Gerechtigkeit


Zitat:
Natürlich gibt es die. Gesundheit ist ein Faktor davon, ganz objektiv.


Ich kenne genügend Menschen, die trotz schwerer Krankheiten wie Rheuma glücklich sind.
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Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.
Sigmund Freud
@elfin,

die Afrikaner sagen, 'Die Zunge schlaegt boesere Wunden als das Schwert' Ein falsches Wort kann reichen um nicht nur die Lebensfreude zu zerstoeren, sondern gleich ein ganzes Leben. Noch viel schlimmer aber ist es, mit den Auswirkungen der nicht ganz so sensiblen Saetze wie 'Du warst eher ein Unfall' plus hastig hinterhergeschobenem 'Aber wir lieben Dich trotzdem' ein Leben lang umgehen zu muessen. Oder nur akzeptiert zu werden, wenn man immer und ueberall der oder die BesteSchoensteTollste ist. Unzaehlige Menschen haben gar keine Freude am Leben, nur die staendige Angst, dass sie versagen koennten, und dass sie dann keiner mehr mag. Sie luegen, mauscheln Dinge zurecht und halten eine broecklige Fassade eisern aufrecht, nur um den perfekten Schein zu wahren. Und das alles wegen ein paar weniger sensiblen Worten. Erzaehle mir bitte nicht, man koenne bestimmen, ob es jetzt schlimmer ist emotional verkrueppelt zu sein oder physisch.

Elfin, vielleicht hat der gleiche Arzt, der Dich operiert hat, drei anderen Menschen zB die zertruemmerte rechte Hand durch eine aufwaendige Operation wiederherstellen koennen. Diese Menschen wuerden es als gerecht empfinden, wenn der Arzt einen Orden bekaeme - Du wohl eher nicht. Aber wenn wir nach Gerechtigkeit fragen, dann muessen wir den Menschen, seine Taten und auch noch seine Motivation als Ganzes betrachten, wir koennen nicht den Teil heraussuchen, der uns betrifft und dann Strafe fordern - sonst ist das Rache und nicht Gerechtigkeit.

Das Schoene im Leben, die ganz einfachen Dinge, haben mein Leben gerettet, als ich vor lauter Druck nicht mehr ein noch aus wusste. Zwei spielende Eichhoernchen waren es, die mich daran erinnert haben, dass selbst im groessten Kampf immer noch Zeit zum Spielen sein kann. Seither halte ich oefter inne, einfach um die Fruehlingsonne zu geiessen, die ich auf meinem Mantel spueren kann, oder um diesen herrlichen rot untergehenden Mond heute morgen zu beobachten. Nein, davon kannst Du auch nicht wieder gehen. Das waere dann das einzige, was es mit Deiner Bitterkeit gemeinsam hat.
Zitat:
Werden die gerichtet, die auf Kosten anderer gelebt haben?
Die ihr eigenes Wohl auf dem Rücken anderer ausgetragen haben?
Die das Leben anderer zerstört haben?

Oder interessiert Gott so etwas nicht?

Was ist mit den Opfern deren Leben zerstört wurde dadurch?
Ich meine, es geht hier um Leben, die zugrunde gerichtet wurden.
Und das Leben eines jeden Menschen ist doch an sich wertvoll.
Das ist ein Schaden, der nicht wieder gut gemacht werden kann.


Diese Frage nach den Tätern und ihren Opfern und wie die Gerechtigkeit zwischen ihnen hergestellt werden kann, ist wirklich sehr drängend. Von Vielen, die nicht glauben können, wird ja genau diese erlebte offenkundige "Schieflage" in der Welt als Argument gegen die Existenz eines barmherzigen und gerechten Gottes ins Treffen geführt.

Als Christen, die wir an die leibliche Auferstehung von Jesus Christus glauben, haben wir im Betrachten des Auferstandenen einen Ansatz dafür zu verstehen, wie Gott die ausgleichende Gerechtigkeit für die Opfer der Gewalt und Ungerechtigkeit herstellen kann und wird.

Es wird keine "Löschung" des Vergangenen geben, sondern eine Verwandlung in das Größere hinein. Es gibt eben keine "Wiederauferstehung" in das alte Leben zurück sondern eine "Auferstehung" in das völlig Neue hinein, die aber das alte Leben in seinen vollen Sinnzusammenhang führt - sozusagen "alles klärt", alles beantwortet - alle Fragezeichen wegnimmt.

Insofern wird gerade in den "ungerechten Lebenswunden", die ein Mensch erlitten hat, der Sinn dieses Lebens aufleuchten.
Der auferstandene Jesus lässt sich ja bewusst von seinen Jüngern an seinen Wunden der Kreuzigung berühren. Er "bekennt sich zu dem Leben, das ihn das Leben gekostet hat." Gerade die Verwundungen "machen also dieses neue Leben aus" - ja sind sogar dessen "Grundlage".

"An ihm als dem Ersten von uns allen wird sichtbar: Erlösung ist nicht Auslöschen der Identität. Erlösung ist Steigerung der Identität, Durchsicht auf das Ganze, zu dem der Leib gehört."

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz

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