Der Katholizismus und der Buddhismus


Lieber Burkl

Hier meine (erste) Meinung dazu:

Burkl hat folgendes geschrieben:
Am christlichen Glauben spricht mich persönlich an, dass diese Menschheit und in ihr jeder einzelne Mensch von einem "absoluten Du" gewollt und geliebt wird. Da würde ich gerne noch mehr von dir erfahren, wie die Buddhisten ihre Existenz in etwas doch so abstraktem wie Karma und Nirvana vertrauensvoll eingründen können.
(aus einem anderen Thread)

Die christliche Heilslehre, so wie ich sie verstehe, ist auch nicht absolut, sondern sie hängt auch an Bedingungen. Gott liebt alle Menschen, ABER die Menschen müssen diese Liebe auch annehmen. Ein Mensch, der diese Liebe ausschlägt und nicht zu ihr zurückfindet, wird ewig mit den Zähnen knirrschen, sprich: ewige Hölle.

Im Buddhismus ist die Hölle Teil von "Samsara", also genau wie das irdische Dasein vergänglich. Für mich ist das ein sehr tröstlicher Gedanke: Egal welchen Bockmist du baust, die Konsequenz die du tragen musst ist nicht ewig. Auch schwer irregeleitete Menschen wie z.B. Hitler schmoren nicht ewig in der Hölle. Sie werden in der nächsten Existenz (den nächsen Existenzen) die Früchte ihrer Taten ernten, vielleicht für lange Zeit, aber nicht ewig.

Das gibt mir persönlich sehr viel Vertrauen, unabhängig davon ob ein "außenstehender Gott" das so eingerichtet hat, oder nicht.

Zitat:
Gibt es bei dir eine Art religiösen "Leistungsdruck"?


Meiner Meinung nach gibt es im Buddhismus keinen Leistungsdruck. Wer einen Leistungsdruck verspürt hat den Buddhismus bzw. die Lehre von Karma anders verstanden als ich, weil

Zitat:

Soviel ich vom Buddhismus verstehe ist ja sozusagen jedes Leben damit verbunden, dass man "steigt" oder "fällt" in der Seinsebene im nächsten Leben.


... der Buddhismus genau das durchbrechen will. Ein gläubiger Buddhist will im nächsten Leben nicht "steigen", sondern er will kein nächstes Leben. Solange ein Buddhist sich ein besseres Leben erarbeiten will, häuft er Karma an, was zu einer nächsten Existenz führen wird. Richtig paradox wird es wenn man sich "Nirvana" erarbeiten will.

Zum Thema Gemeinsamkeiten habe ich die Meinung, dass der Buddhismus und das Christentum zwei wunderbare Religionen sind und die meisten "Verschiedenheiten" Definitionsunterschiede sind. Meistens von Begriffen wie "Gott", "Paradies/Himmel/Reich Gottes" und "Nirvana". Definitionen von Begriffen die eigentlich gar keiner Definition zugänglich sind. Das sind wir nochmals beim Paradoxen.

Alles Liebe
Burkl hat folgendes geschrieben:

Danke für deine Antworten - ich nehme das zum Anlass und werde in Zukunft besser recherechieren, bevor ich Anderen "glaubenstechnisch" etwas unterstelle, das objektiv nicht so ist.

Lieber Burkl,

um anderen nichts zu unterstellen, ist es am besten, sie selbst einfach zu fragen.
Aufgrund von theoretischen und pauschalen Recherchen entstehen meiner Erfahrung nach leicht Vorurteile.

Zitat:
Zu deinem Jesus-Bild: Ich denke, da haben wir dann ganz andere Sichtweisen auf Jesus. Also auch hier lag ich daneben, also ich davon ausging, dass uns etwas im Glauben an ihn verbindet.


Christliche Sichtweisen auf Jesus gibt es sicher so viele, wie es Christen selbst gibt. Und wahrscheinlich findest Du bei den Katholiken eher jemanden, der wie Du Jesus als Gott und als Mittelpunkt der Welt sieht, was ich für eine kirchengewachsene Sichtweise halte.

Jesus selbst war bescheiden und hat uns im "Vater unser" gelehrt, wie wir "Gott sehen" können.

