"Behinderung"


Der Mensch ist nicht behindert, die Gesellschaft behindert ihn.
Hikmat hat folgendes geschrieben:
Der Mensch ist nicht behindert, die Gesellschaft behindert ihn.


Jep. Und Schwule sind nicht krank, sondern die Gesellschaft macht sie krank, indem sie sie als krank ausgrenzt.
Namaste

Ich verstehe den Sinn dieses Threads nicht wirklich. Möchtest/könntest Du dazu noch etwas mehr sagen, Hikmat?

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
@ Caput Tiro:

Der Sinn ist, dass man mal darüber nachdenkt, wie man mit Mitmenschen umgeht und ob eine "Behinderung" das schlimme ist, oder vielmehr die gesellschaftliche Diskriminierung, die auch impliziert, dass nur "gesunde" Menschen ein völlig glückliches Leben führen können und "behinderte" zu bemitleiden sind, nicht zufrieden sein können und etwas vermissen.

Rollstuhlfahrer z.B. haben Probleme im Alltag, die Umwelt nur auf laufende Menschen eingerichtet ist. Aber wir haben nicht mehr Berechtigung, dass auf uns eingegangen wird als "behinderte" Menschen.
Liebe Hikmat,

Vielen Dank für deine Erläuterung.

Wenn Du wirklich auf jede Form der Diskriminierung Behinderter oder andererer "Randgruppen" verzchten möchtest, so ist dieser Thread ein Paradoxon.

Die meisten Menschen die von "der Norm" abweichen wollen nichts anderes als das um diese Tatsache und ihre jeweilige Person nicht mehr oder weniger Aufhebens gemacht wird als um den "Ottonormalverbraucher" und dessen Situation.

LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Lieber Tiro

Solange das aber nicht geschieht, solange muss man das auch benennen.
Als Schwarze diskriminiert wurden, musst das angesprochen un Publik gemacht werden, solange bis es nicht mehr rechtens war (was aber leider nicht heißt, dass sie nicht mehr diskriminiert werden)
Frauen mussten um ihre Rechte kämpfen.

Solange die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Menschen, die von der "Norm" nicht als normal ansieht, solange muss man das benennen um es ändern zu können, sonst gleicht es meines Erachtens nach einem Totschweigen.
Deshalb ist es für mich kein Paradoxon, sondern eine Notwendigkeit.
Korrektur: habe ein Wort vergessen

Solange die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Menschen, die von der "Norm" abweichen, nicht als normal ansieht, solange muss man das benennen um es ändern zu können, sonst gleicht es meines Erachtens nach einem Totschweigen.
Liebe Hikmat,

Der Unterschied ist nur das es zu keinem historischen Zeitpunkt rechtens (also auf Basis der jeweiligen Rechtssprechung erlaubt) war Behinderte zu diskriminieren, jedenfalls außerhalb des 3. Reiches.

Aber ich verstehe was Du meinst und wie Du es siehst und dein Wunsch ehrt dich.

Leider wird man gewisse Gefühle der Befremdlichkeit, die Leute wie ich in ihren Mitmenschen hervorrufen, nicht abschwächen oder gar auflösen indem man sie intellektuel angeht, so fromm der Versuch auch sein mag. Hier muß man tiefenpsychologisch analysieren und unterbewußt neue Akzente setzen. Ich habe 3 Jahre mit körperlich-, geistig und psychisch- behinderten Menschen zusammengelebt und das auf engstem Raum. Wir haben zusammen gearbeitet und gewohnt unsere Mahlzeiten miteinander zubereitet und eingenommen und auch unsere Freizeit größtenteils gemeinsam verbracht. Ers dort habe ich viele Komplexe mit mir selbst und anderen Behinderten auflösen können und erst dort habe ich begonnen Behinderungen nicht mehr zu sehen. Das war natürlich ein sehr radikaler und zeitlich aufwendiger Weg und nicht jeder hat die erforderlichen Resourcen um so etwas zu tun. Hier müßte man gedanklich ansetzen und einen einfacheren, kurzweiligeren und weniger kostenintensiven Weg finden.


LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Lieber Tiro,

auch, wenn nicht explizit Gesetze für eine Diskriminierung bestanden oder bestehen, so findet diese dennoch statt- und es ist eher ein Phänomen der neueren Zeit, "b e h i n d e r t e" Menschen als Vollwertig zu erachten und öffentlich Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihren Bedürfnissen gerecht werden.
Das wäre in etwa so, als ob es in einer Welt voller Männer und Frauen nur Toiletten mit P i s s u a r s gäbe.
also ich denke es ist die Frage, welches Menschenbild man zugrunde legt. Ob nicht sehend, nicht hörend etc. muss kein Manko sein. Aber ich halte es für Ignorant, alles nur nach den Bedürfnissen der "Stärksten" einer Gesellschaft auszurichten. Sicherlich gibt es formelle, aber dennoch informelle Diskriminierung.

Zudem ist es noch nicht allzu lange her, da haben sich viele für ihre "behinderten" Familienmitglieder geschämt (und leider tun das heute auch noch einige!)
Wenn man jemandem mit Verachtung begegnet, dann bedeutet das für mich, ein Eingeständnis der eigenen Schwäche mit Dingen umzugehen die "anders" als man selbst erwartet sind.

Ein natürlicher Umgang zeichnet sich für mich dadurch aus, darauf zu schauen, was die Menschheit, in all ihren pluralen Erscheinungsformen, braucht und diesen Bedürfnissen gerecht zu werden.
Danke liebe Hikmat, ich finde es super, dass Du dieses Thema hier ansprichst.
Ich selbst bin mit einer behinderten Schwester aufgewachsen, die bei der Geburt Sauerstoffmangel erlitt. Sie ist meine jüngste Schwester und feiert heute ihren 55. Geburtstag.

Vor 30 Jahren erlitt mein Vater einen Schlaganfall (mitten aus einem aktiven Leben heraus) und ist seither schwerstbehindert, kann kein Wort mehr sprechen.
Das Größte ist, dass meine Mutter mit 87 bis heute noch beide versorgt. Ich kann ihr wenig abnehmen , da mein jüngstes Kind (24) auch mehrfach behindert ist und ich ihn seit 10 Jahren alleine versorge.

Melde mich sicher wieder hier, jetzt werde ich erst mal mit meinem Sohn ins Auto steigen um mit meiner Schwester, meinen Eltern, einem Teil meiner Kinder und Enkel Geburtstag zu feiern.

>Sei freigebig im Glück und dankbar im Unglück.<

Ganz herzliche Grüße Linde
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Befasst euch gründlich mit den Nöten der Zeit, in der ihr lebt, und legt den Schwerpunkt eurer Überlegungen auf ihre Bedürfnisse und Forderungen.
Bahá'u'lláh