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Liebe Freunde,
Ich würde sehr gerne zu den Diskussionen auch etwas beitragen, zeitlich bin ich etwas eingespannt. Ich wollte jedoch nur zu der Todesstrafe etwas schreiben: Bahá'u'lláh lässt diese Option im Heiligsten Buch zu und sagt aber im selben Vers auch, dass lebenslange Haft eine andere Möglichkeit sei:
| Zitat: |
| "Wer einem anderen vorsätzlich das Leben nimmt, den sollt ihr auch töten. ... So ihr sie zu lebenslangem Gefängnis verurteilt, ist dies nach den Vorschriften des Buches statthaft." |
Meiner Meinung nach wird in der Zukunft, die zweite Möglichkeit umgesetzt werden, warum würde Bahá'ú'lláh es sonst im Heiligsten Buch sonst erwähnen.
Zu der Brandmarkung der Diebe, hier der betreffende Vers:
| Zitat: |
| Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde. Habt acht, daß Mitleid euch nicht davon abhalte, das Gesetz der Religion Gottes anzuwenden. Tut, was euch geboten ist von Ihm, der mitleidig und barmherzig ist. Wir erziehen euch mit der Rute der Weisheit und der Gesetze, wie ein Vater seinen Sohn erzieht, zu keinem anderen Zweck als zu eurem eigenen Schutz und zur Erhöhung eurer Stufe. Bei Meinem Leben, entdecktet ihr, was Wir bei der Offenbarung Unserer heiligen Gesetze für euch wünschten, ihr opfertet eure Seele für diesen geheiligten, diesen mächtigen, höchst erhabenen Glauben. |
Für mich sind die Worte "Wir erziehen euch mit der Rute der Weisheit und der Gesetze, wie ein Vater seinen Sohn erzieht" sehr wichtig. Auch ein Vater oder eine Mutter können gegenüber dem Kind "hart" erscheinen, doch in Wirklichkeit geschieht es aus tiefster Liebe. So wie die Eltern ihr Kind manchmal bestrafen müssen - damit es aus seinen Fehlern lernt und diese nicht wiederholt - so ist diese göttliche Erziehung nichts anderes in Wirklichkeit größte Gnade und Mitleid. Uns, die wir die "Kinder Gottes" sind, erscheinen manche Gesetze besonders hart, doch bei näherer Betrachtung, kann man die Weisheiten dieses Gebotes entdecken.
Liebe Grüße,
Saed
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Lieber Deas!
Vielen Dank für Deine liebevolle Erklärung des Gesetzes über die
Todesstrafe. Ich möchte nur noch der Vollständigkeit halber den
gesamten Text des betreffenden Verses aus dem KITAB-I-AQDAS zur Verfügung stellen:
| Zitat: |
"Wer ein Haus vorsätzlich durch Feuer zerstört, den sollt ihr auch ver-
brennen. Wer einem anderen vorsätzlich das Leben nimmt, den sollt
ihr auch töten. Haltet euch an Gottes Gesetz mit eurer ganzen Kraft
und Macht und verlasset die Wege der Unwissenden. So ihr sie zu
lebenslangem Gefängnis verurteilt, ist dies nach den Vorschriften des
Buches statthaft. Er hat wahrlich die Macht zu bestimmen, was immer
Er wünscht."
Liebe Grüße an alle Beteiligten an dieser Diskussion!
Minou
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Hm - das hört sich allerdings nicht unbedingt nach größter Gnade und Mitleid an,
und dass der aus seinen Fehlern lernt und diese nicht wiederholt...
Aber wie gesagt, der dictus erinnert mich sehr an entsprechende Passagen aus
der Torah oder dem Qur'an, die ich auch nicht gerade als für die heutige Zeit
gültig anerkennen möchte. Zumindest wird hier eine mildere Strafe erlaubt...
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Hallo Ihr Lieben!
| Zitat: |
| Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde. |
Wie soll ein Mensch sein Inneres heilen / erhellen können, wenn er in die Finsternis gestoßen wird und so keinen Kontakt mehr zu lichtvollen und liebevollen Menschen hat?
