Christen im Irak erneut Opfer von Islamisten


"Bei der Beendigung einer Geiselnahme in einer Kirche im Stadtzentrum von Bagdad sind am Sonntag nach irakischen Angaben bis zu 52 Geiseln ums Leben gekommen. Bei der Befreiung der mehr als 100 Geiseln, die in der Kirche festgehalten wurden, wurden nach früheren Angaben auch sieben irakische Sicherheitskräfte sowie zwischen fünf und sieben Geiselnehmer getötet.

Zu dem Überfall bekannte sich der Al-Kaida-Ableger Islamischer Staat Irak. Wie das auf die Überwachung islamistischer Websites spezialisierte US-Unternehmen SITE am Montag mitteilte, erklärte die radikal-islamische Bewegung, eine „Gruppe wütender Gotteskrieger“ habe die syrisch-katholische Kirche in der irakischen Hauptstadt überfallen, die „schon immer von den Christen im Irak als Hauptquartier für den Kampf gegen den Islam“ genutzt worden sei.

Christen im Irak werden immer wieder Ziel von Gewalttaten. Ende 2008 wurden bei einer Anschlagsserie 40 Christen getötet. Die nun betroffene Kirche war bereits 2004 zusammen mit weiteren christlichen Einrichtungen in Bagdad Ziel von Angriffen gewesen. Derzeit leben im Irak rund 300.000 Katholiken."

http://www.orf.at/stories/2023057/2023056/

"In 50 Jahren gar keine Christen mehr?

Seitens CSI belegte Elmar Kuhn den rasant anwachsenden Exodus der orientalischen Christen mit Zahlen: Vor hundert Jahren machten Christen rund 20 Prozent der Bevölkerung im Nahen Osten aus; deren Anteil sank inzwischen auf zwei Prozent und sinke weiter. Im Libanon etwa verringerte sich die Zahl der Christen von 60 Prozent auf rund ein Drittel, in der Türkei von einem Fünftel auf unter ein Prozent.

Auch auf der Nahost-Synode sei, wie Kathpress berichtete, darauf hingewiesen worden, dass es in 50 Jahren in vielen muslimisch dominierten Ländern der Nahost-Region überhaupt keine Christen mehr geben könnte."

http://www.orf.at/stories/2023057/2023062/
Zitat:
Der Hass auf die christliche Religion in vielen islamischen Ländern ist ganz stark. Und ich denke, dass das nicht nur etwas mit den Nahostkriegen der USA zu tun hat - es steckt mehr dahinter...


Komisch nur, dass er seitdem und seit dem massiven Einmarsch von evangelikalen Missionaren in den Irak und andere Länder so angestiegen ist, oder? Das Rechtfertigt sicher solche Gräule nicht, zeigt aber einen ganz anderen Kontext auf.

Ich verweise hier noch einmal auf die historische Tatsache: Nach über 1300 Jahren leben Juden und Christen in der islamischen Welt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sind Juden sogar in Schaaren ins Osmanische Reich geflohen, da sie dort, im Gegensatz zum christlichen Europa, verhältnismäßig ihre Ruhe hatten. Nachdem Juden Christen über Jahrhunderte auf der islamisch besetzt iberischen Halbinsel leben konnten gab es nach der Rückeroberung durch die Christen bald keinen einzigen Muslim mehr auf der Halbinsel. Dann wurden die Juden vertrieben und schließlich kam die Inquisition.

Ja hinter dieser Problematik steckt mehr nämlich der historische Kontext und wie weit man den universellen Geltungsanspruch totalitär durchsetzt. Da hat sich das Christentum im Gegensatz zum Islam nie zurückgenommen. Religionsfreiheit und Menschenrechte entspringen nicht dem Christentum sondern wurden nach den Schrecken der Konfessionskriege und der Vorherigen Korruption der katholischen Kirche gegen das Christentum durchgesetzt. Fakt ist das der Islam weit mehr Ansätze zur Tolerierung anderer Religionen hat als das Christentum. Es ist nur schlicht so, dass das Christentum in sehr vielen Bereichen unserer westlichen Gesellschaft nichts mehr zu melden hat.

Zitat:
Der Islam ist von seinem Wesenskern her - und das ist (leider) meine Meinung - antijüdisch und antichristlich eingestellt. Was natürlich nicht heisst, dass es auf alle Muslime zutrifft. Aber der "Trend" in der islamischen Welt gegenüber Christen ist ein ganz klarer - Intoleranz und zum Teil echter Hass...


