Wie überwinde ich Scheu vorm Beten?


Guten Abend,
ich hoffe sehr, mir können einige von euch helfen.
Kurz etwas zu mir: Ich bin 17 Jahre alt, habe mich vor 2 Jahren für Gott entschieden und habe mich freikirchlich evangelisch taufen lassen. Ich versuche, mit Gott zu leben und ich bin dabei, meine Scheu abzulegen: Früher hatte ich große "Berührungsangst" vor Christen, die sagen, sie würden Gott spüren oder so etwas. Ich hatte Angst vorm Beten. Es geht jetzt, es ist alles besser. Aber ich stehe vor einer großen Hürde.
Ich möchte unbedingt, und dieser Wille kommt meines Erachtens von Gott, dass ein sehr guter Freund für mich betet. Ich will (was habe ich noch nie erlebt und habe immernoch eine Art "Angst") dabei sein, wie er für mich betet. Dieser gute Freund ist ein sehr überzeugter Christ, zweifelt weniger als ich, okay, er zweifelt nie, und ich habe durch ihn zu Gott gefunden.
Wie würdet ihr damit umgehen? Ich habe viele Gelegenheiten, ihn zu fragen, und irgendwas drängt mich dazu und ich habe so vieles auf dem Herzen, aber irgendwas, man nenne es vielleicht auch falscher Stolz anstelle von Angst, hält mich davon ab und das belastet mich sehr stark.
Liebe Linschu,

erst mal herzlich willkommen hier im Forum

Nun zu deinem Problem: Ich habe bei mir oft festgestellt (und tue es immer noch fast täglich), dass Angst nur überwunden werden kann, indem man sich ihr stellt.
Daher mein Tipp: Sage deinem Freund, was du möchtest.
Bitte ihn darum, dass ihr euch zu einer gemeinsamen Andacht trefft, und dass du dich freuen würdest, wenn er für dich ein Gebet sprechen könnte. Dass du das starke Bedürfnis hast, dass jemand für dich betet, und dass dir dieses Bedürfnis keine Ruhe lässt.

Ich weiß, das kostet Überwindung, und auch ich, die ich gerne (und auch für andere) bete, habe oft ein Problem damit andere darum zu bitten, für mich zu beten. Ich denke dann immer, dass ich Schwäche preisgebe. Aber woher diese Hemmungen? Es ist doch in Ordnung, um Hilfe zu bitten. Etwas, das man manchmal erst durch sehr schwere Prüfungen lernen kann...

Falls du dich (noch) nicht überwinden kannst, schreib dir vielleicht mal auf, was es denn ist, wofür du möchtest, dass er betet. Oder schreib auf, was genau du ihn fragen willst.
Beides hilft oft dabei Klarheit zu finden, und dann kommen die Formulierungen auch schon wie von selbst.

Ich wünsche dir den Mut deinen Freund darum zu fragen, alles Liebe,
Riki
Vielen Dank für die schnelle und gute Antwort! In den letzten parr Minuten wurde mir klar, dass ich wirklich dringend dran bin, Gott um Vergebung zu bitten und Gott um Kraft zu bitten, damit ich andernen vergebe. Ich nehme an, an dieser Stelle habe ich die größte Angst.

Was aber richtig komisch ist, ist, dass Gott mir zu sagen versucht (anscheinend?), dass ich genau diesen einen Freund um Gebetszeit bitte und niemand anderes. Normalerweise kann ich mit "allen möglichen Leuten" darüber reden und sie bitten, ob aus der Gemeinde oder auf Lobpreis-Abenden. Das verwirrt mich sehr und wie ich mich kenne, werde ich die nächstbeste Gelegenheit, mit ihm zu sprechen, wieder vorbeiziehen lassen.
Morgen sind wir zusammen auf einem Bibelseminar.

Ich habe Angst, dass Gott erwartet, dass ich diese kleine Aufgabe, die er mir hier zu stellen scheint, 'falsch' mache und das dann unumkehrbar und unwiederholbar ist.
Liebe(r) Linschu,

"Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.
Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun." (Joh 14,13-14)

Der selige Kardinal John Henry Newman hat einmal geraten: „Wenn du nicht beten kannst, dann bete!“

Diesen Ratschlag würde ich dir auch gerne geben - bete einfach zu Jesus. Bitte Gott im Namen Jesu. Überwinde dich für den ersten Schritt - Jesus unser Herr und Gott wird die ausgestreckte Hand annehmen. Es wird etwas passieren, du wirst in etwas "hineingezogen" werden. Ganz sicher.

Kennst du die Szene am Ende bei Michael Endes "unendliche Geschichte". Am Ende, wo nur mehr ein Sandkorn vom zerstörten Fantasien übrig ist. Bastian ist in der genau der gleichen Situation - er zweifelt, denkt es ist lächerlich und unmöglich, dass der Glaube etwas bewegen kann. Kann es wirklich sein, ich soll etwas bewegen können mit nur einem Sandkorn Hoffnung in der Hand - das ist doch lächerlich, ich der kleine Wicht.

