Sendbrief an die Christen - von Bahá'u'lláh 1817-1892


Sendbrief an die Christen
auszugsweise

Bahá'u'lláh 1817-1892

Denn es wird geschehen, dass des Menschen Sohn kommt in der Herrlichkeit des Vaters. Matth. 16:27

Dies ist das heiligste Sendschreiben, das aus dem heiligen Reiche an den herniedergesandt ist, der sein Angesicht dem Ziel der Anbetung aller Welt zuwandte - Ihm, der vom Himmel der Ewigkeit kam, belehnt mit überragender Herrlichkeit.


Im Namen des Herrn, des Herrn großer Herrlichkeit.


Dies ist ein Brief aus Unserer Gegenwart für den, welchen die Schleier der Namen nicht Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde, entfremden konnten, auf daß seine Augen erfreut werden in den Tagen seines Herrn, des Helfers in Gefahr, des Selbstbestehenden.

Sprich : O ihr, die ihr dem Sohne¹ folgt! Ist es wegen Meines Namens, daß ihr euch gegen Mich sperrt? Warum sinnt ihr nicht nach in eurem Herzen? Tag und Nacht habt ihr euren Herrn, den Allmächtigen, angerufen, doch als Er vom Himmel der Ewigkeit in Seiner großen Herrlichkeit herniederkam, da habt ihr euch von Ihm abgekehrt und bleibt in Achtlosigkeit versunken.

¹ Jesus

Betrachte die, welche den Geist¹ verwarfen, als Er mit offenbarer Herrschaft zu ihnen kam. Wie zahlreich waren die Pharisäer, die sich in Seinem Namen in die Synagogen einschlossen und über ihre Trennung von Ihm klagten; als aber die Tore der Wiedervereinigung aufgestoßen wurden, als strahlend das Licht Gottes am Morgen der Schönheit aufzog, da leugneten sie Gott, den Erhabenen, den Mächtigen. Sie säumten, in Seine Gegenwart zu treten, obwohl ihnen Sein Kommen im Buche Jesajas wie auch in den Büchern der Propheten und Gottesboten verheißen war. Keiner von ihnen wandte das Angesicht dem Morgen göttlicher Großmut zu, die ausgenommen, welche aller Macht unter den Menschen ermangelten. Und doch brüstet sich heutzutage jeder, der mit Macht belehnt und mit Herrschaft bekleidet ist, Seines Namens. Rufe dir auch den ins Gedächtnis, der Jesus zum Tode verurteilte. Er war der Gelehrteste in Seinem Land zu Seiner Zeit, während der, welcher nur ein Fischer war, an Ihn glaubte. Nimm dich wohl in acht und gehöre zu denen, die die Warnung befolgen.

¹ Jesus

Sie lesen das Evangelium, und dennoch weigern sie sich, den allherrlichen Herrn anzuerkennen, obwohl Er durch die Gewalt Seiner erhabenen, Seiner machtvollen und gnädigen Herrschaft erschienen ist. Wahrlich, Wir sind um euretwillen gekommen, und zu eurem Heil tragen Wir die Trübsal der Welt. Flieht ihr Den, Der Sein Leben hingibt, auf daß ihr belebt werdet? Wähnt ihr, Er suche Seinen eigenen Nutzen, wo Er doch allezeit von Feindes Schwert bedroht ist? Glaubt ihr, Er trachte nach dem Schein dieser Welt, wo Er doch in der trostlosesten aller Städte gefangen sitzt? Seid gerecht in eurem Urteil, und folgt nicht den Spuren der Falschen.

Öffnet die Tür eures Herzens! Er, der Geist, steht wahrlich davor. Warum haltet ihr euch fern von Dem, Der euch zu einer strahlenden Stätte führen will? Sprich: Wir haben in Wahrheit die Tore des Königreiches vor euch aufgetan. Wollt ihr vor Meinem Antlitz euer Haus versperren? Das ist fürwahr nur ein schwerer Irrtum. Wahrlich, Er ist vom Himmel gekommen, wie Er das erste Mal von dort herniedergekommen ist. Hütet euch, daß ihr nicht bestreitet, was Er verkündet, so, wie die Menschen vor euch Seine Worte bestritten. So unterweist euch Er, der Wahre, könntet ihr es doch erkennen.

