Was kommt nach dem Tod? Angst vor dem Nichts.


maiky69 hat folgendes geschrieben:

... ich habe höllische angst vor dem tod, oft sitze ich da oder schaue aus dem fenster in den himmel und fange an zu weinen. die vorstellung ich hier und jetzt, ich fühle mein herz, spüre meine haut, sehe alles und eines tages soll das nicht mehr sein...
es gibt menschen die eine nahtoderfahrung gemacht haben, aber gibt es denn beweise wo man nach diesem leben hin kommt? warum erinnert sich denn keiner an sein vorleben?
... liegt das problem weit im inneren kern und wenn ja wie kann ich diesen finden? es zerreisst mich, ich zähle manchmal sogar die jahre die mir vielleicht noch bleiben und dann wird es richtig heftig. ich bin jetzt 44.
... vielleicht kann mir irgend jemand da draussen mal wirklich helfen.


Liebe Maiky,
ich glaube, dass jeder Mensch irgendwie Angst vor dem Tod hat, oder vielleicht besser gesagt vor dem Sterben, weil wir nicht wissen, wie das sein wird. Ich habe auch Angst davor, Qualen erleiden zu müssen, bevor meine Seele sich aufschwingt. Aber es kann ja auch ganz schnell gehen. Niemand weiß es.

Für mich ist es eine Gewissheit, dass es danach weitergeht. Wir sind hier auf dieser Erde, um unsere Seele zu entwickeln und fürs Jenseits vorzubereiten, wie sich der Embryo im Mutterleib entwickelt, um in unsere Welt geboren zu werden.

Wenn aber absolut nichts mehr sein sollte, dann ist es ohnehin egal, weil ich davon nichts mehr mitbekommen werde. Manchmal wünsche ich mir sogar dieses völlig Nichtsein.

Dass sich niemand an ein Vorleben erinnert, finde ich schon deshalb logisch, weil ich nicht an Reinkarnation glaube. Die menschliche Entwicklung geht wie die Evolution immer nur in eine Richtung.

Ich habe schon fast alle Familienangehörigen verloren und bin mir sicher, dass sie mitbekommen, wenn wir an sie denken und für sie beten. Sie tun das bestimmt für uns auch. Das Hinscheiden Deiner Oma ist ja noch sehr frisch, aber loslassen musst Du schon irgendwann. Es ist besser für Dich und auch für sie. Trauer hat aber auch seine Berechtigung und braucht seine Zeit.

Warum Deine Angst vor dem Tod so groß ist, kann vielleicht an einem traumatischen Erlebnis in Deiner Kindheit liegen, woran Du Dich nicht mehr erinnern kannst.

Mach' Dich nur nicht verrückt, indem Du die Jahre zählst, die Dir angeblich noch bleiben. Du kannst 105 Jahre alt werden oder morgen von einem Bus überfahren werden. Das führt zu nichts außer zur Kultivierung Deiner Angst.

P.S.: An eine Hölle glaube ich nicht. Also keine Angst
maiky69 hat folgendes geschrieben:
[...].
ich habe höllische angst vor dem tod[...]


„Verschlungen ist der Tod vom Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ - 1. Kor. 15, 54-55
Heute war ich bei einem interessanten Gesprächsabend in der Michaelskirche Fürth zum Thema "Der Tod - davor, dabei, dahinter.". Referenten waren der evang. Pfarrer und Weltanschauungsbeauftragte Volker Zuber, mein Hausarzt Dr. Richard Sohn (Allgemeinarzt, Notarzt, Psychotherapeut und Paläativmediziner) und Frau Dr. Irina Dittert (Genetikerin, Psychotherapeutin), die sich nach einer Grenzerfahrung in Amerika zur Schamanin ausbilden ließ. Es kam auch noch ein Mann aus dem Publikum zu Wort, der schon zwei Nahtoderfahrungen als Kind und eine außerkörperliche Erfahrung während einer Entspannungsübung hatte.

Über zweihundert Gäste waren gekommen. Es war sehr interessant über die verschiedenen Erfahrungen der Referenten etwas zu erfahren.

Der Mediziner, der zunächst als Notarzt den Tod zum Feind erklärte, später als Psychologe begann, ihn als Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und schließlich als Paläativmediziner seine Patienten einfühlsam auf den letzten Gang vorbereitet. Er sagte, dass es wichtig und hilfreich sei, mit seinen Angehörigen Frieden zu schließen und mit ihnen auf das Leben zurückzublicken. Die Menschen sterben auch leichter, wenn ihre Angehörigen sie in Liebe loslassen können.

