Warum ich die Baha'i-Religion so sehr liebe


Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Inwieweit das Handeln da mit den Schriften übereinstimmt, weiß ich nicht, jedenfalls fällt mir dazu das Thema Homosexualität ein und ein Bahai, dem das UHG, sobald er sich geoutet hatte, verbot weiter Kinderklassen zu unterrichten.


Erstens war es nicht das Universale Haus, sondern der Nationale Geistige Rat, und zweitens kenne ich diesen Freund persönlich. Ja, was da vorgefallen ist war unschön. Der Nationale Rat hat im Übrigen später bei einem Treffen mit meiner Frau, mir und einem dritten Freund erklärt, dass er keinen Zusammenhang zwischen der Arbeit mit Kindern und Homosexualität herstellen will.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Die Erkenntnis, Homosexualiät sei ein sündhaftes Verhalten, welches in der Kindheit erworben und durch Umerziehung "geheilt" werden könne, ist meines Wissens nach inzwischen wissenschaftlich nicht mehr haltbar.


Diese Erkenntnis ist auch nicht Stand der gemeindeinternen Diskussion... Im Gegenteil erkennt das Universale Haus der Gerechtigkeit an, dass die sexuelle Orientierung nicht verändert werden kann und sich der wissenschaftliche Forschungsstand da massiv verändert hat.

Nichtsdestotrotz stellt das Haus auch klar, dass die wissenschaftliche Erkenntnis, dass etwas "ist", keine automatische moralische Bewertung mit sich bringt. Dass etwas existiert ist demnach keine hinreichende Begründung dafür, es auszuleben.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Was an Engeln „lächerlich“ und „esoterisch“ sein soll, erschließt sich mir nicht. Sie kommen sowohl im jüdischen als auch im christlichen Glauben als mächtige, über dem Menschen stehende Wesen vor, die u.a. Aufträge Gottes an den Menschen erfüllen.


Bahá'u'lláh, Jesus und die anderen Manifestationen sind eben nicht einfach irgendwelche numinosen Gestalten, nicht mystische Zwischenwesen, sondern die Präsenz Gottes in der irdischen Welt. Daher muss mir die Bezeichnung "Schutzengel" als Trivialisierung erscheinen. Es wirkte spöttisch, nicht wertschätzend.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Nun ich gehöre nicht zu diesen "Teilen des Christentums" und ich kenne auch keine solche Christen von denen du hier redest und auf deren Hintergrund du dich als Bahai zu profilieren glaubst.


Ich kenne davon genug. Mir zu unterstellen, ich würde diese Haltung erfinden, um mich besser profilieren zu können, ist unfair.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Natürlich ist Jesus gekommen, um die Welt zu bessern, jedoch nicht durch neue Gesetze, Vorschriften und moralische Pflichten, sondern indem er selbst als Tür zu einer Dimension fungiert, die sich nicht erst nach dem Tod sondern jetzt mitten im Leben durchschreiten lässt." Wer durch diese in das Reich Gottes eingetreten ist, beginnt als wiedergeborener Christ ein neues Leben und wirkt wie das Salz in der Suppe konstruktiv in die Gesellschaft hinein.


Ich glaube hier liegt ein weiteres Missverständnis vor. Wovon ich spreche, ist der Bahá'í-Ansatz. Shoghi Effendi hat die Unterschiede sehr gut zusammengefasst:

Shoghi Effendi hat folgendes geschrieben:
Die mit dem Glauben Jesu Christi verbundene Offenbarung richtete ihr Augenmerk in erster Linie auf die Erlösung des einzelnen Menschen und auf die Formung seines Betragens und betonte als ihre Hauptaufgabe die Notwendigkeit, dem Menschen, als der Grundeinheit der menschlichen Gesellschaft, ein hohes Maß von Sittlichkeit und Disziplin einzuprägen. Nirgends in den Evangelien finden wir einen Hinweis auf die Einheit der Nationen oder die Vereinigung der Menschheit insgesamt. Als Jesus zu denen sprach, die um Ihn waren, redete Er sie in erster Hinsicht als Einzelmenschen an, weniger als Bestandteil einer umfassenden, unteilbaren Einheit. Fast die ganze Erdoberfläche war noch unerforscht, und die Organisation aller ihrer Völker und Nationen zu einer Einheit konnte darum noch nicht ins Auge gefaßt, geschweige denn verkündet oder errichtet werden. Welche andere Auslegung kann jenen Worten gegeben werden, mit denen Bahá'u'lláh im besonderen die Anhänger des Evangeliums anredete, worin die grundsätzliche Unterscheidung zwischen der in erster Linie den Einzelmenschen betreffenden Sendung Jesu Christi und Seiner eigenen, mehr und vor allem an die gesamte Menschheit gerichteten Botschaft genau festgestellt wird: "Wahrlich, Er (Jesus) sagte: 'Folget Mir nach, und Ich will euch zu Menschenfischern machen.' Am heutigen Tage jedoch sagen Wir: 'Folget Mir nach, auf daß Wir euch zu Lebensspendern der Menschheit machen.'"


Gerade dass Jesus nur den individuellen Aspekt bedient, ist ja meine Kritik.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Dann läuft die Aufgabe der Bahai allerdings der Lehre Jesu entgegen, denn bei diesem hat in seinem Gleichnis das Nichtausreißen des Unkrauts einen Grund, ähnlich wie bei deinem Einwand gegen die Todesstrafe, würden z.T. die "göttlichen Keime" von uns fälschlicher Weise mit vernichtet und deshalb verlangt der Herr von seinen Knechten, dass sie bis zum Zeitpunkt der Ernte warten sollen, um Unkraut und Weizen voneinander zu trennen.


Im Bahá'í-Verständnis gibt es kein Unkraut, aber manchmal muss man Pflanzen, die sich gegenseitig nicht gut tun, voneinander trennen, damit beide sich entwickeln können.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Du verstehst das offenbar immer noch falsch. Natürlich brauchen die Menschen Gebote und Gesetze, aber es ist ein Himmel weiter Unterschied, ob jemand einem anderen nur deshalb nicht schadet, um Gesetze nicht zu brechen und aus Angst vor Strafe oder ob ein anderer aus göttlicher Liebe handelt und dann vielleicht sogar einmal ein Gesetz bricht, um einem anderen Menschen zu helfen, auch wenn er dadurch eigene Nachteile in Kauf nehmen muss.


Grundsätzlich stimme ich dir zu, dass Taten, die aus Liebe geschehen, wünschenswerter sind. Es gibt aber nun einmal auch diejenigen, die nur durch das Vorhandensein von Gesetzen und Strafen davon abgehalten werden können, anderen zu schaden. Und genau bei diesem Punkt ist mir immer noch nicht klar, wie der in deinem Konzept zum Zuge kommen soll.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Das verstehe ich nicht. Hat Bahaullah nach islamischem Recht polygam gelebt, um bevor er sich offenbaren konnte, nicht aufzufallen oder hat er selbst erst durch die Offenbarung die Neuregelung der Monogamie empfangen?


Das Gebot der Monogamie findet sich erst im Kitáb-i-Aqdas, also dem "Gesetzbuch" der Bahá'í, wenn man so wollte. Vor dessen Offenbarung gab es dieses Gebot noch nicht, im islamischen Recht ist ja bekanntermaßen die Mehrehe mit bis zu vier Frauen erlaubt. Vor Seiner Berufung hatte Bahá'u'lláh vielleicht eine Ahnung, was Ihn erwarten würde, aber er bekam auch durch diese Berufung kein umfassendes Vorherwissen über alles, was noch kommen sollte.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Ich spreche eigentlich die ganze Zeit davon, dass eine "innere spirituelle Veränderung" beim Einzelnen stattfinden muss, nicht nur als Basis sondern auch als Impuls für gesellschaftiche Veränderung. Für mich ist jedoch die innere spirituelle Veränderung ganz eng mit dem persönliche Seelenheil verbunden, um das es deiner Meinung nach nicht geht.

