - man kann auch gemeinsam einsam sein, aber das ist ja nicht gemeint.
Also, lange Rede, kurzer Sinn: Ich halte Gemeinschaft für unglaublich wertvoll und der Entwicklung dienlich. Es muss nur die richtige Gesellschaft sein. Und wenn sie einmal fehlt, dann nur, um zu erkennen, wie wertvoll sie eigentlich ist.
So, wie wenn mal die Heizung ausfällt und man dann erst wieder merkt, wie wunderbar es ist, eine zu haben.
Der bewusste, freiwillige Rückzug in die Einsamkeit ist jedoch etwas anderes. Es ist wahr, dass man die mystischen Erfahrungen nicht unbedingt in Gemeinschaft erlebt. Die Konzentration auf das Göttliche braucht die Abgeschiedenheit. Dafür gibt es Lebensphasen - wie ich finde. In der Jugend bist du noch für dich. Das ist die erste Möglichkeit. Als Familienmensch nimmt man sich eben die Auszeit und später, im Alter, hat man wieder mehr Zeit für die Suche nach den tiefen, sprituellen Erlebnissen.
Alles, was dazwischen ist, hat meiner Meinung nach auch seine Berechtigung. Partnerschaft, Kindererziehung, Studium, Begegnung etc.

Aber du hast schon nicht Unrecht, wenn du sagst, dass man von eigener Schuld und der der anderen strikt trennen muss. Die Gemeinheit der anderen, soll mich von meinem guten Lauf nicht abbringen. Ich möchte mein Herz rein halten von Rache, Bosheit und Lüge. Das ist nur oft so schwer .....

LG
Helle
Helle hat folgendes geschrieben:
Ich möchte mein Herz rein halten von Rache, Bosheit und Lüge. Das ist nur oft so schwer .....

LG
Helle


Ja, es ist schwer.