Benötigt der Islam einen muslimischen Luther ?


http://www.spiegel.de/kultur/gesells...509723,00.html
"Kulturpluralismus mit Wertekonsens"
Am Ende des Buches erklärt Ates ihre Vision: eine transkulturelle Gesellschaft, in der die Grenzen verwischen und sich ein Gleichgewicht der Kulturen eingestellt hat. Auf dem Weg dorthin seien zwei Dinge notwendig: erstens eine Reform des Islam. Die religiöse Deutungshoheit müsse den "Fundamentalisten" entrissen werden. Erforderlich sei eine zeitgemäße Auslegung der Scharia - und ein "islamischer Luther". Der Weg zur Erneuerung des Islam könne nur über dessen Entpolitisierung führen.

Könnte er evtl. aus dieser Strömung kommen ?

http://de.wikipedia.org/wiki/Ahmadiyya (besonders interessant: "Bekannte Persönlichkeiten) bzw.

www.ahmadiyya.de
(besonders interessant: "Religionswissenschaftler und Politiker über uns" unter Presse)

Die Meinung vieler unabhängiger Autoren unterstreicht die Einzigartigkeit der Ahmadiyya in der islamischen Welt:
„Die Ahmadiyya-Muslim-Bewegung ist die EINZIGE moslemische Organisation, die weder über einen politischen noch einen militanten Flügel verfügt.“
(Gill, I./ Backhausen, M.: Die Opfer sind Schuld – Machtmißbrauch in Pakistan, Akropolis Verlag 1994, S. 41-45)

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Geschichte

Mirza Ghulam Ahmad gründete die Ahmadiyya-Bewegung am 23. März 1889 in Qadian. Er trat als islamischer Erneuerer (Mudschaddid) auf. Ihren Namen erhielt die Glaubensgemeinschaft anlässlich einer Volkszählung im Jahr 1901, als Ahmad seinen Anhängern empfahl, sich als Ahmadi-Muslime registrieren zu lassen. Volkstümlich wurde sie bis dahin als Qadiani oder Mirzai bezeichnet. Ahmad bezeichnete sich ab 1891 als der vom Propheten Mohammed angekündigte Mahdi und verstand sich als die prophezeite Wiederkunft von Jesus Christus, Krishna und Buddha in einer Person. Sein gottgegebener Auftrag sei die Vereinigung aller Religionen unter dem Banner des Islam.

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Lehre

Die Lehre der Ahmadiyya basiert auf dem Koran, der Hadith und der Sunna. Daneben haben die Schriften des Gründers der Ahmadiyya-Bewegung, Mirza Ghulam Ahmad, große Bedeutung, der sich seiner Zeit kritisch mit islamischen und hinduistischen Gelehrten sowie christlichen Missionaren auseinandersetzte. Die Lehrmeinung der Ahmadiyya weicht hauptsächlich in der Christologie (Jesus in Indien), der Rolle des Mahdi, dem Dschihad, die Stellung Mirza Ghulam Ahmads, und der Apostasie vom islamischen Mainstream ab. Besonders die Auffassung, dass der Dschihad mit zivilen Mitteln zu führen sei und die Ablehnung, am bewaffneten Unabhängigkeitskampf Indiens teilzunehmen, trug der Ahmadiyya die Feindschaft anderer islamischer Gruppen ein...