Die Genetikerin erlebte nach ihrer Nahtoderfahrung eine permanente innere Aufforderung, nach Peru zu reisen, ohne zu wissen weshalb. Dort begegnete sie einem Schamanen, der sagte, endlich sei sie hier, er habe sie gerufen. Heute begleitet sie Sterbende hinüber in die andere Welt und hat sogar noch nach deren Tod Kontakt mit ihnen. Sie erzählte auch davon, dass ihr ein Engel in menschlicher Gestalt anfassbar im Wohnzimmer erschienen sei.
Ich persönlich glaube eher nicht daran, dass solche Dinge wirklich real sind. Aber wer weiß.

Der evang. Pfarrer Zuber stellte einige interessante Bücher zum Thema Nahtoderfahrungen vor und erläuterte sachlich und frei von kirchlicher Dogmatik aus der Perspektive als Christ aber auch als Kenner der Quantenphysik, wie er Nahtoderfahrungen und die Existenz der Seele versteht.

Das Publikum konnte dann Fragen stellen. Jemand wollte vom Pfarrer wissen, was er zum Thema Hölle und Jüngstes Gericht sagt. Ich fand seine Antwort sehr gut, dass er glaube, dass wir nach dem Tod in der Lage sein werden, zu erkennen, was wir gut und falsch gemacht haben. Und dass wir die Folgen unserer Handlungen sehen werden, was möglicherweise so bedrückend für manche ist, das man es Hölle nennen könnte.

Ich fragte nach, ob Menschen mit einer reinen Seele, wie etwa Kinder, im Vergleich zu Menschen, die Schuld auf sich geladen hätten, leichter sterben und ob es für die anderen eher ein Kampf ist.

Die Schamanin verneinte dies aufgrund ihrer Erfahrungen. Der Arzt berichtete, dass Menschen, die Angst vor dem Tod haben, schwerer sterben und auch länger leiden würden. Er wollte nicht von Schuld sprechen, sagte aber, dass es wichtig sei, sich mit seinen Angehörigen zu versöhnen.

Eine Frau im Publikum erzählte von ihrem Mann, der totkrank war und den sie nicht gehen lassen wollte. Sie tat alles, um ihn am Leben zu halten und ließ ihn sogar künstlich ernähren. Sie holte ihn nach Hause, damit sie ihn ständig um sich haben konnte. Sie sagte, dass er immer so unruhig war, wenn sie in seiner Nähe war. Eines Tages wollte sie zum Arzt, um Beruhigungsmittel zu holen. In den fünfzehn Minuten ihrer Abwesenheit ist ihr Mann gestorben.

Alle Referenten, der Pfarrer und natürlich die Gäste mit Nahtoderfahrungen waren sich völlig einig darüber, dass das Leben nach dem Tod nicht zu Ende ist. Die Schamanin sagte, es wird so sein, wie wenn man von einer Reise endlich nach Hause kommt. Der Arzt meinte, dass er trotz seiner naturwissenschaftlichen Ausbildung einen Unterschied mache zwischen Visionen aufgrund Sauerstoffmangels im Gehirn und Nahtoderfahrungen. Er sei von einem Leben nach dem Tod überzeugt. Pfarrer Zuber ist es natürlich auch.
Ich halte es da mit Epicharmos von Kos: "Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich will nur einfach nicht sterben"

Aus eigener Erfahrung im Zivildienst weiß ich, dass der Tod selbst oft ein Moment völliger Entspannung ist. Die Schmerzen, die die Sterbenden zuvor geplagt haben, verschwinden plötzlich und die meisten sehen dabei geradezu freudig aus, als wenn ihnen eine schwere Last genommen würde.

Was mir Angst macht ist das "davor", die Möglichkeit, ohne Kontrolle über den eigenen Körper und bei vollem Bewusstsein dahinzusiechen und völlig von anderen Menschen abhängig zu sein, die über mein Leben und meinen Tod entscheiden. Deswegen ist mir auch eine Patientenverfügung sehr wichtig und ich danke der Bundesregierung dafür, dass sie endlich Rechtsgültigkeit hat. Ich möchte nicht leiden, das ist mir wichtig. Wenn ich es verhindern kann, dann tue ich das.

Vor dem Tod selbst habe ich wenig Angst. Ich glaube fest daran, dass es weitergeht, unabhängig von meiner Religion. Und selbst wenn ich nicht sicher wäre, dass etwas kommt, würde sich der Forschergeist in mir freuen, noch etwas neues und unbekanntes erforschen zu können. Eine ganze Welt zu erkunden, eine ganz neue Art des Seins.

