1. Kapitel: Zwei Götter


Hallo allerseits,

-> Peter.Trim, Maxzwo

Die Irritationen entstehen durch Begriffe und ungenaue Begrifflichkeiten. Wie ich bereits erwähnte, sollte man zuerst einen Konsenz in den Begrifflichkeiten finden.

Um ein Beispiel in der Sache zu geben:

Wenn diejenige Kraft gemeint sein sollte, welche für den Urgrund, also die Urquelle der Schöpfung und allen Lebens steht, dann gibt es "selbtsverständlich" nur einen Gott!

Wenn wir jedoch den Schriften folgen, insbesondere dem NT, dann gibt es in dieser Hinsicht Fragen, die seinerzeit auch Marcion bewegt haben. Jesus selbst gab diesbezgl. Hinweise.

-> Visie

Würde mich freuen, wenn du das näher ausführen könntest, sprich, deine Erkenntnisse mit/durch Weinreb.

Beste Grüße,
Omega
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You Are what You Art.
-> Omega

puh.....eher nicht, ich glaube, dass da ziemlich viele Mißdeutungen möglich sind, wenn ich es versuche. Es ist besser sich selber reinzulesen.

Ein Beispiel kann ich vielleicht aber "rüberbringen". Das Hebräische Alphabet hat außer der Buchstabenbedeutung auch einen Zahlenwert. der wiederum einen Sinn ergibt, So hat das Wort ABBA den Zahlenwert 1-2-2-1 . Übersetzt wurde ABBA immer mit "Vater". Die immanente Bedeutung ist aber so ungefähr : aus dem All-Einen hervorgebracht kommen wir in die Welt der Polarität um im bewussten Erleben dieser Polarität wieder zum All-Einen zurückzufinden.So ist also im Wort ABBA Ursprung der Schöpfung, Durchleben der Schöpfung, Bewusstwerdung der Schöpfung und Rückkehr enthalten , - somit also "die ganze Welt"

Ein weiteres Beispiel : das hebräische Wort für Furcht hat die gleiche Sprachwurzel wie das hebräische Wort für Sehen, Schauen. Gott fürchten meint also nicht den durch Übersetzungen übertragenen Sinn "Angst haben" sondern viel ursrünglicher : Gottes Größe schauen um dadurch von Glück durchströmt zu werden.

Weinreb selbst schreibt (sinngemäß), dass beim Lesen der Bibel der innere Sinn des Wortes innerhalb der hebräischen Sprache erfasst werden müsste und nicht die Assoziation die das Wort in der Übersetzungssprache bewirkt.

das Ganze ist ziemlich spannend....
Ich glaube nicht, daß die Bibel eine Geheimschrift ist.
Vieles ist im AT so grafisch und direkt beschrieben,
wie man es heutzutage kaum mehr wörtlich zitieren mag.
Johannes im NT mag da noch rausfallen, aber insgesammt würde ich kabbalistisch
gestützte Interpretationen eher für überinterpretiert halten.

finnoir hat folgendes geschrieben:
Wenn wir jedoch den Schriften folgen, insbesondere dem NT, dann gibt es in dieser Hinsicht Fragen, die seinerzeit auch Marcion bewegt haben. Jesus selbst gab diesbezgl. Hinweise. .

Der Hinweis für die Identität des verborgenen Gottes war meines Wissens für die Gnostiker
dieses rätselhafte Jesuswort:
"
Ev. Lucä 10,22
Es ist mir Alles übergeben von meinem Vater.
Und Niemand weiß, wer der Sohn sei, denn nur der Vater;
noch wer der Vater sei, denn nur der Sohn,
und welchem es der Sohn will offenbaren.
"
Zitat aus meiner alten Familienbibel.
Das steht so ähnlich nochmal bei Matthäus.

Zitat:

Wenn diejenige Kraft gemeint sein sollte, welche für den Urgrund, also die Urquelle der Schöpfung und allen Lebens, steht, dann gibt es "selbtsverständlich" nur einen Gott!

Na, ich weiß jedenfalls nicht, wie viele Götter es gibt .
Mich interessiert in diesem Zusammenhang eigentlich nur,
welche Rolle und welches Gewicht die gnostischen Strömungen
im Frühchristentum hatten. Da scheint ja wirklich was los gewesen zu sein.
Es gab die Valentinianer, die Sethianer, Barbelo-Gnostiker, der erwähnte Marcion uswusf.
Wahrscheinlich konnte das garnicht gut gehen.
Der Gewinner radiert dann halt die Konkurrenten aus, wie das immer so ist.
Vielleicht war die Kanonisierung der Heiligen Schrift ja der erste Sündenfall des Christentums.
Die gnostischen Originalschriften wurden wohl von den Kanonischen, so radikal sie das fertigbrachten, vernichtet.
Soweit mir bekannt, stammen die Informationen über die Gnostiker vor den Entdeckungen in Nag Hamadi
ausgerechnet von den Bestreitern, wie Irenäus von Lyon und Origenes, der ein Buch von Kelsos
Satz für Satz zitiert und es damit mittelbar komplett erhielt.
Irenäus von Lyon mußte sich wohl eines gnostischen Parallelbischhofes in seinem Bistum erwehren und beschrieb deswegen recht ausführlich dessen "Irrglauben".
Diese ganzen, gnostisch genannten frühchristlichen Glaubensströmungen
gab es im 4., spätestens 5. Jahrhundert nicht mehr.

Albigenser, Bogomilen usw. gabs ja erst etwa tausend Jahre später.
Die wenigen, noch übrigen Mandäer sollen ihren Ursprung in der frühchristlichen Gnosis haben.
_________________
"
Das ist das Verhängnis
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
"
Erich Kästner
maxzwo schrieb :
."
Ich glaube nicht, daß die Bibel eine Geheimschrift ist....."


