Menschenwürdiges Sterben


Meine Tante ist heute nacht gestorben und sie hat in den letzen Tagen - dem äußeren Eindruck nach - sehr gelitten.
Sie war sehr alt, ist nach einer OP im künstlichen Koma gehalten worden und vor einer erneuten OP erst gar nicht mehr aufgewacht.
Die Ärzte haben die erste OP durchgeführt, obwohl laut Patientenverfügung lebenserhaltende Maßnahmen von ihr nicht mehr erwünscht waren. Man sagte uns, man müsse so handeln, sonst sei es rechtswidrig. Zur zweiten OP wollte man sie befragen, ging aber nicht mehr, da nicht mehr ansprechbar.
Es hieß aber, sie bekomme jetzt Schmerzmitte, keine Antibiotika mehr, keine fiebersenkenden Mittel und keinen Sauerstoff/Nahrung.
Es hieß auch, es gehe jetzt wohl schnell, da der ganze Körper voll Bakterien war, die Niere nicht mehr richtig gearbeitet hat etc.
Es ging aber nicht schnell. Man hatte auch den Eindruck, dass sie Schmerzen hat, da die Stirn sehr angespannt wirkte, der Mund schmerzhaft verzogen war. Ab und an öffneten sich die Augen - Reflexe - wie es hieß. Die Herzfrequenz ging hoch, sobald man ihre Hand nahm und man wusste nicht, ob das Freude oder Schmerz war. Auf Wunsch von uns Angehörigen wurde dann Morphium gegeben mit der Versicherung, dass es absolut unmöglich sie, dass sie nun noch Schmerzen hätte. Außerdem seien weder Füße noch Hände (schmerz)verkrampft. Aber das Gesicht!
Das Atmen fiel ihr so schwer, dass es kaum anzuhören war und die letztendliche Todesursache war meiner Meinung nach Ersticken. Am Ende atmete sie nur noch in großen Abständen, bis dann ein letztes Stöhnen kam, wie : Jetzt ist es endlich vorbei.

Wer von euch hat Erfahrung mit sterbenden Menschen und der Antischmerztherapie und kann mir (ehrlich!) sagen, ob meine Tante wirklich keine Schmerzen hatte oder ob man das mit letztendlicher Sicherheit gar nicht sagen kann.
Grund der ganzen OP war eigentlich "nur" ein Abzess.
Wie stirbt man, wenn der ganze Körper dann voller Bakterien ist?
Kann mir das jemand erklären, der nicht nur - wie die netten Ärzte - darauf aus ist, mich zu beruhigen?

LG
Helle
_________________
Im Labyrinth verliert man sich nicht
Im Labyrinth findet man sich
Im Labyrinth begegnet man nicht dem Minotaurus
Im Labyrinth begegnet man sich selbst

Hermann Kern
Zuerst, liebe Helle, mein tief empfundendes Mitgefühl.

Ich kann es immer so schwer ausdrücken - es ist wie eine Blockade, aber - obwohl mir unbekannt, kann ich nachfühlen, wie es ist, wenn ein Mensch so gehen muß.

Beim Tod meines Vaters, bei dem ich anwesend sein durfte, war auch dieses Ersticken - der Pfleger hat seinen Hals fortwährend frei gemacht.

Ich erinnere mich an eine ganz liebe Bekannte, die mit den Hunden Gassi ging, eine Herzattacke bekam, ins Koma fiel und nicht mehr aufwachte.

Auch um sie geschah Merkwürdiges. Ihr Sohn erzählte mir, daß sie ihren, vor Jahrzehnten verstorbenen Vater"gesehen" hatte, wie sie ihrer Schwester erzählte. Deshalb hat sie alles vorbereitet, auch die Erklärung, daß sie nicht an Geräte gelegt werden möchte und man hat sich an die Anweisungen gehalten.

Es war ihr Wunsch, anonym beerdigt zu werden.

