Hawking: "Das Universum hat keinen Gott nötig"


An Marcolo: Gut, bin mit allem, was Sie sagen, einverstanden! Nietzsche hat ja den Nihilismus prophezeit, und das, was Sie geschildert haben, ist nichts anderes als nihilistisches Streben nach Macht.
("Macht" als Metapher verstanden, denn Nietzsches "Wille zur Macht" meint metaphorisch nichts anderes als rücksichtslose Tüchtigkeit und Talententfaltung, ohne moralische Skrupel). Und tüchtig und talentiert (und natürlich ohne Moral) sind ja die von ihnen genannten Banker und Manager auf jeden Fall. Doch wer die Moral total missachtet (zu der auch die Gerechtigkeit gehört), muss aufpassen: Er nimmt - mit Hegel gesprochen -den Kampf mit der Weltvernunft auf (zu der Hegel auch das Moralisch-Gute zählt). Die Weltvernunft ist auf lange Sicht immer die Stärkere. Falls nicht mehr Gerechtigkeit, mehr Moral bei dem Handeln der Manager berücksichtigt werden, schlägt die "Weltvernunft" zurück, indem sie ihre Batallionen mobilisiert (das sind die Kämpfer für Freiheit und Gerechtigkeit).
"Das Universum hat keinen Hawking nötig" Wahrlich der Mensch ist hochmutig
_________________
"religious extremism, be it Christian extremism, Muslim extremism or any other kind, is never a true reflection of the religion".
(Amir al-Mu'minin Khalifatul Masih V Hadrat Mirza Masroor Ahmad(atba) )
Hallo!
Ich muss zu meinem Kommentar ("An Marcolo") noch einiges anfügen: Ich habe geschrieben: "... das Moralisch-Gute ist jedenfalls für den 'vernünftigen Menschen' eine Pflicht" - gemäß dem kategorischen Imperativ nach Kant. - Natürlich könnte ich mir hier den Vorwurf der "Blauäugigkeit" einhandeln. Es gibt doch nur so dürftige moralische Spuren unter den Menschen - hat schon Schopenhauer festgestellt, und auch wir selbst können das immer wieder beobachten. M.a.W.: die moralische Pflicht, gut zu sein, könnte den Menschen vielleicht überfordern, aufgrund seiner animalischen Natur (die von der Vernunft nur mühsam unter Kontrolle gehalten wird). Hierzu gibt es auch eine philosophische Erklärung, und zwar von Hegel: Hegel sagt über den Verlauf der Weltgeschichte, es sei eine stetige Höherentwicklung zu immer mehr Vernunft und Freiheit zu beobachten (Rückschläge eingeschlossen). Diese Höherentwicklung schlage sich in den freiheitlichen Institutionen nieder, welche für Recht und moralische Ordnung sorgen. Er nennt diese moralische Ordnung "Institutionenethik"; ihr unterwirft sich der nach Freiheit strebende Mensch. Mehr als diese Institutionenethik kann man auf dieser Welt nicht erreichen. Die Pflicht jedes Einzelnen, moralisch gut zu handeln, ist nicht durchsetzbar. Wer es doch versucht, landet im Terror (s. Tugendterror in der Französischen Revolution).
Zu „Das Universum hat keinen Gott nötig.“