»Er, der Ersehnte, ist in Seiner überragenden Majestät gekommen.« Sprich: Sehet! Der Vater ist gekommen, und was euch im Königreich verheißen ward, das ist erfüllt! Dies ist das Wort, das der Sohn verbarg, als Er zu denen, die mit Ihm waren, sagte: »Ihr könnt es noch nicht tragen.«¹ Und als die Zeit erfüllt war und die Stunde geschlagen hatte, da erstrahlte das Wort über dem Horizont des Willens Gottes. Hütet euch, o Anhänger des Sohnes, dieses Wort achtlos beiseite zu werfen! Haltet euch fest daran! Das ist besser für euch als alles, was ihr besitzet. Wahrlich, Er ist denen nahe, die Gutes tun. Die Stunde, die Wir vor den Völkern der Erde und den begünstigten Engeln geheimgehalten, ist nun da. Sprich: Wahrlich, Er hat für Mich gezeugt, und Ich zeuge für Ihn. Wahrlich, Er hat keinen anderen gemeint als Mich. Dies bezeugt jede ehrliche, verständnisvolle Seele.

¹ vgl. Joh. 16:12

Von tausend Heimsuchungen bedrängt, laden Wir dennoch das Volk vor Gott, den Herrn der Namen. Sprich: Strebet das zu erlangen, was euch in den Büchern Gottes verheißen ist, und wandelt nicht die Wege der Unwissenden! Mein Leib erduldet Gefangenschaft, damit ihr aus den Banden des Ichs erlöst werdet. Richtet euer Angesicht auf das Seinige und folgt nicht den Spuren jedes feindseligen Bedrückers! Wahrlich, Er hat sich in tiefste Erniedrigung gefügt, damit ihr zur Herrlichkeit gelangt, und doch ergötzet ihr euch im Tal der Achtlosigkeit. Um euretwillen haust Er in der trostlosesten Behausung, während ihr in Palästen wohnt.


Sprich : Hörtet ihr es nicht, wie der Rufer in der Wüste des Bayán laut rief, um euch die frohe Botschaft vom Kommen eures Herrn, des Allbarmherzigen, zu bringen? Sehet! Er ist gekommen unter dem schützenden Schatten des Zeugnisses, bekleidet mit schlüssigen Beweisen und klaren Zeichen. Die an Ihn glauben, sehen in Seiner Gegenwart die Verkörperung des Gottesreiches. Selig der Mensch, der sich Ihm zukehrt........
»Selig bist du, o Murád, weil du die Eingebungen deiner eigenen Wünsche von dir geworfen hast und Dem gefolgt bist, Der die Sehnsucht der ganzen Menschheit ist.

Sprich:

Selig ist der Träumer, den Mein Odem erweckt.

Selig der Leblose, den Mein belebender Hauch erquickt.

Selig das Auge, das der Blick auf Meine Schönheit tröstet.

Selig der Wanderer, der seine Schritte zum Heiligtum Meiner Herrlichkeit und Majestät lenkt.

Selig der Elende, der Zuflucht sucht im Schatten Meines Baldachins.

Selig der Dürstende, der zu den stillen Strömen Meiner Gnade eilt.

Selig die unersättliche Seele, die ihre selbstischen Lüste aus Liebe zu Mir verwirft und ihren Platz an der Festtafel einnimmt, die Ich vom Himmel göttlicher Großmut für Meine Erwählten herniedergesandt habe.

Selig der Erniedrigte, der sich fest an das Seil Meiner Herrlichkeit hält, und der Bedürftige, der in den heiligen Schatten Meines Reichtums tritt.

