Veganismus


Ich habe da mal eine sehr wichtige Frage an Veganer:

Es heisst doch, dass man sich als Veganer völlig ohne tierische ernähren soll. Führt dies nicht zwingend dazu, dass man sich dann reich an Kohlenhydraten ernährt und somit die Bauchspeicheldrüse überbeansprucht, wodurch die Gefahr einer Diabetes Mellitus Erkrankung sich erhöht ?

Sehr viel mehr Gemüse essen um sich satt zu bekommen ist nämlich nicht unbedingt faszinierend. Was also tun ?
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"Live long and prosper!"
Grüß dich Rahiym,

Da ich kein Veganer bin kann ich die Frage zwar kaum aus der direkten Praxis heraus beantworten, aber ich kann dir sagen wie es bei vielen meiner veganen Freunde abläuft bzw. gesehen wird. Eine abwechslungsreiche Ernährung, basierend auf Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und einiger Kräuter wird dort als realistisch betrachtet und auch gelebt. Keiner meiner Freunde "überfrisst" sich an Kornprodukten oder anderen massiven Kohlehydratlieferanten.

Um sich vegan zu ernähren muß man sich sicher ein wenig besser mit der Ernährung und der Körperchemie/biologie auskennen als der "Ottonormalverbraucher", aber wenn das der Fall ist halte ich eine Folgeerkrankung, gleich welcher Art, für sehr unwahrscheinlich. Hier der Statistik zu liebe noch ein paar persönliche Zahlen, von den 27 Veganern die ich gut kenne hat keiner in den letzten 5 Jahren auch nur eine ernste Grippe oder schlechte Blutwerte gehabt, geschweige denn das einer an Diabetes erkrankt wäre. Nun muß ich zugeben das viele davon erst seit weniger als 3 Jahren vegan leben, aber immerhin 4 tun dies schon ihr ganzes Leben (22-48 Jahre) und sind damit bislang immer "gut gefahren".

Interessiert dich die Thematik eigentlich nur ganz allgemein, oder trägst Du dich mit dem Wunsch einer "einschneidenden" (sic!) Lebensveränderung in diese Richtung?


LG Tiro
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„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Ich bin nur Vegetarier.

Aber wenn du dich an Tiro hältst, bist denk ich auf der richtigen Fährte.
Lieber Tiro,

Caput_Tiro hat folgendes geschrieben:
Interessiert dich die Thematik eigentlich nur ganz allgemein, oder trägst Du dich mit dem Wunsch einer "einschneidenden" (sic!) Lebensveränderung in diese Richtung?


Du tippst richtig: ich möchte eine Lebensveränderung vollziehen.

Ich bin genetisch leider sehr vorbelastet was Diabetes Mellitus angeht. In meiner Familie ist es eine sehr verbreitete Krankheit.

Aus diesem Grund muss ich höllisch damit aufpassen wie ich mich ernähre. Wenn ich beispielsweise meinen Fleisch, Milch und Eierkonsum durch Kohlenhydrate ersetzen sollte mache ich mir gewiss die Bauchspeicheldrüse kaputt und verfalle endgültig meiner Veranlagung. Genau davor habe ich Angst.

Wie kann ich also die richtige Ernährung einhalten während ich idealerweise vegan lebe aber gleichzeitig satt werde und möglichst wenige Kohlenhydrate zu mich nehme.

Wie kann ich also die Sache geschickt angehen ?

LG
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rahyim hat folgendes geschrieben:
Wie kann ich also die richtige Ernährung einhalten während ich idealerweise vegan lebe aber gleichzeitig satt werde und möglichst wenige Kohlenhydrate zu mich nehme.


Sei gegrüßt Rahyim!

Neben dem klassischen Tofu und anderen Sojaprodukten könnte diese pflanzliche Kost für dich interessant sein:

http://de.wikipedia.org/wiki/Quinoa
Lieber Burkl,

Frieden und langes Leben ! (genialer Smiley )

Auf Tofu als Sattmacher und Hülsenfrüchte habe ich ohnehin schon vorprogrammierten Appetit.

Danke auch für den Tipp Quinoa zu konsumieren. Jedoch fürchte ich, dass ein Kohlenhydrategehalt von über 58% zu hoch für eine Bauchspeicheldrüse ist, die es zu schonen gilt.

Oder meinst Du nicht ?

Sehr positiv ist allerdings der Mineral- und ungesättigte Fettsäurengehalt.

LG
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Rahyim hat folgendes geschrieben:
Danke auch für den Tipp Quinoa zu konsumieren. Jedoch fürchte ich, dass ein Kohlenhydrategehalt von über 58% zu hoch für eine Bauchspeicheldrüse ist, die es zu schonen gilt.


