Macht mich meine Arbeit krank?


Liebe Mitleser,
ich bin heute in einem tiefen Tränental. Ich möchte mich hier ein bisschen "aussprechen"... darf ich das?
Letzten Monat habe ich in einer Bäckerei zu arbeiten begonnen. In dieser Bäckerei habe ich vor 11 Jahren schon einmal gearbeitet, bis die Firma damals insolvent war. In dieser Zeit bekam ich einen Tinnitus, der für mich kaum zu ertragen war. Nachdem ich dort aufgehört hatte zu arbeiten, war der Tinnitus weitestgehend weg. Nur in Stressituationen "rauscht" es manchmal noch.
Nun hat der Tinnitus heute, nach der Arbeit (ich arbeite auch sonntags) wieder angefangen und ich frage mich, ob das ein Zeichen für mich sein soll..
Ich sitze hier und bin in Tränen aufgelöst, weil ich nicht glauben kann, dass das mit diesem Job zusammenhängt. Ich liebe diese Arbeit. Meine Chefin ist die Beste, ich fühle mich wie in einer großen Familie. Die Arbeit ist zwar schon anstrengend, aber ich hatte doch bisher auch andere, stressige Jobs, bei denen ich keine Probleme hatte...
Seht ihr da auch einen Zusammenhang?
Danke fürs Lesen, Bianca
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"Es kann dir nur jemand ein schlechtes Gefühl geben, wenn du es ihm erlaubst"
Eleanor Roosevelt
Liebe Bianca,

ein sehr guter Freund von mir hat auch den Tinnitus sozusagen als "Stress-Indikator", seitdem er wegen Burnout-Symptomatik zwei Wochen stationär im Krankenhaus war.

Ich denke - ohne eine medizinische Ausbildung zu haben - dass der Tinnitus bei dir ein Zeichen dafür ist, dass dein "Fass voll" ist. Ein kleiner Tropfen bringt es dann zum Überlaufen. Es ist dann gar nicht so wichtig, ob Eustress oder Distress. Eine ärztliche Konsultation hast du ja, nehme ich an, diesbezüglich bereits hinter dir.

Rein gefühlsmäßig würde ich sagen dir fehlt - und das trifft heute auf nahezu alle arbeitenden Menschen zu, du bist also nicht alleine - die Balance im Leben. Ich kann dir daher nur raten zunächst Ursachensuche zu betreiben, also was ist es, dass dich nicht "herunterkommen" lässt. Ich denke dieser Ausgleich ist das Wichtigste, den muss man im Tagesablauf so fix einplanen wie die Mahlzeiten, sonst spülen uns die Anforderungen des Alltags weg, wir brennen aus. Bei mir sind diese Fixpunkte meine vier Gebetszeiten.

Alles Gute für dich,
Burkl
Hallo liebe Bianca,

kann es sein daß Du Dich selbst einfach nur überforderst, daß Du zu perfekt sein möchtest - unbedingt alles richtig machen möchtest? Sowas kann ganz schön an die Substanz gehen.

Alles Liebe Dir
Rose
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"Die ganze Mannigfaltigkeit, der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen".

*Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi*
Lieber Burkl, liebe Rose,
ich denke, ihr habt beide recht.Als ich eure Beiträge gelesen habe, sind mir die Tränen gelaufen.
Ich würde gerne alles perfekt haben, das stimmt. Und dass ich das nicht schaffe, dass ich irgendwo Abstriche machen muß, macht mich fertig. Dann sehe ich Frauen vor mir, die alles scheinbar mühelos meistern-Kinder, Haushalt, Arbeit, Ehe....
Ich weiß, wenn man hinter die Kulissen schaut, sieht es bei denen wahrscheinlich auch teilweise düster aus, aber wer lässt sich schon hinter die Kulissen schauen?
Mir fehlt Balance, das ist richtig, doch wie finde ich die? Als Ausgleich bin ich immer einmal wöchentlich singen gegangen. Doch nicht mal mehr darauf habe ich Lust...
Danke für euren guten Wünsche, LG Bianca
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"Es kann dir nur jemand ein schlechtes Gefühl geben, wenn du es ihm erlaubst"
Eleanor Roosevelt
Liebe Bianca!

Mir hat Medittaion geholfen den Arbeitsstress zu bewältigen. Möglicherweise wäre das auch für dich etwas, das dir hilft.

Alles Liebe

Erich
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Es leitet mich die reine Liebe, die frei von Ego und frei von Konditionierungen ist!
Bianca 75 hat folgendes geschrieben:
Mir fehlt Balance, das ist richtig, doch wie finde ich die? Als Ausgleich bin ich immer einmal wöchentlich singen gegangen.


