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Gleichberechtigung von Mann und Frau in der Bahai Religion












also zuerstmal möchte ich sagen, dass ich persönlich die bahai religion für am geeignetsten halte den herausforderungen dieser welt zu begegnen...

aber was ich gar nicht verstehe, (aber sehr gerne verstehen würde):
warum werden in den universalen rat nur MÄNNER hineingewählt. Warum dürfen hier keine Frauen sein. Warum ist hier das Gleichnis vom Flügel eines Vogels nicht gültig.
In den niedrigeren Instanzen herrscht absolute Gleichberechtigung (auch Frauen dürfen gewählt werden). Die Bahai Religion betont auch immer wieder wie wichtig die absolute Gleichstellung von Mann und Frau ist. Aber gerade in der allerhöchsten Führungsebene der Bahai sind keine Frauen zugelassen. Wer immer mir dazu eine Antwort geben kann, ich bitte darum, denn alles andere an den Bahai finde ich sehr faszinierend.
danke
zurip
Willkommen im Forum, Zurip!

Es ist interessant, wie oft diese Frage in diesem Monat bereits aufgetaucht ist - es ist nun die vierte Anfrage vom vierten User

Ich will daher versuchen, diesen Punkt so gut es geht zu beantworten.

Baha'u'llah, der Stifter der Baha'i-Religion, hat als erster Religionsbegründer die Gleichwertigkeit von Mann und Frau begründet und auch schriftlich niedergelegt. Religionsgeschichtlich ist dies eine echte Sensation, wenn man sich die Heiligen Bücher der Weltreligionen anschaut und analysiert welche Rolle der Frau dort "zugeteilt" wird.

Zunächst daher einige Zitate aus den Heiligen Schriften - wie gesagt, man muss bedenken, welch enormer Fortschritt hinter diesen Worten liegt - noch dazu, wenn man sich anschaut, in welcher Kultur Baha'u'llah überhaupt erschien - im Persien des 19. Jahrhunderts, dessen Gesellschaft zu den fanatischsten der Welt zählte.

Zitat:
"An diesem Tag hat die Hand göttlicher Gnade alle Unterschiede getilgt. Gottes Diener und Seine Dienerinnen stehen auf derselben Stufe." Baha'u'llah


Zitat:
"Die Menschenwelt hat zwei Flügel: Den einen bilden die Frauen, den anderen die Männer. Erst wenn beide Flügel gleichmäßig entwickelt sind, kann der Vogel fliegen. Bleibt ein Flügel schwächlich, so ist kein Flug möglich. Erst wenn die Frauenwelt der Männerwelt im Erwerb von Tugenden und Vollkommenheiten gleichkommt, sind Erfolg und Gedeihen so erreichbar, wie es sein soll." Abdu'l-Baha


Zitat:
"Die Frauen sind mit den Männern auf Erden gleichberechtigt. ... Solange den Frauen die höchsten Möglichkeiten verschlossen bleiben, werden sie außerstande sein, die Bedeutung zu erlangen, zu der sie fähig wären." Abdu'l-Baha


Zitat:
"Um es noch einmal bewußt zu machen: Bevor Frau und Mann nicht die Gleichberechtigung anerkennen und verwirklichen, ist gesellschaftlicher und politischer Fortschritt weder hier noch irgendwo sonst möglich." Abdu'l-Baha


Auch muss man sich vergegenwärtigen, dass das Prinzip der Gleichwertigkeit von Mann und Frau in der Baha'i-Religion nicht irgendein "Nebenprinzip" ist, sondern eine der wesentlichsten Grundlehren darstellt.

Zum Universalen Haus der Gerechtigkeit, der höchsten und leitenden Körperschaft der internationalen Baha'i-Gemeinde: Baha'u'llah selbst hat festgelegt, dass in dieser Institution nur Männer wählbar sind, Abdu'l-Baha hat dies bestätigt. Es ist die einzige Institution, wo dies der Fall ist. Über das Warum kann man nur spekulieren.

Abdu'l-Baha schreibt, dass erst in der Zukunft der Grund für dieses Gebot klar werden würde - er schreibt:

Zitat:
Das Haus der Gerechtigkeit jedoch ist gemäß dem ausdrücklichen Text des Gesetzes Gottes nur für Männer bestimmt; dies ist eine der Weisheiten Gottes, des Herrn, welche in absehbarer Zeit so klar wie die Sonne am Mittag offenbar werden wird.


1) Um einige Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Dass Frauen nicht im Universalen Haus der Gerechtigkeit wählbar sind, bedeutet nicht, dass sie geistig oder intellektuell niedriger wären - das würde den Baha'i-Lehren selbst widersprechen.

2) Die Mitglieder des Universalen Hauses der Gerechtigkeit sind nicht die "ranghöchsten" Baha'i in der Gemeinde: Es gibt noch die Institution der "Hände der Sache Gottes" - das sind Personen, die für den Schutz und die Lehre der Baha'i-Sache verantwortlich sind. Unter diesen Händen der Sache Gottes gab es zahlreiche Frauen wie zb Martha Root, Ruhiyyih Khanum, Amelia Collins, Dorothy Baker, Corinne True und andere. Sie stehen "über" den einzelnen Mitgliedern des Universalen Hauses der Gerechtigkeit. In den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als es das Universale Haus der Gerechtigkeit nicht gab, leiteten sie alleine die Baha'i-Weltgemeinde, darunter war auch die Witwe des Hüter des Glaubens, Ruhiyyih Khanum - sie hatte eine Hauptrolle in jenen Jahren.

