Bestattungsamt-Bahai


Hallo alle,
wisst ihr, ob die Bahai ein Bestattungsamt in Deutschland habe, das sich um den Sarg und das Begräbnis kümmert?
Welches Material benutzen die Bahai in Deutschland für ihre Särge?
Innerhab wievielen Stunden soll die Beerdigung stattfinden?

Ich freue mich auf eure Antworten
Liebe nani15,

herzlichst Willkommen in unserem Forum. Darf ich zunächst fragen, ob es denn einen traurigen Anlass für deine Frage gibt ?

Um das Totengebet und die Bestattungsorganisationen kümmern sich normalerweise der örtliche Geistige Rat und natürlich die Familie des Vestrobenen.

Hier gibt es Erläuterungen zur Bahá'i - Bestattung aus dem Kitab-i Aqdas :

Zitat:
149.
"Der Herr hat bestimmt, daß die Toten in Särgen beerdigt werden." (128)

Im Bayán schrieb der Báb vor, der Verstorbene solle in einem Sarg aus Kristall oder poliertem Stein begraben werden. Wie Shoghi Effendi in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief erläutert, bedeutet diese Bestimmung Ehrfurcht vor dem Menschenleib, der "vormals durch die unsterbliche Menschenseele geadelt" war.

Kurz gefaßt, verbietet das Bahá'í-Bestattungsrecht, daß der Leichnam weiter als eine Stunde Wegs vom Ort des Todes verbracht wird. Der Leichnam ist in Tücher aus Seide oder Baumwolle zu hüllen; an den Finger soll ihm ein Ring gesteckt werden mit der Inschrift: "Von Gott kam ich und zu Ihm kehre ich zurück, losgelöst von allem außer Ihm, und halte mich fest an Seinem Namen, der Barmherzige, der Mitleidvolle." Der Sarg soll aus Kristall, Stein oder hartem Edelholz sein. Ein besonderes Totengebet (siehe Erläuterungen 10) ist vorgeschrieben, das vor dem Begräbnis zu sprechen ist. Wie von Abdu'l-Bahá und dem Hüter bestätigt, schließt dieses Gesetz die Feuerbestattung aus. Das formelle Totengebet und der Ring betrifft alle, die das Reifealter (d.h. 15 Jahre) erreicht haben (Fragen und Antworten 70).

Zum Material für die Särge ist zu sagen, daß es nach dem Geist des Gesetzes möglichst dauerhaft sein sollte. Das Universale Haus der Gerechtigkeit erläutert, daß es über die im Aqdas aufgeführten Materialien hinaus keinen Einwand gibt gegen das härteste verfügbare Holz oder gegen Beton. Derzeit können die Gläubigen in dieser Frage nach eigenem Gutdünken verfahren.



Zitat:
151.
"daß der Verstorbene in fünf Tücher aus Seide oder Baumwolle gehüllt werde" (#130)

Im Bayán bestimmte der Báb, daß der Leichnam in fünf Tücher aus Seide oder Baumwolle zu hüllen sei. Bahá'u'lláh bestätigt diese Bestimmung und fügt hinzu: "Wer über begrenzte Mittel verfügt, für den genügt ein einziges Tuch aus einem der beiden Stoffe." Auf die Frage, ob mit den "fünf Tüchern" `fünf Leichentücher von voller Länge` oder `fünf Tücher, wie sie seither gebräuchlich waren`, gemeint sind, antwortete Bahá'u'lláh, daß "die Verwendung von fünf Tüchern gemeint" ist (Fragen und Antworten 56). Zur Art und Weise, wie der Leichnam unter Verwendung von "fünf Tüchern" oder von nur "einem ... Tuch" eingehüllt werden soll, ist in der Schrift nichts enthalten. Gegenwärtig steht den Bahá'í frei, in dieser Sache nach ihrem Ermessen zu verfahren.


152.
"Es ist euch verboten, den Leichnam mehr als eine Stunde Weges aus der Stadt zu bringen" (#130)

Der Zweck dieses Verbots ist, die Zeitdauer des Leichentransports auf eine Stunde zu begrenzen, unabhängig vom Transportmittel für den Weg zur Begräbnisstätte. Bahá'u'lláh betont: "Je früher das Begräbnis stattfindet, desto angemessener und annehmbarer ist es." (Fragen und Antworten 16) Als Ort des Todes kann die gesamte Stadt oder Gemeinde, in der der Verstorbene verschied, aufgefaßt werden. Somit kann der einstündige Transport von der Stadtgrenze bis zur Begräbnisstätte gerechnet werden. Nach dem Geist des Gesetzes Bahá'u'lláhs soll der Verstorbene nahe dem Ort seines Todes begraben werden.


Ich hoffe es hilft dir weiter.

LG
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"Live long and prosper!"
Hallo liebe/r Rahiym
danke schön für seine Antworten. Sie war hilfreich.
Ich schreibe eine Hausarbeit über die Bahai-Bestattung, deshalb wollte ich mich darüber informieren.


LG
Mich würde interessieren wie man diese Bestattungsriten in Deutschland umsetzt, da wir ja keine "ewigen Gräber" kennen.

Bestattung innerhalb einer Stunde stelle ich mir schwierig vor genauso einen Sarg aus Kristall oder hartem Holz.

