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Das Siegel der Propheten






Guten Tag allerseits
Im Koran sagt Muhammed, dass er das Siegel der Propheten sei. Aus diesem Grund nehmen die heutigen muslimischen Gelehrten an, dass Muhammed der letzte Gottesoffenbarer war und keine neuen Manifestationen Gottes mehr erscheinen werden. Im Kitab-I-Iqan (Buch der Gewissheit) erklärt Baha’u’llah das Prinzip der fortschreitenden Gottesoffenbarungen. An vielen Stellen erläutert Er den Ausdruck „Siegel der Propheten“. Die meines Erachtens wichtigsten Abschnitte, die das Thema „Siegel der Propheten“ behandeln, habe ich für euch herausgesucht.

Zitat:
Sollte eine Seele sich am »Ende, das kein Ende kennt« offenbaren und sich erheben, eine heilige Sache zu verkünden, für die sich an einem »Anfang, der keinen Anfang hat«, eine andere Seele erhoben hatte, so kann in Wahrheit von Ihm, dem Ersten, wie auch von Ihm, dem Letzten, erklärt werden, daß sie eine und dieselbe sind; denn beide sind die Vertreter einer und derselben heiligen Sache. Aus diesem Grunde vergleicht der Punkt des Bayán - möge das Leben aller außer Ihm ein Opfer für Ihn sein! - die Manifestationen Gottes mit der Sonne, die, mag sie auch vom »Anfang, der keinen Anfang hat«, bis zum »Ende, das kein Ende kennt«, aufsteigen, doch immer dieselbe Sonne ist. Solltest du nun sagen: Diese Sonne ist die früher e Sonne - so sprächest du die Wahrheit; und sagtest du: Diese Sonne ist die »Wiederkunft« jener Sonne - so sprächest du ebenfalls die Wahrheit. So wird aus diesen Ausführungen deutlich, daß der Begriff »letzter« auf »erster« angewandt werden kann und der Begriff »erster« auf »letzter«; denn sowohl der »Erste« als auch der »Letzte« haben sich erhoben, um einen und denselben Glauben zu verkünden.

In den Augen derer, die vom Weine der Erkenntnis und Gewißheit getrunken haben, ist dieser Gegenstand klar. Doch wie viele sind es, die sich durch die Bezeichnung »Siegel der Propheten« den Blick trüben ließen, weil sie ihre Bedeutung nicht verstanden. So wurden sie der Gnade all Seiner mannigfachen Gaben beraubt. Hat nicht Muhammad erklärt: »Ich bin alle Propheten«? Hat Er nicht, wie schon erwähnt, gesagt: »Ich bin Adam, Noah, Moses und Jesus«? Warum sollte Muhammad, diese unsterbliche Schönheit, der gesprochen hat: »Ich bin der erste Adam«, nicht auch imstande sein zu sagen: »Ich bin der letzte Adam«? Denn so wie Er sich als den »ersten der Propheten«, das ist Adam, sah, so ist auch das »Siegel der Propheten« auf diese göttliche Schönheit anwendbar. So ist es einleuchtend, daß Er beides ist, »der erste der Propheten« und ihr »Siegel«.

Das Geheimnis dieses Themas ist gerade in dieser Sendung eine schmerzliche Prüfung für die ganze Menschheit. Sieh, wie viele es sind, die an diesen Worten kleben und deshalb nicht an Ihn glauben, der ihr Offenbarer ist. Was, so fragen Wir, konnten diese Menschen begriffen haben von den Begriffen »erster« und »letzter«, die sich auf Gott beziehen - gepriesen sei Sein Name! Wenn sie behaupten, diese Worte bezögen sich auf dieses stoffliche Weltall - wie wäre dies möglich, da doch die sichtbare Ordnung der Dinge offensichtlich fortbesteht? Nein fürwahr, in diesem Fall ist mit »erster« kein anderer gemeint als »der Letzte« und mit »letzter« kein anderer als »der Erste«.

So wie am »Anfang, der keinen Anfang hat«, der Begriff »letzter« mit Recht auf Ihn, den Erzieher des Sichtbaren und des Unsichtbaren, anwendbar ist, so sind auch die Worte »erster« und »letzter« auf Seine Manifestationen anwendbar. Diese sind zugleich Vertreter des »Ersten« wie auch des »Letzten«. Während sie sich auf dem Herrschersitz des »Ersten« niedergelassen haben, nehmen sie zugleich auch den Thron des »Letzten« ein. Könnte man ein klar unterscheidendes Auge finden, so bemerkte es alsbald, daß die Vertreter des »Ersten« und des »Letzten«, des »Offenbaren« und des »Verborgenen«, des »Anfangs« und des »Siegels« keine anderen sind als diese heiligen Wesen, diese Urbilder der Loslösung, diese göttlichen Seelen. Solltest du dich in das heilige Reich des »Gott war allein, niemand war da neben Ihm« aufschwingen, du würdest alle diese Namen an jenem heiligen Hof gar nicht vorhanden und völlig unerwähnt finden. Dann wäre dein Auge nicht länger durch diese Schleier der Begriffe und Anspielungen getrübt. Wie himmlisch rein und erhaben ist diese Stufe, zu der selbst Gabriel ungeleitet den Weg nicht finden kann und die der Vogel der Heiligkeit ohne göttlichen Beistand nie zu erreichen vermag!

