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Religion - Ratio contra Leidenschaft?













Religion - Ratio contra Leidenschaft?
Ich glaube, dass man nur dann ein wirklich religiöser Mensch ist und den Sinn und Inhalt einer göttlichen Offenbarung erkennen kann, wenn das eigene Herz in der Liebe zum Offenbarer voll entflammt ist. Der Verstand ist dabei Nebensache.
12%
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Ich glaube, dass Verstand und Leidenschaft bei einem religiösen Menschen Hand in Hand gehen müssen. Es gehört dazu, dass man manchmal völlig in seinen intensiven Gefühlen für die Sache Gottes aufgeht und an anderen Tagen ganz nüchtern und sachlich ist.
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Ich glaube, dass Leidenschaft bei der Religionsausübung eher störend ist, weil sie den Blick für die Wirklichkeit vernebelt. Man sollte die Dinge klar und nüchtern sehen.
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Stimmen insgesamt : 8

Hallo zusammen,

Yoyo schrieb kürzlich in einem seiner Postings einen Satz, der sicher für alle hier im Forum interessant ist:
Zitat:

"Was wäre die Religion ohne Leidenschaft, ohne Begeisterung, ohne Verzückung!?"



( http://www.geistigenahrung.org/view.....2361&highlight=#32361 14.10.2005, 15:24)

Ich glaube, dass dieser Satz viel zu unserem gegenseitigen Verständnis beitragen kann und möchte deshalb einige Anregungen zum Nachdenken darüber liefern.

1) Kann der wahre Sinn und Inhalt einer göttlichen Offenbarung ohne Leidenschaft, also ohne helle Glut im Herzen, erkannt werden?

2) Schließen religiöse Leidenschaft und Verzückung das rationale Denken aus?

3) Sind Menschen, die ihre Religion bzw. den göttlichen Offenbarer, den sie anerkennen, leidenschaftlich lieben, gar eine Gefahr für sich und ihre Mitmenschen, weil sie nicht wissen, was sie tun?

4) Wie kommt man zu der Leidenschaft, dem Entflammtsein, der Verzückung, die notwendig sind, um eine göttliche Offenbarung erkennen und annehmen zu können?


Das sind nur einige Fragen, die mir spontan zum Thema einfielen. Da gibt es noch sehr viel mehr ...


Liebe Grüße ,

Herzlich
Lieber Herzlich
Zitat:
Yoyo schrieb kürzlich in einem seiner Postings einen Satz, der sicher für alle hier im Forum interessant ist:
Zitat:

"Was wäre die Religion ohne Leidenschaft, ohne Begeisterung, ohne Verzückung!?"

... und ich dachte dort schon daran, dazuzuschreiben "Und was wäre die Religion ohne
leidenschaftslose, klare Betrachtung, ohne Nachvollziehbarkeit, ohne Nüchternheit!?"

Zitat:
1) Kann der wahre Sinn und Inhalt einer göttlichen Offenbarung ohne Leidenschaft, also ohne helle Glut im Herzen, erkannt werden?

Gegenfrage: Inwiefern ist 'Religion' gleichzusetzen mit 'göttlicher Offenbarung'?
Das ist letztendlich auch die Frage nach der Definition von 'Religion'...

Zitat:
2) Schließen religiöse Leidenschaft und Verzückung das rationale Denken aus?

Nein; ebenso wenig wie umgekehrt. Manche leidenschaftlich Religiösen waren
extrem rational in ihrem Denken, ebenso wie manche leidenschaftlichen Religionsfeinde...

Zitat:
3) Sind Menschen, die ihre Religion bzw. den göttlichen Offenbarer, den sie anerkennen, leidenschaftlich lieben, gar eine Gefahr für sich und ihre Mitmenschen, weil sie nicht wissen, was sie tun?

Wie könnte [vorausgesetzt: wahre ] Liebe zu einer Gefahr für irgendjemanden werden?

Zitat:
4) Wie kommt man zu der Leidenschaft, dem Entflammtsein, der Verzückung, die notwendig sind, um eine göttliche Offenbarung erkennen und annehmen zu können?

Darin steckt schon die Annahme, dass es so ist - und die Frage 1 damit beantwortet...
Hi Wu,

Danke für Deine Antwort.

