Das Demokratiemodell Baha'u'llahs


hab einen Hinweis in den Post gebracht.
Wenn ihr auch mal mangelnde Konzentration erleiden wollt:
http://www.johnhartstudios.com/bc/2007/11/
Zitat Riki.
Zitat:
Beschlüsse sollten nach Möglichkeit immer einstimmig sein.
Sollte es einmal nicht möglich sein, auch nicht nach weiteren Gebeten und womöglichen Vertiefungen und Konsultation der Schriften, zu einem einstimmigen Beschluss zu kommen, ist auch Stimmenmehrheit möglich.


Um zu begreifen wie wichtig es ist dass der Rat möglichst einstimmige Beschlüsse fasst, muss man sich vergegenwärtigen dass Abdulbaha bei der Erläuterung diese Möglichkeit sagt:

" sollte es Gott verhüten, ein Einstimmiger Beschluss nicht möglich sein so entscheidet die Stimmenmehrheit "
Für mich ist es wichtiger zu erfahren wie das politische Demokratiemodell der Zukunft dieser Menschheit aussehen soll, weniger das heutige der Religion.
Hallo Obstbaum,
Ein bißchen denken gehört schon dazu.
Beispielsweise mal zu überlegen wie sich eine Übertragung dieser Regeln auf die politische Ebene auswirken würde
- wenn politische Jobs ehrenamtlich wären
- wenn Fraktionsbildung und Wahlbeeinflussung unzulässig wären
- wenn die Vielfalt der entscheidenden Gremein stark verringert würde
Meinst du nicht daß dann ganz andere Menschen in die Politik einsteigen würden, weil bestimmte Anreize durch andere ersetzt wären?
Grüße
Zitat:
Ein bißchen denken gehört schon dazu.


Ich versuch ja zu erkennen das dies das ultimative Demokratiemodell ist,

muss da aber noch einiges Fragen:

Zitat:
wenn die Vielfalt der entscheidenden Gremein stark verringert würde


Die Vielfalt veringern. Warum ist das ein Vorteil?

Die entscheidenden Gremein wären dann National die 9 Räte und das UHG ! ?
Hallo Obstbaum,
Natürlich mußt du fragen, nur zu.
Eine flache Hierarchie bewirkt mehrere Verbesserungen: Entscheidungen gehen schneller, der Weg des Wählerwillens an die Spitze ist kürzer, es gibt also weniger Instanzen die ihn evtl. verwässern können, und überschaubarer ist das auch.

Die entscheidenden Gremien müssen natürlich auf der politischen Ebene angepasst werden, man kann das nicht einfach so übernehmen. Aber auch wenn mans überträgt: es ist nunmal demokratischer wenn die Führung nicht aus einer Person besteht (Kanzler etc.) sondern aus einem Rat - einfach weil darin mehr Meinungen vertreten sein können.

Anstelle des (Baha'i-) UHG wäre es eine Weltregierung, und ich sehe gute Gründe auch die nicht (autoritär!) einer einzigen Person zu unterstellen, einem Weltkanzler oder so.

Welteinheit kann nur gelingen wenn die Vielfalt der Kulturen sich in der Führung wiederfindet.
Unser UHG kann jedenfalls nicht die Weltregierung sein; es kann ja nur von Baha'i gewählt werden.

Siehe mein vorheriger Post: ich halte die Regeln wie so ein System zustande kommt für wichtiger als seine detaillierte Struktur.
Grüße
Wie wissen die Amtsinhaber eigentlich jeweils, wen sie wählen sollen, außer wenn sie es im Gebet oder so erfahren? Ich habe mal ein Bild vom Weltkongress gesehen, da hat man doch niemals einen Überblick, wer zur Wahl infrage kommt. Also müsste ja eigentlich jeder wen aus seinem Land wählen, den er kennt, aber so macht das ja irgendwie keinen Sinn :S
Cacau hat folgendes geschrieben:
Wie wissen die Amtsinhaber eigentlich jeweils, wen sie wählen sollen, außer wenn sie es im Gebet oder so erfahren? Ich habe mal ein Bild vom Weltkongress gesehen, da hat man doch niemals einen Überblick, wer zur Wahl infrage kommt. Also müsste ja eigentlich jeder wen aus seinem Land wählen, den er kennt, aber so macht das ja irgendwie keinen Sinn :S