Du hast vorher geschrieben, Jesus und Bahaullah seien verschiedene Zugänge zu Gott, wo ich dir zustimmen konnte.
Jetzt behauptest du, es gäbe nur einen Zugang zu Gott, den beide gleichermaßen öffnen können...


Um das persönliche Seelenheil geht es für den Einzelnen. Dieses Seelenheit erlangt der einzelne durch eine persönliche Beziehung zu Gott, die ihm durch alle Offenbarer in gleicher Weise vermittelt wird. Es gibt nach unserem Glauben keinen Unterschied zwischen dem, was Jesus über das individuelle Gottesverhältnis gelehrt hat, und dem, was Bahá'u'lláh gelehrt hat. Es sind also zwei Offenbarer mit einer Lehre. Sie sind als Personen nicht identisch, aber sie sind identisch in ihrer Funktion als Manifestation Gottes auf Erden.

Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Du hast vorher geschrieben, Jesus und Bahaullah seien verschiedene Zugänge zu Gott, wo ich dir zustimmen konnte.
Jetzt behauptest du, es gäbe nur einen Zugang zu Gott, den beide gleichermaßen öffnen können, bzw. diese seien nur dazu da, um den Menschen zu helfen, effektiver voran zu kommen.

Nach diesem Verständnis braucht man jedoch nur einen Ratgeber, besonders wenn beide verschiedene "Coaching- Methoden" verwenden.


Auch da wieder der Hinweis auf die Trennung zwischen individueller und kollektiver Ebene. Das "effektivere Vorankommen" bezieht sich auf die Gesamtgesellschaft und die Menschheit als Ganze, die einen Gestaltungsauftrag auf Erden hat. Wie diese Gestaltung sich vollziehen kann, dafür gibt es mit jeder neuen Offenbarung einen weiteren, einzigartigen Impuls.

Für die individuelle Ebene ist vor allem die Beziehung zu Gott entscheidend. Ob ich, um diese Beziehung zu pflegen, einen Psalm, das Vaterunser oder ein Bahá'í-Pflichtgebet spreche, ist sekundär. Da geht es um stilistische Details, aber nicht um das Essentielle.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Minou hat folgendes geschrieben:
Nur kurz:

Ich denke, um die Weisheit der Offenbarung Baha'u'llahs erfassen zu können, wäre es günstig, sich in seine Texte zu vertiefen.
Ich sehe es bei mir selbst. Oft stehe ich an und kann nicht weiter bis ich in den Heiligen Texten zu der Lösung finde bzw. liebe Freunde weiter helfen.
Mir helfen z.B. sehr die Seminare von Prof. Sobhani, der wirklich tief geistig an die Texte herangeht. Man muss sozusagen nach Geistigkeit dürsten, um langsam verstehen zu können.

Abdu'l Baha sagt:

Als erstes musst du nach Geistigkeit dürsten; dann lebe das Leben! Lebe das Leben!
Lebe das Leben! Um diesen Durst zu bekommen, denke über das Leben nach dem Tode nach.
Studiere die heiligen Worte, lies deine Bibel, lies die heiligen Bücher und studiere besonders
die heiligen Aussagen Bahá'u'lláhs. Gebet und Meditation nimm dir für beide viel Zeit.
Dann wirst du diesen großen Durst spüren, und nur dann kannst du anfangen, das Leben zu
leben!
Zitat:


das ist das innere Erlebnis , alles Andre ist Ratespiel
_________________
Ich lasse alles los was nicht Liebe ist . Für alles was
ich tun will ist Zeit und Raum vorhanden !
Louise L. Hay