Die Pflicht zum moralischen Handeln ergibt sich auch aus der Vernunft, sagen die Atheisten, die zehn Gebote Gottes und das Gebot der Nächstenliebe, verkündet durch Jesus Christus, seien also gar nicht nötig. Kant hat durch den kategorischen Imperativ die Pflicht des Menschen, moralisch zu handeln, aus der Vernunft abgeleitet: „Handle stets so, dass dein Handeln zugleich Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte!“ Handele ich also unmoralisch, so muss ich mir sagen: ein solches Handeln ist unvernünftig, denn ich kann unmöglich wollen, dass die Unmoral zu einem allgemeinen Gesetz erhoben wird. Als vernünftiger Mensch muss ich demnach zugleich ein moralischer Mensch sein; denn ich kann unmöglich wollen, dass z.B. Stehlen oder Betrügen allgemein, auch mir gegenüber erlaubt sein dürfen. - Hieraus ergeben sich zwei Fragen: 1) Warum gibt es trotz dieses kategorischen Imperativs nur so schwache Spuren von Moralität auf der Welt? Sind die meisten unvernünftig? Antwort: nein! Fast jeder sieht ein, dass die Vernunft moralisches Handeln gebietet. Allein die Einsicht genügt nicht. Hinzu kommen muss auch „der gute Wille“ (sagte schon Kant!). Ohne den guten Willen ist der kategorische Imperativ Schall und Rauch, bzw. bei den meisten fehlt der gute Wille. 2) Wenn also die Moral aus der Vernunft abgeleitet werden kann und durch den „guten Willen“ des Einzelnen auch real in Erscheinung tritt, ist damit Gott aus dem Spiel – wie Hawking meinte? Meine Antwort lautet: nein! Denn man muss fragen: woher kommt die Vernunft? Hier erhält man von einem Atheisten keine klare Antwort (ich meine: von einem ernstzunehmenden Atheisten, der immer Agnostiker ist, wie z.B. Dawkin. Der entschiedene Atheist, der also definitiv sagt: Es gibt keinen Gott, kann man nicht ernst nehmen, weil seine "definitive" Antwort gar nicht bewiesen werden kann). – Also: woher kommt die Vernunft, die uns die Moral zur kategorischen Pflicht macht? Jetzt müssen die Agnostiker sagen: Die Vernunft war schon immer da, wie auch die Naturgesetze schon immer da waren, aus denen sich die menschliche Vernunft irgendwann entwickelt hat. Das heißt also, der Agnostiker schiebt die Entstehung der Naturgesetze und die Entstehung der Vernunft aus unserer irdischen Dimension weg in die Dimension der Ewigkeit hinein, denn wenn etwas schon immer da war, muss es seit Ewigkeiten existieren. Dort in der Ewigkeit existiert nach christlicher Auffassung allerdings auch Gott, und ein Existieren seit Ewigkeiten ist gleichsam eine göttliche Eigenschaft. Somit erheben die Agnostiker die Naturgesetzlichkeit in den Rang des Göttlichen, sie machen aus der Naturgesetzlichkeit und aus der Vernunft einen Gott. Für sie – könnte man also sagen – heißt der Gott „Naturgesetzlichkeit“. Demnach muss der Behauptung, die Welt habe einen Gott nicht nötig, widersprochen werden. Die Welt hat sehr wohl einen Gott nötig, mindestens braucht die Welt einen Gott der „Naturgesetzlichkeit“ bzw. einen Gott der Vernunft. Jetzt bedarf es allerdings nur noch eines winzigen Schrittes hin zu einem Gott, der die „Naturgesetzlichkeit“ und die menschliche Vernunft geschaffen hat. Doch hierzu sind die Agnostiker nicht bereit. Vielleicht haben sie recht, denn mit unserer wissenschaftlichen Logik können wir diesen Schritt nicht als schlüssig beweisen.
Haldor 505 hat folgendes geschrieben:
Die Pflicht zum moralischen Handeln ergibt sich auch aus der Vernunft, sagen die Atheisten, die zehn Gebote Gottes und das Gebot der Nächstenliebe, verkündet durch Jesus Christus, seien also gar nicht nötig.