Ich glaube, ich habe vor einiger Zeit eine Seite gefunden, in der geschildert wurde, wie es Patienten erging, die in diesem Sterbeprozeß so sehr leiden, weil sie alles mitbekommen - dann suche ich meistens nach theosophischen Seiten, die da einiges erklären können. Aus spiritueller Sicht. Da gibt es einige Autoren, die aus ihrer Hellsicht diese Prozesse schildern. Aber das möchte JedeR selbst suchen. Man bekommt immer in die Hand, was für den Einzelnen wichtig ist.

Wenn wir wüßten, was wir nicht wissen....

In der letzten Zeit erlebe ich auch so oft die Tode mir bekannter oder geliebter Menschen und ich bin darin auch so gefangen und fühle sie immer in meiner Nähe - vielleicht durch meinen Gedanken an sie - aber es werden immer mehr und das macht so unendlich traurig.

Sei gedrückt in Deinem Kummer
mehr kann ich jetzt nicht sagen.

lieben Gruß
ikarus/elke
_________________
Das, was sich im Menschen reinkarniert, ist das spirituelle Ego, die göttliche Individualität.
http://www.theosophie.de/index.php?.....en&Itemid=88&limitstart=2
hallo helle erstmal herzliches Beileit.
Bin Laie auf dem gebiet, vieleicht kann ich aus meiner erfahrung
etwas berichten, so denke daß das Leben immer mit nahrungs mangel
(hungers Tot) oder durch sauerstoff mangel (ersticken) endet
selbst wenn man von einer Kugel Tötlich getroffen wird, stirbt man eigentlich eher durch ersticken und nicht duch die Kugel selbst.
Ob man dann den schmerz spührt ? weiss ich nicht, ich denke eher
unbewusst.
Jetzt habe ich eine Frage an dich, bist du sicher daß deine Tante
diesem Schmerz ausweichen wollte ?
ich denken langsam daß die Sterbenden sogar bereit sind diesen Schmerz auf sich zu nehmen und weil sie es wollen.
Würde gerne mehr über Schmerz berichte, leider stosse
ich da auf meine Sprachlichen Grenzen.


gruss Hipshot
Liebe Ikaelke,

danke für deine lieben Worte. Ich darf aber sagen, dass ich emotional diesmal nicht so sehr von dem Verlust getroffen bin, sondern mehr von dem langen Todeskampf. Nicht, dass ich nicht traurig wäre, aber es ist nicht diese "ich-kann-nur-noch-weinen-Traurigkeit". Aber ich weiß dein Mitgefühl zu schätzen. Grundsätzlich ist es immer schlimm, Menschen leiden zu sehen, auch wenn man nicht mit ihnen verwandt wäre.
Von den medialen oder hellsichtigen Berichten über das, was Verstorbene fühlen oder sogar in Anbetracht ihrer Beerdigung denken, habe ich auch schon gehört. Das ist immer so eine Sache ...



Hallo hipshot,

Zitat:
Jetzt habe ich eine Frage an dich, bist du sicher daß deine Tante
diesem Schmerz ausweichen wollte ?
ich denken langsam daß die Sterbenden sogar bereit sind diesen Schmerz auf sich zu nehmen und weil sie es wollen.


Alles, aber auch alles, was der Mensch tut, geschieht letztendlich in der Absicht, Leid und Schmerz zu vermeiden. Frage beantwortet?


Ikaruse, dass mit deinem Vater hört sich ähnlich an, wie bei meiner Tante.
Zitat:
Beim Tod meines Vaters, bei dem ich anwesend sein durfte, war auch dieses Ersticken - der Pfleger hat seinen Hals fortwährend frei gemacht.



Meiner Tante lief dieser Schleim aus dem Mund, aber den Hals hat irgendwann niemand mehr frei gesaugt.