Also, dass die Bibel als Geheimschrift zu lesen ist glaube ich auch nicht. Aber was Weinreb da so schreibt scheint mir nicht unwahrscheinlich: Es geht ihm ja nicht um eine Geheimschrift, sondern um den ursprünglichen Wortsinn.

Dazu fällt mir ein witziges Beispiel ein, das ich mal irgendwo gelesen habe:

"Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach" wurde erst ins Russische übersetzt und dann von jemand anderes wieder zurück ins Deutsche. Heraus kam dann : Der Schnaps ist gut, aber das Fleisch ungeniessbar.
Der eigentliche Sinn war nicht übersetzt worden..., sondern nur die Wörter.
--- Gnostische Strömungen ---

Hallo Maxzwo,

Zitat:
finnoir hat folgendes geschrieben:
Wenn wir jedoch den Schriften folgen, insbesondere dem NT, dann gibt es in dieser Hinsicht Fragen, die seinerzeit auch Marcion bewegt haben. Jesus selbst gab diesbezgl. Hinweise.

Der Hinweis für die Identität des verborgenen Gottes war meines Wissens für die Gnostiker dieses rätselhafte Jesuswort:

Ev. Lucä 10,22
"Es ist mir Alles übergeben von meinem Vater.
Und Niemand weiß, wer der Sohn sei, denn nur der Vater;
noch wer der Vater sei, denn nur der Sohn,
und welchem es der Sohn will offenbaren."


Ja, unter anderem. Es ließen sich noch genügend andere Passagen anführen, wie z.B, diese hier ...

"Niemand hat Gott je gesehen.
Der eingeborne Sohn, der in des Vaters
Schoß ist, der hat es uns verkündiget."
(Johannes 1:18 - Luther Übersetzung)

Es ist schon sehr bedauerlich, daß so wenig originale Schriftzeugnisse des Urchristentums (gnostische Strömungen) erhalten geblieben sind. Möglicherweise sind viele Texte auch nur verschollen und tauchen vielleicht wieder auf, wie z.B. das Thomas Evangelium, das um 1945 entdeckt (Nag Hammadi Sensation) wurde.

Die Botschaft Jesu ist sicherlich eine große Inspiration für die späten Hellenen gewesen. Kein Wunder, daß dieser Funke dort ganz anders aufgenommen wurde, als in jüdischen Kreisen und Gemeinden. Es war auf jeden Fall eine Zeit des Umbruchs. Der Jerusalemer Tempel wurde bald nach Jesu Erscheinen zerstört (70 nChr.) und damit endgültig eine neue Ära für das alte Judentum und das aufblühende Christentum eingeläutet.

Es gibt eine Menge Fragen. Ich frage mich z.B., warum man in der Bibel (NT) nichts von den Essenern erfährt, stattdessen wird nur von den Pharisäern und Sadduzäern berichtet. Dabei darf man annehmen, daß die Essener keine geringe Rolle gespielt haben und vermutlich auch Johannes dem Täufer oder den Jüngern Christi bekannt gewesen sein dürften.

Man darf sich auch fragen, was wohl aus all den Schriftzeugnissen wurde, welche sich in Alexandria befunden haben, der größten Bibliothek der damaligen Zeit?

Da gibt es viel zu forschen und zu hinterfragen.

Danke auch an Visie, ich fand deine Ausführungen recht schlüssig und kann deine Herangehensweise durchaus nachvollziehen. Ich kann mir gut vorstellen, daß der Weinreb gute Anregungen/Hinweise gibt. Wer die Muttersprache beherrscht, der hat natürlich nochmal einen ganz anderen Zugang zu den Schriften, was also bedeutet: Hebräisch für das AT und Altgriechisch für das NT.

Um die sogenannte Kabala habe ich bislang immer einen großen Bogen gemacht.

Grüße Omega
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Hallo finnoir,
finnoir hat folgendes geschrieben:

Ich frage mich z.B., warum man in der Bibel (NT) nichts von den Essenern erfährt, stattdessen wird nur von den Pharisäern und Sadduzäern berichtet. Dabei darf man annehmen, daß die Essener keine geringe Rolle gespielt haben und vermutlich auch Johannes dem Täufer oder den Jüngern Christi bekannt gewesen sein dürften.


Vermutlich deutet die Erzählung in Markus 14,13 auf die Essener hin. Die Jünger Jesu fragen, wo sie das Passalamm bereiten sollen, da sie ja nicht aus Jerusalem kommen, dort aber das Fest mit Jesus feiern. Er schickt sie darauf hin in die Stadt, wo ihnen ein Mensch begenen soll, der einen Krug auf dem Kopf trägt. Dem sollen sie nachgehen wo er hingeht und ihn dort ansprechen.
Bei den Essener war es üblich, dass Männer den Wasserkrug trugen und nicht die Frauen, weshalb es sich bei dem beschriebenen Menschen wohl um einen Mann dieser Gemeinschaft gehandelt hat, denn wäre es eine Frau gewesen, die den Wasserkrug trug, würden ja nicht zwei Evangelisten das umständliche, neutrale "Mensch" gewählt haben. Wahrscheinlich war es den Schreibern schon früh nicht geheuer, dass dort wohl ursprünglich von einem Mann die Rede war, der ja "Frauenarbeit" nachging, weshalb sie möglicherweise aus "Mann" "Mensch" machten.
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Locker bleiben, Maß halten (frei nach Aristoteles)
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Große Klasse!
Vielen Dank für den Hinweis :)

Es lebe der Wasserträger ...

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