"Die Vernunft" ist ja im Christentum eben Jesus Christus. Darum bauen Atheisten, die sagen, man müsse "aus Vernunft" moralisch handeln, ja eigentlich gar keinen Widerspruch zur christlichen Religion auf.
Und den Beweis dafür, dass die zehn Gebote außerhalb der Bibel und der christlich-jüdischen Sphäre "einfach so" ausformuliert und klar da gewesen wären, den sind die Atheisten bis dato schuldig geblieben.

Also scheinbar kann die menschliche Vernunft die Vernunft der zehn Gebote durchaus bestätigen - aber es gibt sie außerhalb der Bibel nicht ausformuliert. Versuche, die stattgefunden haben, den Dekalog etwa in "Totenbüchern" der ägyptischen Religion vorgezeichnet zu finden wirken eher krampfhaft bemüht. Auch der Koran enthält die zehn Gebote nicht in dieser Schärfe und Klarheit und vor Allem als einheitliche Sammlung "aus einem Guss".

Die Gott gegebenen zehn Gebote der Bibel sind wesentliche Grundlage unserer abendländischen Kultur, nicht irgendeine schwammige "Vernunft", die wir "von Natur aus" oder "aus uns selbst heraus" hätten. Deshalb ist ihn Wahrheit ein vom Menschen selbst erkanntes "Naturrecht", das den zehn Geboten widerspricht, niemals Recht, sondern immer Unrecht.

Haldor 505 hat folgendes geschrieben:
Die Welt hat sehr wohl einen Gott nötig, mindestens braucht die Welt einen Gott der „Naturgesetzlichkeit“ bzw. einen Gott der Vernunft. Jetzt bedarf es allerdings nur noch eines winzigen Schrittes hin zu einem Gott, der die „Naturgesetzlichkeit“ und die menschliche Vernunft geschaffen hat. Doch hierzu sind die Agnostiker nicht bereit. Vielleicht haben sie recht, denn mit unserer wissenschaftlichen Logik können wir diesen Schritt nicht als schlüssig beweisen.


Dazu möchte ich den emeritierten Papst zitieren:

"Der große Theoretiker des Rechtspositivismus, Kelsen, hat im Alter von 84 Jahren – 1965 – den Dualismus von Sein und Sollen aufgegeben. Er hatte gesagt, daß Normen nur aus dem Willen kommen können. Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist. „Über die Wahrheit dieses Glaubens zu diskutieren, ist völlig aussichtslos“, bemerkt er dazu. Wirklich? – möchte ich fragen. Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?"

http://www.bundestag.de/kulturundge.....redner/benedict/rede.html
Auch passend zu Thema -
Eine Nachfahrin von Charles Darwin, zur überzeugten Katholikin geworden durch ein Buch von Richard Dawkins.
Gott schreibt eben gerne gerade auf krummen Zeilen gerade...

"Laura Keynes, eine direkte Nachkomme von Charles Darwin, arbeitet für die Organisation „Catholic Voices“. Die Organisation möchte der katholischen Kirche in Großbritannien eine Stimme in den Medien und der Öffentlichkeit geben.

Für die katholische Zeitung „Catholic Herald“ hat Keynes diese Woche berichtet, wie sie ihren Weg zurück zur Kirche gefunden hat. Als Tochter eines atheistischen Vaters und einer katholischen Mutter wurde sie als Kind katholisch getauft. Als Jugendliche verlor sie den Glauben und jeden Kontakt mit der Kirche, schreibt sie.

Das Philosophiestudium in Oxford veranlasste sie dazu, ihre Wertvorstellungen neu zu überdenken. Welche Rolle spielten Beziehungen, Feminismus, moralischer Relativismus, die Heiligkeit und Würde des menschlichen Lebens? Die Debatte um Richard Dawkins Buch „Der Gotteswahn“ ließ sie nicht mehr los und führte zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Gottesfrage, erinnert sie sich.

Ihre Entscheidung, nach reiflicher Überlegung zur Kirche zurückzukehren, habe ihre Freunde und ihre Familie verblüfft. „Sie schien doch so ein intelligentes Mädchen zu sein“, war einer der Kommentare über sie. Als Verwandte Darwins und Katholikin entspreche sie den üblichen Erwartungen nicht, schreibt sie."

http://www.kath.net/news/41667
Mit anderen Worten katholisch und der Mensch steht auf der sicheren Seite.Oder?
lilly46 hat folgendes geschrieben:
Mit anderen Worten katholisch und der Mensch steht auf der sicheren Seite.Oder?


Aus meiner Sicht - ganz klar ja. Allerdings versuche ich mein Kirchesein immer mit Demut und Dankbarkeit dafür anzunehmen, dass es reine Gnade ist, keine "Leistung".

In einem bekannten Kirchenlied heißt es:

"Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad in seine Kirch berufen hat, nie will ich von ihr weichen!"