Aber nun genug, mit den unschönen Details. Es geht mir in diesem Thread wirklich nur darum, zu erfahren, ob so eine Patientenverfügung letztendlich auch das Bewirkt, wofür man sie ausstellt: Vermeidung unnötig langen Leides bzw. würdevolles Sterben.
Gerade die Sache mit dem Sauerstoffmangel und dem Schleim ist so eine grenzwertige Angelegenheit. Auf der Intensivstation bekam sie noch Sauerstoff durch die Nase, obwohl man da schon damit rechnete, dass sie bald stirbt. Da das nicht eitrat wurde sie auf Station verlegt - ohne Sauerstoff etc.
Ich frage micht, ob sie nicht auch mit Sauerstoff gestorben wäre, aber eben weniger qualvoll. Und ob sie nicht auch trotz Absaugen des Schleimes gestorben wäre, aber eben nicht durch Ersticken, sondern durch allgemeines Organversagen.
Was sollte wohl in einer Patientenverfügung stehen, damit man schnell aber nicht qualvoll stirbt?

LG
Helle

Bin jetzt logischerweise erst mal ein paar Tage weg ....
_________________
Im Labyrinth verliert man sich nicht
Im Labyrinth findet man sich
Im Labyrinth begegnet man nicht dem Minotaurus
Im Labyrinth begegnet man sich selbst

Hermann Kern
Liebe Helle, mein Vater starb vor ca. 17 Jahren zu Hause - umgeben von allen Verwandten - er war ins Koma gefallen und hatte vorher privat Ärzte konsultiert, weil sie ihm versichert hatten, daß er durch Blutwäsche noch zur Heilung kommen würde, obwohl er bereits voller Metastasen war. Da war keine Überlebenschance mehr gewesen.

Da kam noch eine sehr hohe Arztrechnung - in der Not klammern sich Menschen an jeden Strohhalm.

Ja, es war gut, daß man ihm den Schleim abgesagt hatte - und ich hatte es mir innerlich gewünscht, ihn begleiten zu dürfen. Die Umstände wußte ich bei dem Gedanken an Begleitung nicht und es kam, wie es kommen sollte.

Ja, Du bringst mich auf einen Gedanken, was wohl in der Patientenverordnung stehen muß, welche Punkte beachtet werden müssen und da, glaube ich, sollte man einen Rechtsbeistand zu rate ziehen, der wirklich alle Punkte durchgeht.

Sonst wird wohl eine Patientenverfügung nur halb so wirkungsvoll und die Ärzteschaft dürfte das aber genau wissen, welche Möglichkeiten ihnen bei nicht vollständiger Patientenverfügung zur Verfügung stehen, denn auch sie müssen rechtliche Grundlagen beachten, um nicht verklagt zu werden.

Das müßte aber auch im Internet zu erfahren sein, wenn man die richtigen Worte eingibt, die der Sache näher kommen.

Der Tod eines Menschen, mit dem man gearbeitet oder gelebt hat, den man einfach nur kannte vom täglichen Grüßen oder Unterhalten - es gibt da so viele Spannbreiten des Kennens - dieser Tod zeigt uns auch selbst die Endlichkeit des materiellen Lebens, egal, ob man daran glaubt, als Seele weiterzuleben oder den Tod als endgültig betrachtet.

Abschied hat auch ein bißchen mit Wehmut und leise Trauer zu tun.

Dir einen schönen Tag
lieben Gruß
ikarus
_________________
Das, was sich im Menschen reinkarniert, ist das spirituelle Ego, die göttliche Individualität.
http://www.theosophie.de/index.php?.....en&Itemid=88&limitstart=2
Liebe Helle ich weiß nur zu gut wie es ist einen Menschen zu verlieren. Ich weiß leider auch wie hilflos man sich fühlen kann.
Wenn ein Mensch sozusagen keine Therapie mehr erhält sollten/müssen die Ärzte darauf achten daß der Patient schmerzfrei bleibt um ihm die letzten Stunden zu erleichtern.Das Gehör das als letztes erlischt nimmt sehr wohl wahr was rumum geschieht,also z.b. wenn die Hand ergriffen wird und einige Worte gesprochen werden.Wenn das atmen immer svchwerer fällt so sollte/muss Sauerstoff gegeben werden.
In Österreich ist es meines wissens so daß eine Patientenverfügung rechtlich bindend ist,was den Ärzten allerdings sehr oft schwerfällt zu akzeptieren.
Ich weiß nicht ob dir meine Worte wirklich helfen,möchte dir jedenfalls mein Beileid aussprechen.
_________________
Carpe Diem