Selig der Unwissende, der den Springquell Meines Wissens sucht, und der Achtlose, der sich an das Tau des Meingedenkens klammert.

Selig die Seele, die Mein erquickender Odem zum Leben erweckt und die Einlaß in Mein himmlisches Reich erlangt.

Selig der Mensch, den der Duft der Wiedervereinigung mit Mir bewegt und treibt, dem Morgen Meiner Offenbarung nahezukommen.

Selig das Ohr, das hört, und die Zunge, die zeugt, und das Auge, das sieht und den Herrn erkennt in Seiner großen Herrlichkeit und Majestät, bekleidet mit Pracht und Herrschaft.

Selig, wer in Seine Gegenwart gelangt.

Selig, wer Erleuchtung von der Sonne Meines Wortes sucht.

Selig, wer sein Haupt mit dem Perlenband Meiner Liebe krönt.

Selig, wer Meinen Schmerz vernimmt und sich aufmacht, Mir beizustehen unter Meinem Volke.


Selig, wer, von Meinem Wort bestärkt, sich von den Toten erhebt, Mein Lob zu feiern.

Selig, wer sich von Meinen wundersamen Weisen entzücken läßt und mit Meiner starken Macht die Schleier zerreißt.

Selig, wer Meinem Bund die Treue hält und wen die Dinge der Welt nicht hindern, Meinen heiligen Hof zu erreichen.

Selig der Mensch, der sich löst von allem außer Mir, sich aufschwingt in die Höhen Meiner Liebe, der Einlaß findet in Mein Reich, Meine Gefilde der Herrlichkeit schaut, die Lebenswasser Meiner Gaben leert, sich am himmlischen Strom Meiner liebenden Vorsehung satt trinkt, mit Meiner Sache vertraut wird, begreift, was Ich in den Schatzkammern Meiner Worte verborgen habe, und, Meinen Ruhm und Preis kündend, vom Himmel göttlicher Erkenntnis strahlt. Wahrlich, er ist von Mir. Mit ihm seien Meine Barmherzigkeit, Meine Gnade, Meine Wohltat und Meine Herrlichkeit.

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Sprich: Dies ist Der, Welcher den Sohn verherrlicht und Seine Sache erhöht.......

Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.

(Baha'u'llah, Botschaften aus Akka)
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh
Zitat:
Künde sodann der ganzen Menschheit die frohen Botschaften dieser machtvollen, dieser ruhmreichen Offenbarung. Wahrlich, Er, der Geist der Wahrheit, ist gekommen, euch in alle Wahrheit zu leiten. Er spricht nicht, wie es Ihm Sein eigenes Ich eingibt, sondern wie es Ihm der Allwissende, der Allweise, gebietet.


Das Argument ist gar nicht so neu. Mohammed wird im Islam auch schon mit dem "Geist der Wahrheit" aus dem Johannes-Evangelium gleichgesetzt.

Alles in Allem verstehe ich trotz intensivem Studiums des Textes leider nicht, wohin Baha'u'llah uns Christen führen will.

Aber vielleicht gilt ja im Hinblick auf seine Worte das für mich:

"Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!
Da sagte er: Geh und sag diesem Volk: / Hören sollt ihr, hören, aber nicht verstehen. / Sehen sollt ihr, sehen, aber nicht erkennen." (Jes 6,8 u. 9)
Ins "neue Jerusalem" der Bibel.

das dürfte hier jedem außer dir klar sein...
Sorry lieber dtrainer, aber Dein letzter Satz klingt sehr herablassend. Gefällt mir nicht.
Liebe Grüße Linde
dtrainer hat folgendes geschrieben:
Ins "neue Jerusalem" der Bibel.

das dürfte hier jedem außer dir klar sein...


"Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat.
Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.
Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen." (Offb 21,2-4)

Auf dieses neue Jerusalem warten wir Christen - auf das absolut Neue, auf das unvorstellbar Andere und Schöne. Der fundamentale Neubeginn Gottes mit den Menschen. Eine Welt, wo er uns nicht mehr fern sein wird. Wo er selbst nicht mehr transzendent sondern nahe sein wird.