Wenn der Dank für die Gnade glauben zu können und Teil der Kirche zu sein nicht mehr da ist, Glaube und Frömmigkeit als "eigene Leistung" gesehen werden, die uns Anderen gegenüber "höherwertiger" machen, dann endet der Glaube nämlich dort, wo er nicht soll - in der Selbsterhöhung:

"Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lk 18,9-14)
Hallo Halor 505,
Zitat:
Jetzt müssen die Agnostiker sagen: Die Vernunft war schon immer da, wie auch die Naturgesetze schon immer da waren, aus denen sich die menschliche Vernunft irgendwann entwickelt hat. Das heißt also, der Agnostiker schiebt die Entstehung der Naturgesetze und die Entstehung der Vernunft aus unserer irdischen Dimension weg in die Dimension der Ewigkeit hinein, denn wenn etwas schon immer da war, muss es seit Ewigkeiten existieren.

Wieso sagt der Agnostiker, dass die Naturgesetze schon immer da waren?
Hinter die Planksche Mauer kann niemand schauen, also ist auch die Entstehung der Naturgesetze im Ursprung nicht zu klären. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie "ewig sind". Sie könnten in einem anderen Universum älter oder jünger und ganz anders sein.
Ausserdem, damit Naturgesetze erforscht werden können, musste sich das Universum nach dem Urknall erst ca 13Milliarden Jahre entwickeln und eine Primatenart mit einem ziemlich komplexen Gehirn sich darüber "Gedanken" machen.
Für die Erklärung der "Gottesvorstellung" ist nicht viel notwendig. Zum einen, waren für die Frühmenschen Naturgewalten und Naturkatastrophen ziemlich beeindruckend und nahmen auch starken Einfluss auf ihre Lebensbedingungen. Ausserdem kam es durch Sozialisierung zu grösseren Gruppenbildungen, in denen auch damals wahrscheinlich schon einige versuchten, eine Gruppe zu dominieren. Und was bietet sich da besonders gut an? Ein nichtangreifbares Wesen, das die Macht über die Naturgewalten hat und das damit auch "Fehlverhalten" bestrafen kann. Eine etwas grössere Kenntnis von Wetterzusammenhängen reichte da damals wahrscheinlich schon aus um eine Gruppe von Frühmenschen zu dominieren und nach eigenen Vorstellungen zu lenken.
Naturgesetze sind kein "Gott", denn im Gegensatz zu "Gott" sind sie verlässlich. Sie werden nur durch andere Naturgesetze eingeschränkt und verhalten sich nicht "willkürlich", ermöglichen aber eine Evolution.
Die Evolution des Lebens allerdings ist neben vielen anderen Faktoren auch von Zufällen abhängig. Z.B.w enn nicht irgendwann das grosse Artensterben eingesetzt hätte, wäre die Erde wahrscheinlich immer noch von Dinos bevölkert und vielleicht würde sich heute ein Dino ähnliche Gedanken machen.
Die menschliche Vernunft ist nicht "geschaffen" worden, sondern ein Produkt der Evolution. Ausserdem, was bleibt denn von menschlicher Vernunft, wenn sie nicht durch "Lernen" auf das Wissen und die Erfahrungen der Vorfahren zurückgreifen kann? Wenn ein Mensch überhaupt unter solchen Umständen überlebt (z.B. Wolfskinder, Kaspar Hauser), können sie sich in die heutige Gesellschaftsstruktur nicht mehr einleben, weil das Zeitfenster für ihre Sozialisation fast geschlossen ist.
Fazit: Jeder Versuch, Gott auf irgendeine Art wissenschaftlich zu beweisen, ist bis heute gescheitert. Da ja in der Metaphysik keine Beweise und oft auch keine Logik erforderlich ist, kann in diesem Bereich jeder sich seinen eigenen "Gott" vorstellen.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Pjotr Kala hat folgendes geschrieben:
Fazit: Jeder Versuch, Gott auf irgendeine Art wissenschaftlich zu beweisen, ist bis heute gescheitert.


Aber ihn zu widerlegen auch.