Wu hat folgendes geschrieben:
Lieber Herzlich
Zitat:
Yoyo schrieb kürzlich in einem seiner Postings einen Satz, der sicher für alle hier im Forum interessant ist:
Zitat:

"Was wäre die Religion ohne Leidenschaft, ohne Begeisterung, ohne Verzückung!?"

... und ich dachte dort schon daran, dazuzuschreiben "Und was wäre die Religion ohne
leidenschaftslose, klare Betrachtung, ohne Nachvollziehbarkeit, ohne Nüchternheit!?"


Schließt denn das eine das andere aus? Wo mag heute der größere Mangel herrschen?!!!

Ich persönlich erlebe beide Betrachtungsweisen, und zwar annähernd täglich. Und mir ist durch dieses praktische Erleben klar, dass der Mangel an einer der beiden Betrachtungsweisen zu einem verzehrten, unausgewogenen und unvollständigen Verständnis der jeweiligen Sendung führt.

BTW, was machst Du, wenn religiöse Aussagen nicht oder nur in begrenztem Umfang "nachvollziehbar" sind, wie z.B. Aussagen über das Leben nach dem Tod, Aussagen bezüglich der Einheit der Offenbarer, ihres Wesens und ihrer Stufe (die m.E. über der Stufe des Menschen steht), Aussagen bezüglich der Eigenschaften, des Wesens und der Liebe Gottes für Seine Geschöpfe, usw.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass überwiegend intellektuell orientierte Menschen eine Überlegenheit des Verstandes über das Herz sehen, in der Art, dass der Verstand die Wirklichkeit nüchtern und dadurch präzise und sicher wahrnimmt, während das leidenschaftliche Herz von seinen Sehnsüchten getrieben wird und dadurch in seiner Erkenntniskraft eingeschränkt ist. (Aus meiner bescheidenen Sicht) ist es tatsächlich so, dass auch das Auge des Herzens einen hohen Grad an Präzision in seinem Erkenntnisvermögen hat, vielmehr noch den Menschen als ganzheitlich geistiges Wesen überhaupt erst dazu befähigt, sich in die Spähren zu bewegen, in denen der Verstand dann die für die Klärung der wesentlichen Sinnfragen notwendigen Erkenntnisse zu gewinnen vermag.

Wie wollte der Adler den fliegen, hätte er keine Flügel, die ihn emportragen?

Zitat:

Zitat:
1) Kann der wahre Sinn und Inhalt einer göttlichen Offenbarung ohne Leidenschaft, also ohne helle Glut im Herzen, erkannt werden?

Gegenfrage: Inwiefern ist 'Religion' gleichzusetzen mit 'göttlicher Offenbarung'?
Das ist letztendlich auch die Frage nach der Definition von 'Religion'...


Hm, interessante Frage. Gleichsetzen würde ich es nicht, weil "göttliche Offenbarung" sich nach meinem Verständnis auf die Botschaft des Offenbarers selbst bezieht, während "Religion" auch das umfaßt, was die Menschen im Laufe der Jahrhunderte hinzufügen. Das heißt, dass mit zunehmendem zeitlichen Abstand die Kluft zwischen den ursprünglichen Aussagen des Offenbarers und dem, was Menschen daraus machen, immer größer wird. Heißt umgekehrt, dass bei dem geringen zeitlichen Abstand, den die Bahá´í-Religion heute noch von ihrem Ursprung hat, die Begriffe "göttliche Offenbarung" und "Religion" vom individuellen Verständnis her mit einem hohen Grad an Identität verwendet werden.

Nachdem ich mich nun um eine Antwort auf Deine Gegenfrage bemüht habe: wie wär´s, wenn Du Dich an einer Antwort auf meine ursprüngliche Frage versuchst ?

Zitat:

Zitat:
2) Schließen religiöse Leidenschaft und Verzückung das rationale Denken aus?

Nein; ebenso wenig wie umgekehrt. Manche leidenschaftlich Religiösen waren
extrem rational in ihrem Denken, ebenso wie manche leidenschaftlichen Religionsfeinde...


Eben. Herz UND Verstand machen das religiöse Wesen eines Menschen aus und müssen BEIDE geistig erzogen werden, weil sie sonst BEIDE schweren Schaden anrichten können.