Liebe Bianca,

ich kann dir kein "Patentrezept" liefern - ich kann dir nur schildern, wie ich versuche das hinzubekommen mit dem Ausgleich und der inneren Balance.

Grundsätzlich habe ich jeden Tag sozusagen eine geistige "Pralinenschachtel" mit mir mit. Jeden Tag - vor allem jetzt im Advent - nehme ich mir vor mindestens eine daraus zu essen. Wie sieht diese "Genusspraline" aus?

Es ist ganz einfach ein ausgiebiger Moment der innigen Ruhe. Das heißt - so wie du jeden Tag deine Mahlzeiten für den Körper einplanst und einhältst - so solltest du auch jeden Tag nicht vergessen aus dieser geistigen "Pralinenschachtel" zu essen. Ein bewusst erlebter Moment des tiefen Durchatmens - egal wo du gerade bist auf einem Adventmarkt beim Punschtrinken, nach der Mittagspause etc. - dich sozusagen aus dem Geschehen "ausklinken" und einfach dazusitzen oder dazustehen und einen positiven Gedanken fassen während die Menschen oder die Natur beobachtest und dich hineinmeditierst - Dankbarkeit ist z.B. ein solcher Gedanke. Und während dieser Zeit des "geistigen Naschens" tanke ich Kraft - und ich glaube das könnte dir auch gelingen! Wichtig ist nur die Regelmäßigkeit, denke daran, dass Seelennahrung genauso wichtig ist wie die körperliche!

Herzlich,
Burkl
Lieber Burkl,
vielen Dank für deinen tollen Tipps. Es stimmt schon, im ganzen Alltagsstress, den ich zu bewältigen habe (meist allein, denn mein Mann ist sehr krank) komme ich zu kurz und gönne mir keine innere Einkehr.
Vor einigen Jahren wurde mir zum ersten Mal bewusst, wie sehr ich das brauche, Momente zu finden, in denen ich meine Balance wieder herstellen kann. Allerdings klappt das an manchen Tagen überhaupt nicht. Da habe ich das Gefühl, jemand hat an meinem Rücken ein Rädchen aufgedreht und ich kann nicht mehr aufhören zu rennen.Mein Mann meinte auch schon zu mir, dass ich immer einen Zeitplan im Kopf habe. Und wehe, etwas läuft mal anders.... Ich meine gerade, ich verbiete mir selbst, spontan zu sein und zu tun was ich wirklich will.
Aber ich werde versuchen, meinen inneren Palast der Ruhe wieder aufzubauen. Ich danke dir sehr!
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"Es kann dir nur jemand ein schlechtes Gefühl geben, wenn du es ihm erlaubst"
Eleanor Roosevelt
Hallo!

...und vorweg: Ich möchte den Rahmen hier nicht sprengen und biete drum einen Auszug aus meiner Artikelreihe zum Thema Burnout, vermeiden, erkennen, erholen:

"Leistungsträger können viel tragen", aber Vorsicht: auch starke Schultern können unter einer zu großen Belastung zusammenbrechen. Je mehr Menschen sich auf Sie verlassen und etwas von Ihnen wollen, desto höher ist ihre eigene Belastung. Natürlich unterstützen Sie die Kollegen in ihrem Umfeld, aber es gibt manchmal einige, denen Sie "den kleinen Finger reichen und ihnen dann den ganzen Arm nehmen".
Es scheint ein Fass ohne Boden zu sein, denn je mehr Sie geben, desto mehr nimmt man. Dies ist für Sie sowohl ermüdend als auch sehr enttäuschend.

Bedenken Sie bitte: ein Symptom des Burnouts ist es, sich von anderen zu distanzieren, aber andererseits leistet eine Distanzierung auch einen gewissen Schutz davor. Ein Gleichgewicht in diesen zwischenmenschlichen Beziehungen zu halten ist schwierig, aber auf der anderen Seite umso wichtiger zur Vermeidung von Burnout. Distanzieren Sie sich also von den Leuten, die ihnen ihre Kräfte rauben und pflegen Sie gleichzeitig die Beziehungen, bei denen ein Geben und Nehmen im Gleichgewicht ist...."

Ich habe mich eingehend mit dem Thema befasst. Viel mehr findest Du hier zu Burnout - Symptome - erkennen - erholen - vermeiden:
http://skillzone.de/persoenliches-w.....tuerliche-gesundheit.html, dann Stichwort: Burnout suchen.

LG
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www.skillzone.de