Ich bin leider kein Ernährungswissenschafter/Mediziner, aber vielleicht ist es auf Grund der Zusammensetzung und dem erhöhten Eiweißgehalt besser für dich als die Standard-Getreidesorten!

Hier habe ich jedenfalls etwas auf einer Diabetiker-Infoseite gefunden:

"Bei Diabetes sind jene Kohlenhydrat-Quellen vorteilhaft,
die schwer spaltbare Zucker und Ballaststoffe enthalten,
denn sie verhindern Blutzucker-Spitzen nach der Mahlzeit.
Wertvoll, vielseitig und schmackhaft sind die Getreide-Alternativen
Amarant und Quinoa."

http://www.lendenmann.org/arbeitspr.....esmail/5/DM_Nr5_28-31.pdf

LG Burkl
Vielen Dank, lieber Burkl. Dieser Hinweis hilft mir durchaus weiter.
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Zitat:
Neben dem klassischen Tofu und anderen Sojaprodukten könnte diese pflanzliche Kost für dich interessant sein:


Studien haben gezeigt, dass ein hoher Soja-Konsum Demenz begünstigt und zu Hirnatrophie führt. Leider habe ich die Studie nicht vorliegen
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Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.
Sigmund Freud
Hallo Rahiym,

um einen Diabetes mellitus vorzubeugen, ist eine streng vegane Ernährungsweise nicht das Mittel erster Wahl. Und das aus vielerlei Gründen. Die meisten Menschen assoziieren mit veganer Ernährungsweise einen Vitamin B12 Mangel. In Einzelfällen mag das auch zutreffen, aber das ist weniger Ausschlag gebend als der damit verbundene Carnosin-Mangel. Wie der Name schon vermuten lässt, ist diese Substanz vornehmlich im Fleisch enthalten.

Carnosin wirkt nachweislich der Glykolisierung (= so nennt man den Vorgang, in dem sich Zuckermoleküle mit Hämoglobin verbinden) entgegen. Oder anders ausgedrückt: Carnosin hält den HbA1c Wert "in Schach". Das reduziert nicht nur die Gefahr, an einen Diabetes zu erkranken, sondern verringert auch das Risiko schwerwiegender Folgeschäden (wie z. B. diabetische Retinopathie - also die Gefahr der Erblindung).

Was nun den Kohlenhydrat-Anteil veganer Nahrung betrifft, so ist dieser für die Bauchspeicheldrüse kaum relevant. Entscheidend ist der glykämische Index. So macht es zum Beispiel einen großen Unterschied, ob du deine Kohlenhydrate in Form von zuckerhaltigen Mehlspeisen oder Obst (Bei reifen Bananen und Weintrauben ist Vorsicht geboten; Äpfel, Kiwis, Mangos, Papayas darfst du hingegen bedenkenlos konsumieren) und Gemüse wie bsw. Brokkoli, Möhren, Blumenkohl zu dir nimmst.

Da mitunter - insbesondere beim Typ 1 - Diabetes - entzündliche Prozesse eine Rolle spielen, ist es auch wichtig, dass du in ausreichenden Mengen langkettige Omega 3 Fettsäuren zu dir nimmst. Diese sind in keiner pflanzlichen Nahrung - es sei denn man rechnet eine bestimmte Algenart dazu - in relevanter Konzentration vorhanden. Du deckst diesen Bedarf über Fisch, Wild oder alternativ über Nahrungsergänzungsmittel.

Pflanzliche Öle enthalten dagegen große Mengen Omega 6 Fettsäuren (z.B. Distelöl oder Sonnenblumenöl). Und diese fördern Entzündungsprozesse, obgleich sie auch physiologische Aufgaben erfüllen. Inwieweit sie dem Körper nützen oder schaden ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit zwischen Omega 3 und Omega 6. Ein günstiges Verhältnis verschafft man sich durch abwechslungsreiche Vitalkost, die auch Fleischanteile enthält. Es gilt hier die Faustregel: Wenig Fleisch ist besser als viel Fleisch oder gar kein Fleisch.

Empfehlen würde ich darüber hinaus Topinambur. So als kleinen Geheimtipp.

Ich persönlich bevorzuge aus ethischen- wie auch aus Gesundheits- und Geschmacksgründen ökologische Fleischprodukte. Fleisch- und Wurstwaren aus Massentierhaltung lehne ich prinzipiell ab.

Liebe Grüße
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Die Galaxis ist eine Scheibe