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Was bedeutet "des ewigen Lebens verlustig gehen"?












Lieber Jerrybo!

Du hast den Begriff "des ewigen Lebens verlustig gehen" sehr schön er-
klärt! Danke!
Aber unter "ewigem Leben" verstehe ich, dass man als Bewusstsein
ewig existiert. Egal, ob auf einer niedrigen oder einer höheren Stufe.
Sicher ist es optimales Leben, wenn man bei Gott ist. Aber um auf
diese Stufe zu kommen, muss man wahrscheinlich alle genannten
"Anforderungen" erfüllen So stelle ich es mir halt vor, um
wirklich bei Gott sein zu können.
Aber wenn ich ewiges Leben als ewiges "mir bewusst sein" vorstelle,
dann habe ich schlechte Chancen, wenn ich die hohen Anforderungen
nicht erfüllen kann. Verstehst Du meine Sicht? Darum fragte ich mich,
wo ich denn hinkomme, wenn ich des ewigen Lebens verlustig gehe

Liebe Grüße, Minou
Lieber Robinson!

Danke für Deinen Buchtipp! Aber kann man diese Frage nicht auch kurz
erklären, damit man nicht wieder ein ganzes Buch darüber lesen muss?

Deinen Vergleich mit dem Elefanten kenne ich; aber ich verstehe nicht,
was er mit dem Begriff "des ewigen Lebens verlustig gehen" zu tun hat
Baha'u'llah schreibt ja, wenn ihr diese Dinge nicht tut... "geht ihr des
ewigen Lebens verlustig". Das heißt, für denjenigen gibt es dann kein
Leben nach dem Tod?! Unter "ewigem Leben" verstehe ich halt schon
die Existenz meiner Seele beziehungsweise meines Bewusstseins über
den Tod hinaus. Weißt, was ich meine?

Mit Deinem Vergleich Stein - Pflanze - Tier bringst Du mich sofort auf
eine neue Frage. Stein, Pflanze und Tier haben ja auch eine Seele. Aber
wenn es heißt "des Lebens verlustig gehen", stirbt ja quasi diese Seele.
Oder mache ich einen Denkfehler?
Wie ist es zu verstehen, wenn Baha'u'llah sagt, das Mineralreich habe
sich zum Pflanzenreich, das Pflanzen - zum Tierreich usw. entwickelt?
Ist da gemeint, dass aus Mineralseelen Pflanzenseelen usw. werden?
Da wären wir ja bei der Wiedergeburt. Und die wird doch verneint
Du siehst, ich stecke noch sehr in den Kinderschuhen !!!
Ich hoffe, Du bist nicht ungehalten wegen meiner vielen Fragen!
Liebe Grüße, Minou
Liebe Minou!

Das ist auch für mich ein recht wichtiges Thema, zu dem ich gern etwas beitrage -
bin aber heute den ganzen Tag unterwegs...
Was Baha'u'llah da sagt, bezieht sich wohl auf das Gedicht von Rumi, das ich hier
zitiert habe - ich glaube nicht, dass damit eine Einzelseele gemeint ist.
Liebe Freunde,

Ein wirklich sehr interessantes Thema! Zu dem Begriff "ewiges Leben" fällt mir diese Stelle aus den Evangelien ein:

Zitat:
Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: "Herr, erlaube mir, daß ich vorher hingehe und meinen Vater begrabe."
Jesus entgegnete ihm: "Folge mir und laß die Toten ihre Toten begraben."


Er beschreibt somit einige Menschen als tot, obwohl sie ja am Leben sind.

Und so steht auch in den Bahá'í-Schriften, dass jeder Mensch in die nächste Welt übergehen wird, also jeder wird ewig leben, egal ob er ein gutes oder schlechtes Leben geführt hat. Aber es gibt den Unterschied zwischen dem wahren ewigen Leben, das daraus besteht Gott nahe zu sein, und einem Leben, in dem man Gott fern ist - welches als Todsein erachtet wird.

Ewiges oder Wahres Leben ist also etwas, das es nicht nur in der nächsten Welt gibt, sondern auch schon hier und jetzt - denn man kann sowohl in dieser als auch in der nächsten Welt leben; wenn man aber den Sinn des Lebens verfehlt hat, so führt man ein totes Leben und geht des "ewigen (wahren) Lebens verlustig".