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Selbstverständnis:

"In der heutigen religiösen Welt spielt die Gemeinde eine einzigartige Rolle, da der Islam oft als zum Kampf auffordernd interpretiert, falsch verstanden und falsch dargestellt wird. Während die Welt im Islam eine Gefahr sieht, ist die Gemeinde eine Organisation des Islam, die ohne Bedingungen ausschließlich Frieden und Harmonie lehrt." (www.ahmadiyya.de)
Das Motto der Gemeinde lautet dementsprechend: „Liebe für alle und Hass für keinen“.
Immer dieser Schwachsinn mit dem Reform-Islam. Der Islam ist Qur´an und Sunna. Und wem er so nicht passt wie er ist, soll sich von ihm fernhalten.
Der Islam braucht eine weit stärkere Person als Luther ! Aber wir sehen ja was mit Refomern passiert , sie werden einfach umgebracht , thats it .
Deshalb wird es keinen Islamischen Luther geben .
@berlinmal

Luther? Meint ihr den intoleranten, antisemitischen, frauenfeindlichen und kriegstreibenden Fürstenknecht? Entegegen populärer Darstellungen war Luther kein Deut toleranter als die katholische Kirche. Man möge den späteren Liberalprotestantismus nicht mit dem der orthodoxen Luthertum verwechseln.

Ich weiß schon wie es gemeint ist, aber mir wird immer wieder komisch bei dieser völlig unpassenden Schwärmerei für diesen Mann.


@Fiveminute

Wie sehr hast du dich eigentlich mit dem Thema beschäftigt?

Der wohl einflussreichste aller modernistischen Reformer, Muhammad 'Abduh, war die letzten sechs Jahre seines Lebens sogar Großmufti von Ägypten.

Natürlich haben es Reformer immer schwer mit den Orthodoxen, aber du überzeichnest wieder gnadenlos...
Zitat:
Der Islam ist Qur´an und Sunna. Und wem er so nicht passt wie er ist, soll sich von ihm fernhalten.


Ja, das sagen alle, aber alle interpretieren diese Grundlagen verschieden, zum Teil sehr verschieden. Für die einen steckt globaler Jihad drin, für die anderen der Weg des Friedens. für die einen strenger Patriarchalismus, für die anderen Geschlechtergerechtigkeit, für die einen die Brüderlichkeit aller Menschen, für die anderen die Hölle für alle Nicht-Muslime.
Deswegen muss es eine berechtigte, unaufgebrachte und sachliche Debatte über die Auslegung dieser Grundlagen geben. Über die Auslegung der schriftlichen Grundlagen des Christentums gestritten haben auch Luther und die römische Kurie. Nach Jahrhunderten des religiösen Streits sollte klar geworden sein, dass man die gleichen Quellen verschieden deuten kann.
Dann kann man darüber sprechen, welche Deutung plausibler, lebensnaher, sinnvoller und den Menschen förderlicher für eine aktuelle Gesellschaft ist. Diese Debatte kann ohne Köpfe einschlagen auskommen, ohne Schmähungen, böswillige Unterstellungen und ähnlichem.
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Darum sollte ein aufgeklärter, weiser Mensch vornehmlich in Worten reden, die sanft wie Milch sind, damit seine Worte die Menschenkinder nähren und erbauen... (Bahá'ulláh)
Die mißverständlichkeit dieser Grundlagen bzw die Vieldeutbarkeit bzw die interpretationsvielfalt ist ein problem , das man nie aus der WElt schaffen kann.
Lieber Fiveminute,

du kannst sie als Problem aber auch als Chance zum Wandel sehen. Gesellschaften wandeln sich, Verständnisse von Texten, der Umwelt, vom Kosmos und vom Mitmenschen ändern sich. In gewissem Rahmen kann eine Religion, die sich auf einen festen Katalog von Offenbarungstexten bezieht, diesen Wandel mitvollziehen und neue Antworten auf neue Fragen finden, anstatt einfach die alten Antworten zu wiederholen. Diese Flexibilität sehe ich positiv. Starrheit führt zu Verfall und Fanatismus.
Allerdings hat jeder Text auch Grenzen bei der Interpretation. Wenn da steht: "Schweine sollen nicht gegessen werden", ist eine Umdeutung in eine Erlaubnis, Schweine zu essen, schwierig und für viele Anhänger der Religion nicht nachvollziehbar.
Wenn diese Grenze der Interpretationsfähigkeit einer Offenbarungswerks erreicht ist und die alten Paradigmen der Religion einfach für viele Menschen nicht mehr stimmig und plausibel sind, beginnen sie sich nach neuen Quellen umzuschauen.
Dann ist die Zeit einer neuen Offenbarung gekommen.
Zitat:
Lieber Fiveminute,