3) Wie ein anderer User hier einmal schrieb, leitete eine Frau in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts die gesamte Baha'i-Welt, nämlich Bahiyyih Khanum, die Schwester Abdu'l-Bahas. Das muss man sich einmal vorstellen: zu einer Zeit, in der man in Europa erst begann, das Wahlrecht für Frauen einzuführen, leitete eine Frau eine ganze Religionsgemeinschaft (!), die noch dazu aus einem islamischen Hintergrund stammt. Diese Tatsache allein zeigt schon, dass die Gleichwertigkeit von Mann und Frau in der Baha'i-Religion nicht nur leeres Gerede ist, sondern auch in frühren Jahren bereits angewandt wurde! Über sie ist vor kurzem ein Buch erschienen, siehe hier:
http://www.geistigenahrung.org/ftopic5278.html

4) In den Nationalen Geistigen Räten - das sind die höchsten Körperschaften eines Landes - sitzen natürlich auch Frauen, zb im Nationalen Geistigen Rat von Österreich sind es fünf Frauen und vier Männer, siehe hier http://www.at.bahai.org/aktuelles/n.....33/102/c-hash/8bbface9bf/

Wie ein anderer User hier schrieb, gibt es Länder, in denen die nationalen Räte nur aus Frauen bestehen (!) - welche andere Religionsgemeinschaft kann von sich behaupten, dass so viele Frauen an der Spitze ihrer Verwaltung stehen?

5) Dann gibt es auch die Institution des Berateramtes, diese beraten die Nationalen Geistigen Räte - die Berater und Beraterinnen stehen vom Rang her "über" den Mitgliedern des Nationalen Rates. In Europa gibt es insgesamt zb 13 Berater, davon sind derzeit sieben Frauen, siehe hier: http://www.geistigenahrung.org/uplo.....-in-Tambach-Juli-2005.jpg (Treffen der Berater Europas).

6) Dass Frauen im Universalen Haus der Gerechtigkeit nicht wählbar sind, ist sicher etwas, das schwer zu "verdauen" ist - aber hier vertrauen die Baha'i Abdu'l-Bahas Versprechen, dass man in der Zukunft klar wird erkennen können, warum.

7) Ich möchte hier noch etwas Raum für Spekulation lassen - das ist wirklich nur meine Ansicht und das, was ich persönlich denke. Ich denke, der Grund für dieses Gebot muss irgendeinen "körperlichen Grund" haben. Denn Baha'u'llah schreibt eindeutig, dass Mann und Frau geistig vor Gott gleich seien. Körperlich unterscheiden sie sich jedoch. Wir wissen nicht wie die Zukunft aussehen wird, und nach Baha'i-Ansicht hat die Institution des Universalen Hauses der Gerechtigkeit Bestand für mindestens 1000 Jahre - was genau in zb 300-400 Jahren sein wird, kann keiner wissen, aber wie Abdu'l-Baha schreibt... der Grund dafür wird zu gegebener Zeit sonnenklar sein.

PS Ich kann Dir übrigens versichern, dass sich kein Baha'i der Welt wünscht ins Universale Haus der Gerechtigkeit gewählt zu werden, denn die Last und die Bürde, den diese neun Menschen tragen müssen, ist "beyond imagination".
vielen Dank für die ausführliche Antwort. Sie hat mir schon ein wenig geholfen auf meinem Weg die Bahai Religion richtig zu verstehen und auch zu mögen.

Insbesondere der Aspekt, dass Frauen schon mal an der Führung dieser Religion mitwirken durften finde ich sehr gut und das zeigt, dass es prinzipiell Frauen schon zugetraut wird so ein hohes "AMt" zu verwalten.

Das man einfach auf Gott vertrauen muss ist für mich in diesem Punkt hingegen nicht unbedingt sehr hilfreich. Denn das sagen ja viele Religionen. Das ist der Grund warum ich mich von der katholischen Religion nicht unbedingt sehr angesprochen fühle. Da wird vieles mit dem Argument zugekleistert : "Das ist eben so. Gottes Wille. Du mußt einfach vertrauen."
Damit kann man jedes Argument entkräften oder eben nicht.

Ich denke nun die ganze Zeit nach was wohl der Grund von Baha ula war, dass nur Männer in diese Position gewählt werden können.
Aber wahrscheinlich werd ich das nie erfassen können...

Danke nochmals für die ausführliche Antwort.
(Ein Buch was ich zu diesem Thema nur empfehlen kann, ist:
Fortschritt der Frauen von Dr. Janet Khan und Dr. Peter Khan.
Dr. Peter Khan ist ein Mitglied des Universalen Haus der Gerechtigkeit.)

Eine Sache die ich noch hinzufügen möchte, ist, dass Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Gleichwertigkeit, nicht unbedingt Gleichheit der Funktionen bedeutet. Die Funktionen von Mann und Frau sind verschieden, das heisst jedoch nicht, dass ein Geschlecht dem anderen überlegen ist.
Gleicher Wert, equality in rights (tut mir leid, mir fällt das deutsche Wort dafür einfach nicht ein:-)), aber ich nicht unbedingt gleiche Funktionen. Ein Mann kann nie ein Kind gebähren. Das ist die Funktion einer Frau (nur als Beispiel!))
Ich weiss nicht ob das hilft...
Liebe Freunde

Nachdem ja die Frage nach der Frauenfreundlich(feindlich)keit im Islam schon diskutiert wurde, erlaube ich mir diese Frage auch bei anderen Religionen zu stellen.

Kennt ihr neben der Tatsache, dass Frauen nicht in das Universale Haus der Gerechtigkeit gewählt werden dürfen noch andere Ungleichheiten? Welches Leid entsteht den Frauen daraus?

Liebe Grüße
Forum -> Baha'i-Religion


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