Suche nichts-finde alles !
Dr.Frank Kinslow

Wir erleben mehr als wir begreifen .
(Mystisches Erleben , Intuitives Verstehen) !
Hans-Peter Dürr
Aus den Bahá’í-Schriften
Versenkt euch in das Meer Meiner Worte, damit ihr seine
Geheimnisse ergründen und alle Perlen der Weisheit entdecken
möget, die in seinen Tiefen verborgen liegen.
Bahá’u’lláh, Kitáb-i-Aqdas, K. 182
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Ich lasse alles los was nicht Liebe ist . Für alles was
ich tun will ist Zeit und Raum vorhanden !
Louise L. Hay

Suche nichts-finde alles !
Dr.Frank Kinslow

Wir erleben mehr als wir begreifen .
(Mystisches Erleben , Intuitives Verstehen) !
Hans-Peter Dürr
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Was an Engeln „lächerlich“ und „esoterisch“ sein soll, erschließt sich mir nicht. Sie kommen sowohl im jüdischen als auch im christlichen Glauben als mächtige, über dem Menschen stehende Wesen vor, die u.a. Aufträge Gottes an den Menschen erfüllen.


Das verstehe ich allerdings auch nicht, lieber Sören.
Ich verstehe auch nicht, warum die Engel in der Baha'i-Religion die Verstorbenen sein sollen ...
Auch Muslime glauben an Engel als mächtige Lichtwesen, die vor den Menschen erschaffen wurden.
_________________
»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Sören hat folgendes geschrieben:
Um das persönliche Seelenheil geht es für den Einzelnen. Dieses Seelenheit erlangt der einzelne durch eine persönliche Beziehung zu Gott, die ihm durch alle Offenbarer in gleicher Weise vermittelt wird. Es gibt nach unserem Glauben keinen Unterschied zwischen dem, was Jesus über das individuelle Gottesverhältnis gelehrt hat, und dem, was Bahá'u'lláh gelehrt hat. Es sind also zwei Offenbarer mit einer Lehre. Sie sind als Personen nicht identisch, aber sie sind identisch in ihrer Funktion als Manifestation Gottes auf Erden.


Wie Du schon sagst, lieber Sören, ist die geistige, moralische und ethische Lehre gleich in allen Offenbarungen. Trotzdem weist die geistige Offenbarung Baha'u'llahs doch erweiterte Erkenntnisse auf, die über die vorangegangenen Offenbarungen hinausgehen.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Sören hat folgendes geschrieben:
Das Gebot der Monogamie findet sich erst im Kitáb-i-Aqdas, also dem "Gesetzbuch" der Bahá'í, wenn man so wollte.


Im Kitab-i-Aqdas steht dazu folgendes:

Gott hat euch den Ehestand verordnet. Hütet euch, mehr als zwei Frauen zu nehmen. Wenn sich der Mann mit einer einzigen Gefährtin unter den Dienerinnen Gottes begnügt, so werden beide in Ruhe leben. Und wer eine Jungfer in Dienst nehmen will, mag dies mit Anstand tun. Dies Gebot ward in Wahrheit und Gerechtigkeit von der Feder der Offenbarung verzeichnet.

Die Monogamie selbst hat dann erst Abdu'l Baha eingeführt.

Baha'u'llah hat seine dritte Frau Gawhar 1862 in der Verbannung in Bagdad geheiratet.
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Das verstehe ich allerdings auch nicht, lieber Sören.
Ich verstehe auch nicht, warum die Engel in der Baha'i-Religion die Verstorbenen sein sollen ...
Auch Muslime glauben an Engel als mächtige Lichtwesen, die vor den Menschen erschaffen wurden.


Ich habe nie irgendwas von Verstorbenen geschrieben, liebe Minou. "Zwischenwesen" ist einfach der religionswissenschaftliche Begriff für alle Arten von Wesen, die irgendwo zwischen der göttlichen und der menschlichen Welt als Vermittler fungieren. Das können Engel ebenso sein wie Ahnen oder Dämonen. Worüber ich mich beschwert habe war, Bahá'u'lláh als "Schutzengel" zu bezeichnen. Das wird Seiner Stufe m.E. in keinster Weise gerecht.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Sören hat folgendes geschrieben:
Ich habe nie irgendwas von Verstorbenen geschrieben, liebe Minou. "Zwischenwesen" ist einfach der religionswissenschaftliche Begriff für alle Arten von Wesen, die irgendwo zwischen der göttlichen und der menschlichen Welt als Vermittler fungieren. Das können Engel ebenso sein wie Ahnen oder Dämonen. Worüber ich mich beschwert habe war, Bahá'u'lláh als "Schutzengel" zu bezeichnen. Das wird Seiner Stufe m.E. in keinster Weise gerecht.