Lieber Cacau,

da hast du ein ganz wesentliches Problem angesprochen, das sich der heutigen Gemeinde noch nicht in der Schärfe stellt, aber trotzdem schon Tendenzen sichtbar werden lässt, die so eigentlich nicht gedacht sein können. Denn gerade weil man sich untereinander nicht allzu gut kennt, ist es letztendlich so, dass realistischerweise schon seit vielen Jahren nur diejenigen gewählt werden, die vorher bereits vom Universalen Haus der Gerechtigkeit ins Internationale Lehrzentrum berufen worden sind. In diesem Gremium sitzen ebenfalls 9 Einzelpersonen, Männer und Frauen, von denen im Schnitt die Hälfte wählbar ist, weil männlich. Das führt zu der paradoxen Situation, dass das Haus sich quasi seinen eigenen Nachwuchs heranzüchtet. Dieses Problem müsste dringend mal behoben werden.

Ansonsten wird man auch ohnehin nicht darum herumkommen, zumindest im Vorfeld einer Wahl abzufragen, wer sich überhaupt zur Verfügung stellen will, da man bei einer nationalen Wahl mit 80 Millionen Wählbaren niemals zu einem sinnvollen Ergebnis kommen würde. Da wird das Wahlsystem in der praktischen Übertragung sicher noch einiger Anpassungen bedürfen.

Mit dem Thema hat sich jüngst erst Emanuel Towfigh in seiner juristischen Habilitation beschäftigt:

http://www.mohr.de/index.php?id=172.....ommerce_pi1[showUid]=6632
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Cacau hat folgendes geschrieben:
Wie wissen die Amtsinhaber eigentlich jeweils, wen sie wählen sollen, außer wenn sie es im Gebet oder so erfahren? Ich habe mal ein Bild vom Weltkongress gesehen, da hat man doch niemals einen Überblick, wer zur Wahl infrage kommt. Also müsste ja eigentlich jeder wen aus seinem Land wählen, den er kennt, aber so macht das ja irgendwie keinen Sinn :S


Das ist tatsächlich eine der Eigenarten des Baha'i-Wahlsystem. Dadurch das keine Parteiungen, kein Wahlkampf und keine Kandidaten erlaubt sind haben Amtsinhaber (dieses oder eines anderen Amtes) oder sehr bekannte Baha'i einen sehr großen Vorteil. Das erzeugt auf der einen Seite eine große Stabilität. Andererseits können bestimmte Institutionen so de facto ihre Nachfolger bereitstellen und viele Wahlen sind letztlich weniger demokratische Wahlen als Wettbewerbe in Bekanntheit.

Auf der anderen Seite muss man Beachten, dass dieses System zwar deutlich demokratische Züge trägt, aber nicht mit einer modernen Parteienstaats-Demokratie gleichzusetzen ist. Es geht hier nicht darum das die Interessen der Wähler durch Parteien bestmöglich aggregatisiert werden und die Parteien wiederum eine Wahlmöglichkeit repräsentieren. Hier geht es vielmehr darum, dass die Wähler einen religiösen und ethischen Prozess durchleben, welcher wiederum die per religiöser Satzung geschaffenen Ämter mit Inhabern befüllt.
Hallo,
erstmal danke für eure ehrlichen Worte Nun stellt sich mir aber die Frage, auch in Verbindung mit dem Parallelthread, der letztlich auf dasselbe hinausläuft: Wie kann man sich vom traditionellen Parteien System abwenden, wenn man bisher keine vernünftige Alternative hat?

Ich habe neulich auf einem Spaziergang mal darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn man in der Kleinstadt, in der ich wohne, die Parteien abschaffte und dann Wahlen ansetzte. Und so sehr ich es anders wollte, habe ich keinen Ansatz gefunden, wie sich Chaos vermeiden ließe. Das wurmt mich^^