1. Kapitel: Zwei Götter


finnoir hat folgendes geschrieben:
Na gut, dann steck ich meinen Revolver wieder ein


Da bin ich aber beruhigt

Es ist aber wirklich spannend, sich mal die Acta Haeresiorum oder andere Schriften anzugucken, in denen auf gnostisches Gedankengut Bezug genommen wird. Leider ist von den eigentlichen gnostischen Schriften nur noch wenig erhalten. Von vielen gnostischen Evangelien gibt es noch Fragmente, aber die theologischen Abhandlungen sind sämtlich verloren gegangen.

Ich glaub irgendwo im Forum gabs sogar mal einen Thread zur Gnosis...
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Denn was ich eigentlich gesagt habe war nicht, dass Völkermord toll ist, sondern dass dies ein Bild von Gott ist,
das den Juden damals (als der Kanon zusammengestellt worden ist) geholfen haben mag.

Ja sicher und deswegen ist es ja auch so beliebig, wie sich dieser Gott verhält.
Rachsüchtig, eifersüchtig, gnädig, liebend, grausam, -eben so, wie mans gerade braucht.
Sein Verhalten ist ethisch für die Allgemeinheit der Menschen nicht beispielhaft.
Aus seinem Verhalten ließen sich keine allgemeinen, konsistenten Regeln ableiten,
die Völker zur friedlichen Koexistenz brächten oder den Haß aus der Welt schaffen könnten.
Er brachte seinem erwählten Volk den Chauvinismus und dessen Feinden den Haß
und das ist nicht gerade schlau, wenn man möchte, daß die Welt von Liebe regiert sei.
Zitat:
Es bleibt aber immer noch ein menschliches Bild von Gott.

Genau das macht ihn ja menschlich und eben nicht mehr göttlich.
Er steht im AT nicht über den Dingen.
Im "Neuen Bund" ist er ein Anderer und das haben die frühen Christen natürlich gesehen.
Deswegen liegen die Entwicklungen derer, die sich ein bischen Gedanken machten,
hin zu den diversen gnostischen und dualistischen Glaubensansichten,
doch auf der Hand:
Hinter diesem diktatorischen Demiurgen mußte also noch etwas stehen,
das noch viel größer und schöner ist.
Und dessen Offenbarer und Prophet war für sie Jesus.
Für die Gnostiker war Jesus nicht der Verkünder des Neuen Bundes eines alten Gottes, sondern die Offenbarung des Größeren, Umfassenderen, Nichtnennbaren...
_________________
"
Das ist das Verhängnis
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
"
Erich Kästner
Hallo Sören & maxzwo,
und in die Runde ...

Sören hat folgendes geschrieben:
Es ist aber wirklich spannend, sich mal die Acta Haeresiorum oder andere Schriften anzugucken, in denen auf gnostisches Gedankengut Bezug genommen wird.
(...)
Ich glaub irgendwo im Forum gabs sogar mal einen Thread zur Gnosis...

Ja, ich denke es lohnt sich, hier zu forschen und möglicherweise ein paar alte Zeugnisse auszugraben ;)

maxzwo hat folgendes geschrieben:
Für die Gnostiker war Jesus nicht der Verkünder des Neuen Bundes eines alten Gottes, sondern die Offenbarung des Größeren, Umfassenderen, Nichtnennbaren...

Genau, Marcion war hier wohl ein Vorreiter, der sich voll und ganz auf die Zeugnisse Paulus stützte, da dieser der letzte autorisierte Apostel gewesen war, der im Urchristentum am Wirken war. Er bezog in seinen Kanon (Erste Zusammenstellung der Schriften), neben den Briefen des Paulus, auch nur das Lukas-Evangelium ein, weil Paulus sich für selbiges ausgesprochen hatte (wenn ich das recht in Erinnerung habe).

Er vermutete, daß all die anderen Schriften wohlmöglich von jüdischen Strömungen im Laufe der Jahrzehnte verfälscht worden sind, im Hinblick auf die Gottesfrage.

