Marihuana


Namaste

Lieber Burkl,

Du schreibst:
Zitat:
Die Argumentation "Wenn man THC nicht erlaubt, dann muss man auch Alkohol und Tabak verbieten" stimmt nicht. THC ist - obwohl viele Menschen damit Erfahrung gemacht haben - sicherlich bei uns in der EU keine "Alltagsdroge".


Ich würde es begrüßen wenn Du dich in >Zukunft etwas besser informieren würdest, bevor Du eine Behauptung in den Raum stellst. Cannabis hat bei uns keine Tradition? Ist keine Alltagsdroge? Da sagen Experten und Untersuchungen, sowie die Geschichte, aber etwas ganz anderes:

Zitat:
In Deutschland und vielen anderen westlichen Industrienationen hat sich Cannabis seit den 1970er Jahren nach Alkohol zu der am häufigsten konsumierten Rauschdroge entwickelt.


Zitat:
1549 erlaubten die christlichen Portugiesen ihren Sklaven in Brasilien, zwischen dem Zuckerrohr auch Hanfpflanzen zu setzen, weil das die sklavische Arbeit zum Wohle des Herren positiv beeinflußte. 1619 wurde das erste Marijuana-Gesetz erlassen, daß allen Farmern in Nordamerika vorschrieb, indischen Hanf anzubauen. Selbst in England wurde die vielbegehrte volle britische Staatsbürgerschaft auf Erlaß der Krone an Ausländer verliehen, die bereit waren, Cannabis anzubauen! Denjenigen, die das ablehnten, wurde häufig eine Geldstrafe auferlegt.


Zitat:
Das Landvolk rauchte aber, trotz der zwischenzeitlichen Einführung der kulturfremden Droge Tabak, seinen Knaster. Großvaters abendliche Pfeife war mit nichts anderem gefüllt, als mit Hanf. Das Zeug, daß wegen seiner beim Rauchen knisternden und knasternden Samen seinen Namen bekam, und das noch bis in die Neuzeit. Und Tabak war so lange verboten, bis jemand eine Drogensteuer erfand, und noch heute gilt die Tabaksteuer als lukratives Schmarotzen des Staates an Süchtigen. Apropos Verbote: Im 17. Jahrhundert zahlte der Fürst von Waldeck jedem zehn Taler, der einen Kaffeetrinker anzeigte, und in Lüneburg wurde das Tabakrauchen mit dem Tode bestraft.


Zitat:
Mit Bekanntwerden der psychischen Wirkung im Europa des 17. Jahrhunderts setzten zwei Betrachtungsweisen ein: In Frankreich wurden die bewusstseinsverändernden Eigenschaften der Inhaltsstoffe betont, insbesondere in literarischen Kreisen, etwa von Alexandre Dumas dem Älteren und Fitz Hugh Ludlow, während in England medizinische Anwendungen im Vordergrund standen; W. B. O’Shanghnessy nennt Beruhigung, Anfallslinderung und Krampflinderung. Hanf wurde oft als günstiger Tabakersatz verwendet und in diesem Zusammenhang in der Literatur oft beiläufig als Knaster oder starker Tobak bezeichnet.

(Quelle: http://www.webinfo24.org/Geschichte%20des%20Kiffens.htm )

Ich hoffe Begriffe wie Tobak und Knaster sind dir bekannt, ansonsten les mal Willhelm Busch oder Erich Kästner.

Aber ich weiß, dir fallen sicher neue Argumente ein..


Nachtrag: Zum Vergleich Start der "Tabakerfolgsgeschichte war wohl etwa um die gleiche Zeit:
Zitat:
Der Gesandte Jean Nicot brachte um 1560 die Tabakpflanze aus der Hafenstadt Lissabon an den französischen Hof, wo die Tabakpflanze als Allheilmittel für viele Beschwerden und Krankheiten Karriere machte. Nach Nicot wurden später die Tabakpflanze „Nicotiana“ und der alkaloide Hauptwirkstoff „Nicotin“ genannt.
Um 1600 galt Tabak als eines der bestwirksamsten Heilmittel und wurde deswegen neben dem Inhalieren (Rauchen) auch in zahlreichen Salben, Pasten, Lösungen und Tinkturen etc. als Arzneimittel verwendet.
Geschätzt wurden auch die beobachteten Wirkungen auf Geist und Psyche, wie Zunahme der Konzentration, Aktivierung der Lebenskräfte und Erfrischung der Sinne.

(Quelle: http://www.tabakfrei.de/tabakgeschichte.htm )

LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Caput Tiro hat folgendes geschrieben:

Hanf wurde oft als günstiger Tabakersatz verwendet und in diesem Zusammenhang in der Literatur oft beiläufig als Knaster oder starker Tobak bezeichnet.

Ich hoffe Begriffe wie Tobak und Knaster sind dir bekannt, ansonsten les mal Willhelm Busch oder Erich Kästner.


