Konsumismus


Ein Freund hat mir gestern diesen link geschickt - da das Thema ja vermutlich nicht nur
für Buddhisten interessant ist, stell' ich es mal hier 'rein. Prof. Loy nennt es 'Marktreligion',
bekannter ist es als 'Consumerism', dem Namen, der auf Sulak Sivaraksa zurückgeht...
Microsoft® Encarta® hat folgendes geschrieben:
Religi'on [Re·li·gi'on]
die; -,-en (rel.)

1 Glaube an übernatürliche Mächte od. an e-e Gottheit u. deren kultische Verehrung, Gottesverehrung

2 Glaube, Frömmigkeit

3 Glaubensbekenntnis


Ich habe den Text des Linkes mal kurz überflogen und wunderte mich, dass das Wort "Religion" in den Zusammenhang gebracht wurde. Irgendwie sollte man sich in der Verwendung von Wörtern einig sein.

Religion ≠ Ideologie

Sonst verstehe ich den Text als Plädoyer gegen die freie, soziale Marktwirtschaft – wenn ich mehr Zeit finde, werde ich ihn mir mal genauer ansehen.
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"Du bist so stolz auf deine Intelligenz", sagte der Meister zu einem Jünger. "Du bist wie der Verurteilte, der stolz ist auf die Größe seiner Gefängniszelle."
Enomine hat folgendes geschrieben:
Ich habe den Text des Linkes mal kurz überflogen und wunderte mich, dass das Wort "Religion" in den Zusammenhang gebracht wurde. Irgendwie sollte man sich in der Verwendung von Wörtern einig sein.

Religion ≠ Ideologie

Sonst verstehe ich den Text als Plädoyer gegen die freie, soziale Marktwirtschaft – wenn ich mehr Zeit finde, werde ich ihn mir mal genauer ansehen.