Denn es heisst ja (widersprüchlicher Weise) auch:
| Zitat: |
| Dunkelheit ist das Nichtvorhandensein von Licht: Wenn kein Licht da ist, herrscht Finsternis. Licht ist etwas, was wirklich da ist, aber Dunkelheit existiert nicht. |
Warum also bringt der Mensch nicht Licht dort hin wo vorher Dunkelheit war?
Jeder der derartige Dinge tut, trägt einen tiefen Schmerz (=Dunkelheit) in sich. Eine Wunde. So schreit er nach Liebe (Licht) kann es aber nicht anders, als in der Form, auch anderen Schmerz zu zufügen. Im Kleinen kennen wir das von uns selbst - überlegt doch mal, WANN habt ihr andere verletzt oder gekränkt? Wohl immer nur dann wenn Ihr selbst verletzt und gekränkt ward.
Seid froh, wenn Ihr noch nie so tief verletzt ward, dass ihr in Euch gezwungen ward, derart schwerwiegende Taten zu setzen.
Es gäbe bestimmt andere Mittel und Wege die der heutigen Zeit, dem Wandel der Erde, Mitgefühl und Gnade eher entsprechen. Ich denke da beispielsweise an eine Haftanstalt, in der Gefange lernen, zu Gott zu beten und mit sich selbst - mit ihrem Innern - zu arbeiten. So würde dort Licht hinkommen wo vorher Dunkelheit herrschte. Sie könnten auf diese Weise lernen Hoffnung und Kraft zu schöpfen und die Notwendigkeit einer solchen Tat wäre von da an nicht mehr gegeben.
Damit biete ich zwar dem Gefangenen eine liebevolle /lichtvolle Basis aber die Aufgabe die an ihn gestellt wird, ist bei Gott keine einfache! Denn der Blick ins eigene Innere kann derart erschütternd sein, dass der Mensch lieber alles mögliche bereit ist in Kauf zu nehmen, als diese Inneschau zu vollziehen.
Auch das kennt jeder von sich selbst.
Die Gefangenen die das nicht möchten oder nicht schaffen, wären trotzdem inhaftiert.
Gleiches mit Gleichem zu vergelten, führt nicht raus aus dem Teufelskreis / aus der Dunkelheit. Das durften wir ja bereits Jahrhunderte lang versuchen und ausprobieren.
Herzlich, Daniela
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Liebe Freunde
Habe mir soeben die Stelle im Heiligsten Buch, bezüglich der Todesstrafe durchgelesen. Ich muss sagen, dass der Abschnitt auch für mich eine sehr harte Nuss war und ich bin mir sicher, dass sehr viele Bahai damit auch nicht glücklich sind. Alles was ich hier schreibe kann nur als meine persönliche Meinung angesehen werden und ich kann nur versuchen die Sache aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten.
Um fair zu sein, sollte man auch manche Texte von Jesus nicht außer Acht lassen. Es sagt z. B. „Ich bin nicht gekommen um den Frieden zu bringen, sondern das Schwert“
„Ich bin nicht gekommen um den Frieden zu bringen, sondern um Feuer auf die Erde zu werfen und wie froh wäre ich, wenn es schon brennen würde“.
„Wenn dich dein Auge zum Bösen verleitet, dann reiß es heraus und wirf es weg, denn es ist besser für dich……….
Wehe euch ihr….
Nach meiner Ansicht engen wir Jesus ein, wenn wir ihn nur als den vergebenden und liebevollen sehen wollen. Er lässt auch keinen Zweifel daran, dass Gott zwar der liebende Vater ist aber eben zugleich auch der, der kein Unrecht jemals unter den Tisch fallen lassen wird. Das hören wir schon nicht mehr so gern, da haben wir schon unsere liebe Not oder?
Zurück zum Thema Todesstrafe.
Der Absatz 62 lautet wörtlich:
Wer ein Haus vorsätzlich durch Feuer zerstört, den sollt auch ihr verbrennen. Wer einem anderen vorsätzlich das Leben nimmt, den sollt ihr auch töten. Haltet euch an Gottes Gesetz mit eurer ganzen Kraft und Macht und verlasst die Wege der Unwissenden.
