Ist sie immer da?


Hi,

mal eine unter Umständen dumme Frage, aber ich muss das loswerden. Meine Frau ist vor drei Wochen gestorben und ich bin überzeugt, dass ihre Seele (oder wie immer man das nennen mag) noch da ist. Ich könnte mir auch vorstellen, dass sie hier bei mir und den Kindern ist.

Ich frage mich nur, wenn dem so ist, ist sie dann immer da? Egal, was wir gerade tun? Was ist, wenn ich in einigen Jahren eine neue Frau habe, wird sie uns dann beobachten? Ist ein komischer Gedanke, ich weiss, lacht mich bitte nicht aus, aber mir wäre das irgendwie peinlich. Ob sie sich für ne Weile verziehen würde, wenn ich es ihr z.b. zu verstehen gäbe?


- scip
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Die Menschen glauben das, was sie wünschen - Gaius Julius Caesar.
hi scip

ob sie immer da ist haengt mit dem (deinem) begriff von zeit zusammen.
ob es moeglich ist, das sie ueberhaupt da ist? ja .. sie ist jedoch nicht nur da sondern auch gleichzeitig ueberall. ist ein wenig kompliziert und hat mit unserer vorstellung und unserem bild der realitaet zu tun.

vielmehr solltest du dich auf die suche machen und herausfinden, weswegen es dir peinlich waere, wenn sie da waere.
ok, sie wuerde dich mit einer anderen frau sehen, aber glaubst du nicht, das sie das um ihrer liebe willen zu dir gar nicht stoeren wuerde? das sie sich darueber sogar freuen koennte?

viel kraft aus den continuum fuer dich!
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Ja, sie ist zwar da... aber sie wird immer nur dann da sein, wenn Du sie brauchst und wenn Du es willst.
Fühle Dich nicht von ihr beobachtet, denn das tut sie nicht!
Wenn Du in einigen Jahren eine neue Frau haben wirst, wird sie nur noch ab und zu da sein. Sie kommt praktisch zu besuch, aber sie wird euch nicht beobachten.

Ich wünsche Dir viel Kraft diese schwere Zeit zu meistern. Später wirst Du verstehen und akzeptieren, dass der Tod zum Leben gehört, man sich aber dennoch nicht aus den "Augen" verliert. Esrt wenn das geschieht, wirst Du den Gedanken los lassen können. Man sieht sich immer zweimal - nicht nur im leben!
Das erinnert mich an eine Zen-Geschichte, die ich vor Jahren einmal hörte:

Einem Mann war die Frau gestorben, und nach einigen Jahren lernte er eine Andere
kennen und heiratete sie. Schon in der ersten Nacht erschien ihm der Geist seiner
ersten Gattin und machte ihm Vorwürfe, dass er sie vergessen hätte und sein
Versprechen der ewigen Liebe - der Mann grämte sich und überlegte hin und her,
ob er in ein neues Haus ziehen sollte, seine neue Frau verstoßen oder was sonst -
aber der Geist schien alle seine Gedanken zu kennen und machte bissige
Bemerkungen dazu - schließlich kam dem Mann sogar der Gedanke an Selbstmord
- aber auch dafür drohte ihm der Geist, ihm selbst im Jenseits keine Ruhe lassen
zu wollen...
Nun wandte er sich an den Meister eines benachbarten Zen-Klosters um Hilfe -
der hörte sich die Geschichte teilnahmsvoll an, dann winkte er den Mann zu sich
und flüsterte ihm ein paar Anweisungen ins Ohr.
Als der Geist wieder auftauchte, sagte der Mann zu ihm: "Geist meiner verstorbenen
Frau, ich habe eingesehen, dass ich deiner Macht und Weisheit nichts entgegenzu-
setzen habe, ich verbeuge mich vor dir und werde alles tun, was du verlangst -
ich hätte nur eine kleine Bitte: Da du alles weißt, könntest du mir eine einfache Frage
beantworten?" Der Geist nickte gnädig. Da griff der Mann unter sein Kopfkissen
und holte dort ein Säckchen Reis hervor. "Nun sage mir bitte, wie viele Reiskörner
in diesem Sack sind!" Da war der Geist verschwunden und tauchte nie wieder auf...

P.S. Natürlich durfte der Mann die Reiskörner vorher nicht zählen...