Medial vs. Sozial


Jaja, seit Facebook und co verliert man so nach und nach das eigene Leben in der Zeit. Zeit - unser ärgster Feind, so sehr, dass er schon zum Verhängnis für viele Firmen wird. Firmen beklagen, der Mensch würde zu viel Zeit in Facebook verbringen und dadurch schießen die Kosten der Unternehmen in die Höhe, weshalb die Arbeitgeber Facebooknutzung verbieten wollen.

Auf der einen Seite ist das verständlich und nachvollziehbar- aber auf der anderen Seite vom Standpunkt des Nutzers betrachtet: Mein Arbeitgeber darf mir doch nicht meine Freiheit wegnehmen? Jaja, traurig aber wahr, dass das Medium Internet fast zur Freiheit der Menschen geworden ist. Der schnelle Begleiter, die Plattform zum Feuerlöschen, man könnte fast meinen, auf Facebook bekommt man Geld geschenkt, so gierig ist die Menschheit danach geworden.

Facebook, Facebook, Facebook hört man nur noch. Wo soll uns das hinführen? Das wir bald mit Facebook eine Beziehung eingehen? Ich glaube, viele Menschen haben das unbewusst schon getan und haben Beziehungsprobleme mit Facebook. Facebook ist immer für sie da, beschützt sie immer, irgendjemand kümmert sich um den Menschen, man kann kurzfristig etwas zum Unternehmen ausmachen.

Facebook - so könnte man meinen - ist heute fast der Elternersatz geworden. Facebook erzieht die Kinder groß und lehrt sie- Schule braucht man nicht mehr, man hockt lieber in Facebook und gammelt rum- es wird scheinbar zu einem Trend. Die Freundschaft im klassischen Sinne, Zeit miteinander zu verbringen, den anderen zu sehen, sich mit ihm gemeinsam zu freuen- so gibts das im medialen Zeitalter gar nicht mehr.

Man könnte meinen, das sozial hat sich auf medial umgeschoben. Und so laufen die Menschen immer mehr den Vorbildern aus den Medien hinterher, machen sich verrückt, verbringen ihre Freizeit während dem Autofahren, während dem Eisessen, während dem Sex in Facebook und lassen die ganze Welt daran teilhaben, wie schön es doch im Facebookraum ist.

Unbemerkt dessen wissen viele nicht mal mehr dass es noch so etwas wie Privatsphäre gibt- die und den Respekt scheinen viele Hinter sich- im Raum von Facebook - liegen gelassen zu haben. Anständiges kommunizieren ist heute kaum noch möglich und wenn, dann über die Chatstandardsprache "Ey alta , was geht". Ich möchte dem Menschen nichts vorwerfen, und auch nichts unterstellen, aber in einem Zeitalter der Medien sich so voreinnehmen zu lassen und sein Selbst zu vergessen könnte man fast vergessen sein eigenes Leben zu leben.

Der Mensch hatte schon immer den Hang dazu, sich durch andere Leben zu lassen- mach du mal schön für mich, ich bin zu blöd dafür, will aber trotzdem was haben und bring mir bitte dann das noch mit, es ist ja so schwer, einen Fuß vor den anderen zu setzen... am liebsten würde ich mich tragen lassen. Und Facebook ist ja sooo toll- hier wird dieser Wunsch praktisch erfüllt, was brauch ich mich großartig mit anderen draußen zu unterhalten, wenn man doch auf Facebook super Mobben kann, die, die zu oft an der "Haustür" klingeln, weil sie Angst haben, jemand könnte aus Versehen meine Türmatte sauber machen.

Geh weg, du typi, lass mich in Ruhe- ich will nichts von Dir wissen, du hast nichts, was Facebook hat, Facebook ist mir viel wichtiger als dein Gelabere von Gott und die Welt- das keine Sau interessiert, weil die Menschheit die Tradition Facebook zelebriert. Vorbei die Zeit des Sozialismus, wo man von morgens bis abends zusammen aus Freundschaft irgendwo rumgschlendert ist, sein Leben gelebt hat und das Leben mit anderen geteilt hat- Leben und leben lassen, so sagt man.

Jedoch scheint der Mensch zu glauben, dass das Leben lassen doch immer noch das schönere von beiden ist in seiner Bequemlichkeit, nichts tun und trotzdem alles haben. So nach dem Motto: Was du mir nicht bieten kannst, bietet mir Facebook eben. Diejenigen, die noch ein Interesse daran haben, ein Leben ausserhalb von Facebook zu leben, bleiben auf der Staubigen Straße in der Sahara auf der Strecke. Weit und breit nichts mehr zu sehen, man könnte ja den nächsten Regenbogen auf Facebook verpassen.

Tja, traurig aber wahr, so verändert sich die Zeit... und man muss sich die Frage stellen, ob das Mediale Wesen echt so viel mehr Zuneigung verdient hat als der Mensch als Wesen. Der der ein Interesse am Menschen hat, bleibt zurück: "Sinnig oder Unsinnig, das ist hier die Frage"...