Lieber Sören,

als Engel werden in der Baha'i-Religion die Verstorbenen verstanden; das kann ich nicht wirklich nachvollziehen, zumal in den anderen monotheistischen Religionen Engel als die höchsten Geist-bzw. Lichtwesen bezeichnet werden.
Das mit Baha'u'llah als Schutzengel habe ich wohl überlesen. Tut mir leid.

LG,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Minou hat folgendes geschrieben:
Lieber Sören,

als Engel werden in der Baha'i-Religion die Verstorbenen verstanden; das kann ich nicht wirklich nachvollziehen, zumal in den anderen monotheistischen Religionen Engel als die höchsten Geist-bzw. Lichtwesen bezeichnet werden.


Liebe Minou,

ich habe es völlig anders verstanden. Soweit ich es weiß, gibt es zwei Kategorien von Erscheinungen, die als "Engel" bezeichnet werden, und zwar sind das zum einen die personifizierten "Bestätigungen Gottes", die an anderer Stelle von 'Abdu'l-Bahá mit dem Heiligen Geist gleichgesetzt werden, und zum anderen Menschen, die die völlige Loslösung von allem Irdischen bereits im Leben erreicht und sich ganz dem Willen Gottes ergeben haben.

'Abdu'l-Bahá hat folgendes geschrieben:
"Engel" bedeuten die Bestätigungen Gottes und Seine himmlischen Kräfte. Auch sind Engel gesegnete Wesen, die alle Bindungen zur niederen Welt gelöst haben, befreit von den Ketten des Selbstes und den Wünschen des Fleisches, die Herzen verankert in den himmlischen Gefilden des Herrn. Sie sind aus dem Königreich und himmlisch, sie sind von Gott und geistig, sie offenbaren Gottes reiche Gnade, sie sind Aufgangsorte Seiner geistigen Segnungen. Briefe und Botschaften 39


Bahá'u'lláh hat folgendes geschrieben:
Die ihr Land verlassen haben, um Unsere Sache zu lehren, wird der Geist des Glaubens durch seine Macht stärken. Eine Schar Unserer erwählten Engel wird mit ihnen gehen, wie Er, der Allmächtige, der Allweise, es gebietet. Wie groß ist der Segen, der den erwartet, der die Ehre erringt, dem Allmächtigen zu dienen! Ährenlese 157:1


'Abdu'l-Bahá hat folgendes geschrieben:
Mit "Engel" ist die Macht der Bestätigungen Gottes gemeint - die Kerze der bestätigenden Macht Gottes scheint aus der Lampennische jener Seelen hervor -; es bedeutet, daß jedem dieser Wesen die gewaltigste Bestätigung und Hilfe zuteilwird. Briefe und Botschaften 142


Außerdem schreibt 'Abdu'l-Bahá in Bezug auf die Verkündigung an Maria, dass "der Heilige Geist menschliche Gestalt annahm und zu Maria sprach". Menschen können also, in meinem Verständnis, dadurch, dass sie von den Bestätigungen Gottes völlig durchdrungen werden, im übertragenden Sinne zu Engeln werden, ebenso wie die Manifestationen im übertragenden Sinne zu Gott werden, weil sie von Gottes Wort völlig durchdrungen sind.

Ich würde mich aber freuen, wenn du eine Stelle für mich hättest, die die Verbindung mit Verstorbenen nahelegt, da diese Variante in der Textzusammenstellung, die jüngst ein Freund im Gemeindeweb veröffentlicht hat, nicht auftaucht.
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523