Zitat:
Sollte eine der allumfassenden Manifestationen Gottes erklären: »Ich bin Gott!«, so spräche sie gewißlich die Wahrheit, und es gäbe daran keinen Zweifel. Denn wiederholt wurde dargetan, daß durch ihre Offenbarung, ihre Attribute und Namen die Offenbarung Gottes, Seine Namen und Seine Attribute in der Welt offenkundig gemacht sind. So hat Er enthüllt: »Jene Pfeile waren von Gott, nicht von Dir!«¹ Und ebenso spricht Er: »Wahrlich, die Dir Treue gelobten, gelobten sie in Wirklichkeit Gott«.² Würde einer von ihnen sagen: »Ich bin der Gesandte Gottes«, so spräche Er gleichfalls die Wahrheit, die unzweifelhafte Wahrheit. So spricht Er: »Muhammad ist nicht der Vater irgendeines Menschen, sondern Er ist der Gesandte Gottes«.³ In diesem Lichte gesehen, sind sie alle nur Gesandte dieses vollkommenen Königs, dieser unwandelbaren Wesenheit. Würden sie alle verkünden: »Ich bin das Siegel der Propheten« , so sprächen sie gewiß nichts als die Wahrheit, erhaben über den leisesten Schatten eines Zweifels. Denn sie alle sind nur eine Person, eine Seele, ein Geist, ein Wesen, eine Offenbarung. Sie alle sind die Manifestationen des »Anfangs« und des »Endes«, des »Ersten« und des »Letzten«, des »Sichtbaren« und des »Verborgenen« - all dies kommt Ihm zu, Ihm, dem innersten Geist der Geister und der ewigen Inbegriffe des Seins. Und würden sie sagen: »Wir sind Gottes Diener« , so wäre auch dies eine offenkundige, unbestreitbare Wahrheit. Denn sie haben sich im äußersten Zustand des Dienens offenbart, eines Dienens, wie es kein Mensch je erreichen kann. Darum haben diese Inbegriffe des Seins in Augenblicken, da sie tief in die Meere altehrwürdiger, ewigwährender Heiligkeit eintauchten, oder wenn sie zu den erhabensten Höhen göttlicher Mysterien emporstiegen, den Anspruch erhoben, daß ihre Sprache die Stimme der Gottheit, der Ruf Gottes selbst sei. Wäre das Auge der Einsicht geöffnet, so würde es erkennen, daß sie sich in diesem Zustand als völlig ausgelöscht und nicht existent betrachten vor dem Antlitz Dessen, der der Alldurchdringende, der Unbestechliche ist. Mich dünkt, sie haben sich ganz als ein Nichts angesehen und ihre Erwähnung an jenem heiligen Hof als einen Akt der Gotteslästerung erachtet. Denn die leisesten Einflüsterungen des Selbstes sind an einem solchen Hof ein Beweis für Eigengeltung und unabhängiges Sein. In den Augen derer, die an diesen Hof gelangen, ist eine solche Regung schon ein schweres Vergehen. Wieviel schwerer wäre es, würde in dieser Gegenwart etwas anderes erwähnt, wären des Menschen Herz, Zunge, Gemüt oder Seele von etwas anderem eingenommen als von dem Vielgeliebten, betrachteten seine Augen ein anderes Antlitz als Seine Schönheit, neigte sich sein Ohr einer anderen Melodie als Seiner Stimme und gingen des Menschen Füße einen anderen Pfad als Seinen Pfad.

