Räubermoral


Zitat:
Die Gesellen des Räubers Dschi fragten ihn einmal und sprachen: "Braucht ein Räuber auch Moral?"

Er antwortete: "Aber selbstverständlich! Ohne Moral kommt er nicht aus. Intuitiv erkennt er, wo etwas verborgen ist: das ist seine Größe; er muss zuerst hinein: das ist sein Mut; er muss zuletzt heraus: das ist sein Pflichtgefühl; er muss wissen, ob es geht oder nicht: das ist seine Weisheit; er muss gleichmässig verteilen: das ist seine Güte. Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass ein Mann, er es auch nur an einer dieser fünf Tugenden fehlen lässt, ein großer Räuber wird."

An diesem Beispiel kann man sehen, dass ebenso wie die guten Menschen auf die Moral der Heiligen angewiesen sind, um zu bestehen, auch der Räuber Dschi auf die Moral angewiesen ist, um sein Handwerk betreiben zu können. Nun aber sind die Guten auf der Welt wenige und der Schlechten viele. Daraus folgt, dass der Nutzen der Heiligen für die Welt gering ist und ihr Schaden groß.

Aus: "Das wahre Buch vom südlichen Blütenland"
von Dschuang Dsi

Ich finde diese Geschichte immer wieder köstlich, aber ich bin noch nicht draufgekommen, was es bedeutet, dass der Nutzen der Heiligen für die Welt gering sein soll und ihr Schaden groß? Weiß das jemand?
Rosenblüte hat folgendes geschrieben:


Ich finde diese Geschichte immer wieder köstlich, aber ich bin noch nicht draufgekommen, was es bedeutet, dass der Nutzen der Heiligen für die Welt gering sein soll und ihr Schaden groß? Weiß das jemand?



Na klar ist das so. Weil die Wahrheit, die sie erkennen, keiner annimmt und sie dafür gehasst und abgelehnt werden. Also, nicht der Schaden für die Welt ist groß, sondern für sie selber.
Danke! Interessante Sichtweise.
soraja hat folgendes geschrieben:
Rosenblüte hat folgendes geschrieben:


Ich finde diese Geschichte immer wieder köstlich, aber ich bin noch nicht draufgekommen, was es bedeutet, dass der Nutzen der Heiligen für die Welt gering sein soll und ihr Schaden groß? Weiß das jemand?



Na klar ist das so. Weil die Wahrheit, die sie erkennen, keiner annimmt und sie dafür gehasst und abgelehnt werden. Also, nicht der Schaden für die Welt ist groß, sondern für sie selber.


Hier ist aber von der Welt die Rede.

Wen erreichen "Heilige"? Die "Guten" oder die "Räuber"?

Nehmen wir als Arbeitshypothese einmal an, die "Guten".
Die sind in der Geschichte jedoch in der Minderheit, also kann der Nutzen für die Welt nicht so groß sein.

Wo kommt nun aber der Schaden her, denn "Nichtnutzen" ist ja noch kein Schaden, es sei denn, der Imaginäreschaden ist gemeint, also der Schaden, der sich nicht deffinieren lässt..?

Oder ist gar gemeint, dass auch "Heilige" großen Schaden anrichten können?

Oder sind es die sogenannten "Räuber" die der Welt etwas geben, in dem sie das Diebesgut wieder verteilen, und dann auch noch gleichmässig, sowie einst Robin Hood?

Was verteilen "Heilige"?
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"Was immer wir auch tun, tun wir es aus Liebe."
"Wer sich nicht bewegt spürt seine Ketten nicht!"