Was passiert wenn das Grab nach 25 bis 40 Jahren beseitigt wird mit den noch nicht verwesten Knochen ?
Puuh, gute Frage lieber Hermann

Gott sei Dank habe ich das konkret noch nicht miterlebt, also eine Bahá'i Bestattung und kenne mich mit den Regelungen in Deutschland auch nicht aus.

Das mit der einen Stunde hat damit etwas zu tun, dass man den Toten eben vor Ort begraben soll. Sonderlich schwierig dürfte es also nicht sein einen passenden Friedhof zu finden. Kriterium für den raum-zeitlichen Radius der einen Stunde dürfte wohl die nächstgelegene Arztpraxis oder ein Krankenhaus sein. Vielleicht ist es aber auch der am nächsten präsente lokale Geistige Rat.

Einen Sarg aus Kristall oder hartem Holz kann und soll eben verwendet werden, wenn der Tote über das entsprechende Vermögen verfügte.

Wenn man vor Ort keinen Sarg aus Kristall oder hartes Holz findet dann ist es wahrscheinlich auch egal. Es gibt immer zu allem sicherlich eine Ausnahme.
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"Live long and prosper!"
Ich dachte das die Antwort einfach wäre, schließlich müssen doch auch schon deutsche Bahai gestorben sein.
Lieber Herrmann R.
da es mich bis jetzt noch nicht in meinem direkten Umfeld betroffen hat, habe ich mich auch noch nicht bis ins Detail mit diesem Thema befasst. Doch was ich weiß, kann ich gerne mitteilen. Auf Bahá'í-Beerdigungen war ich schon öfter.
Also es ist richtig, dass der Verstorbene nicht länger als eine Stunde vom Sterbeort entfernt beigesetzt werden soll. Bei allen Beerdigungen bei denen ich bisher dabei war gab es wohl keine Probleme in dieser Richtung.

Shoghi Effendi, Urenkel Bahá'u'láhs, starb beispielsweise auf einer Reise in London und wurde dort eine Stunde vom Sterbeort (London ist ja groß) beigesetzt. Sein Wohnort war Haifa/Israel

Die Freunde, die ich auf dem letzten irdischen Weg begleiten durfte, wurden in Holzsärgen beerdigt und trugen einen Sterbering.

Die Trauerfeier kann ganz individuell gestaltet werden. die Bahá'í haben ja keine Prister und so können die Familie oder die Freunde die Gestaltung in die Hand nehmen.

Natürlich alles mit Unterstützung eines "ganz normalen" örtlichen Bestattungsinstituts.

Die letzte Beerdigung die ich miterlebte war von einer älteren Bahá'i, deren Kinder mit Angehörigen teils Christen, teils Bahá'i- waren. Hier wurden von den Kindern und Enkeln Zitate aus den Bahá'i-Schriften und der Bibel vorgetragen über das Leben nach dem Leben, und eine Tochter begrüßte die Trauergäste und hielt eine Rede zu Ehren ihrer Mutter. Dazwischen gab es sehr viel moderne Musik und Lieder zu dem Thema Sterben und Tod.

Bei der Beerdigung eines noch relativ jungen Freundes, der der einzige Bahá'í in seiner Familie war, gestalteten Bahá'í-Freunde und die Familie alles gemeinsam. Es wurden schöne Bahá'i Zitate gelesen, ein Freund erzählte aus dem Leben des Verstorbenen, und da dieser John Lenon-Fan war gab es viel Musik von diesem. Außerdem bereicherte auch ein Harfenspieler die Abschiedsfeier.
Bei anderen Beerdigung gab es auch klassische Musik, oder Freunde die zur Gitarre sangen, aber immer wurden Texte und Gebete für die Verstorbenen gesprochen. Immer waren es würdige Beisetzungen, mit großer Ehrerbietung und Respekt für die dahingegangene Seele und Achtung für den Körper der dieser Seele oft lange Heimat war.

Und hier noch zum Abschluss mein absolutes Lieblingszitat zum Thema Leben nach dem irdischen Leben:

>Der Gedanke, der Geist werde nach dem Tode des Körpers umkommen, gleicht der Vorstellung, dass ein Vogel in einem Käfig umkäme, wenn der Käfig zerbrochen wird, obwohl der Vogel von der Zerstörung des Käfigs nichts zu fürchten hat. Unser Körper ist dem Käfig und der Geist dem Vogel zu vergleichen.......wenn daher der Käfig zerbricht, wird der Vogel unversehrt weiterleben; seine Empfindungen werden sogar tiefer, seine Wahrnehmungen weiter und sein Glück größer sein.<

Liebe Grüße Linde
O, mir fällt erst jetzt auf, dass da stand >Bestattung innerhalb einer Stunde.< Nein das stimmt nicht. Die Bestattung muss nicht innerhalb einer Stunde stattfinden, sondern der Weg vom Sterbeort zum Beisetzungsort soll nicht mehr als eine Stunde betragen.
Die Bestattung kann durchaus erst nach Tagen erfolgen.
Die Gravierung auf dem Totenring sollte wie folgt lauten> Von Gott kam ich und zu Ihm kehre ich zurück,losgelöst von allem außer Ihm,und halte mich fest an seinem Namen,der Barmherzige,der Mitleidvolle.<

Nur zur Ergänzung.Deine Beschreibung ist sehr treffend.
Liebe Grüße diesmal von Helga.