Der Katholizismus und der Buddhismus


Minou hat folgendes geschrieben:

Ist es nicht so, lieber Burkl, dass auch Jesus sinngemäß sagte, wir müssten ihm nachfolgen, d.h. den Willen des himmlischen Vaters tun; das ist doch auch mit Anstrengung verbunden, den Egoismus zu bekämpfen und wirklich Jesu Taten als Beispiel zu nehmen.
Wo hat Jesus eigentlich gesagt, dass es genügt, an ihn zu glauben, um erlöst zu werden?

Liebe Minou, mir fällt dazu folgende Bibelstelle ein:

Zitat:
41 Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
42 Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
43 Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Lk.23,43


Nach meinem Verständnis ist das Besondere am christlichen Glauben die Möglichkeit sozusagen das "Schuldkonto", ohne eigene Leistung, allein durch den Glauben und damit das Annehmen von Gottes Geschenk, auf "Null setzen lassen" zu können.
Hier geht es um die persönliche Beziehung zu einem göttlichen Gegenüber.

Im Buddhismus entkommt man, soweit ich es verstehe, den Konsequenzen der eigenen Taten, durch das Aufgeben der Identifikation mit dem "Ego". Wo keine "Person" mehr ist, die handelt, gibt es auch keine Taten mehr und deren Konsequenzen.

Letztlich wird auch ihm christlichen Glauben die Fixierung auf die eigene Person losgelassen, allerdings hier durch "Identifikation" mit Gott.
"Ich und der Vater sind eins" .... "Nicht mehr ich lebe, sondern Gott in mir!"...

Soweit meine Sicht der Dinge.

LG
Mara
_________________
***************************************
OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Was ist total interessant finde ist, dass man hier so gut sieht, wie im Buddhismus es sozusagen auf die "Selbsterlösung" ankommt, die durch Leistung erzielt werden muss - hier wird das ganz klar ersichtlich an der Gebetspraxis, die sich im Leistungssport ausdrückt.


Ein fundamentales Missverständnis deinerseits:

(1) Selbsterlösung ist schon beinahe richtig gewählt als Begriff, niemand kann einen erleuchten man muss selber dafür sorgen.

(2) Buddhisten beten im Prinzip nicht, sie meditieren. Auch dieser Mönch läuft diese Strecke nicht, weil er beten will. Durch den Schwierigkeitsgrad der Strecke und die Dauer, muss er sich auf das Laufen konzentrieren, nur auf das Laufen. Normalerweise machen wir viele Dinge gleichzeitig, z.B. laufen und darüber nachdenken, was wir noch einkaufen müssen. Der Mönch möchte so seinen Geist leeren - und nur laufen.

(3) Nichts was man tut, wird Erleuchtung verursachen, man kann seinen Geist nur darauf vorbereiten. Deswegen ist dieser Leistungsgedanke absurd und findet sich auch nicht im Buddhismus.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Man sieht schon, dass hier schattenhaft durchaus auch christliche Heilslehren vorhanden sind, von Sühne und Opfertod, von Erlösung durch Hingabe in Liebe.
#

Oder im Christentum sind buddhistische Lehren vorhanden.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Es ist im Buddhismus eher so, dass die Brücke nach oben mit Schweiß und Blut gebaut wird


Schlechtweg falsch. Ich weiß gar nicht woher du das nimmst.

@ Long Road

Guter Punkt, danke.


Minou hat folgendes geschrieben:
Ist es nicht so, lieber Burkl, dass auch Jesus sinngemäß sagte, wir müssten ihm nachfolgen, d.h. den Willen des himmlischen Vaters tun


Ich glaube er meinte es durchaus wörtlich. Besitz aufgeben und ihm folgen - er sagte ja auch ein reicher Mann wird nicht ins Himmelreich eingehen und das man nicht dem Mammon und dem Herrn dienen kann - hat die kath. Kirche wohl überlesen.
_________________
Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Minou hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Es ist im Buddhismus eher so, dass die Brücke nach oben mit Schweiß und Blut gebaut wird - im Christentum kommt die Erlösung "von oben" - das Blut vergießt Gott am Kreuz für uns - und der Glaube ist die Antwort darauf, hat "empfangenden Charakter".


Ist es nicht so, lieber Burkl, dass auch Jesus sinngemäß sagte, wir müssten ihm nachfolgen, d.h. den Willen des himmlischen Vaters tun; das ist doch auch mit Anstrengung verbunden, den Egoismus zu bekämpfen und wirklich Jesu Taten als Beispiel zu nehmen.
Wo hat Jesus eigentlich gesagt, dass es genügt, an ihn zu glauben, um erlöst zu werden?

