Ebrú


Vor langer Zeit lebten in einem abgelegenen Wald die ältesten und ersten der Bäume. Unter Ihnen auch Ebru, welcher als erster unter allen Bäumen erschaffen wurde. So lange er denken konnte, wachte er über die seinen und wenn alles friedlich war in der Nacht, reckte er seine Äste gen Himmel um den Liedern und Geschichten zu Lauschen, die der Wind zu Ihm trug.

Eines Tages aber trug der Wind weder noch, sonder barg die Schreie der Stadt, die dem Wald am nächsten war. Ebru lauschte angespannt. Die Stadt wurde überfallen und man hatte schon viele Häuser in Brand gesteckt, Frauen und Kinder rannten um Ihr Leben. Ebru neigte sein Haupt und stieß einen Schrei ob des Leides, dass seine Kinder und Kindes Kinder traurig wurden. Still und in Eile gingen diese und brachten so viele wie möglich von den Flüchtigen in den Tiefen des Waldes in Sicherheit. Wie eine Wand standen die Bäume um den Wald, dass niemand mehr hineinkam.

Doch die Angreifer legten Feuer an den Wald und viele Bäume brannten schon bald lichterloh. Erneut schrie Ebru, als er das Leid seiner Art vernahm und wer nur eben konnte, lief in aller Eile über den Fluss. Da dieser tief und breit war, trugen Sie alle die Flüchtigen herüber, damit auch diese nicht den Flammen zum Opfer werden sollten.

Ein kleines Mädchen jedoch blieb zurück und weite bitterlich als sie im schweren Rauch hustend an ihr Ende glaubte. Ebru, der an diesem Tag so viel Leid gesehen und gehört hatte wie nie zuvor, hatte Mitleid mit dem Kind und ging ohne Rücksicht auf die nahen Flammen erneut über den Fluss um das Mädchen in Sicherheit zu bringen. Als er das Mädchen auf der Sicheren Uferseite absetzte schrie nun dieses, da Ebru selbst in Flammen stand.

Doch Ebru sprach: "trauere nicht, junges Kind. hier, nimm meinen heilen Arm. Wer auch immer ihn in Zukunft trägt, soll ihn als Zeichen haben, dass er sieht was war, was ist und was sein wird. Nicht nur hier, sondern in allen Teilen der Welt." Dann schüttelte sich der alte Baum und alle Blätter, die noch grün waren, vielen zu Boden und waren wie aus Stein. "Diese Blätter nimm und achte gut, wem Du sie gibst. Denn wer auch nur eines trägt hat die Freundschaft des Waldes und aller Pflanzen mit all ihren Kräften bei sich. Mein Holz aber nimm, und baue daraus eine Harfe, deren Seiten aus den feinen Sehnen meines innersten sind. Sie soll alle Zeit überdauern ohne Missklang zu haben oder im Holze zu verziehen. In dieser Harfe ruhen alle Lieder und Weisen der Welt, denn das Gedächtnis der Bäume vergisst nicht."

Da brach der Baum entzwei und nur ein wenig vom Holze blieb am Ufer zurück, als er ächzend in den Fluten verschwand. Das Mädchen tat wie geheißen und es geht die Sage, dass Sie die größte wurde unter allen Weisen und geachtet von allem Volk für Ihre Großmut und Liebe für alle Dinge.

-Eine Geschichte aus den alten Erzählungen der Ebrahin-