Buddhismus und Bahaitum


Hallo alle zusammen!
Ich hatte schon seit längerem nichts mehr im Forum geschrieben. Mir fehlte einfach die Zeit.

Mein eigentliches Anliegen:
Eine Freundin von mir beschäftigt sich seit etwa 2 Jahren intensiv mit dem Buddhismus. Vor einigen Wochen besuchte sie deshalb auch ein buddhistisches Kloster für drei Wochen. Sie bezeichnet sich seitdem auch als Buddhistin.
Da mich diese Religion ebenfalls sehr interessiert, habe ich begonnen, mich einmal mit ihr darüber zu unterhalten. Es kommt immer öfters vor, dass sie mir bestimmte Lehren, Ideale und Sichtweisen ihres Glaubens näher bringt. Eines Tages habe ich ihr ebenfalls versucht, etwas über das Bahaitum zu erklären, mit dem ich mich seit einiger Zeit beschäftige. Als ich ihr den Grundgedanken der Einheit aller Religionen und der fortschreitenden Offenbarung erklärte, meinte sie, dass sie es etwas seltsam findet, da es im Buddhismus keinen Gott (und generell keine höheren Wesen) gibt.
Ich konnte ihr das nicht so recht erklären, wieso der Buddhismus trotz allem als "wahre" Religion in der Kette der Religionen Gottes gesehen wird.
Ich hoffe, eine(r) hier kann mir das näher erklären

Liebe Grüße,
Nino
Hallo lieber nino !

Schön mal wieder was von dir zu lesen.

Ich erkläre dir vielleicht mal wie ich als Bahá'i den Buddhismus wahrnehme.

Der Buddhismus ist in einem ganz bestimmten Kontext entstanden - dem hinduistischen. Der Hinduismus kennt viele Götter, obwohl er eigentlich einen Monotheismus darstellt, da all die Götter Manifestationen des 'einen höchsten' sind.

Buddha ist eben noch weiter gegangen und sagte, dass das die ganzen Vorstellung über all die Götter Trugschlüsse sind und lehrte eben nicht direkt einen Gott - auch wenn er den einigen Gott aller Welten kannte.

Er lehrte, dass all die hinduistischen Überwesen seiner Weisheit unterwürfig sein müssten um wahre Souveränität zu erlangen. Sich selbst beschrieb er als 'weder Gott noch Mensch'.

Wie Weisheit darin eben nicht erneut einen Gott zu lehren kann man mit Leichtigkeit erkennen. Die Hindus haben nämlich ihn selbst als eine weitere Manifestation und Gott ihrer eigenen Götter anerkannt.

LG
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"Live long and prosper!"
Hi Nino,

Nach meiner Auffassung ist die Frage, ob es jetzt einen Gott gibt oder nicht, in den Lehren Buddhas garnicht so zentral. Viel wichtiger ist der Heilsweg den Buddha beschreibt und das geschieht eben durch die Loslösung von der Welt und dem Ablegen des Egos. In diesem Punkt sind die Parallelen zu den anderen Religionen ja enorm.

Desweiteren gibt es ja auch sehr verschiedene Strömungen im Buddhismus, in denen die Frage nach der Existenz Gottes auch sehr unterschiedlich beantwortet wird. Das liegt einfach daran, dass wir nicht mehr genau sagen können, was Buddha wirklich gesagt hat und was später noch hinzugefügt wurde. Demensprechend solltest du bedenken, dass deine Freundin auch nur einer bestimmten Strömung angehört, die keinesweges für den gesamten Buddhismus gelten muss.

Übrigens glaube ich, dass es zu dem Thema Bahai und Buddhismus auch schon einen Thread gibt, den du durchstöbern kannst. Am Besten du suchst einfach mal.

Lg rob
Zitat:
Die Hindus haben nämlich ihn selbst als eine weitere Manifestation und Gott ihrer eigenen Götter anerkannt.


Es gibt auch Strömungen, die besagen, dass er gekommen sei um die Spreu vom Weizen zu trennen - die Gläubigen von den Ungläubigen.

Zitat:
Nach meiner Auffassung ist die Frage, ob es jetzt einen Gott gibt oder nicht, in den Lehren Buddhas garnicht so zentral.