Z.b. war Johann Sebastian Bach leidenschaftlicher Pfeifenraucher. Er hat sogar ein Werk auf seine "Tobackspfeife" komponiert:

Aria ''Sooft ich meine Tobackspfeife'' BWV 515a

http://www.youtube.com/watch?v=fkgKdVzexsI

Ich denke der im Lied von Bach verwendete Begriff "Knaster" für die Füllung seiner Pfeife ist sicherlich kein Hinweis darauf, dass Bach kiffte. Diesfalls wären wohl seine hochpräzisen mathematischen Liedkomposition wohl deutlich "schwammiger" und "entspannter" geworden - mehr im Jimmi Hendrix-Style



Nein - im Ernst: Seriös kann niemand die Meinung vertreten, dass Cannabis im gleichen Ausmaß "Volksdroge" ist wie Tabak. Auch wenn es diverse "Hasch-Lobbyisten" natürlich intensiv "hierbeireden" wollen entspricht es nicht der Wirklichkeit. Und das ist auch gut so und soll so bleiben.
Ah.. da ist sie wieder, die beispiellose und unerreichte christliche Ignoranz. Du bringst keinerlei Gegenargument, hast keine einzige Quelle für deinen Standpunkt und deine Meinung, aber versuchst sie trotzdem als Tatsache zu propagieren. Alles was nicht in dein Weltbild oder zu dieser Meinung passt wird ignoriert, hauptsache Du hast deine heile Welt...

Hätte ich mich früh genug an diese bereits bekannte Verhaltensweise mal bloß erinnert, dann hätte ich mir das schreiben der letzten Beiträge und das suchen nach Quellen sparen können.

Naja, wenn Du damit zufrieden bist, mir soll es recht sein. Hauptsache die Zahl derer die ihre Meinung auf Fakten stützen wächst, ungeachtet gewisser Denkstrukturen.

LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Da muß ich Caput_Tiro zustimmen - Hanf war einmal eine alltägliche Pflanze in ganz Mitteleuropa. Sie wurde vollständig genutzt, Stengel für Fasern, Blätter als Tabak. Auch Schlafmohn wurde in ländlichen Gebieten ganz legal angebaut.

Das änderte sich nach dem 2.WK, als die Besatzungsmacht USA , keineswegs wegen des kiffens, sondern zugunsten ihrer Baumwollproduktion, den Hanfanbau verbot. Das Verbot blieb, die Besatzer gingen...

Opium(Schlafmohn) dagegen wurde wegen seiner Drogenwirkung verboten.

Ich habe selbst beim renovieren eines alten Fachwerkhauses körbeweise Schlafmohnkapseln aus dem Dachgeschoß entfernt. Sie waren dort als Dämmstoff verbaut worden...feuergefährlich, also raus. In einem Grundstein eines anderen Hauses waren unter anderem Hanfsamen eingelassen worden.
Dinge geraten schnell in Vergessenheit....

Damit will ich aber nicht für Drogenkonsum plädieren. Opium ist ein Teufelszeug, und Hanf macht sich besser in der Textilproduktion.

Ob irgendwelche Komponisten gepafft haben wenn sie komponierten, entzieht sich meiner Kenntnis...
_________________
Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
Dtrainer schrieb:
Zitat:
Damit will ich aber nicht für Drogenkonsum plädieren. Opium ist ein Teufelszeug, und Hanf macht sich besser in der Textilproduktion.


Für Drogenkonsum plädiere ich auch nicht bzw. nicht mehr. Früher war ich von mancher Droge so überzeugt das ich regelrecht "Werbung lief" für sie. Mein Standpunkt ist hier einfach nur der dem sich viele Experten mittlerweile auch angeschlossen haben, nämlich das eine Legalisierung von Cannabiswesentlich mehr Vor- als Nachteile hätte. Und ich plädiere für die Freiheit der Wahl. Wenn ein Mensch in einer sicheren Situation in der er keinen anderen gefährden kann, sich dazu entschliesst "Ich möchte gern einen Joint rauchen", dann sollte er dafür nicht kriminalisiert werden. Gleiches gilt für mich für den Anbau und/oder den An und Verkauf an volljährige Mitmenschen. Diese müssen dann natürlich auch in gesichertem Rahmen konsumieren und konsumieren dürfen.


LG Tiro
_________________
„Es gibt keinen Schöpfer außer dem Geist.“
(Lord Buddha)

"Es ist ein Vergnügen anzusehen, wie blind die Menschen für ihre eigenen Sünden sind und wie heftig sie die Laster verfolgen, die sie selbst nicht haben."
(Machiavelli)
Caput Tiro hat folgendes geschrieben:
"Ich möchte gern einen Joint rauchen", dann sollte er dafür nicht kriminalisiert werden.


Genau der "Joint" ist das Problem. Da werden sogar noch zwei Drogen kombiniert. D.h. bei der Legalisierung setzt man dem Tabakkonsum noch "eins drauf" und kombiniert es.