¹ Qur'án 8:17 ² Qur'án 48:11 ³ Qur'án 33:40
Qur'án 33:10 Qur'án 57:4 vgl. Qur'án 3:182; 5:118; 19:30

Zitat:
Ebenso bist du Zeuge, wie das Volk des Qur'án, den Völkern alter Zeiten gleich, sich durch das Wort »Siegel der Propheten« die Augen verschleiern ließ. Und doch erkennen sie selbst diesen Vers an: »Niemand kennt seine Bedeutung als Gott und diejenigen, welche im Wissen fest gegründet sind«.¹ Wenn Er, der wohlbegründet ist in allem Wissen, Er, die Mutter, die Seele, das Geheimnis und das Wesen des Wissens, etwas offenbart, was ihren Wünschen auch nur im geringsten zuwider ist, dann feinden sie Ihn bitterlich an und verleugnen Ihn schamlos. Dies hast du schon gehört und bezeugt. Zu solchen Taten und Worten haben nur Geistliche angestiftet, die keinen Gott anbeten als ihre Begierde, die nichts huldigen als dem Gold, die in die dichtesten Schleiern der Gelehrsamkeit verstrickt und von deren Verworrenheit umnebelt, sich in der Wildnis des Irrtums verloren haben. So hat der Herr des Seins ausdrücklich erklärt: »Was meinst du wohl? Wer seine Leidenschaften zu seinem Götzen gemacht, wen Gott durch sein Wissen in die Irre gehen ließ, wessen Ohren und Herz Er versiegelt, wessen Blick Er mit einem Schleier bedeckt hat - wer könnte einen solchen, den Gott so verlassen hat, noch führen? Wollt ihr euch also nicht warnen lassen?«²

¹ Qur'án 3:7
² Qur'án 45:22 ; Bahá'u'lláh übersetzt diesen arabischen Vers anschließend ins Persische, was hier im Deutschen nicht wiederholt wird.


Zitat:
Es ist klar, daß jedes Zeitalter, in dem eine Manifestation Gottes gelebt hat, von Gott bestimmt ist und in gewissem Sinne als Gottes festgesetzter Tag bezeichnet werden kann. Dieser Tag ist jedoch einzigartig und muß von den vorangegangenen unterschieden werden. Die Bezeichnung »Siegel der Propheten« enthüllt klar seine hohe Stufe. Der prophetische Zyklus ist wahrlich beendet. Nun ist Er, die Ewige Wahr¬heit, gekommen. Er hat das Banner der Macht aufgerichtet und verströmt den ungetrübten Glanz Seiner Offenbarung über die Welt.


Weiss jemand von euch aus welcher heiligen Schrift dieser letzte Absatz stammt? Ich habe ihn aus dem Buch Ährenlese herauskopiert, was ja eine Zusammenstellung und kein eigentliches Werk Baha’u’llahs ist.

Beste Grüsse
Edwin
Hallo Edwin,

ich freue mich das du dieses Thema ansprichst, jedoch wird oft etwas falsch ausgelegt.

Mohammed war keine Manifestation Gottes, sondern nur der Prophet und Gesandte Gottes

Grüße
Hallo Nuredin

Zitat:
Mohammed war keine Manifestation Gottes, sondern nur der Prophet und Gesandte Gottes


Wie unterscheidest du die folgenden Begriffe: Gottesoffenbarer, Mannifestation Gottes oder Prophet? Und wer ist für dich was?

Bester Gruss

Edwin
Der Begriff "Manifestation Gottes" ist analog zu "Gesandte Gottes."

Die Moslems kennen den Begriff Manifestation an sich nicht, allerdings hat es die gleiche Bedeutung, die Mohammad dem rasúlu'llah beimisst!

Da im Koran eine klare Differenzierung zwischen Prophet (Nabi) und Gesandte (Rasul) vorgenommen wird (Mohammad war beides!), gibt es keinen Widerspruch zu den Aussagen Bahá'u'lláhs!

Zitat:
Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs (rasúlu'llah) und das Siegel der Propheten (khátam an nabiyyin); und Allah hat volle Kenntnis aller Dinge (33:40)


Bahá'u'lláh hat mich gelehrt, mit offenen Augen die Wahrheit zu schauen. Wenn du im Koran auch nur eine Stelle findest, wo Mohammad sagt, dass er auch die Linie der Gesandten (Rasul) beendet, so stimmt die Behauptung der Moslems, dass nach Mohammad niemand mehr kommt. Aber du wirst nichts finden, selbst wenn du den Koran 100x mal liest.

Nur das Zeitalter der Propheten ist beendet, nicht aber der Gottesoffenbarer! Gott wird immer zu den Menschen sprechen! Auch nach Bahá'u'lláh---

Liebste Grüße =)
@Nuredin

Für uns ist Er auch eine Manifestation Gottes.

Was einige aus dem Volk des Koran anscheinend öfter mal verwechseln: Manifestation ist etwas anderes als Inkarnation. Gott ist nicht in Muhammad Fleisch geworden (auch woanders nicht), sondern wie das Wort Gottes (was nichts anderes ist als der Wille Gottes ist) aus Gott emaniert ist, so ist Muhammad eine der Emanationen aus dem Wort Gottes. Das gilt aber sozusagen für seine "Seele", nicht für den Körper, der war natürlich wie jeder andere (wie bei allen Manifestationen Gottes, wobei Jesus eine gewisse Ausnahme ist, wie ja auch der Koran beschreibt).
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