In der Tendenz stimmt das sicher. Nur ist das Christentum noch weit feindlicher jeder anderen Religion gegenüber eingestellt als der Islam. Im Iran gibt es noch Zarathustrier, in fast jedem Land der islamischen Welt gibt es noch Juden und Christen, in Indien leben noch Sikh, Buddhisten und Hindus. Wo sind denn die "eingeborenen" Religionen Europas hin nach dem Siegeszug des Christentums? Was Christen mit den Juden so alles angestellt haben im Zeitraum von 2000 Jahren, darüber wollen wir mal gar nicht sprechen.

Wie du selbst zugibst: Es handelt sich um einen "Trend" und den feuern die USA und diverse christliche Gruppen noch ordentlich an. Das verwundert auch nicht, wo einige von diesen Gruppen sich doch den Endkampf der Guten gegen die Bösen ersehen.
Zitat:
Religionsfreiheit und Menschenrechte entspringen nicht dem Christentum sondern wurden nach den Schrecken der Konfessionskriege und der Vorherigen Korruption der katholischen Kirche gegen das Christentum durchgesetzt.


Das stimmt so pauschal schlicht nicht... Die unterschiedslose gleiche Freiheit und Würde aller Menschen vor Gott ist eine Idee zutiefst christlich ist. Der Islam kennt diese Gleichheit aller Menschen nicht.

Zudem darf ich - zur Rolle des Christentums für die Aufklärung auch noch einmal den Kulturphilosophen Thomas Macho zitieren:

"In dieser Frage komme ich wieder auf die alte These Hegels vom Christentum als der „absoluten Religion“ zurück. Diese These ist insofern plausibel und nicht überholt, als die Religionskritik der Aufklärung ein Stück weit in der christlichen Religion selbst angelegt war. Die „absolute Religion“, die „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (nach Kant), hat etwa die Erklärungen der Menschenrechte begünstigt und ermöglicht. Die universalreligiöse Haltung des Christentums hat sich historisch auch in den zahlreichen Allianzen der christlichen mit anderen Religionen und philosophischen Einsichten gezeigt. In der christlichen Religion, so könnte man mit Niklas Luhmann sagen, ist das System der Religion selbst reflexiv, kritisch wahrnehmbar geworden. Darin besteht auch die bemerkenswerte Überlebenskraft des Christentums."

Zitat:
Wie du selbst zugibst: Es handelt sich um einen "Trend" und den feuern die USA und diverse christliche Gruppen noch ordentlich an. Das verwundert auch nicht, wo einige von diesen Gruppen sich doch den Endkampf der Guten gegen die Bösen ersehen.


Ja - ich sage ja nicht, dass das von von (vor allem evangelikaler Seite) alles kommt - gut ist - im Gegenteil.

Aber Europa und die UNO sollten sich angesichts dieser "neuen Christenfeindlichkeit" in der islamischen Welt ganz klar positionieren, was leider meiner Meinung nach viel zu wenig der Fall ist... Dagegen unterstützt die UNO regelmäßig sehr "durchsichtige" Resolutionsanträge der OIC, die ganz klar auf die Legitimierung der Einschränkung der Religions- und Meinungsfreiheit abzielen.
Oh wie wahr, dem muss man Tobias beipflichten !
Burkl hat folgendes geschrieben:
Zitat:
Religionsfreiheit und Menschenrechte entspringen nicht dem Christentum sondern wurden nach den Schrecken der Konfessionskriege und der Vorherigen Korruption der katholischen Kirche gegen das Christentum durchgesetzt.


Das stimmt so pauschal schlicht nicht... Die unterschiedslose gleiche Freiheit und Würde aller Menschen vor Gott ist eine Idee zutiefst christlich ist. Der Islam kennt diese Gleichheit aller Menschen nicht.

Zudem darf ich - zur Rolle des Christentums für die Aufklärung auch noch einmal den Kulturphilosophen Thomas Macho zitieren:

"In dieser Frage komme ich wieder auf die alte These Hegels vom Christentum als der „absoluten Religion“ zurück. Diese These ist insofern plausibel und nicht überholt, als die Religionskritik der Aufklärung ein Stück weit in der christlichen Religion selbst angelegt war. Die „absolute Religion“, die „Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ (nach Kant), hat etwa die Erklärungen der Menschenrechte begünstigt und ermöglicht. Die universalreligiöse Haltung des Christentums hat sich historisch auch in den zahlreichen Allianzen der christlichen mit anderen Religionen und philosophischen Einsichten gezeigt. In der christlichen Religion, so könnte man mit Niklas Luhmann sagen, ist das System der Religion selbst reflexiv, kritisch wahrnehmbar geworden. Darin besteht auch die bemerkenswerte Überlebenskraft des Christentums."


