Und wieder Mal : Buddhismus und Gott und Götter


Hallo Lieber Joop,


Du hast geschrieben :

Zitat:
Verfasst am: So 20 Feb, 2011 13:06
Titel: Warum friedliche und rasende Gottheiten?

Liebe Leute, ich brauche eure Hilfe, da ich nicht mehr weiter weiß zum Thema: “Friedliche und rasende Gottheiten“.
Warum gibt es die überhaupt? Ich habe gedacht, dass der Buddhismus ohne Gottheiten auskommt.
Gehe ich recht in der Annahme, dass dies nur ein Gedankenkonstrukt ist.
Im tibetischen Totenbuch werden diese “friedliche und rasende Gottheiten“ in etliche Seiten erwähnt, wie z.B. Seite 499.
Hier gibt es folgende Erklärung:
Zitat Anfang:
„Die Friedliche Gottheiten repräsentieren die stille natürliche Reinheit diese grundlegenden Komponenten unseres Seins und die Rasende Gottheiten repräsentieren die umwandelnden Aspekte dieser Energien, die die natürliche Umwandlung der hartnäckigsten und tiefsitzenden Ausdrucksformen unserer weltlichen Wahrnehmungszustände bewirken.“
Zitat Ende.


Es gibt diese unterschiedlichen Arten von Göttern ( Himmelswesen, Engeln etc . ), weil es das Gesetz von Karma gibt. Jede Tat, welche mit Absicht verbunden ist hat ihre Rückwirkung. Diese bestimmt mit welchen Charaktermerkmalen und äußerlichen Merkmalen, man wo wieder erscheint. So wie man auch hier schon auf Menschen mit vermischten Eigenschaften trifft, so trifft man, zunächst, auch auf den niedereren Ebenen der Himmelswelten auf solche Arten von Göttern. Auf den höheren Ebenen werden auch diese vollkommen in den Eigenschaften des Herzens, jedoch ohne die Vervollkommnung der Eigenschaften der Weisheit kommt man zu keinem Endziel. Somit ist es nur eine Frage der Zeit, bis man wieder herab fällt und sich erneut um die Reinheit des Herzens bemühen muss.

Ich denke, es wäre gut, wenn du hierzu diesen Thread durchließt, damit du einen Eindruck davon gewinnst was laut ursprünglicher Lehre gemeint ist:

http://buddhismus.kostenloses-forum.tk/buddhismus-about194.html

Und die Lehre des Erwachten kommt nicht darüber hinweg, diese " Realität ", weil sie existenziell vorhanden ist, zu leugnen. Deswegen ist es auch nicht richtig hierbei von einer Projektion im Sinne von " nicht wirklich real " zu sprechen. Vielmehr ist es eine ebenso reale Welt wie diese in der wir leben. Diese Unterscheidung ist oft ein Ergebnis von falschen Ansichten. Und dies rührt daher, weil du dich an Kommentaren oder Sub - Kommentaren zu der Lehre orientierst. Das Tibetische Totenbuch gehört nicht zu den ursprünglichen Quellen. Sie ist nicht ein Teil des Palikanons.

Ebenso finde ich auch das die heutige Praxis des tibetischen Buddhismus nicht der ursprünglichen Lehre entspricht. Hierzu sprechen einfach viel zu viele Widersprüche in sich und somit auch im Hinblick auf die Lehre. Aber dies ist ein Thema, das man unter Umständen in einem anderen Thread besprechen könnte, da es sich hierbei auch um eine vielfälltige Sache handelt.

Ganz unabhängig davon erscheint es mir viel wichtiger den zweiten Teil deiner Frage zu beantworten. Die Frage, ob man diese Welt der Götter bräuchte.

Und hierzu kann ich dir eine klares " Nein " geben. Man braucht sie nicht wirklich, aber sie ist nun einmal da. Und da es innerhalb der Lehre um die Wirklichkeit ( Realität ) geht, werden sie entprechend aufgeführt. Doch letztlich hängt es von der eigenen Praxis und der Reinheit des Herzens ab, in wieweit man sich dieser Tatsache bewusst wird oder nicht.

Die Verantwortung jeder Handlung liegt stets und immer nur bei einem Selber. Nur indirekt tragen Gott und Götter zum positivem Wandel des Herzens bei. Sie dienen oft als Motivationsquelle und Grundlage alles Guten.