Stimmt, er ist eher ein Agnostiker als ein Atheist. Jedoch sprach er sich gegen die mit Gottesverehrung einhergehenden Kultpraktiken aus. Sich auf einen Gott zu verlassen kann die eigene Anstrengung auf den Weg zur Erleuchtung mindern, das Haften an Ritualen gehört zu den 10 Fesseln.

Zitat:
Viel wichtiger ist der Heilsweg den Buddha beschreibt und das geschieht eben durch die Loslösung von der Welt und dem Ablegen des Egos. In diesem Punkt sind die Parallelen zu den anderen Religionen ja enorm


Er geht jedoch noch einen Schritt weiter und beschreibt die Lösung von jeglichen Jenseitsvorstellungen, das Ablegen jeglichen Lebensdurst.

Zitat:
Demensprechend solltest du bedenken, dass deine Freundin auch nur einer bestimmten Strömung angehört, die keinesweges für den gesamten Buddhismus gelten muss.


Mir wäre keine buddhistische Strömung bekannt, die vergleichbar mit anderen Religionen einem Gott huldigt.

Ich bin letztens auf eine interessante Begebenheit gestoßen: Das Sutta Nipata ist die älteste Version in der Buddhas Sieg über Mara beschrieben wird (Vers 449). Buddhas Gegenspieler wird bei seinen drei Namen genannt: Mara, Namuci oder Kanha. Der letzte Name kann mit "Der dunkle Lord" übersetzt werden und in Sanskrit bedeutet er - Krishna.

Warum versucht die eine Manifestation Gottes die andere daran zu hindern Erleuchtung zu erlangen? Nicht wirklich schlüssig oder?
@ yogi

Zitat:
Sich auf einen Gott zu verlassen kann die eigene Anstrengung auf den Weg zur Erleuchtung mindern, das Haften an Ritualen gehört zu den 10 Fesseln.


Das sieht die Bahá'i Religion genau so. Sich an das Alte und Traditionelle krampfhaft festzuklemmen führt zu reinem Unglauben, da man dadurch die neue Offenbarungen Gottes ablehnen wird.
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"Live long and prosper!"
Es geht nicht um die alte traditionelle Rituale auch neue können wie Fesseln wirken. Und es geht nicht um Unglauben, sondern um Faulheit.

Im Prinzip auch um das, was ich hier schon im Forum gelesen habe: "Vertraue auf Jesus und nimm ihn als deinen Erlöser an und du bist gerettet." Jesus ist hier nur ein Platzhalter.
Danke an euch!

Ich denke, damit kann ich meiner Freundin erstmal weiterhelfen

Liebe Grüße
Nino
Zitat:
Mir wäre keine buddhistische Strömung bekannt, die vergleichbar mit anderen Religionen einem Gott huldigt.


Das kann schon sein aber ich habe ja auch nicht geschrieben, dass Gott in der einen oder anderen buddhistischen Richtung gehuldigt wird, sondern lediglich, dass man die Frage nach der Existenz Gottes unterschiedlich beantwortet.

Zitat:
Ich bin letztens auf eine interessante Begebenheit gestoßen: Das Sutta Nipata ist die älteste Version in der Buddhas Sieg über Mara beschrieben wird (Vers 449). Buddhas Gegenspieler wird bei seinen drei Namen genannt: Mara, Namuci oder Kanha. Der letzte Name kann mit "Der dunkle Lord" übersetzt werden und in Sanskrit bedeutet er - Krishna.

Warum versucht die eine Manifestation Gottes die andere daran zu hindern Erleuchtung zu erlangen? Nicht wirklich schlüssig oder?


Aber gleichzeitig werden beispielsweise im Hinduismus sowohl Buddha als auch Krishna als Avatare Vishnus angesehen. Und das würde ja im Prinzip einen Widerspruch zu der von dir erwähnten Geschichte darstellen, womit wiederum bewiesen wäre, dass die überlieferten Geschichten und Lehren durchaus von den tatsächlichen Aussagen Buddhas abweichen können, da diese eben sehr unterschiedlich interpretiert wurden.
Zitat:
Das kann schon sein aber ich habe ja auch nicht geschrieben, dass Gott in der einen oder anderen buddhistischen Richtung gehuldigt wird, sondern lediglich, dass man die Frage nach der Existenz Gottes unterschiedlich beantwortet.