Zitat:

Zitat:
3) Sind Menschen, die ihre Religion bzw. den göttlichen Offenbarer, den sie anerkennen, leidenschaftlich lieben, gar eine Gefahr für sich und ihre Mitmenschen, weil sie nicht wissen, was sie tun?

Wie könnte [vorausgesetzt: wahre ] Liebe zu einer Gefahr für irgendjemanden werden?


Es erstaunt mich, das gerade von Dir zu hören. Hatte bisher den Eindruck, dass Dir die "ungezügelte" religiöse Leidenschaft anderer Menschen eher Probleme bereitet.

Zitat:

Zitat:
4) Wie kommt man zu der Leidenschaft, dem Entflammtsein, der Verzückung, die notwendig sind, um eine göttliche Offenbarung erkennen und annehmen zu können?

Darin steckt schon die Annahme, dass es so ist - und die Frage 1 damit beantwortet...


Aha, jetzt weiß ich noch ein bißchen besser, was ich weiß. Danke . Und was meinst DU zu Frage 4? Wobei als Antwort natürlich auch nicht ausgeschlossen ist, festzustellen, dass bereits die Annahme, Leidenschaft, Entflammtsein und Verzückung seien notwendig, nicht zulässig ist, weil sie die Sinne verwirrt, ..., oder so ...


Liebe Grüße ,

Herzlich
Hi all,

in Bahá´u´lláhs "Buch der Gewißheit" fand ich noch zwei Zitate, die mir passend erscheinen.

Zitat:

»Alles menschliche Begreifen reitet auf einem lahmen Esel, während die Wahrheit wie ein Pfeil auf dem Winde dahinfliegt«.²



² Vers eines persischen Dichters


Zitat:

Wir haben den dichtesten aller Schleier mit dem Liebesfeuer des Geliebten verbrannt — den Schleier, auf den sich der Spruch bezieht: »Der schlimmste aller Schleier ist der Schleier des Wissens.« Auf seiner Asche haben Wir den Schrein göttlicher Erkenntnis errichtet. Wir haben, Preis sei Gott, die »Schleier der Herrlichkeit« mit dem Feuer der Schönheit des Heißgeliebten verbrannt. Wir haben aus dem menschlichen Herzen alles vertrieben außer Ihm, der Sehnsucht der Welt, und freuen Uns dessen. Wir hängen an keinem Wissen als an dem Wissen, das von Ihm kommt, und Wir richten unser Herz nur auf den Strahlenglanz Seines Lichtes.

Bahá´u´lláh



Liebe Grüße ,

Herzlich
Hi Herzlich,
Zitat:
Schließt denn das eine das andere aus? Wo mag heute der größere Mangel herrschen?!!!

Das hängt wohl vom Einzelnen ab... Aber das meine ich ja - dass man keine Seite ignorieren sollte - diese Gefahr aber sehe ich, wenn die emotionelle Seite allein betont wird.
Der Adler fliegt eben nur dann wirklich gut, wenn beide Schwingen stark sind.
Zitat:
BTW, was machst Du, wenn religiöse Aussagen nicht oder nur in begrenztem Umfang "nachvollziehbar" sind, wie z.B...

Hm - 'nachvollziehbar' bezieht sich ja nicht unbedingt nur auf logisch nachprüfbare Aussagen - Manches, ja Vieles ist auch gefühlsmäßig mehr oder auch weniger nachvollziehbar. Und Manches, das mir gefühlsmäßig suspekt scheint, kann rational durchleuchtet und als verständlich aufgezeigt werden.
Zitat:
Ich habe manchmal den Eindruck, dass überwiegend intellektuell orientierte Menschen eine Überlegenheit des Verstandes über das Herz sehen, in der Art, dass der Verstand die Wirklichkeit nüchtern und dadurch präzise und sicher wahrnimmt, während das leidenschaftliche Herz von seinen Sehnsüchten getrieben wird und dadurch in seiner Erkenntniskraft eingeschränkt ist.