Dann nenne mir mal eine Menschenrechtserklärung die zu ihrer Zeit nicht von den jeweiligen religiösen Autoritäten abgelehnt oder kritisch beäugt wurden, abgesehen von den Aspekten in denen sie ihnen nutzen.

Das der Islam die Gleicheit aller Menschen nicht kennt grenzt doch schon ziemlich an Lächerlichkeit. Schau dir einmal z.B. die Hidschra oder das Salat an und du merkst was für ein Quatsch diese Behauptung ist. Der Islam kennt die Freiheit des Menschen genauso wie das Christentum.

Die Einschränkung des Christentums in die Schranken der Vernunft wurde auch gegen christliche Autoritäten durchgesetzt. Der Humanismus und die Aufklärung waren eine intellektuelle Strömungen neben orthodoxem Katholizismus und Lutheranismus. Die reformierte Tradition bindet zumindest bis zu einem gewissen Grad eine Ausnahme (deswegen auch der enorme Aufstieg von Ländern in denen sich der Calvinismus verbreitete [Niederlande, England, nordamerikanische Kolonien]). Selbst Kant wurde noch aufgrund seiner religionsphilosophischen Überlegungen von christlichen Autoritäten gegängelt. Macho legt hier aber offenbar eine extrem weites Verständnis von Christentum an in dem wohl jeder als Christ gezählt wird der sich irgendwie zu Jesus bekennt. Das kann man sicher machen (so tat es bereits Thomas Hobbes), nur wird man damit wohl kaum die Tendenzen des "christlichen Kerns" erkennen, sondern beschreibt vielmehr eine vom Christentum sicher zum gewissen Teil beeinflusste Kultur.

Interessant ist allerdings, dass du hier Macho so zitierst als ob er eine kulturelle Überlegenheit des Christentums propagiert. In dem gesamten Artikel von "die Presse" ist das aber nicht so einseitig:

"Der Islam hat ja ursprünglich das reflexive Potenzial der Religion sogar noch gesteigert. Seine Aufklärungsgeschichte hat sich bereits zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert vollzogen. In Spanien formte sich etwa in allen drei monotheistischen Hochreligionen eine Kultur des universalreligiösen Denkens. Der Islam war vielleicht sogar zuerst auf dem Weg zur „absoluten Religion“ (im Sinne Hegels). Verblüffend ist daher, wie es passieren konnte, dass dieser Weg wieder verlassen wurde."

10. bis 13. Jahrhundert empfinde ich zwar als etwas knapp, aber sei es drum...
Tobias hat folgendes geschrieben:
Das der Islam die Gleicheit aller Menschen nicht kennt grenzt doch schon ziemlich an Lächerlichkeit. Schau dir einmal z.B. die Hidschra oder das Salat an und du merkst was für ein Quatsch diese Behauptung ist. Der Islam kennt die Freiheit des Menschen genauso wie das Christentum.


Macho hat folgendes geschrieben:
"Der Islam hat ja ursprünglich das reflexive Potenzial der Religion sogar noch gesteigert. Seine Aufklärungsgeschichte hat sich bereits zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert vollzogen. In Spanien formte sich etwa in allen drei monotheistischen Hochreligionen eine Kultur des universalreligiösen Denkens. Der Islam war vielleicht sogar zuerst auf dem Weg zur „absoluten Religion“ (im Sinne Hegels). Verblüffend ist daher, wie es passieren konnte, dass dieser Weg wieder verlassen wurde."


Der Vernunftbegriff des Islams ist ein gänzlich anderer - zumal die "freie Interpretation" und damit der Gebrauch der Vernunft in Bezug auf die religiösen Quellen im theologischen Mainstream des Islam stark ablehnend gegenüber gestanden wird.

"In der Frühzeit des Islam war Idschtihad eine übliche Praxis und gut mit kalām, seinem säkularen Gegenpart, verwoben. Mit der Zeit kam es aus mehreren Gründen aus der Mode, vor allem aufgrund des Betreibens der ascharitischen Theologen, die darin eine durch Vermessenheit begründete Fehlerquelle sahen. Al-Ghazali war der herausragendste dieser Kritiker und sein Werk Die Inkohärenz der Philosophen wurde so zu einem Standardwerk dieser Ansicht.

Es ist umstritten, ob al-Ghazali die „Schließung der Tore des Idschtihad“ nur beobachtet oder gar eingeleitet hatte. Einigen Stimmen zufolge begann dieser Prozess am Anfang des 10. Jahrhunderts, einige Jahrhunderte nach den Endrevisionen der Hadithe."

http://de.wikipedia.org/wiki/Idschtih%C4%81d

Vielleicht ist ja auch dieses "Schließen der Tore des Idschtihad" ein tragender Grund für den späteren Niedergang der islamischen Hochkulturraumes gewesen...
@ Burkl

Wenn du dich mal bei WikiLeaks umsiehst wirst du bemerken, dass weit aus mehr Muslime im Irak durch christliche Waffen umgekommen sind.