Hast du ein paar Beispiele, dass würde mich interessieren?

Zitat:
Aber gleichzeitig werden beispielsweise im Hinduismus sowohl Buddha als auch Krishna als Avatare Vishnus angesehen. Und das würde ja im Prinzip einen Widerspruch zu der von dir erwähnten Geschichte darstellen, womit wiederum bewiesen wäre, dass die überlieferten Geschichten und Lehren durchaus von den tatsächlichen Aussagen Buddhas abweichen können, da diese eben sehr unterschiedlich interpretiert wurden.


Richtig, deswegen denke ich, dass Hinduismus und Bahaitum einem Irrtum aufsitzen und ihre Aussagen sich einfach nicht mit den ursprünglichen Aussagen des Buddhismus decken. Es gibt ja auch keine Dokumente in denen sich der Bab oder Baha'u'llah direkt auf auf den Buddhismus beziehen.
Zitat:
Es gibt ja auch keine Dokumente in denen sich der Bab oder Baha'u'llah direkt auf auf den Buddhismus beziehen.


Ich weiß nicht, ob der Báb oder Bahá'u'lláh sich jemals direkt auf Buddha beziehen, ich kann auf die Schnelle auf jeden Fall nichts finden.

Allerdings tut das 'Abdu'l-Bahá sehr wohl:

Zitat:
Ihr werdet erkennen, dass das göttliche Licht der Wahrheit, wenn es in Jesus Christus schien, dann auch in Moses und in Buddha leuchtete.
(Abdu'l-Baha, Ansprachen in Paris)


Zitat:
Frage: Zu welcher Klasse gehören Buddha und Konfuzius? [...]
Antwort: Auch Buddha stiftete eine neue Religion, während Konfuzius die Sitten und alten Tugenden erneuerte; ihre Einrichtungen aber sind völlig zugrunde gegangen. Die Glaubenslehren und Kultvorschriften der Anhänger Buddhas und des Konfuzius wurden nicht entsprechend ihren ursprünglichen Grundsätzen weitergeführt. Der Begründer des Buddhismus war eine wunderbare Seele. Er führte die Lehre von der Einheit Gottes ein, aber später gingen die ursprünglichen Grundsätze Seiner Lehren allmählich verloren, und törichte Gebräuche und Zeremonien entstanden und wuchsen, bis sie schließlich in der Anbetung von Statuen und Bildern endeten.

Denke daran, daß Christus immer wieder darauf hingewiesen hat, daß die zehn Gebote des Alten Testaments¹ befolgt werden sollen, und Er bestand darauf, daß an ihnen festgehalten werde.² Eines unter den zehn Geboten heißt: "Du sollst kein Bildnis oder Gleichnis anbeten." In vielen christlichen Kirchen gibt es aber heute zahlreiche Bilder und Statuen. Es ist also klar und offenkundig, daß die Religion Gottes unter den Völkern nicht bei ihren ursprünglichen Grundsätzen verbleibt, sondern daß sie allmählich geändert und umgewandelt wird, bis sie schließlich völlig zerrüttet und aufgehoben ist. Darum wird die Offenbarung erneuert und ein neues religiöses Gesetz begründet. Würden aber die Religionen nicht verändert und umgewandelt, gäbe es kein Bedürfnis für eine Erneuerung.
¹ Wörtlich: Pentateuch ² Matthäus 5:17-19, 15:3-9, 19:17
(Abdu'l-Baha, Beantwortete Fragen)


Es gibt noch andere Zitate, aber 1. hab ich jetzt leider keine Zeit sie alle zu durchforsten, 2. stehen die mal wieder in diversen Zusammenfassungen, und da ist es bei Ocean immer recht mühsam herauszufinden von wem jetzt eigentlich das Zitat wirklich stammt.
Ach ja, und 3. mache ich jetzt Abendessen *g*

Alles Liebe,
Riki
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"Nur Rosen der Liebe pflanze in den Garten deines Herzens." - Bahá'u'lláh -