LG,
Minou


Liebe Minou,

das Erlösende und spezifisch Christliche ist ja gerade zu wissen, dass Gott durch Jesus schon alles getan hat, was es zu tun gibt. Darum hat man als gläubiger Christ sozusagen die "Hände frei". Es liegt nicht mehr alles an mir - es ist bereits alles vollbracht. Ich muss nicht mehr vollkommen sein - weil es den vollkommenen Menschen bereits gibt und er durch die Taufe die Teilhabe an seiner Vollkommenheit, die den Tod besiegt, ermöglicht.
Das macht sehr stark dieses Wissen, dass es nicht auf meine Leistung ankommt, sondern auf die Ehrlichkeit und Liebe meiner Antwort - und das ist es, was letzlich den Menschen anspornt und einen über sich hinauswachsen lässt: Das bedingungslose Angenommensein in Liebe. Das befähigt erst zur eigenen Leistung, die dann ohne Angst erbracht wird - und mit ganz aufrechtem Gang.
Busshari hat folgendes geschrieben:
Selbsterlösung ist schon beinahe richtig gewählt als Begriff, niemand kann einen erleuchten man muss selber dafür sorgen.


Ja genau. So ist das im Buddhismus.

Und demgegenüber das Christentum: Kein Mensch kann sich, trotz aller eigener Bemühungen, jemals selbst erlösen - da muss die Gnade Gottes walten, welche der Mensch durch seine "Antwort", die durch das eigene Leben gegeben wird, entspricht.

Das ist etwas grundlegend Anderes von den Wirk-Mechanismen her: Zu antworten, auf etwas, das schon das ist, ist etwas substantiell Anderes als alles selbst machen zu müssen, um auf ein Ziel hinzusteuern.
Gott ist nach christlichem Glauben durch Jesus für uns sozusagen in "Vorleistung" getreten - Er kommt dem Menschen mit seiner bedingungslosen Liebe zuvor. Die Liebe muss sich der Christ nicht "erarbeiten" - sie ist schon da. Es gilt ihr zu entsprechen - und der Liebe zu entsprechen, die einem um seiner selbst Willen erwiesen wird, das ist ein tiefes Grundbedürfnis, das zu tun. Oder wie Jesus sagt: Dieses Joch ist leicht.
Liebe Mara, lieber Burkl,

danke für Eure Antworten!

Herzlichen Gruß,
Minou
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:

Nach meinem Verständnis ist das Besondere am christlichen Glauben die Möglichkeit sozusagen das "Schuldkonto", ohne eigene Leistung, allein durch den Glauben und damit das Annehmen von Gottes Geschenk, auf "Null setzen lassen" zu können.
Hier geht es um die persönliche Beziehung zu einem göttlichen Gegenüber.

Im Buddhismus entkommt man, soweit ich es verstehe, den Konsequenzen der eigenen Taten, durch das Aufgeben der Identifikation mit dem "Ego". Wo keine "Person" mehr ist, die handelt, gibt es auch keine Taten mehr und deren Konsequenzen.

Letztlich wird auch ihm christlichen Glauben die Fixierung auf die eigene Person losgelassen, allerdings hier durch "Identifikation" mit Gott.
"Ich und der Vater sind eins" .... "Nicht mehr ich lebe, sondern Gott in mir!"


Wenn man vom Pantheismus ausgeht, der auch im Thomasevanglium durchleuchtet, gibt es eigentlich keine Widersprüche zwischen Buddhismus/bzw. dem Buddhismus nahestehenden Pantheismus und Christentum. Man kann das Christentum als personifizierten Pantheismus ansehen. Wem das Glaubenskonzept des Pantheismus bzw. auch des Panentheismus zu wenig fassbar erscheint, zu abstrakt oder zu fremd, der kommt natürlich mit einer versinnbildlichten Variante besser aus. Wenn man ein abendländisch/christliches Gepräge hat, ist es ja auch schwer, sich von dem Persönlichen zu lösen. Letzendlich liegt darin auch das Unbehagen, sich von der eigenen Person lösen zu müssen. Im Grunde ist es aber doch nicht Anderes, wenn man biblisch sagt: "Nicht mehr ich lebe, sondern Gott in mir." Gott als Alleiner hat sich hingegeben, aufgepuzzlet in alle Erscheinungsformen der "Schöpfung". Nur so können wir als Individuen leben, haben einen freien Willen. Wenn ich das erkannt habe, wird das Bemühen dahin gerichtet sein, im Gegenüber Gott zu sehen, als einen Teil von mir. Nur deshalb kann Jesus fordern: Liebet euren Nächsten wie euch selbst.
Wie ungerecht ist die Vorstellung, einem Verbrecher sei allein dadurch vergeben, dass er sich zum Glauben an Christus bekennt und wie anders wirkt es, wenn ich mir vorstelle, dass der Verbrecher "nur" ein Teil des Alleinen ist, der dies mehr als alle anderen vergessen hat, ja das Gott letzendlich wieder Eins wird? Das Erkennen, wir sind eins, hilft, den Nächsten anzunehmen, wenn das auch im Alltag oft auf eine immens harte Probe gestellt wird und es aus gesellschaftlichen Gründen auch Bestrafung geben muss.
Aufzugehen in Gott, eins sein mit Gott, Gott zu leben und nicht sich selbst, ist auch im Johannesevangelium angedeutet, wenn es heißt, dass alle die Möglichkeit haben Kinder des Lichts zu werden. Das wird man durch die Erkenntnis und den Willen, sich dem guten Tun zuzuwenden. Aber ohne Herz ist auch das fruchtlos, wenngleich nicht sinnlos.
Die persönliche Beziehung zu Gott kann ich zwar in der Stille "abstrakt" leben, aber vor allem in den Beziehungen zu meinen Mitwesen, besonders zu den Menschen die ich liebe und von denen ich mich geliebt fühle.

