Notwendigkeit richtigen Handelns


Hallo,

ich hätte gerne mehr Klarheit über eine bestimmte Meinung, die mir immer wieder begegnet:

Um Erleuchtung zu erlangen, muss man nur erkennen dass es kein Ich gibt. Entwicklung von Tugenden und Bemühung um Entsagung ist überflüssig, weil das gehört alles zur materiellen Natur. Es genügt zu erkennen, dass man nicht mit dem Begehrenden, mit den Wünschen und ihrer Erfüllung identisch ist, daher kann das nach der Erleuchtung weiter bestehen.

Dem steht entgegen, dass die klare Sicht des nicht-Ich nur möglich ist wenn man nichts begehrt, denn solange man etwas begehrt, besteht Identifikation.

Beides scheint Sinn zu machen, Was meint ihr?

Gruss mukti
Lieber Mukti,

das ist eine interessante Frage...

Da ich (noch ) nicht erleuchtet bin kann ich sie leider auch nicht beantworten, dir nur meine Meinung dazu schreiben.

Da ich ab und zu das Gefühl von Einssein mit Allem, in der Einheit sein, mit Allem verbunden sein geschenkt bekomme glaube ich dass erleuchtete Menschen/Wesen sich ihres Handelns und der daraus resultierenden Folgen in jedem Moment bewusst sind, das sie immer im Augenblick SIND und aus diesem SEIN heraus agieren. Aus diesem BewusstSEIN ergibt es sich dass alle Handlungen zum Wohle des Ganzen ausgeführt werden. Persönliches, Ich-bezogenes Begehren und Wünschen ist meines Erachtens dann ganz selbstverständlich ausgeschlossen.

Liebe Licht und Frieden
Dem EINEN entgegen...
Zahira
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Möge Liebe, Licht und Frieden sich überall verbreiten
mukti hat folgendes geschrieben:

Um Erleuchtung zu erlangen, muss man nur erkennen dass es kein Ich gibt.


Nur weil das jemand sagt, heißt es noch lange nicht, dass es so ist.

Um erleuchtet zu werden, ist es zwingend notwendig, die Wahrheit zu erkennen und das bedeutet langwierige Arbeit.

Glauben ist nicht wissen.

Um also jeden falschen Glauben auszuschließen, ist es nötig, dass man alles vergisst, was jemals jemand gesagt hat oder was man gehört hat.

Man muss also im Gehirn leer werden. Von da aus kann man dann beginnen, die Wahrheit zu finden, die sich aus sich selbst heraus findet- aus dem Nichtwissen und Nichtglauben.

Du müsstest also erst mal rausfinden, ob das überhaupt stimmt, dass es kein Ich gibt. Du selber für dich.

Solange, bis wir die Wahrheit finden, sind wir gezwungen, uns mit der Leere und dem Nichtwissen zufrieden zu geben.

Die Wahrheit zeigt sich jedem, der sich ausdauernd genug auf die Leere einlässt und bereit ist, nichts zu glauben, das er nicht aus sich selbst weiß.

Vorgefasste Dogmen behindern die Wahrheit.

Es geht erst mal darum, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich zu fragen: was weiß ich wirklich und was glaube ich nur, bzw. habe ich einfach von irgendjemandem übernommen?

Erst dann kann man von Wahrheit und von Selbsterkenntnis sprechen.
soraja hat folgendes geschrieben:
Vorgefasste Dogmen behindern die Wahrheit.


Ist das nicht auch dein Dogma?

LG Burkl
Das übergeordnete Ziel des religiösen Strebens ist wohl der Mensch, der nicht mehr sich sondern nur mehr "den Anderen" lebt.

Insofern wird das "herkömmliche" erdhafte Ich, das aus der Natur herkommt in der Spiritualität verwandelt. Das Ich geht aber deshalb nicht unter. Ich würde sagen es wir verwandelt, auf eine höhene Ebene übertragen, transzendiert - auf eine Daseinsebene, wo dieses Ich nicht mehr zerstörbar ist durch die Kräfte dieser Welt. Unsterblich von uns sind nur die Teile unserer Ichs, die auf die höhere göttliche und damit zeitlose Ebene ausgerichtet wurden. Dort sind wir in Sicherheit - nur dort sind wir zu Hause.
Burkl hat folgendes geschrieben:
soraja hat folgendes geschrieben:
Vorgefasste Dogmen behindern die Wahrheit.


Ist das nicht auch dein Dogma?

LG Burkl


Ist eine schwierige Frage.

Ich kann die Frage bejahen unter dem Gesichtspunkt, dass ich diese Tatsache für mich selbst als wahr erkannt habe und nicht von jemandem übernommen habe.

Ich müsste sie verneinen unter dem Gesichtspunkt, dass ich diese Aussage nicht immer wieder aufs Neue hinterfragen würde- was normalerweise Hauptmerkmal eines Dogmas ist.

Das heißt, der Begriff Dogma selbst müßte in einer Diskussion erst mal so weit geklärt werden, dass nicht jeder was anderes darunter versteht.

Feuerbach z.B. definiert ihn so:
Zitat:
Das Dogma ist nichts anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken. (Ludwig Feuerbach, dt. Philosoph)


Ich definiere Dogma als Glaubenssätze, die von anderen übernommen wurden ohne deren Wahrheitsgehalt selbst geprüft zu haben.

Unter dieser Begriffsbestimmung also nein.
Soraja hat folgendes geschrieben:

Ich definiere Dogma als Glaubenssätze, die von anderen übernommen wurden ohne deren Wahrheitsgehalt selbst geprüft zu haben.

Unter dieser Begriffsbestimmung also nein.


Ich definiere Dogmata als Fenster, durch die hindurch man einen Blick auf sonst unseren Verstand übersteigende Tatsachen gewinnen kann.
Das mit dem Nicht-Ich ist natürlich so gesehen Unsinn, denn ich bin ich und bleibe so gesehen auch ich. Aber ich soll sämtliche Individuen mitsamt allen Dingen wertschätzen und meine Bedürfnisse dem Willen des vollkommenen einen Gottes unterstellen, der Allen in Allem nur das Vollkommenste will.
Zitat:
... denn ich bin ich


wenn du "ich bin" BIST brauchst du das ich am Ende nicht mehr



Licht und Liebe
zahira
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Möge Liebe, Licht und Frieden sich überall verbreiten
Die einzige Möglichkeit, die Welt letztlich zu erfassen, liegt nicht im Gedanken, sondern in dem Erlebnis der Einheit.

So führt die paradoxe Logik zu dem Schluß, dass die Liebe Gottes weder das gedankliche Wissen von Gott, noch der Gedanke von der eigenen Liebe zu Gott ist, sondern der Akt des Erlebens der Einheit mit Gott im Erlebnis der Liebe.
Dies führt dazu, die Betonung auf den richtigen Weg des Lebens zu legen.
Das ganze Leben, jede kleine und jede wichtige Handlung ist vom Wissen um Gott bestimmt, aber nicht vom Wissen im richtigen Denken, sondern im richtigen Handeln.
(…)
Der wichtigste Schritt ist, zu lernen, mit sich selbst allein zu sein ohne dabei zu lesen, Radio zu hören, zu rauchen oder zu trinken. Die Fähigkeit, sich zu konzentrieren, zeigt sich in der Fähigkeit, mit sich allein sein zu können- und diese Fähigkeit ist eine Bedingung für die Fähigkeit zu lieben.

aus: E.Fromm- die Kunst des Liebens