Dieser Neuanfang, dieses Reich Gottes, ist aber nicht "von dieser Welt" - es ist eine andere Welt.

Diese Welt wird selbst niemals zum Paradies, das ist durch Adam endgültig verspielt worden.

Der Aufbruch dorthin - ins neue Paradies, in die geheilte Welt - ist aber schon in dieser Welt möglich. Und das ist sehr viel.

"Der Weg zum Himmel ist Himmel."

Heilige Theresa von Avila
Hallo Linde,
Burkl ist hier ja nicht neu. Wir hatten schon etliche Diskussionen um Baha'i-Lehren. Wenn er jetzt sagt, das Ziel wäre ihm nicht klar, ist das Taktik. Ich nehme es ihm nicht ab.
Wie ich das auch sage, das ist so.
Gruß
Die Juden erwarteten den Messias als König. leider verstanden sie das weltlich, und als er kam, erkannten sie ihn nicht.
Es wird manchen Christen leider ähnlich ergehen, denn sie erwarten alles und verschmähen leider das Erreichbare.
Und das ist eine friedliche, vereinte Welt.

Und jetzt erzähl mir bitte nicht, das wäre dir unklar.
dtrainer hat folgendes geschrieben:
verschmähen leider das Erreichbare.
Und das ist eine friedliche, vereinte Welt.

Und jetzt erzähl mir bitte nicht, das wäre dir unklar.


Es ist mir schon klar, worauf der Bahai-Glaube abzielt.

Ich glaube allerdings nicht, dass es diese friedliche, versöhnte Welt jemals geben kann. Denn: Jesus sagt: „Arme habt ihr immer unter euch“ (Mt 26,11). Das wird niemals eine versöhnte und friedliche Welt, wo es arm und reich gibt.

Was allerdings schon möglich ist - und das halte ich tatsächlich für erreichbar und auch wert dafür zu kämpfen - ist, dass sich der einzelne Mensch mit Gott versöhnt und zum Ausgangspunkt der Vergrößerung des Friedens in dieser Welt wird. Je mehr Menschen das tun, desto größer wird das Reich Gottes auf dieser Welt.

LG Burkl
Dann könnte man das "dein Reich komme" wohl aus dem Vaterunser streichen, hmmm...?
Es wundert mich daß ein gläubiger Mensch so pessimistisch ist.
Es ist wohl keine Frage daß soziale Gerechtigkeit herstellbar ist. An Gütern mangelt es nicht, das ist eine Frage der Verteilung, der Bildung, des Wirtschaftssystems. Alles veränderbare Dinge.

Wo ein Wille ist, da läßt sich das regeln. Genau darum geht es...
Burkl hat folgendes geschrieben:
„Arme habt ihr immer unter euch“ (Mt 26,11)

Wer weiß, ob Jesus das wörtlich gemeint hat? So, wie die Juden einen "echten" König haben wollten (wobei Jesus ja in direkter Linie von einem solchen abstammte), so glauben manche Christen vielleicht, dass es immer Arme (im Sinne von materieller Armut) geben wird.
Aber was, wenn damit möglicherweise Menschen gemeint sind, die z.B. den Reichtum des Glaubens nicht erkennen wollen / können? (Nur als ein Beispiel von vielen).

Außerdem erinnere ich mich an mehrere Stellen in der Bibel, an denen vom "Goldenen Zeitalter" (nicht in diesem Wortlaut, aber in diesem Sinne) die Rede ist. Ich meine, es in der Offenbarung z.B. mehrfach gelesen zu haben, dass es eine Zeit geben wird, in der kein Tod und keine Krankheit mehr sein wird (was ich übrigens auch im übertragenen Sinne sehe).
Was ist mit diesen Stellen?

Alles Liebe,
Riki