Was uns gemeinsam ist, lieber Burkl, ist sicherlich die Liebe zu Jesus und das Vertrauen in seine Worte.

LG

Mara
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Zu deinem Jesus-Bild: Ich denke, da haben wir dann ganz andere Sichtweisen auf Jesus. Also auch hier lag ich daneben, also ich davon ausging, dass uns etwas im Glauben an ihn verbindet.
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Christliche Sichtweisen auf Jesus gibt es sicher so viele, wie es Christen selbst gibt. Und wahrscheinlich findest Du bei den Katholiken eher jemanden, der wie Du Jesus als Gott und als Mittelpunkt der Welt sieht, was ich für eine kirchengewachsene Sichtweise halte.

Jesus selbst war bescheiden und hat uns im "Vater unser" gelehrt, wie wir "Gott sehen" können.

Was uns gemeinsam ist, lieber Burkl, ist sicherlich die Liebe zu Jesus und das Vertrauen in seine Worte.


Was ja auch oft irgendwie gut auf den Vers:

"Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die HERRschaft ruht auf seiner Schulter;
und man nennt seinen Namen:
Wunderbarer, Berater, (O. Wunder-Rat) starker Gott, (El) Vater der Ewigkeit, (O. Ewigvater) Friedefürst."
Jesaja 9:5 (740 v.Chr.)

passt...

pez
Passend zum Thema - die Doku "Gott in Tibet". In der Stadt Yanjing überlebte eine einzigartige Tradition und Kultur, die für das buddhistische Tibet außergewöhnlich ist. 70% der Bewohner sind katholisch, 30% Buddhisten - sie leben friedlich miteinander, unterstützen sich und arbeiten zusammen.

http://de.gloria.tv/?media=9329
Ich habe gestern eine faszinierende Doku gesehen.Ich habe sie leider momentan noch nicht online gefunden. Ich poste aber den Link, sobald ich etwas gefunden habe.

Der japanische buddhistische Mönch Hoshino Endo hat sich für die vielleicht verrückteste Art zu beten entschieden. Nacht für Nacht läuft er auf schmalen, steilen Pfaden 30 Kilometer durch die Zedernwälder des Berges Hiei. Der 31-Jährige ist Marathonmönch, ein Gyogia, wie die Asketen des buddhistischen Enryaku-ji-Ordens genannt werden. In den nächsten drei Jahren will er seine Laufstrecke auf 84 Kilometer pro Nacht steigern. Nach sieben Jahren wird er auf eine Gesamtstrecke von mehr als 38.000 Kilometer kommen. Selbst wenn er mit seiner Leistung jeden Athleten in den Schatten stellt, Hoshino Endo läuft nicht aus sportlichen Ambitionen. Was ihn antreibt, ist die Suche nach Erleuchtung. Über sich hinauszuwachsen, seine eigenen Begierden abzulegen und irgendwann ganz für andere da sein zu können, das ist das Ziel seiner Strapaze. Umkehren kann Hoshino nicht mehr. Einmal begonnen, muss ein Gyogia den Weg bis zu Ende gehen.

http://religionv1.orf.at/projekt03/.....00525_moench_nonne_fr.htm

Was ist total interessant finde ist, dass man hier so gut sieht, wie im Buddhismus es sozusagen auf die "Selbsterlösung" ankommt, die durch Leistung erzielt werden muss - hier wird das ganz klar ersichtlich an der Gebetspraxis, die sich im Leistungssport ausdrückt. Andere Mitbrüder von Gyogia gehen den z.B. den Weg der Askese des Tempelputzens oder des ständigen Rechens von Schotter.
Interessant dabei habe ich auch gefunden, dass es den Gedanken gibt, dass der Mönch sich "für die Anderen" aufopfert und sein Werk sozusagen "Heilsbedeutung" hat, die über ihn hinausgeht. Er erlöst sich und kann auch andere "miterlösen". Man sieht schon, dass hier schattenhaft durchaus auch christliche Heilslehren vorhanden sind, von Sühne und Opfertod, von Erlösung durch Hingabe in Liebe. Insofern war diese Dokumentation wirklich eine Bereicherung für mich.
Hallo Burkl,
Burkl hat folgendes geschrieben:
Hoshino Endo läuft nicht aus sportlichen Ambitionen. Was ihn antreibt, ist die Suche nach Erleuchtung.