Gratulation, richtig verstanden - es ist tatsächlich ein Plädoyer gegen die 'freie, soziale Marktwirtschaft'
Dass Fachleute (in diesem Fall auf dem Gebiet 'Religion') das Wort vielleicht auch vor einem weiteren als dem Stammtischhorizont des 'mal schnell im Lexikon nachsehen' - und auch Parallelen sehen können, verwundert eigentlich wenig. Genau besehen deckt das Wort ein relativ weites Spektrum ab. Ich zitiere auch mal:
Zitat:
religio, onis, f. (*religo, ere, wov. religens), die rücksichtliche Beachtung,
I) im allg., die gewissenhafte Berücksichtigung, die auf einem inneren Gefühle beruhende gewissenhafte Sorgfalt, -Genauigkeit, die Gewissenhaftigkeit, nimia, Cic.: antiqua, Cic.: hac ego religione (gewissenhafte Berücksichtigung jedes einzelnen) non sum ab hoc conatu repulsus, Cic.: nulla in iudiciis severitas, nulla religio... existimantur esse, Cic.: u. so nullus deûm metus, nullum iusiurandum, nulla religio, Gottlosigkeit, Meineidigkeit, Gewissenlosigkeit, Liv. - mit obj. Genet., non nullius officii, privati officii, eines bedeutenden, eines persönlichen Pflichtverhältnisses, Cic. - mit subj. Genet., fides et rel. iudicis, Cic.: testimoniorum rel. et fides, Cic.: fides et religio vitae (gewissenhafter Lebenswandel), Cic.: Atheriensium religioni (gewissenhafte Sorgf.) servire, Cic.: admirari fidem alcis et in consilio dando religionem, Cic.
II) insbes., die rücksichtliche Beachtung des Heiligen,
A) der Gewissenszweifel, Religionszweifel, das Bedenken, die Scheu des Gewissens, * summa religione, tum summo metu legum et iudiciorum teneri, Cic.: perturbari religione et metu, Cic.: offertur alci religio, Cic.: causa obiectae religionis, Caes.: inicere alci religionem, Cic.: eam religionem animis eximere, Liv.: res in religionem alci venit, Cic.: u. in religionem venit m. folg. Acc. u. Infin., Liv. 22, 33, 7: alci religio incessit m. folg. Acc. u. Infin., Liv.: tanta religio civitatem incessit, ut etc., Liv.: nova nunc religio in te istaec incessit, Ter.: rem religioni habere, Cic.: religio obstitit, ne etc. Liv.: religio est (alci) absol. od. m. Infin., Plaut., Ter. u. Liv.: u. religio est (es ist verboten) mit Acc. u. Infin., equo Dialem flaminem vehi religio est, Fab. Pict. fr. bei Gell. 10, 15, 4: ebenso religioni est (man macht sich ein Gewissen daraus) m. Acc. u. Infin., religioni deinde fuisse, quibus eam opem dei tulissent, (eos) vinciri, Liv. 5, 13, 8: u. religio alci non est, quo minus etc., Cic. Cat. 3, 15: collegium decrevit, non religioni habendum, quin etc., Atei. Capito bei Gell. 4, 6, 10: religio alqm capit, Liv.: alqd trahere od. vertere in religionem, Liv.: religio vetuit, Verg. - im Plur., quas religiones? was für religiöse Bedenken? Cic.: demere animo curas ac religiones, Varro: religionibus atque minis obsistere vatum, Lucr.
B) das religiöse Gefühl, die fromme Scheu, 1) eig.: a) im einzelnen Falle = die Andacht, sacra Cereris summa maiores nostri religione caerimoniaque confici voluerunt, Cic. Balb. 55. - b) als habituelle Eigenschaft, a) im guten Sinne, der fromme Sinn, die Frömmigkeit, Gottesfurcht, der Glaube, die religiöse Denkweise, die religiösen Gefühle od. Gesinnungen, die Religiosität, inclita iustitia religioque ea tempestate Numae Pompilii erat, Liv.: haud liber erat religione animus, Liv.: vir haud intacti religione animi, ein für religiöse Gefühle nicht unempfänglicher Mann, Liv. - im Plur., bald übh. = religiöse Gesinnungen, Religiosität, impurus atque impius hostis omnium religionum, Cic. - bald = die den Glauben, die Konfession ausmachenden relig. Gesinnungen, der Glaube, die Konfession, die Religion, quod ceterae gentes pro religionibus suis bella suscipiunt, istae contra omnium religiones, Cic. - b) im üblen Sinne, die abergläubische Scheu, der Aberglaube, animos multiplex religio et pleraque externa incessit, Liv.: terrebat eos portenti religio, die abergläubische Scheu, die das W. einflößte, Iustin. - Plur., abergläubische Gedanken od. Bedenken, Besorgnisse, pleni religionum animi, Liv.: novas religiones sibi fingere, Caes. - 2) meton., der Gegenstand frommer Scheu, das Heilige, sowohl an sich, als insofern es an anderen Dingen haftet, a) im allg.: a) im guten Sinne: in sacerdotibus tanta offusa oculis animoqae religio, das Heilige, Scheu vor den Göttern Gebietende, das in den Personen der Priester seinem Auge und Gemüte so majestätisch entgegentrat, Liv. 2, 40, 3. - b) im üblen Sinne, der Frevel gegen das Heilige, der Religionsfrevel, die Religionsverletzung, die begangene Sünde, der Fluch, rel. Clodiana, der von Klodius begangene R., Cic.: rel. inexpiabilis, Cic.: contactus religione dies Alliensis, auf dem ein Fluch ruht, Liv.: de religione queri, Cic.: templum religione liberare, Liv.: expiare religionem aedium suarum, Cic. - b) insbes.: a) aktiv, die religiöse, heilige Verpflichtung, das religiöse Band, der Gewissenszwang, nisi religione sacerdotii attineretur, durch die h. V. seiner Priesterwürde, Tac.: tanta religione obstricta tota provincia est, ut etc., Cic.: nullam scelere religionem exsolvi, Liv.: ut religione obstrictos haberent multitudinis animos, Liv. - u. so des Eides, rel. iurisiurandi, Caes. u. Cic.: dah. prägn. = die Eidesverpflichtung, der verpflichtende Eid (s. Oudend. Caes. b. c. 1, 67, 3), vestra religio, Cic.: timori magis quam religioni consulere, Caes. - b) neutral, der Charakter der Heiligkeit, den etwas hat, die Heiligkeit, einer Pers., deorum religio et sanctimonia, Cic.: magistratus religione inviolati, Cic.: magnam possidet religionem paternus maternusque sanguis, Cic. - eines Ortes, rel. fani, sacrarii, Cic.: templorum, Tac. - eines Verhältnisses, rel. sortis, Cic.: si nullam religionem sors habebit, Cic.: obstringere periurio sacramenti religionem, auf die H. des Soldateneides einen Meineid laden, Liv.
C) die religiöse Verehrung, die Gottesverehrung, der Kultus, die äußere Religion, 1) eig.: religio id est cultus deorum, Cic.: sua cuique civitati religio est, Cic. - rel. Cereris, Cic.: deorum immortalium, Cic.: Iuppiter sollicitatus prava religione, durch solche verkehrte Zeremonien beunruhigt und gestört, gereizt od. versucht, Liv.: rel. Christiana, Eutr. u. Augustin. - im engeren Sinne = religiöser Brauch, obrui tales religio est, Plin. - Plur. religiones, religiöse (heilige) Handlungen, -Obliegenheiten, -Gebräuche (Zeremonien), und als Inbegriff dieser = die Gottesverehrung, die Religion, der Kultus, diligentissimus religionum cultor, Liv.: institutor ineptiarum religionum, Lact.: interpres religionum, Cic.: religiones nocturnae, nächtlicher Kultus, Nachtfeier (des Priapus), Petron.: religiones interpretari, Auskunft geben über usw., Cic. u. Caes.: de religionibus senatum consulere, Liv.: religiones instituere (einführen), Liv.: neglegere religiones aut prave colere, Liv.: religiones colere pie magis quam magnifice, Liv.: qui sunt sancti (fromm), qui religionum colentes (Verehrer der Religion), Cic.: conficere religiones, die heiligen Handlungen ausrichten (vollziehen), Cic.: sollemnes religiones od. omnes religiones expiare, die Vorgänge gegen die Religion sühnen, Cic. - 2) meton.: a) der Gegenstand frommer Verehrung, das Heiligtum, quae religio aut quae machina belli? v. trojan. Pferd, Verg.: rel. domestica, v. einer Bildsäule, Cic.: religiones ipsae... commovisse se videntur, Cic. - dah. die heilige Wohnung der Götter ad deorum religionem demigrare, Cic. Rab. perd. 30: omnes ad suas religiones (Tempel) convolaverunt, Capit. Maxim. 25, 5. - b) Plur. religiones, Götterzeichen, auspiciis et religionibus inductus, Auct. b. Alex. 74, 3. - Bei Dichtern die erste Silbe wegen des Metrums lang, dah. relligio geschrieben, s. Kühner Ausführl. Gramm. der lat. Sprache2 1, 938, 6.
[Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: religio, S. 1 ff.Digitale Bibliothek Band 69: Georges: Lateinisch-Deutsch / Deutsch-Lateinisch, S. 47934 (vgl. Georges-LDHW Bd. 2, S. 2293 ff.)]
wauwauwau-waoh..
brauch ich das grosse oder reicht schon das kleine Latinum