Dass seit 2003 im Irak eine andere Stimmung herrscht, ist wohl nachvollziehbar, ohne es wie Tobias schon sagte gut heissen zu wollen.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Der Vernunftbegriff des Islams ist ein gänzlich anderer - zumal die "freie Interpretation" und damit der Gebrauch der Vernunft in Bezug auf die religiösen Quellen im theologischen Mainstream des Islam stark ablehnend gegenüber gestanden wird.


Ich glaube nicht, dass das Christentum eine freiere Interpretationsmöglichkeit zulässt, da der Islam schließlich keinen Dachverband mehr kennt. Angesichts der ganzen fragwürdigen Reden des Papst Benedikt sehe ich auch keine substantielle Erneuerung in der Mentalität der Kirche.

Welche Vernunft hat die Kirche eigentlich seit ihrer Gründung benutzt ? Die Aufklärung war beispielsweise eine Abkehr vom Christentum, eine Rückkehr zu griechisch stoischen Werten. Welche Vernunft des Christentum wurde da benutzt ?

Die Tore des Itschtihad scheinen im Übrigen seit dem 19.Jahrhundert sehr wohl wieder offen zu sein. Es steht in München nicht um sonst eine Büst von Mohammad Iqbal. Auch Imam Khomeini hat sich natürlich "Mutschtahid" genannt, aber das wollen wir mal aller höchstens belächeln.

Es gibt ausserdem noch die stets wachsende "Nur-Koran" Bewegung und viele andere Neo-Imame, die eine Reform im Islam herbeiführen möchten. So auch die Nurcus oder Fethullah Gülen Anhänger, die so viele Schulen gebaut haben und für Bildung gearbeitet haben wie keine islamische Organisation davor. Sie sind derzeit alle noch in der Minderheit aber das muss ja bekannterweise nichts heissen.

LG
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"Live long and prosper!"
Weltweite Christenverfolgung

http://www.youtube.com/watch?v=nPmQSSKBiMY&feature=related

http://www.opendoors-de.org/verfolgung/verfolgung/

http://www.csi-schweiz.ch/#

Gedenkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und derer, die mißhandelt werden, als solche, die selbst auch noch im Leib leben. (Hebräer 13,3)

Johannes 15

18 Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat.

20Gedenkt an das Wort, das ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen; haben sie mein Wort gehalten, so werden sie eures auch halten.

21Aber das alles werden sie euch tun um meines Namens willen; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.

25Aber es muss das Wort erfüllt werden, das in ihrem Gesetz geschrieben steht: »Sie hassen mich ohne Grund« >>>> Psalm 69,5 Die mich ohne Ursache hassen, sind zahlreicher als die Haare auf meinem Haupt; die mich verderben wollen, sind mächtig, die ohne Grund mir feind sind; was ich nicht geraubt habe, das soll ich erstatten!
Burkl hat folgendes geschrieben:
"
Der Hass auf die christliche Religion in vielen islamischen Ländern ist ganz stark. ...


erklährt mir doch mal einer weshalb die dann Christen werden und es nach Aussen tragen um sich zur Zielscheibe zu machen, wenn sie doch wissen dass es die anderen provoziert bis aufs Blut und es zum Tode führt.?
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Deine Zwischenmenschlichen Beziehungen spiegeln Deine Beziehung zu Dir selbst.
Zitat:
Ja - ich sage ja nicht, dass das von von (vor allem evangelikaler Seite) alles kommt - gut ist - im Gegenteil.

Aber Europa und die UNO sollten sich angesichts dieser "neuen Christenfeindlichkeit" in der islamischen Welt ganz klar positionieren, was leider meiner Meinung nach viel zu wenig der Fall ist... Dagegen unterstützt die UNO regelmäßig sehr "durchsichtige" Resolutionsanträge der OIC, die ganz klar auf die Legitimierung der Einschränkung der Religions- und Meinungsfreiheit abzielen.


Mit denen musst du als Christ aber ebenso zurechtkommen wie ein Muslim mit den entsprechenden Gruppen im Islam klar kommen muss.

Was und wie unterstützt "die UNO" (inwiefern ist die hier ein eigenständiger Akteur)? Bezüglich der Religionsfreiheit sieht es übrigens westlichen Ländern auch nicht so gut aus und als Faustregel gilt auch: Je christlicher die Politik geprägt, so weniger Religionsfreiheit für andere Gruppen.