du kannst sie als Problem aber auch als Chance zum Wandel sehen. Gesellschaften wandeln sich, Verständnisse von Texten, der Umwelt, vom Kosmos und vom Mitmenschen ändern sich. In gewissem Rahmen kann eine Religion, die sich auf einen festen Katalog von Offenbarungstexten bezieht, diesen Wandel mitvollziehen und neue Antworten auf neue Fragen finden, anstatt einfach die alten Antworten zu wiederholen. Diese Flexibilität sehe ich positiv. Starrheit führt zu Verfall und Fanatismus.
Allerdings hat jeder Text auch Grenzen bei der Interpretation. Wenn da steht: "Schweine sollen nicht gegessen werden", ist eine Umdeutung in eine Erlaubnis, Schweine zu essen, schwierig und für viele Anhänger der Religion nicht nachvollziehbar.
Wenn diese Grenze der Interpretationsfähigkeit einer Offenbarungswerks erreicht ist und die alten Paradigmen der Religion einfach für viele Menschen nicht mehr stimmig und plausibel sind, beginnen sie sich nach neuen Quellen umzuschauen.
Dann ist die Zeit einer neuen Offenbarung gekommen.


Ja , das würde ich so teilen .
man kann den reformatorischen Kräften im Islam nur Glück wünschen und viel Mut , es ist einer der gefährlichsten Jobs der WElt .
@ Mutakallim

Zitat:
Ja, das sagen alle, aber alle interpretieren diese Grundlagen verschieden, zum Teil sehr verschieden. Für die einen steckt globaler Jihad drin, für die anderen der Weg des Friedens. für die einen strenger Patriarchalismus, für die anderen Geschlechtergerechtigkeit, für die einen die Brüderlichkeit aller Menschen, für die anderen die Hölle für alle Nicht-Muslime.
Deswegen muss es eine berechtigte, unaufgebrachte und sachliche Debatte über die Auslegung dieser Grundlagen geben. Über die Auslegung der schriftlichen Grundlagen des Christentums gestritten haben auch Luther und die römische Kurie. Nach Jahrhunderten des religiösen Streits sollte klar geworden sein, dass man die gleichen Quellen verschieden deuten kann.
Dann kann man darüber sprechen, welche Deutung plausibler, lebensnaher, sinnvoller und den Menschen förderlicher für eine aktuelle Gesellschaft ist. Diese Debatte kann ohne Köpfe einschlagen auskommen, ohne Schmähungen, böswillige Unterstellungen und ähnlichem.


Der Islam ist so zu verstehen, wie er von den Salaf verstanden wurde.
@ Mutakallim

Zitat:
Wenn diese Grenze der Interpretationsfähigkeit einer Offenbarungswerks erreicht ist und die alten Paradigmen der Religion einfach für viele Menschen nicht mehr stimmig und plausibel sind, beginnen sie sich nach neuen Quellen umzuschauen.


Das sehe ich etwas anders.

Religionen verlieren nicht an Gültigkeit, wenn ihre Kernaussagen zeitlos sind.
Es ist jedoch eine Frage des Umgangs mit der jeweiligen Schriftquelle, ob diese von a bis z als unantastbares Offenbarungswerk betrachtet wird und nicht reformiert werden kann, oder mehr als Glaubenszeugnis, wobei "Randgebote" als zeitbedingt abgelegt werden können. (Speisegebote, Kopfbedeckung etc.)

Was das Schweinefleischverbot anbetrifft, finde ich eine Empfehlung, ganz auf Fleisch zu verzichten, viel sinnvoller.

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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.