Die "reinen" Cannabis-Konsumenten wären zweifellos in der Minderzahl. Der Joint ist nun einmal der Regelfall. D.h. aus Tabaksüchtigen würden völlig legale "Kombinationssüchtige" - ein schöner drogenpolitischer "Erfolg".
Nur weil etwas "eingerissen" ist es zu legalisieren halte ich für falsch. Rauchen ist nunmal schädlich, auch wenns "nur" Gras ist. Dazu kommt, es gibt schon genug von dem Zeug an den Schulen, und so mancher Oberschüler verpfuscht sich sein Abi weil er kifft - denn die Befürworter der Legalisierung blenden elegant aus daß Cannabis das Kurzzeitgedächtnis blockiert, was sich als Lernhemmnis zeigt.

Wie soll man das in den Griff bekommen, wenn man legalisiert?

Eher sollte man darauf achten daß man langsam aber sicher mehr Vernunft umsetzt, was Drogenkonsum allgemein angeht. Kriminalisieren muß man deshalb keinen, nur einfach aufklären. De fachto wird ja wegen reinem Konsum eh keiner mehr bestraft - aber einen Gefallen tut er sich eher wenn er es sein läßt.

@Burkl
Überziehung schadet. Nikotin macht süchtig, Cannabis nicht. Wie soll sich Vernunft nur durchsetzen wenn man verteufelt, mit falschen Argumenten.
dtrainer hat folgendes geschrieben:
@Burkl
Überziehung schadet. Nikotin macht süchtig, Cannabis nicht. Wie soll sich Vernunft nur durchsetzen wenn man verteufelt, mit falschen Argumenten.


Zunächst einmal - auch Cannabis macht süchtig, wenn auch weniger stark als Nikotin - hier ein Link zu einer wissenschaftlichen aktuellen Studie, die Sucht- und Schadenspotentiale gängiger Drogen in einem Raster bewertet hat:

http://de.wikipedia.org/w/index.php.....mean_dependence%29_de.svg

Man sieht auf dem Diagramm gut, dass Cannabis hinsichtlich des Abhängigkeitspotentials ca. auf der Stufe der Amphetamine ist und sogar über dem ebenfalls illegalen LSD.

Ich verteufle Cannabis im Übrigen nicht - es kann in der Medizin sogar Segen bringen.

Ich bin nur der Meinung, dass man mit der Legalisierung einer zusätzlichen Droge keine Probleme hinsichtlich der vorhandenen löst und es sogar so eine Art negativen gegenseitigen "Verstärkereffekt" geben kann (der Joint ist geradezu ein Sinnbild dafür).

LG Burkl
Das ist eine Mischgrafik die Suchtgefahr und sozialen Schaden darstellt. Dabei kann man nicht erkennen daß die Suchtgefahr keineswegs als bewiesen gelten kann
Zitat:
Ob und welche Gesundheitsfolgen durch Cannabiskonsum auftreten ist umstritten und lässt sich pauschalierend nicht beantworten. Während Auswirkungen auf die Atmungsorgane und ein erhöhtes Krebsrisko, beim Inhalieren von Cannabis, weitgehend unbestritten sind, jedoch in ihrem Potential erheblich von der Konsumform abhängen, ist die Datenlage bezüglich eventueller der gesundheitlicher Auswirkungen auf die Psyche, der Entwicklung einer Abhängigkeit u.ä. Fragestellungen, uneinheitlich. Es ist ungeklärt, ob und wenn ja, für welchen Personenkreis welche Dosis schädigend wirkt und ob unter Umständen bereits einmaliger oder seltener Konsum gesundheitliche Probleme bewirken kann.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cannabis_als_Rauschmittel

- aber auch in dieser Grafik ist gut zu sehen daß z.B. der akzeptierte Alkohol schädlicher ist. Nikotin fehlt leider.
Generell: Drogen sind nicht notwendig, für nichts. Ich kann nicht erkennen warum man die eine (Alkohol) als tolerabel sehen, Cannabis aber zur Gefahr erklären kann. Beide haben unterschiedliche Nachteile. Alkohol kann töten...

Wer also für ein Cannabisverbot plädiert, macht sich unglaubwürdig wenn er Alkohol akzeptabel findet.
_________________
Der Blick reicht immer nur bis zur nächsten Wegbiegung.
dtrainer hat folgendes geschrieben:
Wer also für ein Cannabisverbot plädiert, macht sich unglaubwürdig wenn er Alkohol akzeptabel findet.


Alkohol ist in der Gesellschaft sehr tief verankert und aus dem Alltag eigentlich vernünftig nicht wegzudenken. Alkoholische Getränke sind Teil der europäischen Kultur. Die Prohibition wäre gesundheitspolitisch völlig aussichtslos und daher Unsinn.

Cannabis dagegen offiziell "gesellschaftsfähig" zu machen kreiert meiner Meinung nach neue Probleme und löst keine. Die vorhandenen Dealer würden nicht verschwinden sondern sich eben noch mehr auf ihr Kerngeschäft - das "harte Zeug" - konzentrieren. Und Tabakabhängigen würde durch das potentiell legale Rauchen von Joints sicherlich auch nicht geholfen - was wäre das für ein Signal, wenn auf allen Fronten gegen Tabak gesundheitspolitisch mobil gemacht wird und auf der anderen Seite führte man eine neue hauptsächlich in Kombination mit Tabak gerauchte Droge ein?