Bin also auch der Meinung, dass es hier immer wieder um das Eine geht: nämlich, ob man Gott nahe oder fern ist, ob man ihn liebt, ob man Glauben besitzt, ob man dient usw....
Liebe Freunde,

ihr habt sehr inspirierend geschrieben, und ich fühle mich bewegt ein par Textstellen von Bahá'u'lláh anzuführen zu diesem Thema, die mir in den Sinn kamen beim lesen eurer Worte:

Zitat:
"Verherrlicht bist Du, o Herr mein Gott! Du hast Deinen Dienern in Deinem höchsten Paradiese so hohe Rangstufen zuerteilt, daß alle im Himmel und auf Erden wie vom Donner gerührt wären, würde auch nur eine davon menschlichen Blicken enthüllt. Bei Deiner Macht! Wären Könige Augenzeugen solch großer Herrlichkeit, sie legten sicherlich all ihre Reiche ab und hielten sich an jene Untertanen, die in den Schatten Deiner unermeßlichen Gnade getreten sind und Obdach bei Deinem allherrlichen Namen suchen." (**1)


so deutet Bahá'u'lláh an, was Er nicht enthüllen darf, denn:

Zitat:
Das Wesen der Seele nach dem Tode läßt sich niemals beschreiben, noch ist es angemessen und erlaubt, ihre ganze Beschaffenheit den Augen der Menschen zu enthüllen..." (**2)


So schrieb Bahá'u'lláh an Javad, einen der frühen Gläubigen:

Zitat:
Wollten Wir deine Stufe enthüllen, die Herzen der Menschen würden zutiefst erschüttert, ihre Füße würden straucheln, die Verkörperungen der Prahlsucht wären sprachlos, fielen zu Boden nieder und steckten die Finger der Achtlosigkeit in die Ohren, um nichts hören zu müssen. (**3)


Es geht also um ewiges Leben in Qualität, und nicht in Quantität, denn die Quantität ist ewig in der Dauer, und die Qualität ist ewig im Reichtum der Vielfalt und der Mannigfaltigkeit der Paradiese und somit der Wirkungsmöglichkeiten für die Seele in den geistigen Welten.

Zitat:
Wir wagen nicht, an diesem Tage den Schleier vor jener erhabenen Stufe zu lüften, die jeder wahre Gläubige erreichen kann, denn die Freude, die eine solche Offenbarung erregen muß, könnte bei manchen bewirken, daß sie ohnmächtig werden und sterben. (**4)


Der wahre Gläubige ist Sinn und Zweck der ganzen Schöpfung. Jeder Bahá'i weiß es und bestätigt es jeden Tag, im Pflichtgebet:

Zitat:
"Ich bezeuge o mein Gott, daß Du mich erschaffen hast, Dich zu erkennen und Dich anzubeten". (**10)


und hier:

Zitat:
Wenn die Segnungen, die allem Erschaffenen zuteil wurden, so groß sind, wie hoch überlegen muß da das Schicksal des wahren Gläubigen sein, dessen Sein und Leben als ursächlicher Zweck aller Schöpfung anzusehen ist. (**5)


ergänzend:

Zitat:
Der Tod kann niemals zu dieser heiligen Stätte dringen. (**6),


erwähnt Er im Bezug auf den Wohnort der Seele des wahren Gläubigen.


Die Offenbarung Gottes ist noch jung, es ist geistige Frühlingszeit, das Wort Gottes ist sein eigener Schleier und enthüllt die in ihm verborgenen Möglichkeiten nach und nach. So entwickeln sich vor unseren Augend die Wissenschaften in atemberaubender Geschwindigkeit, in wenigen Jahren unendlich viel mehr als in allen Zeiten zusammengenommen früher. Es ist die Gabe Gottes an die Menschheit im Zeitalter der Einheit des Planeten.

An diesem Tage wird sie fest begründet, die vereinte Seele der Menschheit ist Gottes Sehnsucht an diesem Tage, und wir dürfen daran mitwirken, die Schönheit jenes Antlitzes zu enthüllen.

Ja, wir müssen gewisse Eigenschaften erwerben, und nur wenn wir sie erworben haben haben wir die Erfordernisse erworben, die für das ewige Leben vonnöten sind.