So ihr sie zu lebenslangem Gefängnis verurteilt, ist dies nach den Vorschriften des Buches statthaft. Er hat wahrlich die Macht zu bestimmen, was immer er wünscht.
Baha’u’llah stellt unmissverständlich klar, dass jemand der einem anderen vorsätzlich das Haus durch Feuer zerstört (ich würde auch meinen durch Sprengstoff), oder im vollen Bewusstsein ermordet, selbst den Tod verdient hat. Da ich selbst und Gott sei Dank auch viele andere, strikter Gegner der Todesstrafe sind, erscheint uns das als unmenschlich und grausam.
Wenn man aber bedenkt, wie unantastbar und wertvoll Leben und Eigentum eines jeden Menschen schon jetzt und erst recht in den nächsten Jahrhunderten zu gelten hat, so kann man auch zu dem Schluss kommen, dass es nur gerecht ist wenn auf den aller schlimmsten Verbrechen die allerschlimmste Strafe steht.
Als bemerkenswert finde ich den vierten Satz (lebenslang) von Absatz 62. Er beschreibt und bestätigt aus meiner Sicht die heutige Wirklichkeit z. B. in Europa. Aus mancherlei guten Gründen (die ganze Bücher füllen könnten) haben sich die Regierungen entschlossen, die Todesstrafe abzuschaffen. Im „christlichen“ Amerika wurde sie vor einigen Jahrzehnten wieder eingeführt. Vom Rest der Welt ganz zu schweigen.
Da alle Bahai die Pflicht haben sich an die Gesetze des Landes zu halten, in dem sie leben, kann ich mir nicht vorstellen, dass der Ersatz der Todesstrafe durch Lebenslang auf irgend eine Art in Frage gestellt sein sollte. Zumal er ausdrücklich als „ nach den Vorschriften des Buches statthaft“ beschrieben wird.
Vor einigen Jahren brannten in Deutschland Asylantenunterkünfte und manche Leute applaudierten. Wäre allen bewusst gewesen wie schändlich, ja „todeswürdig“ diese Brandstiftungen waren, so hätte man nicht so reagiert. Damals kam mir die mögliche Bedeutung dieses Absatz 62 in den Sinn.
Genauso erging es mir als ich letztes Jahr in Bosnien entlang von hunderten Kilometern die unzähligen ausgebrannten und zerstörten Häuser sah. Gott allein weiß welch Tragödien hinter diesen grauenhaften Ereignissen standen.
Wenn ich an die Kinderschändertragödien und Mädchenmorde, oder auch die Ehrenmord denke so weis ich, dass sogar viele Menschen in unseren Breiten die Todesstrafe in besonders grausamen Fällen nur für gerecht ansehen würden.
Wie schon gesagt, ich bin aus mehreren Gründen gegen die Todesstrafe, aber man sollte sich m. E. auch in dieser Angelegenheit bemühen die realen Bedingungen der ganzen Menschheit in der Gegenwart und in den nächsten Jahrhunderten vor Augen zu halten. Daher möchte ich zumindest nicht ausschließen, dass auch sehr bittere Pillen durchaus heilsame Wirkung haben können. In der Medizin werden die stärksten und nebenwirkungsreichsten Medikamente ja auch nur bei den Schlimmsten Krankheiten verabreicht.
Liebe Freunde vielleicht kann die Erläuterung aus dem Heiligsten Buch auch noch so manchen Blickwinkel anschneiden. Ich werde also die ganze Seite abschreiben.
Erläuterungen
86. Wer ein Haus vorsätzlich durch Feuer zerstört, den sollt auch ihr verbrennen. Wer einem anderen vorsätzlich das Leben nimmt, den sollt ihr auch töten. (62)
Baha’u’llahs Gesetz schreibt die Todesstrafe für Mord und Totschlag sowie Brandstiftung mit der Alternative einer lebenslangen Freiheitsstrafe vor (siehe Erläuterungen 87).