Was ich total interessant finde, ist deine Interpretation dieser Aussage.
Da sucht jemand Erleuchtung, also Erkenntnis mit dem Ziel mehr für andere da sein zu können. Du machst daraus Selbsterlösung. Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

Ich finde es spannend und wichtig, die Religionen auf ihren gemeinsamen Kern hin zu untersuchen und zu vergleichen, um dann für sich sehen zu können, welcher Weg für einen persönlich gerade der Richtige ist. Dabei kann man auch eventuelle Ungereimtheiten hinweisen, sie diskutieren etc.
Wenn du aber weiterhin den Katholizismus über alles andere stellst, selbst über die evangelischen Glaubensinhalte und die Annahmen über den "richtigen Weg" anderer Religionen als falsch anprangerst, dann ist es doch eigentlich nicht verwunderlich, wenn man auch mit dir keine echte Diskussion führen will bzw. auch gar nicht kann, sondern dir die Abarten deiner Glaubensinhalte vor Augen führt.

Nun haben wir hier alle die Doku nicht gesehen. Möglich, dass es da Sachen gibt, die nach Diskussion schreien. Aber die sollte doch immer im Rahmen einer gemeinsamen Annäherung an das Göttliche / an Gott erfolgen.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Was ist total interessant finde ist, dass man hier so gut sieht, wie im Buddhismus es sozusagen auf die "Selbsterlösung" ankommt, die durch Leistung erzielt werden muss - hier wird das ganz klar ersichtlich an der Gebetspraxis, die sich im Leistungssport ausdrückt.


Gegenfrage: Möchtest du momentan das katholische Christentum auf einen einzigen Limburger Bischof reduziert wissen? Oder auf ein paar pädophile Priester, wie das vor ein paar Jahren medial war?

Mit Posts wie "An diesen Beispielen kann man gut sehen was das Christentum wirklich lehrt!"
Ich habe die Doku gefunden:

Teil 1:
http://www.youtube.com/watch?v=9ez0Xak-3yI
Teil 2:
http://www.youtube.com/watch?v=heTM9ZLoJgc
Teil 3:
http://www.youtube.com/watch?v=sgVBAzvkyYs
Teil 4:
http://www.youtube.com/watch?v=Iwg_UhhBjI0

Über die buddhistische Schule, auf die diese Praxis zurückgeht, sind hier die Infos zu finden:

http://de.wikipedia.org/wiki/Tendai-sh%C5%AB
Elem. Luft hat folgendes geschrieben:
Da sucht jemand Erleuchtung, also Erkenntnis mit dem Ziel mehr für andere da sein zu können. Du machst daraus Selbsterlösung.


Ich finde das sogar sehr gut - ich sehe ja eben einige Parallelen in diesem Opfer- und Sühnegedanken. Aber eben auch Unterschiede - z.B. dass die Leistung bei dem Erlösungsprozess sehr im Vordergrund steht. Es ist im Buddhismus eher so, dass die Brücke nach oben mit Schweiß und Blut gebaut wird - im Christentum kommt die Erlösung "von oben" - das Blut vergießt Gott am Kreuz für uns - und der Glaube ist die Antwort darauf, hat "empfangenden Charakter".
Burkl hat folgendes geschrieben:
Es ist im Buddhismus eher so, dass die Brücke nach oben mit Schweiß und Blut gebaut wird - im Christentum kommt die Erlösung "von oben" - das Blut vergießt Gott am Kreuz für uns - und der Glaube ist die Antwort darauf, hat "empfangenden Charakter".


Ist es nicht so, lieber Burkl, dass auch Jesus sinngemäß sagte, wir müssten ihm nachfolgen, d.h. den Willen des himmlischen Vaters tun; das ist doch auch mit Anstrengung verbunden, den Egoismus zu bekämpfen und wirklich Jesu Taten als Beispiel zu nehmen.
Wo hat Jesus eigentlich gesagt, dass es genügt, an ihn zu glauben, um erlöst zu werden?

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten