Reinheit


Hallo Burkl,

Zitat:
"Die makellose Reinheit seines ganzen Lebens ließ Johannes unter dem Kreuz stark bleiben. – Die anderen Apostel flohen vor GoIgotha: er bleibt, zusammen mit der Mutter Christi. Vergiß nicht, daß die Reinheit den Charakter stark und männlich macht."

Hl. Josémaria Escriva, Der Weg Nr. 144


Es ist schon ein Witz, daß Escriva bei einem Menschen, von dem man historisch kaum etwas weiß, von "makelloser Reinheit seines ganzen Lebens" schreibt.
Wie bei allen sogenannten Propheten, Heiligen oder auch Religionsgründern, wird relativ wenig vom "Alltagsleben" der Personen berichtet. Da liegt der Verdacht ziemlich nahe, daß sie sich im Alltag gar nicht so besonders von anderen Menschen unterschieden haben (gut, sie mögen teilweise ein besonders Charisma gehabt haben). Komischerweise sind bei Heiligen die sogenannten Wunder meist erst nach Versterben des betreffenden Heiligen vorgekommen. im Nachhinein kann man jedes Leben "schönschreiben" (besonders dann, wenn es keine Zeitzeugen aus unmittelbarer Nähe des Betreffenden gibt). Escriva hatte das Pech, daß sich doch noch so einige an sein Alltagsleben erinnern konnten, und da kam er nicht so besonders gut weg.

Pjotr Kala
_________________
Hüte dich vor Institutionen, die dir das Denken abnehmen wollen!
Burkl hat folgendes geschrieben:
Mara Devi hat folgendes geschrieben:
"Reinheit den Charakter stark und männlich macht", ist doch wohl der Gipfel, denn dann wird analog dazu Unreinheit mit schwachem Charakter und weiblich gleichgesetzt.

Das ist deine Interpretation.
Die heilige Teresa von Avila hat einmal nach einem Zusammentreffen mit einer Männerrunde von sich selbst gesagt, sie sei hier der einzige Mann. Es geht also um etwas Bestimmtes: Die Männlichkeit drückt hier Charaktereigenschaften wie Mut, Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Tapferkeit aus.

Dein Beispiel zeigt deutlich die einseitig postive Bewertung des Männlichen, so dass ein Frau schon ihren "Mann" stehen muss, um geschätzt zu werden .
Im süddeutschen Volksbrauchtum gibt es eine Sage (Die Weiber von Weinsberg), die belegt, dass all diese Charaktereigenschaften wie Mut, Taperkeit, Geradlinigkeit, Treue, Klugheit, Stärke,....
ganz eindeutig weiblich sind.
http://www.burgenstrasse.de/showpag.....g=1&sel=sl&sid=17

Zitat:
Zitat:
Sicher weißt du, dass für Escriva und die Mitglieder des Opus Dei "Reinwerden" des Durchschnittsmenschen mit Selbstgeißelung verbunden ist (Tragen eines schmerzhaften mitterlalterlichen Bußgürtels 2 Std. tgl. außer an Feiertagen, wöchentliche Selbstkasteiung mit einer Handgeißel).

Ja - es gibt bestimmmte Opus Dei-Mitglieder - nämlich ausschließlich die Zölibatären - die das tun.
Es ist eine alte christliche spirituelle Tradition, die aus den monastischen Gepflogenheiten heraus entstanden ist. Es geht auch nicht wirklich darum, sich selbst zu verletzen, das passiert hier nicht.
Bei diesen Übungen geht es im Kern eigentlich darum, sich im Guten einzuüben. Das Gute trotz widrigen Umständen zu tun.

Ist es nicht vielmehr die Fortführung der althergebrachte monastische Technik, indem man sich erniedrigt bzw. das Ego abzutöten sucht, um Gott näher zu kommen?

Zitat:
Wir glauben als Christen, dass der Preis für die wirklich gelebte Liebe, immer auch die Selbstverleugnung ist.

"...Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's erhalten."(Lukas 9,23+24)

Bei der christlichen Selbstverleugnung geht es jedoch nicht um ein Kreuz, welches sich jeder selbst auferlegt, sondern um das, was uns Gott alltäglich "zumutet" bzw. "zutraut".
Die Worte Jesu diesbezüglich sind nicht Grundlage für ein Mönchswesen und Mönchspraktiken sondern Hilfe für ein ganz normales Alltagsleben.

Zitat:
Vielleicht wird das Ganze einfacher, wenn ich dir das Grundprinzip dahinter erörtere: Im Alltag geht es darum, bestimmte sogenannte "Abtötungen" zu machen, das bedeutet konkret auf Dinge bewusst zu verzichten und die Gott zu schenken, die einem angenehm sind. Das kann z.B. heißen, die Treppe statt dem Aufzug zu nehmen, beim Essen nur Wasser statt Limonade dazutrinken, sich nicht an einer Wand anlehnen, dem Anderen das bessere Stück lassen, usw.

Diese Dinge (bis auf das Anlehnen) tue ich auch, allerdings mit anderer Motivation. Ich meine, dass Gott solche Geschenke weder braucht noch so etwas will, weil ich mich letztlich dadurch um mich selber drehe.

Zitat:
Es geht im Kern darum in der Liebe zu bleiben, auch und gerade wenn es widrig und schwierig ist. Und diese körperlichen Übungen sind sozusagen ein unterstützendes "Training" dazu.
Schockiert es dich auch, dass Sportler bis zur völligen körperlichen Erschöpfung für ihr großes Ziel trainieren? Ähnlich kannst du es hier sehen - es sind sozusagen "sportliche" Übungen, nur eben in spiritueller Hinsicht. Das große Ziel dabei ist immer stärker in der Liebesfähigkeit zu werden, immer mehr auf das Eigene verzichten zu können und dabei dennoch ein Liebender zu bleiben, ja sogar noch mehr in sie hineinzuwachsen.

Durch das Beispiel mit dem Sportler wird der Unterschied für mich noch klarer.
Liebe kann man nicht antrainieren und man kann ihr nicht beim Wachsen nachhelfen. Wenn du etwas zielgerichtet betreibst, kann es nicht mehr selbstlos geschehen.

Zitat:
Zitat:
Johannes der bis zuletzt unter dem Kreuz bei Jesus ausharrte, hatte eine ganz andere Tugend, genau wie auch Maria, die Mutter Jesu. Diese Tugend ist stärker als jede Angst und lässt sich nicht durch Selbstkasteiung herbei führen.
Es ist bedingungslose Liebe !

Ja - und diese Liebe ist Frucht seines reinen Herzens. Er ruhte an der Brust Jesu. Er war seinem Herzen am nähesten von allen Jüngern - tauchte sein Herz in das von Liebe brennende Herz Jesu.

Eine Frucht entsteht durch "Befruchtung", wobei die fruchtbringende Seite passiv und empfangend bleibt. Johannes hat Jesus selbstlos und voller Hingabe geliebt, deshalb konnte Jesus ihm viel geben und er verstand Jesus meist ohne viele Worte.

Zitat:
Was ist eigentlich die Tugend der Reinheit für dich?

Ich bin keine Religionsphilosophin. -

Mein Kindergebet war: "Ich bin klein, mein Herz ist rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein."
Als ich groß und älter wurde, war immer weniger Platz für Jesus, schließlich habe ich ihn sogar ganz hinausgeworfen.
Dann bin ich eines Tages umgekehrt und bat ihn wieder bei mir zu wohnen, da kam er, ohne eine Vorleistung von mir, und machte mein Herz rein.

Daraus schließe ich:

Wo Gott wohnt, da ist das Herz rein, - Gott allein genügt.

Mara
_________________
***************************************
OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Diese Dinge (bis auf das Anlehnen) tue ich auch, allerdings mit anderer Motivation. Ich meine, dass Gott solche Geschenke weder braucht noch so etwas will, weil ich mich letztlich dadurch um mich selber drehe.


Diese Dinge sind Opfer, liebe Mara. Sie geschehen aus Liebe zu Gott, als Antwort auf das eine große Opfer, das er am Kreuz für uns erbracht hat. Wir erbringen sie, weil es zutiefst dem inneren Wesen des Menschen entspricht, Gott etwas vom Eigenen schenken zu wollen. Das umfasst auch das Leibliche.

Und es ist genau umgekehrt: Nicht der das Opfer Suchende, sondern wer das Opfer aus Liebe Gott nicht geben will - der ist es, der um sich selber kreist.

"Schon in der rein menschlichen Erfahrung gibt es eine seltsame Nähe zwischen Liebe und Schmerz, eine Nähe, die sich bisweilen auch in Perversionen äußern kann. Diese Nähe gehört erst recht zur göttlichen Liebe. Das unendliche Leben kann sich dem begrenzten Geschöpf nur mitteilen, wenn es ihm zugleich ein radikales Öffnen und einen Schmerz der Liebe zumutet. Selbst ohne Sünde hätte es einen solchen Schmerz gegeben. Nach dem Einbruch der Sünde in die Welt aber gibt es nur noch eine Vereinigung mit dem Unendlichen bei gleichzeitigem Erdulden und überwinden des Bösen.

Gott braucht für sich weder Opfer noch Blut. Die Menschen aber können sich in einer Welt, die von Bösem beherrscht wird, nur dann grenzenlos öffnen, wenn sie sich bis aufs Blut treffen lassen und bereit sind, zu Opfern zu werden. Wer sich unversehrt bewahren will, muß sich in eine eigene enge Welt einschließen und dem Geheimnis der Liebe abschwören. Er wird sich dadurch in Wahrheit selber verlieren. Wer sich hingegen dem Geheimnis seiner Berufung öffnet, das ein Geheimnis grenzenloser Liebe ist, kommt am schmerzhaften Geöffnetwerden, am Opfersein im neuen christlichen Sinne, nicht vorbei."

http://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/texte/79.html

Zitat:

Wo Gott wohnt, da ist das Herz rein, - Gott allein genügt
.

Da schließe ich mich voll an - und wünsche dir eine geistig fruchtbare Karwoche.

Lieben Gruß,
Burkl
Burkl hat folgendes geschrieben:
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:
Diese Dinge (bis auf das Anlehnen) tue ich auch, allerdings mit anderer Motivation. Ich meine, dass Gott solche Geschenke weder braucht noch so etwas will, weil ich mich letztlich dadurch um mich selber drehe.

Diese Dinge sind Opfer, liebe Mara. Sie geschehen aus Liebe zu Gott, als Antwort auf das eine große Opfer, das er am Kreuz für uns erbracht hat. Wir erbringen sie, weil es zutiefst dem inneren Wesen des Menschen entspricht, Gott etwas vom Eigenen schenken zu wollen. Das umfasst auch das Leibliche.

Ja, es gibt Dankopfer, lieber Burkl, die wir Menschen bringen und dabei aus dem Eigenen auch körperlich schöpfen können und die gottwohlgefällig sind.

Im NT steht ein schönes Beispiel, was Gott gefällt, als sich die Phärisäer im Haus des Simon darüber aufregten, dass Jesus sich von einer unreinen Sünderin berühren ließ:

"Und sich zu der Frau wendend, sprach er zu Simon:
Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen, du hast mir kein Wasser für meine Füsse gegeben; sie aber hat meine Füsse mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet.
Du hast mir keinen Kuss gegeben; sie aber hat, seitdem ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füsse zu küssen.
Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat mit Salböl meine Füsse gesalbt.
Deswegen sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig." ( Lukas 7, 44-47)

Für die Zeit, da Jesus nicht mehr körperlich zugegen ist, hatte er gesagt:
"Alles, was ihr den geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan."

Nun bezeichnest du es ebenso als Dankopfer für Gott, wenn man sich selbst körperliche Beschränkungen auferlegt bis hin zum sich selbst Schmerzzufügen durch das Tragen eines "Stachelgürtels" und durch Selbstgeißelung?
Es erscheint wie der Versuch eines Kindes, selbst ein wenig das große Geschenk Jesu abarbeiten zu wollen, der sich den von außen auf ihn zu kommenden Beschränkungen, Schmerzen bis hin zum Tod ergab.

Zitat:
Und es ist genau umgekehrt: Nicht der das Opfer Suchende, sondern wer das Opfer aus Liebe Gott nicht geben will - der ist es, der um sich selber kreist.

"Das Opfer aus Liebe Gott nicht geben wollen" - wie geht das denn?

Wer aus Liebe handelt kreist nicht um sich selbst, sondern um den Geliebten und weiß, was dem Geliebten wohlgefällig ist.

Auch dir eine fruchtbare Karwoche.


Lieber Gruß

Mara
_________________
***************************************
OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.