Abdu’l-Bahà erklärt in seinen Briefen den Unterschied zwischen Rache und Strafe. Er bestätigt, dass der einzelne kein Recht auf Rache hat, die in den Augen Gottes verächtlich ist, und dass der Strafzweck nicht Rache ist, sondern die Verhängung einer Strafe für begangenes Unrecht. In den „Beantworteten Fragen“ bestätigt er das Recht der Gesellschaft, Rechtsbrecher zu bestrafen, um den einzelnen zu schützen und ihren Bestand zu sichern.
Shogi Effendi erläutert in einem in seinem Auftrag geschriebenen Brief dieses Gesetz wie folgt:
„Im Aqdas verordnet Baha’u’llah den Tod als Strafe für Mord. Er hat jedoch die lebenslange Freiheitsstrafe als Alternative zugelassen. Beide Strafen stehen mit seinem Gesetz in Einklang. Mancher von uns wird vielleicht die darin liegende Weisheit nicht erfassen können, wenn sie seiner begrenzten Vorstellung widerspricht; wir müssen sie jedoch akzeptieren, da wir wissen, dass Seine Weisheit, Seine Gnade und Seine Gerechtigkeit vollkommen sind und der Erlösung der ganzen Welt dienen. .Sollten wir, so ein Mensch irrtümlich zum Tode verurteilt wird, nicht annehmen, dass der Allmächtige Gott ihn in der künftigen Welt für dieses ihm von Menschen widerfahrene Unrecht tausendfach entschädigen wird? Man kann nicht ein heilsames Gesetz verwerfen, nur weil damit in seltenen Fällen Unschuldige bestraft werden könnten.“
Die Einzelheiten des für eine künftige Gesellschaft zugeschnittenen Bahai-Strafgesetzes für Mord, Totschlag und Brandstiftung hat Baha’u’llah nicht festgelegt. Das Universale Haus der Gerechtigkeit wird unter Berücksichtigung der bei seiner Einführung bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse die näheren Einzelheiten zu regeln haben: das Ausmaß der Rechtsverletzung, ob mildernde Umstände zu berücksichtigen sind und welche der beiden vorgeschriebenen Strafarten die Norm ist. Auch die Art des Strafvollzugs muss vom Universalen Haus der Gerechtigkeit geregelt werden.
Bei Brandstiftung hängt viel davon ab, was für ein „Haus“ in Brand gesetzt wurde. Es ist offensichtlich, dass im Unrechtsgehalt ein riesiger Unterschied besteht zwischen einem Täter, der ein leeres Lagerhaus niederbrennt und einem, der eine Schule voller Kinder in Brand setzt.
Erläuterungen
87. So ihr sie zu lebenslangem Gefängnis verurteilt, ist dies nach den Vorschriften des Buches statthaft. (62)
Auf eine Frage zu diesem Vers hat Shogi Effendi ausgeführt, dass die Todesstrafe zulässig, die „lebenslange Freiheitsstrafe“ aber als Alternative vorgesehen ist, „wodurch die Härte einer solchen Verurteilung entscheidend gemildert werden kann“. Er sagt „Baha’u’llah hat uns die Wahl überlassen und es uns somit freigestellt, innerhalb der Grenzen, die Sein Gesetz festlegt, unser eigenes Urteil walten zu lassen“. Da es zu diesem Aspekt des Bahai-Rechts keine besondere Anleitung gibt, liegt die künftige Gesetzgebung beim Universalen Haus der Gerechtigkeit.
Aus meiner Sicht ist auch dieses so heikle Thema sehr stark auf die wirkliche Zukunft und die Realität der Menschheit abgestimmt. Es kann auch gar kein Zweifel daran bestehen, dass es in den Händen der zukünftigen Gesetzgeber der Welt liegen wird damit umzugehen, unabhängig davon ob es sich um die Uno, die USA, die arabische Liga, Die Eu oder sonst eine Organisation oder Überorganisation handeln wird. Natürlich wird auch das Universalen Haus der Gerechtigkeit da vor einem Weitreichenden und heiklen Entscheidungsgebiet stehen in dem die Meinungen stark auseinander gehen könnten. Mein persönlicher Wunsch ist, dass sich die Erde in eine Richtung entwickeln möge, die jeden Grund hat Milde vor Recht ergehen lassen zu können. Bis dahin muss aber noch unendlich viel getan und gebetet werden.
Alles Liebe
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