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Mein Freund hat sich das Leben genommen












Hallo,
Am Freitag habe ich erfahren, dass sich mein Freund, mit dem ich über 7 Jahre zusammen war (wir haben ein gemeinsames Kind, 2 Jahre alt - wohnten allerdings in getrennen Wohnungen und haben uns nur am Wochenende gesehen) das Leben genommen hat. Er hat mir einen Abschiedsbrief geschrieben, in dem er mitteilte, dass er sich das Leben nimmt, ich soll die Polizei anrufen, ihnen quasi den Schlüssel zu seiner Wohnung aushändigen. Er bat mich noch, seine Wohnung erst zu betreten wenn sein Leichnahm herausgetragen wurde. Ich habe gleich die Polizei angerufen, war nicht in der Lage zu seiner Wohnung zu kommen, die Feuerwehr hat dann Tür aufgebrochen. 30 Minuten bin ich Zuhause auf und ab gegangen und habe auch eine Nchricht gewartet.. Dann kam die Polizei und teilte mir mit, dass er sich im Eingangsbereich seiner Wohnung erhängt hat.
Er hat alles vorbereitet: die Wohnung (die immer unordentlich und nicht ganz rein war hat er blitzblank geputzt, er hat mir einen Karton mit seinen persönlichen Sachen in den Keller gestellt weil er wollte dass ich diese bekomme (ich bin nicht erbberechtigt, seine Mutter, mit der erkeinen Kontakt hatte erbt alle seine Dinge. Er hat einen Zettel auf seinem Tisch für die Polizei hinterlegt in dem er schreibt, dass er den Freitod gewählt hat und nich möchte, dass nach seinem Tod an seinem Körper herumgeschnitten wird und die Organe entnommen werden.
Ich bin so verzweifelt weil ich in letzter Zeit so wenig innige Momente mit ihm hatte. Immer drehte sich alles nur um unseren 2 jährigen Sohn.
Tausend Vorwürfe. Mein Freund war ein sehr unglücklicher Mensch, er wuchs ohne Liebe im Heim auf.
Er wußte wohl einfach nicht mehr weiter. Er hat letztes Jahr eine Ausbildung zum Erzieher abeschlossen, in dem Beruf wollte er aber nicht arbeiten. In seinen alten Technikerberuf so sagte er, komme er nicht mehr rein. Seit mitte Juli hatte er kein Arbeitslosengeld mehr bekommen, das ALG I lief aus und er hatte nicht, so schrieb er auch in seinem Abschiedsbrief an mich, wie er mir gesagt hatte ALG II beantragt. Es war ihm zuwieder, auch nur irgendein Formular auszufüllen. Jegliche Bürokratie war ihm zutiefst verhasst. Er hatte einfach in dieser Welt, so schrieb er, seinen Seelenfrieden nicht finden können. 37 Jahre ist er alt gewesen, als er 13 Jahre als war hat er bereits einmal versucht sich das Leben zu nehmen, er hat sich auch damals aufhängen wollen, aber das Seil ist gerissen. Er war aber kurz bewußtlos. Er hatte damals eine Nah-Tod-Erfahrung gemacht (er schrieb von einer Umarmung des Todes). Es muß ein Seelenfrieden gewesen sein den er damals fühlte.
Jetzt, über 20 Jahre später ist er nach 1 Jahr des intensiven Nachdenkens darauf gekommen, dass es dieser Seelenfrieden ist den er immer gesucht hat. Dann hat er seine Dinge hier im Leben geregelt, eine halbe Flasche Wein getrunken und es eben getan.
Ich liebe ihn so unendlich und bin so traurig. Ich würde so gerne in Kontakt mit ihm treten, ich will ihm noch so viel sagen. Ich wußte dass er unglücklich ist und habe ihm nicht helfen können. Ich mache mir so Vorwürfe, dass ich in letzter Zeit nicht einfach liebevoller mit ihm war. Ich hab ihn fast nie in den Arm genommen, es waren kaum mehr innige Momente.


Morgen muß ich entscheiden ob ich ihn nochmal sehen will. Ich möchte ihn gerne sehen, habe aber große Angst, dass ich ein schmerzverzehrtes Gesicht sehe, dass mir sagt, dass er nicht gleich gestorben ist sondern große Schmerzen während des Aufhängens hatte.
Was würdet ihr machen ? Ihn so in Erinnerung behalten wie er ist oder ihn nochmal sehen ? Ich habe ein ganz großes Bedürfnis ihn nochmal zu sehen, ich will ihn berühren. Aber darf man das noch, er ist bereits seit Freitag tot und morgen ist schon Dienstag.
Ich werde noch nachdenken, habe ja noch Zeit.

Ich hoffe, dass er nun seinen Seelenfrieden gefunden hat.

Liebe Grüße
Silly
Liebe Silly!

Das muss wirklich schrecklich sein für Dich - ich weiß gar nicht wie ich mein Mitgefühl
ausdrücken soll... Aber die daran leidet bist Du, und das Wichtigste ist jetzt, dass
Du wieder 'auf die Beine kommst' - auch für Deinen kleinen Sohn...
Dein Freund hat das getan, was er für richtig gehalten hat, und so wie Du es
beschreibst, nach reiflicher Überlegung - es steht uns nicht zu, darüber zu urteilen.
Auch ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er den ersehnten Frieden erreicht.
Die Entscheidung ob Du ihn nochmals sehen willst, kann Dir natürlich niemand
abnehmen; ich könnte mir aber vorstellen, dass ich in einer ähnlichen Lage vielleicht
später bedauern würde, diesen Abschied versäumt zu haben...

mit metta bhavana [Meditation liebender Güte]
() Wu
Liebe Silly!