Hätte sich Marcion durchgesetzt, dann wäre unsere heutige Bibel wohl frei von jüdischen Bezügen (Rückbezüglichkeiten). Irenäus von Lyon (um 200 n.Chr.) hatte sich für alle 4 Evangelien ausgesprochen. Er glaubte an einen katholischen Kanon (Also, an die Versammlung aller Schriftzeugnisse, die von den damaligen Gemeinden allgemein anerkannt waren, während die sogenannten Häretiker eine engere Auswahl im Sinn hatten, wie z.B. Marcion)

Man hat die sogenannten "Häretiker" und dessen Strömungen (z.B. die Katharer) immer wieder verfolgt und gnadenlose Kreuzzüge gegen solche (andere) christliche Glaubensgemeinschaften betrieben. Siehe die letzte große Massenhinrichtung bei der Burg Montsegur (Frankreich). Man hatte die Überlebenden lebendig ins Feuer geschickt.

Ich möchte hier erneut darauf hinweisen, daß unser heutiges Begriffsverständnis oft verfremdete Sichtweisen (wiederholt) generiert und ursprüngliche Bedeutungsinhalte negativ überlagert. Sprich, man gebraucht die Worte Ketzer und Häretiker in einem Atemzug, und glaubt damit Menschengruppen bezeichnet zu haben, die Gott leugnen oder gar lästern.

Tatsächlich waren die Katharer sehr gläubige Menschen, welche nicht nur an Jesus Christus glaubten, sondern auch daran, daß im weltlichen Leben kein Heil gefunden werden kann, weil es vom Widersacher regiert wird. Die Katharer lebten darum wesentlich enthaltsamer als zeitgenössische Glaubensgemeinschaften - allen woran die römische Kirche, die in ihren Augen eher ein Vorbild für Lasterhaftigkeit darstellte.

Wie wir alle wissen, sind viele Glaubensgemeinschaft ausgetilgt worden, während sich die röm-kath. Kirche auf machtvolle Weise durchgesetzt hat. Wenn man auf all die Insignien dieser Institution schaut, z.B. ihren Hauptsitz, also den Petersdon in Rom, dann kann man sich schon fragen, was eigentlich der Obelisk dort zu suchen hat?

Es gibt auf der Welt übrigens nur drei unabhängige Stadtstaaten, die so einen Status Quo (Unabhängigkeit im jeweiligen Staat/Land) genießen, wie: Vatikanstadt, Washington DC und London City. Wenn man die Architektur dieser 3 Stadtstaaten betrachtet, dann kann man wahrlich ins Grübeln kommen. Der Kult um einen großen Obelisken ist da nur die Spitze eines Eisbergs.

Das als Hinweis am Rande.

Unter solchen Gesichtspunkten erhalten solche geschichtlichen Ereignisse, wie z.B. die Kreuzzüge gegen die Katharer, ein ganz anderes Gewicht. Kennt ihr das Märchen von den 7 Geißlein? Mit welcher Strategie verschafft sich der Wolf Zugang?

Beste Grüße
Omega

Nachtrag: Ich habe meinen Text leicht editiert/aktualisiert.
_________________
You Are what You Art.
finnoir hat folgendes geschrieben:
Es gibt auf der Welt übrigens nur drei unabhängige Stadtstaaten, die niemandem (keiner Regierung irgendeiner Nation) Rechenschaft schuldig sind: Vatikanstadt, Washington DC und London City. Wenn man die Architektur dieser 3 Stadtstaaten betrachtet, dann kann man wahrlich ins Grübeln kommen. Der Kult um einen großen Obelisken ist da nur die Spitze eines Eisbergs.


Es wäre mir neu, dass Washington nicht Bundesdistrikt der Vereinigten Staaten und London nicht Teil des Vereinigten Königreichs wäre. Wo hast du denn das aufgeschnappt?
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Hallo Sören,

mir ging es genau so, ich wollte es anfangs auch nicht glauben. Es enstpricht aber den Tatsachen. Du findest auch Hinweise im Netz. Ich habe kurz gegoogelt und stelle dir hier einen Link ein, wo du einen ersten Überblick fändest.

(Dies ist keine Werbung für besagte Website oder deren Inhalte. Ich habe sie nur kurz überflogen. Sie gibt dir in der Sache einen ersten Überblick)

Grüße
Omega
_________________
You Are what You Art.
finnoir hat folgendes geschrieben:
Hallo Sören,

mir ging es genau so, ich wollte es anfangs auch nicht glauben. Es enstpricht aber den Tatsachen.


Nein, das tut es ganz sicher nicht! Ich befürchte, lieber finnoir, dass du einem Verschwörungstheoretiker aufgesessen bist.

