Die Weisheit des Mirza Schaffy


Ein Schriftgelehrter kam zu mir und sprach:
"Mirza Schaffy, was denkst du von dem Schah?"
Ist ihm die Weisheit wirklich angeboren,
Und ist sein Blick so groß wie seine Ohren?

- Er ist so weise, wie sie alle sind,
Die Träger des Talars und der Kapuze;
Er weiß, wie ehrfurchtsdumm das Volk und blind,
Und diese Dummheit macht er sich zu nutze! -
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Sie glauben mit frommem Hadern
Den Himmel zu verdienen;
Der Zorn schwillt ihre Adern,
Der Haß färbt ihre Mienen.

Das Mordschwert in den Händen
Verlangen sie Glauben und Buße,
Und glauben, sie selber ständen
Mit Gott auf dem besten Fuße.

Ich aber sage euch, daß
Gott ferne solchem Getriebe!
Ungöttlich ist der Haß,
Und göttlich nur die Liebe!
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Der Muschtahid sagt:

Wenn alle Gläubigen die rechten Pfade gehn,
so bleibt mir nichts, als ihnen nachzusehn -
Wie aber könnte ich dabei bestehen!

Wenn jeder Durstige selbst sucht den Quell,
Der ihm entgegenrieselt klar und hell,
Bin ICH ein überflüssiger Gesell.

Doch lieber trübe ich die Quellen allesamt,
als daß ich wank' und weich' aus meinem Amt -
Wer mir nicht folgen will: der sei verdammt!

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...und die Menschen auf der Erde machen Wumtata!
Friedrich Bodenstedt:

Wenn dermaleinst des Paradieses Pforten
Den Frommen zur Belohnung offen stehn
Und buntgeschart die Menschen allerorten
Davor in Zweifel, Angst und Hoffen stehn,
Werd ich allein von allen Sündern dorten
Von Angst und Zweifel nicht betroffen stehn.

Da lange schon auf Erden mir die Pforten
Des Paradieses durch dich offen stehn.


Friedrich Bodenstedt, 1896