Ich schreibe dir, weil ich momentan genauso großen Schmerz fühle wie du.
Mein Freund starb am 20. September 2005 durch einen Autounfall. Es versteht keiner ...er war kein "Raser"...
Ich sehe es einfach als Schicksal an ...als sein Schicksal...er hat einfach seine Aufgaben hier auf Erden erfüllt und durfte gehen...

Ich weiß, meine und deine Situation sind unterschiedlich...aber der Schmerz ist groß...er bringt einen fast um...man sieht keinen Sinn mehr darin;

Wollte dir eigentlich nur sagen: Ich an deiner STelle würde ihn nochmal sehen wollen;
Habe darum gebettelt Christoph nochmal sehen zu dürfen...natürlich hatte ich Angst...aber diese Angst existiert in uns nur, weil wir nicht wissen was uns erwartet....ich meine...wir wissen nicht wie er aussieht...haben Angst davor...aber ich dachte mir...auch wenn er entstellt ist...es ist Christoph, den ich sosehr liebe....da brauche ich keine Angst zu haben; Desshalb rate ich dir....tu es....
Natürlich bleibt dir alles in Erinnerung, aber ich würde es positiv sehen;
Es ist nur unsere Angst, die uns davor abhalten kann

Du musst dir jetzt denken du lebst für sein Kind weiter; Es braucht dich
Es ist verständlich dass man sich Vorwürfe macht,...aber er liebt dich...und ist dir sicherlich nicht böse;

Außerdem bin ich der festen Überzeugung dass er bei dir ist; das spürt man weißt du; du brauchst keine Angst vor ihm zu haben; Ihr liebt euch doch...deswegn wird er dich auch jetzt auf deinem WEg begleiten.
Wenn jemand stirbt verlässt nur seine Seele den Körper.

Ich wünsche dir viel Kraft u. Liebe

In Gedanken,

unrealgirl
Liebe Silly,

... ich weiß im Moment nicht viel mehr, als zu schreiben, dass es mir leid tut, was Du gerade erlebst und dass ich Dir Kraft wünsche, alles folgende durchzustehen. ...

Als mein Vater im Sterben lag, war er schon bewußtlos, als meine Geschwister und ich eintrafen. Ich hatte ihn ein Jahr vorher kurz besucht, wußte aber nichts von seiner Erkrankung. Ansonsten hatten wir über viele, viele Jahre keinen Kontakt. Natürlich ist das unheimlich hart, einen vom Krebs ausgezehrten Menschen nach so langer Zeit wiederzusehen und ihm nur noch beim Sterben zuschauen zu können - und trotzdem war es gut. Ich denke, dass die Menschen, die schon in der nächsten Welt sind, oder kurz vor dem Eintritt dorthin, es sehr wohl mitbekommen, wenn wir uns ihnen zuwenden. Und ich glaube, dass dieses Abschiednehmen, dieses bescheidene Erweisen einer letzten Ehrung, auch für unsere eigene Seele wichtig ist, weil so keine Lücke in unserem Gedächtnis bleibt. Deshalb tue ruhig, was Dein Herz wünscht, und gehe hin, um Abschied zu nehmen.

Wenn Du nicht genau weißt, was Dich dort erwartet, oder wie Du Dich verhalten sollst, macht das nichts. Wenn Dir nichts anderes einfällt, setze Dich einfach eine Weile neben ihn hin und betrachte das, was Dir gerade so an Gedanken und Gefühlen kommt. Es ist ganz gleich, ob Dich Deine Gefühle dabei überwältigen, oder ob Du ruhig und nüchtern da sitzt und deshalb über Dich selbst sogar ein bißchen erstaunt bist. Beim Tod meines Vaters habe ich gelernt, dass Letzteres ganz normal ist und häufig vorkommt. Das Trauern fängt erst viel später an und ist ein langsamer Prozess.

Alles Liebe ,

Herzlich
Liebe Siri!

Du musst wohl eine sehr besondere Seele sein, dass Du solchen großen Herausforderungen gestellt wirst. Ich kann Dir gar nicht viel zum Trost sagen. Kann Dir nur berichten, was ich gefühlt habe beim Lesen Deines Beitrages.

Du schreibst, dass Dein Freund kaum Liebe bekommen hat in seinem Leben. Liebe Siri, Du solltest Dir keine Vorwürfe machen; denn ich konnte so richtig tief innen drin fühlen, dass Du Deinem Freund Liebe gegeben hast - und Euer Sohn hat seinen Papa auch mit liebenden Augen betrachtet. Das war Balsam für die Seele Deines Freundes. Diese Liebe ist ewig - die hat er immer bei sich.
Es ist die Liebe, die er von Dir und Deinem Sohn bekommen hat die ihn bereicherte, die er erfahren durfte und nun mitnehmen konnte.

Ihr ward die Liebe in seinem Leben.
Mach Dir keine Vorwürfe - dazu gibt es keinen Grund; ganz im Gegenteil. Du hast ihn erhellt, Du hast ihm Wärme geschenkt im Herzen und seinen Sohn hier auf die Erde gebracht - das ist nichts vergängliches was Du geschenkt hast.

Möge er in Frieden ruhen und seine Seele in Gottes Armen heilen und geborgen sein.

Alles Liebe, Daniela
Forum -> Leben nach dem Tod


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