Dabei ist diese Verschwörungstheorie noch nicht einmal sonderlich gut, obwohl sie tatsächlich ohne Illuminaten auskommt. Freimaurer und Templer dürfen sedlbstverständlich aber auch hier nicht fehlen. Der Artikel ist mehr als nur lückenhaft recherchiert und sachlich falsch.

Die Stadt London ist seit jeher Teil des Vereinigten Königreichs gewesen und ist dies auch heute. Die Stadt hat weder eine unabhängig arbeitende Polizei noch eine eigene Verfassung. Die Tüftelei mit "der Krone" ist natürlich zusätzlich sehr an den Haaren herbeigezogen und lässt sich nur aufrecht halten, wenn man wirklich alle Hühneraugen zudrückt und gleichzeitig den Verstand abschaltet.

Der District of Columbia arbeitet nach der Verfassung der Vereinigten Staaten und eigens für den Bundesdistrikt erlassenen Bundesgesetzen. Im krassen Gegensatz zur vorgestellten Theorie hat Washington keine eigene Verfassung und ist in dem Sinne nichtmal autonom. Es ist halt bundesunmittelbares Gebiet wie ein "Inhabited Territory". Viele Bundesstaaten waren vormals Territorien oder Teil von solchen, aber das heißt im Klartext weniger Eigenständigkeit, und nicht mehr. Es hat sogar bis in die 70er Jahre hinein gedauert, bis die Washingtoner ihren Bürgermeister selbst wählen durften. Vorher wurde er vom Präsidenten ernannt.

Ich kann dich also nur dringend bitten, nichts auf diesen und änhliche Versuche zu geben, eine geheime Weltherrschaft unter Führung der Freimaurer, Templer oder Illuminaten zu konstruieren.
_________________
"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
--- Informationen zum Status Quo ---

Guter Sören,
es geht nicht darum, daß besagte Zentren (Städte), geographisch/politisch gesehen, einer übergeordneten Konstitution angehören, sondern es geht um deren außerodentlichn Status Quo innerhalb der jeweiligen Länder. (Alle drei genannten Zentren verfügen über Sonderstellungen auf unterschiedlichsten Ebenen: Läßt sich alles recherchieren, jenseits von Verschwörungstheorien! Wie gesagt, vorgenannte Seite war lediglich der Kürze geschuldet, um dir eine erste Info angedeihen zu lassen. Die Sondermerkmale betreffen diverse Ebenen und lassen sich vertiefen: Wer ist wo angesiedelt?, Unabhängige Körperschaften, eigene Gesetzgebungen, Selbstverwaltungen, Steuerfreiheiten, Historische Identität/en: eigene Fahnen, eigene Streitkräfte, Architektonische Merkmale, usw.) Bestimmte Informationen (desto spezifischer die Themen) findet man in z.B. in Archiven/Bibliotheken und kann sich dann Zusammenhänge selbst erschließen.

Das Thema sprengt jedoch den Rahmen des Threads. Sinnvoll wäre ein eigener Thread, falls es weiteren Besprechungsbedarf gibt.

Beste Grüße,
Omega.
_________________
You Are what You Art.
Also 2 Götter glaube ich nicht in diesem Sinn, dass im alten Testament das so gemeint ist, sondern ich meine, da gibt es halt gewisse Umschreibungen und Unterteilungen.
Na, was heißt "gemeint".
Es geht um die Interpretation früher, christlicher Glaubensvorstellungen.
Jedenfalls:
Wer an zwei Götter glaubt, ist ja schonmal kein Monotheist mehr
und das ist halt die Crux, die man sich mit gnostischen Ansichten einhandelt.
Ich könnte mir vorstellen, daß es genau das war,
weswegen es die "kanonischen" Christen später so wütend ablehnten.
_________________
"
Das ist das Verhängnis
zwischen Empfängnis
und Leichenbegängnis
nichts als Bedrängnis.
"
Erich Kästner
von Friedrich Weinreb gibt es einige Bücher, die erklären, dass das alte Testament nur durch ein inneres Verständnis der hebräischen Sprache und ihrer Symbolik verstanden werden kann und alle Übersetzungen und Deutungen am Urgrund vorbeigehen. Es ist echt spannend sich mal damit zu beschäftigen.
Es ist zu umfangreich das hier kurz zusammenzufassen, aber wer sich dafür interessiert : Einfach mal Friedrich Weinreb googeln...

Forum -> Gott