ne, mal im ernst... das ist so früh am Morgen noch nichts für mich

Grüssle
Gaby
Hallo Gaby,

Du wirst nicht abgeprüft darüber - es geht nur darum aufzuzeigen, dass
sich die Bedeutung von 'Religion' nicht auf Glaube und Frömmigkeit beschränkt -
auch wenn's vielleicht in der ENCARTA so steht - vgl. z.B. das englische Adjektiv
'religiously'...
Hallo Wu,
da kommt mir gerad der Gedanke... gehörte Frömmigkeit eigentlich nicht auch zur Lehre von Aristoteles und Platon?? Muss ich jetzt doch mal nachschauen.. Bin mir nicht mehr sicher

grüssle
Gaby
Hmmm,
okay - ich sehe schon; David R. Loy hat schon irgendwo verdammt recht. Wenn ich so an Hand Aristoteles' Tugendlehren (wobei Frömmigkeit nicht direkt Erwähnung findet) sehe wie es vormals gehandhabt wurde, später Aquin noch dem ganzen einen religiösen Touch gab.. dann läuft da wohl heute einiges verdreht. Wobei uns die heutige Ökologie ja eigentlich wieder auf den ursprünglichen Weg zurückführen könnte - oder sehe ich das vielleicht zu verkappt??

lieben Gruss
Gaby
Liebe Gaby,

das Wort 'Frömmigkeit' hat auch einen starken Bedeutungswandel erfahren -
ich weiß nicht welches Wort Aristoteles verwendet hat; jedenfalls ist die
Verdeutschung mit Frömmigkeit sicherlich fragwürdig, wenn man das Wort
genau ansieht (vgl. das Forumslexikon, und meine Anmerkung dort...)

Also 'fromm' bin ich ganz gewiss nicht...
Wu hat folgendes geschrieben:
Liebe Gaby,

das Wort 'Frömmigkeit' hat auch einen starken Bedeutungswandel erfahren -
ich weiß nicht welches Wort Aristoteles verwendet hat; jedenfalls ist die
Verdeutschung mit Frömmigkeit sicherlich fragwürdig, wenn man das Wort
genau ansieht (vgl. das Forumslexikon, und meine Anmerkung dort...)

Also 'fromm' bin ich ganz gewiss nicht...



Ich kann "fromm" im Nachhinein für mich nicht mal richtig deuten, trotz Forumslexikon oder anderer Lexika.
Ich dachte bislang nämlich immer das dies eine Art Sammelbegriff für verschiedene positive Charaktereigenschaften, an denen man konsequent festhält, sei. Deswegen brachte ich vielleicht auch die Lehren Aristoteles damit fälschlicherweise in Zusammenhang..
Wenn es aber tatsächlich so wäre, das es konsequentes festhalten an positiven Charaktereigenschaften ist, dann ist wohl jeder irgendwo ein 'bisschen' "fromm".. - auch Du, lieber Wu

lieben Gruss
Gaby
Hallo Gaby -

ich dachte da eher an die ursprüngliche Bedeutung:
[für eine Obrigkeit] 'nützlich, brauchbar, fügsam, artig'...
[ein 'frommes' Pferd, die 'frumben Landsknecht']