Davon unabhängig lebe ich sehr gerne und habe vor, das auch noch eine ganze Weile zu tun^^
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"Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da." Sophokles: Antigone, Vers 523
Vielen Dank für Deinen Bericht, lieber Achim. Das war bestimmt ein hochinteressanter Abend.
Für mich steht auch fest, dass es nach dem Tod weitergeht, hatte da auch schon einige Erfahrungen.
Das Versöhnen scheint wirklich enorm wichtig zu sein - hat man ja auch in allen Religionen als Hinweis.
Das Dahinsiechen fürchte ich auch - darum haben mein Mann und ich eine Patientenverfügung gemacht.
Ich denke, nicht jeder Tod muss schmerzhaft sein, manche Menschen schlafen einfach hinüber, manche sterben ganz plötzlich, das ist individuell so verschieden, dass wir uns nicht jetzt schon mit Angst herumplagen sollten. Es kommt sowieso, wie es kommen muss, wir sollten das eher annehmen.

Alles Liebe,
Minou
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Guten Abend,

"kein Auge hats gesehen und kein Ohr hats gehört", und das ist auch gut so. Sonst hätten wir ja gar keine Möglichkeit mehr, zu spekulieren.

Pjotr Kala
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Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Hallo Achim,

danke für den Bericht. Die Veranstaltung war bestimmt sehr interessant, so etwas sollte es häufiger geben. Ich habe auch einige Erfahrungen gemacht und bin sicher, dass es nach dem Tod weiter geht.


Hallo Minou,

Zitat:
Das Dahinsiechen fürchte ich auch - darum haben mein Mann und ich eine Patientenverfügung gemacht.


Ja, das fürchten wir alle. Meine Tante hat auch eine Patientenverfügung gemacht, aber im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob das tatsächlich von Vorteil für sie war. Laut dieser Vordrucke bekommen die Patienten keine fiebersenkenden Mittel. Das mag zunächst eine schlüssige Maßnahme sein, man möchte den Menschen ja sterben lassen, anstatt ihm das Leben qualvoll zu verlängern. Ich hatte aber den Eindruck, dass meine Tante unter dem Fieber arg gelitten hat.
Elem.Luft hat folgendes geschrieben:
Ja, das fürchten wir alle. Meine Tante hat auch eine Patientenverfügung gemacht, aber im Nachhinein bin ich mir nicht sicher, ob das tatsächlich von Vorteil für sie war. Laut dieser Vordrucke bekommen die Patienten keine fiebersenkenden Mittel. Das mag zunächst eine schlüssige Maßnahme sein, man möchte den Menschen ja sterben lassen, anstatt ihm das Leben qualvoll zu verlängern. Ich hatte aber den Eindruck, dass meine Tante unter dem Fieber arg gelitten hat.


Wir haben nicht nur Formulare ausgefüllt, sondern vom Rechtsanwalt klar formulieren lassen, was wir wollen und was nicht. Ich hoffe, dass es dann mal auch so gehandhabt wird. Wenn nicht, dann ist es wohl so, dass wir gewisse Dinge erleiden sollen, dagegen kann man nichts machen, man muss das annehmen.

Alles Liebe,
Minou

By the way - ich wollte schon lange fragen, wie Du hier gerne angesprochen werden magst; ich kann Dich ja schlecht "Luft" nennen
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»Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt«
Dies ist das höchste und größte Gebot.
Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«.
In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten
Hallo Minou,
Minou hat folgendes geschrieben:


Wir haben nicht nur Formulare ausgefüllt, sondern vom Rechtsanwalt klar formulieren lassen, was wir wollen und was nicht. Ich hoffe, dass es dann mal auch so gehandhabt wird. Wenn nicht, dann ist es wohl so, dass wir gewisse Dinge erleiden sollen, dagegen kann man nichts machen, man muss das annehmen.


hast du eventuell einige gute und wichtige Ratschläge, die man beachten sollte? Dieses Thema ist ja für jeden von uns von Belang.






Zitat:
by the way - ich wollte schon lange fragen, wie Du hier gerne angesprochen werden magst; ich kann Dich ja schlecht "Luft" nennen


Doch, das kannst du schon. Ist ja mein Element. Du kannst mich auch Element nennen, ganz wie du magst.

Liebe Grüße
Zitat:
hast du eventuell einige gute und wichtige Ratschläge, die man beachten sollte?


Liebe Elem. Luft - bist du aus Österreich?

Zur österreichischen Rechtslage könnte ich dir Einiges sagen.