Dass es sich beim Christentum und anderen Religionen mit persönlichem Gott um eine Ummantelung einer schwer fassbaren Wahrheit handelt, die dem Menschen eine bildliche, verständliche Version bietet, kommt, wie ich finde, sehr schön im Vorwort zu dem Buch, das ich gerade gelesen habe, zum Ausdruck:

Das Geheimnis bleibt ....
Ich stehe an der Steilküste (...). Dunkles Vulkangestein aus Urzeiten baut sich viele Meter hoch überm Meer auf. Schwere Wellen werfen sich gegen die bizarr geformten Steinwände. Gischt hängt in der Luft. Kommen und Gehen. Schwerer Gesang des Atlantiks - Jahrhunderte, Jahrtausende, Jahrmillionen. Das Brausen der Wogen, ihr unentwegtes Rollen. Immer wieder kehren die Brecher zurück ins bewegte, flächige Meeresreservoir. Die Augen verfolgen eine bestimmte Schaumkrone, ein Stück weit gelingt es, sie zu fixieren, doch bald wird auch sie ein unsichtbarer Teil der großen, heftigen, lebenden Fläche ...
Welche Faszination! Immer wieder und stundenlang setze ich mich diesem Treiben aus. Körperlich spüre ich den Besitzanspruch des Urelements. Bis, ja, bis es zu viel wird. Die Faszination kann umschlagen in Sorge un den eingenen Stand, in Angst vor der Urflut, in den Rückzugwunsch ins Sanftere, Geschütztere, ins Hinterland.
Wenige Kilometer hinter der Küste ein kleinerer Ort mit geduckter, weiß gekalkter Kapelle - einst Mittelpunkt eines Fischerdörfchens. Einsam, die Tür ist geöffnet, dunkles Holz, mattes Gold der Altarwand, die rettende Hand der Madonna über Schiffen, die dem Meer trotzen. Gut hier zu sein, gut dort am Meer gewesen zu sein: der Unendlichkeit des lebenden Elements standzuhalten und dann und wann das schützende Kleine, das bergende Bild, die sanfte Nähe einer Erzählung zu fühlen. Beides scheint mir wesentlich. Vielleicht bald wieder die ewig strömende Welle, um dann den Halt konkreter, menschlicher, schützdender Bebautheit zu suchen."

(Anselm Grün, Willigis Jäger,Das Geheimnis jenseits aller Wege. Was uns eint und was uns trennt. S. 11/12)
Danke für den Beitrag, Elem. Luft.

Ist der ganze Text aus dem Buch zitiert oder nur der fett gedruckte Abschnitt?

LG
Mara
_________________
***************************************
OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Hallo Mara-Devi
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:


Ist der ganze Text aus dem Buch zitiert oder nur der fett gedruckte Abschnitt?



Nur der fettgedruckte Abschnitt.

LG
Element Luft
Ikarus hat folgendes geschrieben:
http://www.daiseion-ji.de/news_archiv.htm
Allgemein gesehen, wird das Christentum mit anderen Religionen einen Dialog suchen und finden und dabei gibt es Chancen und Grenzen, die es zu überwinden gilt.


Warum? Die Grenzen zwischen den Religionen bestehen ja durch ihre Unterschiede in den Lehren. Ich habe großen Respekt vor unserem europäischen, katholischen Erbe und kann auch in katholischen Kathedralen und Kirchen wunderbar in mich kehren. Aber die Theologie hinter all dem halte ich für irreführend, falsch, unvollkommen und unlogisch. Dass aus dieser Theologie so schöne Bauten wie die große Elisabethkirche, der Dom St. Marien auf dem Erfurter Domberg oder die Dompfarrei St. Bartholomäus in Frankfurt am Main erwachsen ist halte ich ihr durchaus zugute. Allerdings gibt es unüberbrückbare Unterschiede zwischen Buddhismus und Christentum. Diese neue welteuphorische Haltung der hl. Kirche halte ich genauso verheerend wie die frühere Zwangstaufe und Zwangsmissionierung. Sie zwingt sich mit ihrem obligatorischen interreligiösen Dialog jeder anderen Religion auf, dass die zurecht bestehenden Unterschiede relativiert, verwässert und unterminiert werden. Sie verwischt die Grenzen zwischen Licht und Finsternis, zwischen Heil und Unheil mit ihrem zum Obligatorium erhobenen interreligiösen Dialog und sorgt letztendlich auch für sich selbst dazu, dass ihre Religion relativiert, verwässert und unterminiert wird. All das zugunsten eines vermeintlichen Friedens der heuchlerischer nicht sein könnte.

http://www.epochtimes.de/Vatikan---.....zu-besiegen-a1159292.html
_________________
Zynismus ist ein unerfreuliche Art, die Wahrheit zu sagen!