Aber da auch sie noch dem Verfall und der Vergänglichkeit unterworfen sind, können sie im Hinblick auf das Endziel nicht gehalten werden. Mag die Lebensspanne noch so unvorstellbar lange andauern und mag man noch so oft von etwas ewigem Reden. Es ist nun mal Fakt, dass wo immer es etwas geschaffenes gibt, der Verfall schon mit eingeschlossen ist. Ein jeder Wahrnehmungsakt ( jeder Moment ) wird wahr genommen, weil sie sich verändern. Somit können weder ein Gott noch irgendwelche anderen Gottheiten eine entgültige Lösung des Problems der Vergänglichkeit bieten. Und deswegen kommt der Buddhismus locker auch ohne diese aus.


LG

Natha
_________________
"Es ist gut wenn uns die Zeit, die vergeht,
nicht als etwas erscheint was uns verrinnt,
sondern als etwas daß uns vollendet "
''Rasende Gottheiten'' ist eine gute Definition für den zerstörer-aspekt (der da auch mit sicherheit gemeint ist)... in jeder welt-religion ist von der trinität die rede... erbauer-erhalter-zerstörer... so funktioniert die welt, schauen wir nur die natur, oder uns selbst an, sehen wir immer diese 3 mechanismen... damals im dritten reich hat z.b. adolf hitler wie als eine rasende gottheit gewirkt... er hat den zerstörer aspekt mit großer sicherheit in seinem größten umfang in der neueren geschichte repräsentiert.
Hallo an alle,


retual schrieb:

Zitat:
''Rasende Gottheiten'' ist eine gute Definition für den zerstörer-aspekt (der da auch mit sicherheit gemeint ist)... in jeder welt-religion ist von der trinität die rede... erbauer-erhalter-zerstörer... so funktioniert die welt, schauen wir nur die natur, oder uns selbst an, sehen wir immer diese 3 mechanismen... damals im dritten reich hat z.b. adolf hitler wie als eine rasende gottheit gewirkt... er hat den zerstörer aspekt mit großer sicherheit in seinem größten umfang in der neueren geschichte repräsentiert.


sorry lieber retual, aber ganz offensichtlich wurde auch hier von dir das Thema verfehlt. Wir sprachen hier nicht von irgendwelchen Aspekten sondern von Realitäten. Die Götter und die Götterwelten sind Reale Existenzebenen. Ebenso Karma. Und einen so verblendeten und größenwahnsinnigen Menschen wie Hitler mit dem Begriff von Gott gleichzusetzen bedeutet, dass auch du noch einen sehr langen Weg vor dir hast.

Zudem beinhaltet die Lehre des Erwachten keine Trinität, wie von dir aufgeführt. Wir sprachen über die buddhische Sichtweise zu diesen Dingen. Wenn du etwas über deine Ansichten, die von den Weltreligionen geprägt zu sein scheinen, besprechen möchtest, so gehe bitte in die vorgesehenen Forenbereiche. Deine Äußerungen haben nichts mit der buddhistischen Lehre gemein.

Alles gute dir

Natha
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"Es ist gut wenn uns die Zeit, die vergeht,
nicht als etwas erscheint was uns verrinnt,
sondern als etwas daß uns vollendet "
Ich antworte hier nur um das was ich gesagt habe ausdrücklich nachwievor für gut und richtig zu halten... ein punkt möchte dafür aufgreifen... ich bezeichne hitler als einen repräsentanten des göttlichen zerstöreraspektes wie er im großen und auch im kleinen vorkommt... er war meiner meinung nach ein medium für wesen die dem materiellen aspekt der welt vorschub leisteten... damit leben entstehen kann muss auch leben verschwinden.... das liegt jenseits von ''gut und böse'' und ist ein reiner mechanismus der natur.
Liebe(r) Natha

Ich muss dir für den schönen Namen dieses Themas danken. (Und wieder Mal...). Das klingt eindeutig nach Samsara.

Diese ganzen Fragen bezüglich Götter im Buddhismus, buddhistischer Mystik etc. tritt immer wieder zu Tage und wird nie enden.

Hier meine Meinung dazu:

Selbstverständlich gibt es Quellen vom Pali-Kanon bis hin zu tibetischen Texten die dieses Thema behandeln. Ich zweifle Überlieferungen, sowohl schriftlich als auch mündlich, prinzipiell an, da sie immer etwas verzerrt werden. So haben sich z.B. der Buddhismus und der Daoismus zur Zen Richtung verschmolzen. Das ist nur menschlich. Genauso hat sich, meiner Meinung nach, der Buddhismus mit der damals herrschenden Götterwelt verschmolzen bzw. die Götterwelt aus buddhistischer Sicht versucht zu erklären.
Ich zweifle deshalb an diesen Überlieferungen, weil der Buddha an anderen Stellen zitiert wird, dass er Fragen über die Entstehung des Universums und andere metaphysischen Fragestellungen als bloße Spekulationen abtat und sich weigerte darauf eine konkrete Antwort zu geben.