Als er sich aber überwindet und daran glaubt - geschieht es. Alle seine Wünsche werden erfüllt. Genauso ist die Überwindung beim Beten.

LG Burkl
Liebe Linschu,

ich kenne dein Gottesbild jetzt nicht genau, ich kenne zwar ein paar Mitglieder von evangelischen Freikirchen, aber die sind so vielfältig, da blicke ich nie genau durch , aber mein Bild ist das, dass Gott uns erstens niemals Aufgaben stellt, die wir nicht zu erfüllen in der Lage sind, und uns zweitens immer neue Chancen gibt, um zu lernen, was Er von uns will, dass wir lernen.

Nur dass die Lernmomente, zumindest nach meiner Erfahrung, von mal zu mal "drastischer" werden

Sieh es doch einfach als Herausforderung an, stell dich ihr, und mehr als "nein" sagen, kann dein Freund nicht.
Dann hast du nichts falsch gemacht, und du hast eine Antwort erhalten.

Alles Liebe,
Riki
Linschu hat folgendes geschrieben:
Ich habe Angst, dass Gott erwartet, dass ich diese kleine Aufgabe, die er mir hier zu stellen scheint, 'falsch' mache und das dann unumkehrbar und unwiederholbar ist.


Wie kommst du denn auf den Gedanken, dass bei Gott etwas "unumkehrbar" sein sollte?
Riki hat folgendes geschrieben:
Liebe Linschu,

erst mal herzlich willkommen hier im Forum

Nun zu deinem Problem: Ich habe bei mir oft festgestellt (und tue es immer noch fast täglich), dass Angst nur überwunden werden kann, indem man sich ihr stellt.

Riki


Nein, nein @Riki, dann gehst du die sache wie ein Kamikaze an und
das geht manchmal in die Hose, und das sollte nicht sein.
Bei sowas ist die Tagesform entscheident, wann und wie ich ein Problem angehe.

Gruss Hipshot
Zitat:
aber mein Bild ist das, dass Gott uns erstens niemals Aufgaben stellt, die wir nicht zu erfüllen in der Lage sind


Zitat:
Wie kommst du denn auf den Gedanken, dass bei Gott etwas "unumkehrbar" sein sollte?


Keine Sorge, das ist nicht meine Auffassung von Gottes "Aufgabenstellung" oder "Humor", wie ich es persönlich ganz gerne nenne (oft lächelt man im Nachhinein über das, was Gott von einem verlangt hat). Es fühlt sich so an. Es ist wie Angst vor Spinnen haben, die Spinne tut mir nichts, aber ich habe nahezu Todesangst, wenn ich einer Spinne zu nahe komme. Das kann man hier gut als Vergleich anwenden: Ich weiß, dass es nicht unumkehrbar und keine große Sache/Verletzung für mich wäre, wenn da was schief läuft, aber es fühlt sich so an. Es ist quasi ein neuer Schritt (vielleicht ein Schritt auf Gott zu), aber ich habe auch schon von klein auf Angst vor Neuem.
In etwa einer Stunde bin ich mit besagtem Freund auf einem Bibelseminar für junge Erwachsene und ich werde mal schauen, ob eine Situation und ein Stubser von Gott mich weiterbringt.
Lieber hipshot,

da gebe ich dir natürlich vollkommen recht. Kamikaze geht nicht.
Aber ich habe ja auch nicht gesagt, dass ich einfach so blind ins kalte Wasser springe. Ich bereite mich natürlich auf die Konfrontation vor. Aber konfrontieren muss ich mich früher oder später. (Spätestens wenn ein Zahn mich beinahe umbringt, muss ich dann wohl doch zum Zahnarzt ).

Liebe Linschu,

dann wünsche ich dir mal viel Kraft und Mut, (auch wenn ich jetzt schon zu spät damit dran bin).
Halte uns doch bitte auf dem Laufenden, wenn dir das nicht zu persönlich ist

Alles Liebe,
Riki
Liebe Linschu, was glaubst Du wohl wieviel Chancen uns Gott gibt wenn wir eine verpasst haben? Ich kann es nicht beurteilen. Aber bestimmt mehr als ich vermute. Das soll nicht heißen, dass wir leichtfertig mit unseren Aufgaben umgehen.

Wenn mir etwas schwer fällt, dann bitte ich erst mit einem Gebet um Hilfe. Und ich denke, man kann Gott auch darum bitten, dass er hilft einen anderen um einen Gefallen zu bitten, und in Deinem Fall eben, dass der Freund für Dich betet.

Vielleicht ist es sehr wichtig, dass er es tut. Vielleicht auch nicht? Vielleicht können auch Menschen die hier im Forum sind etwas für Dich tun?

Wünsche Dir auf alle Fälle alles Gute und freu mich, dass Du jetzt auch hier im Forum bist.

GOTT HAT NIEMALS EIN SEELE ÜBER IHR VERMÖGEN BELASTET.

Mit lieben Grüßen Linde