Wirft aber Er, Gott, Seine Liebe in des Menschen Herz, so erstrahlt das Herz so hell wie ein der Sonne zugewandter Spiegel. Und dann ist es nicht mehr möglich, im Spiegel etwas anderes zu sehen als das blendende Licht der Sonne. Irgendwelche Macken, Sprünge oder am Rahmen abgestoßene Farbe verschwinden völlig. So sagt Er:

Zitat:
"Wer Mich liebt, besitzt alle Dinge, wer Mich aber nicht liebt, der gehört fürwahr zu den Armen und Bedürftigen". (**11)


Das scheint mir also mit "wahrer Gläubiger" gemeint, Ihn zu erkennen und Ihn zu lieben, Sein Licht im Herzen wiederstrahlen zu dürfen. Wahrlich Er schaut auf uns, erblickt uns und sagt, einem jeden von uns ganz für sich alleine: "Schau, ich habe dich - ja dich !!! - lieb, und ich habe damals (vor 5.000 Millionen Jahren) die Sonne erschaffen damit du mich heute (nach 5.000 Millionen Jahren) liebst. Und wir begreifen, was es bedeutet, ..."besitzt alle Dinge"... und fühlen die Liebe Gottes in unsere Herzen gesenkt, werden entzückt, entflammt und begeistert, und schmelzen dahin, vor dem Antlitz dieser allüberragenden Herrlichkeit, vor dem Antlitz Gottes, Bahá'u'lláh.

Es gibt keine andere Möglichkeit Ihn zu erkennen als mit Seinem Eigenen Auge, das bezeugt Er selbst:

Zitat:
Wenn es euer Wunsch ist, o ihr Menschen, Gott zu erkennen und die Größe Seiner Macht zu entdecken, dann schaut auf Mich mit Meinen eigenen Augen und nicht mit den Augen eines anderen außer Mir. Nie werdet ihr sonst imstande sein, Mich zu erkennen, selbst wenn ihr über Meine Sache nachdenkt, solange Mein Reich dauert, und über alles Erschaffene nachsinnt durch alle Ewigkeit Gottes, des höchsten Herrn über alle, des Allgewaltigen, des Allewigen, des Allweisen. (**7)


Fragen wir uns, wer kann es wagen, Gott "ins Auge zu schauen" und Ihm aufzuzählen, daß er nun jene Eigenschaften alle erlangt habe und nun Anrecht habe auf das ewige Leben? Gäbe es diesen Menschen, gäbe es keine Schöpfung. Wollte Gott die Vollkommenheit, gäbe es keine Schöpfung die in der Zeit entsteht. Er würde Sich Selbst ganz allein in Sich Selbst genügen, und in der Vollkommenheit Seiner eigenen Vollkommenheit ruhen.

Von daher gilt es, daß wir uns um die guten Eigenschaften bemühen, aber auch voller Zuversicht sein dürfen in Seiner Liebe, denn

Zitat:
"Er, wahrlich, liebt den, der sich Ihm zuwendet." **8


Denn unser Herz ist der Sonne zugewandt, und der Spiegel gibt das Sonnenlicht in gleicher weise wieder, im Tal, und auf dem Berge. Und darauf, kommt es an. Die Tugend zu lieben, und Gott zu lieben, und auf dem Wege zu Ihm, Ihm zugewandt, zu sein. So müssen wir nicht verzagt sein, sondern können und dürfen das Licht dieser Herrlichkeit auf uns scheinen lassen:

Zitat:
O Menschen, laßt das Licht seiner Herrlichkeit auf euch scheinen und gehört nicht zu den Nachlässigen! **9




Alles Liebe von Yojo, Königin Helga Maria's Zweig


Quellenangaben zu den Zitaten:

**1 (Baha'u'llah, Gebete und Meditationen 123:1)
**2 (Baha'u'llah, Aehrenlese 81:2)
**3 (Baha'u'llah, Aehrenlese 103:2)
**4 (Baha'u'llah, Aehrenlese 6:1)
**5 (Baha'u'llah, Aehrenlese 73:1)
**6 (Baha'u'llah, Aehrenlese 73:1)
**7 (Baha'u'llah, Aehrenlese 127:1)
**8 (Baha'u'llah, Aehrenlese 134:3)
**9 (Baha'u'llah, Aehrenlese 149:1)

**10 (Bahá'u'llah, das kurze Pflichtgebet)
**11 (Baha'u'llah, Worte der Weisheit)
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