Das mag schon zutreffen, ebenso wie umgekehrt - ich persönlich sehe es allerdings nicht so. Ich als 'überwiegend intellektuell orientierter Mensch' sehe das durchaus auch als Defizit - dass ich eben in Manchem einfach nicht mithalten kann, wo 'einfacher gestrickte' Menschen mit einer bunteren Gefühlswelt keine Probleme haben. Andererseits kann ich zu dem, was eben der Ratio zugänglich ist, trotzdem mein Urteil abgeben - ebenso wie ich die Qualitäten eines Goya und eines van Gogh sehr wohl gegeneinander abwägen kann, auch wenn ich selbst nicht malen kann.
Zitat:
Zitat:
Zitat:
1) Kann der wahre Sinn und Inhalt einer göttlichen Offenbarung ohne Leidenschaft, also ohne helle Glut im Herzen, erkannt werden?

Gegenfrage: Inwiefern ist 'Religion' gleichzusetzen mit 'göttlicher Offenbarung'?
Das ist letztendlich auch die Frage nach der Definition von 'Religion'...

Hm, interessante Frage. Gleichsetzen würde ich es nicht, weil "göttliche Offenbarung" sich nach meinem Verständnis auf die Botschaft des Offenbarers selbst bezieht, während "Religion" auch das umfaßt, was die Menschen im Laufe der Jahrhunderte hinzufügen.

Hm, 'Religion' - darunter verstehe ich eher eine grundlegende Zugangsweise als eine konkrete Konfession - und mit der Leidenschaft, also der hellen Glut im Herzen, da kommen wir wieder an den Anfang: Glut im Herzen allein, ohne Kontrolle durch Kritikfähigkeit, hat schon zu viel mehr menschlichen und historischen Katastrophen geführt als die Ratio allein...
Zitat:
Nachdem ich mich nun um eine Antwort auf Deine Gegenfrage bemüht habe: wie wär´s, wenn Du Dich an einer Antwort auf meine ursprüngliche Frage versuchst ?

Um eine göttliche Offenbarung von einer Offenbarung der Banalität des Bösen unterscheiden zu können, ist wenigstens ein Mindestmaß an Ratio nötig; ob auch ein Mindestmaß an Emotion nötig ist, das hängt wohl von der Art der Offenbarung ab...
Zitat:
Zitat:
Wie könnte [vorausgesetzt: wahre ] Liebe zu einer Gefahr für irgendjemanden werden?

Es erstaunt mich, das gerade von Dir zu hören. Hatte bisher den Eindruck, dass Dir die "ungezügelte" religiöse Leidenschaft anderer Menschen eher Probleme bereitet.

Nun - ich bin auch kein Roboter oder Rechenprogramm, zu einer gewissen Begeisterung bin sogar ich fähig - aber wie schon bemerkt, eine gewisse 'Zügelung' ist durchaus angebracht, jedenfalls solange man nicht diese Reife erreicht hat...
Konfuzius hat folgendes geschrieben:
"Als ich fünfzehn war, war mein ganzer Wille auf das Lernen gerichtet. Mit dreißig stand ich fest im Leben. Mit vierzig war ich nicht mehr verwirrt. Mit fünfzig hatte ich den Willen des Himmels erkannt. Mit sechzig klang meinem Ohr alles angenehm. Mit siebzig konnte ich den Wünschen meines Herzens folgen, ohne vom Weg abzuweichen."

Zitat:
Zitat:
Zitat:
4) Wie kommt man zu der Leidenschaft, dem Entflammtsein, der Verzückung, die notwendig sind, um eine göttliche Offenbarung erkennen und annehmen zu können?

Darin steckt schon die Annahme, dass es so ist - und die Frage 1 damit beantwortet...

Aha, jetzt weiß ich noch ein bißchen besser, was ich weiß. Danke . Und was meinst DU zu Frage 4? Wobei als Antwort natürlich auch nicht ausgeschlossen ist, festzustellen, dass bereits die Annahme, Leidenschaft, Entflammtsein und Verzückung seien notwendig, nicht zulässig ist, weil sie die Sinne verwirrt, ..., oder so ...

Nein, ich glaube nicht, dass die Annahme unzulässig wäre, und auch nicht dass es notwendig die Sinne verwirrt, nur wehre ich mich [s.o.] gegen die Annahme, dass es a priori so ist.
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