Aus Thich Nhat Hanh - Wie Siddhartha zum Buddha wurde:

Die vielen tausend Meinungen, die es gegenwärtig gibt, lassen sich alle im Netz dieser zweiundsechzig Theorien finden. Bhikkhus, fallt nicht in
dieses betörende Netz hinein! Ihr vergeudet nur eure Zeit und
verpaßt die Gelegenheit, den Weg der Erleuchtung zu praktizieren.
Fallt nicht in das Netz bloßer Spekulation hinein!
Das spielt auf das erste Sutra des Digha Nikāya an.

Und das ist auch meine Meinung: In der täglichen Praxis sind diese Fragen und Spekulationen bedeutungslos und vertane Zeit.

Alles Liebe
"Um sich im Unendliche zu fnden, muss Mensch erst unterscheiden und dann verbinden!"

(J.W.v.Goethe?)

Hinayana, Theravada, Mahayana, Vajrayana, Taoteismus, Chan, Zen sollten wie Korinthen, Rosinen, Sultaninen, obwohl recht aehnlich troztdem gut von einander unterschieden werden!

So wie sich ein Maultier, Ein Pferd und ein Esel aehneln, so aehnenln sich gewisse Grundzuege in den Religionen und in ihren Zweigen; wie Zweige an einem Baum sich immer feiner veraesteln, jedoch alle aus ein und dem selben Stamm hervorspriessen!

Was Goetter, Engel, Daemonen etc. anbetrifft so fand besonders im tibetisch tantrischen Vajrayana eine Vermischung des bestehenden einheimischen "Boen" Animismus und seiner Goetter mit dem aus Indien importierten Buddhismus statt, man hat sich das dann so "hingebogen" bis alles passte!

In Thailand, wo der Theravada Buddhismus heimisch ist, fand eine Vermischung des dortigen Animismus statt.

Daher all die unzaehligen Erscheinungen wie Yamantaka, Manjusri, Tara, die Boddhisattvas, Geister, Goetter und Daemonen - uebrigens ein interssanter Aspekt das Einbeziehen des Boddhisattvaideals!

Im Gegensatz zu den nihilistisch, recht auf das Individium bezogen anmutenden rein ur-buddhistischen Lehren des Dhammapada!

Das Verstehen des indisch-tibetischen Goetterpantheons bedarf es einiger Studien, handelt es sich um, der Einfachheit, dem besseren Verstaendniss Willen, um personifizierte Kraefte, denen Gestalt mit verschiedenen symbolischen Attributen zugeordnet wurden!

Wie z.B. Yama, der Gott des Todes, der Zeit und zugleich auch Dharmaraja der Herr des Dharma, der Rechtschaffenheit bei den Hindus, der als Yama das Rad der Wiedergeburt dem Sterbenden vorhaelt das als Spiegel zu verstehen ist!

Yama und der weibliche Aspekt Yami in den Veden, als de fakto Adam und Eva gesehen, spielen in der hinduistischen Religion kaum eine Rolle, mehr in der Mythologie, im tibetischen Lamaismus hingegen wurde der Goetterfigur als Yamantaka eine recht zentrale Stelle zugeordnet!

Das ist, genau wie Long Road im Vorpost schon schreibt prinzipiell unwichtig, da es eher vom Pfad, der Praxis ablenkt und auch rasch irrefuehrend sein kann, als das dieses symbolisch-okkulte Ritual-Wissen dem Adepten etwas wahrhaften Nutzen bringen koennte!

In den Mythen des Hinduismus sind die Goetter und Goetzenscharen schier unendlich, muss Mensch auch nicht alle kennen.

Persoenlich halte ich allerdings Wissen, d.h. das Studium der verschiedenen Aspekte des Denkens, der Welt der Erscheinungen, wie diese hervortreten wie sich Denken manifestiert etc. fuer recht wichtig und dem groesseren Verstehen der Zusammenhaenge fuer foerderlich, siehe Samkhya-Karika und Avibhagadvaita - "nichtunterscheidbaren Nichtdualismus"!

Bezueglich der Thematik duerfte es voellig ausreichen den Buddha in erster Linie als Lehrer der von ihm verkuendeten Heilsehre zu verstehen, besonders unter dem Aspekt das "Buddhi" das Prinzip der Intelligenz, das reine Bewusstsein bedeutet, kommt man dem eigentlichen Sinn all dieser unzaehligen Worte ein gutes Stueck naeher.