Gibt es so etwas wie Bestimmung?


Evolutionsbiologisch betrachtet gibt es so etwas natürlich nicht, im Gegenteil soll es für jeden Menschen eine ganze Reihe von potentiellen Partnern auf der ganzen Welt geben. Wem man über den Weg läuft oder nicht hängt demnach allein von Wahrscheinlichkeiten ab und Attraktivität ist der entscheidendste Faktor bei der Partnerwahl.

Ich werde aber nicht die Illusion los, dass es vielleicht doch den einen Menschen gibt, so unlogisch es auch sein mag, der für einen bestimmt ist. Dass es doch einen höheren Grund gibt, für das, was auf der Welt passiert und nicht alles reine Wahrscheinlichkeit ist.
Woher kommt dieses Bedürfnis im Menschen, sich an einen anderen Menschen binden zu wollen?

Es macht, wie ich finde, einen großen Unterschied, ob es für das einzelne Individuum die für einen bestimmte zweite Hälfte gibt, oder aber nur eine Reihe von potentiellen (Fortpflanzungs-)Partnern.

Sofern es Bestimmung gibt, könnte es aber auch sein, dass jemand nicht dazu bestimmt ist, sich zu binden. Wie soll so ein Mensch mit dem Bedürfnis nach Bindung umgehen?

Es gibt Menschen, die ihr Leben lang in Sehnsucht nach wahrer Liebe durch unglückliche Beziehungen stolpern und nie den richtigen Menschen für sich finden. Genauso gibt es Paare, die nur in emotionaler und körperlicher Abhängigkeit ihre innere Leere und Angst vor dem Alleinsein zu trösten versuchen, ohne aber dass sie sich wirklich lieben.

Ist es naiv von einem Menschen, auf seine Bestimmung zu vertrauen und alle anderen Menschen, die sich in ihn verlieben, abzuweisen, weil er darin nicht den bestimmten zu sehen scheint?
Oder muss dieser Mensch sich wohl oder übel später Vorwürfe machen, warum er es nicht mit einem der anderen Menschen wenigstens versucht hat, weil es den bestimmten Menschen nicht gibt, und es nie 100 Prozent passen kann? Ist es aber andererseits vielleicht sogar besser, alleine zu bleiben als eine Reihe von unglücklichen oder lauwarmen Beziehungen durchzumachen?

Was denkt ihr?
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Eigenartig

wie das Wort eigenartig
es fast als fremdartig hinstellt
eine eigene Art zu haben.

[Erich Fried]