Reinheit


@Mara-Devi

Das bezweifle ich, dass das Alles so war.

Und die Frauenordination kann nach katholischer Vorstellung nicht kommen, weil wir ein anderes Sakramentenverständnis haben. Der Priester repräsentiert Christus, wenn er die Wandlungsworte spricht. Und Christus hat nur Männer zu Aposteln gemacht. Das hat sicher so seinen Sinn.

Aber in diesem Thread geht es ja um die Tugend der Reinheit. Du könntest einen eigenen Thread eröffnen.
Burkl hat folgendes geschrieben:
Das wusste ich nicht. Also eigentlich ist es so eine Art "Disziplinarbestimmung" für Mönche.


Klar, Mönche haben einen umfassenden Regelkatalog.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Das heißt als buddhistischer "Laie" darf man grundsätzlich maßvoll Alkohol trinken?


Du kannst dich auch bis Oberkante Unterlippe volllaufen lassen und dich zwei Tage zugekokst in einem Bordell einschließen.

Buddhismus ist keine Sammlung von Geboten, Regeln und Vorschriften, sondern eine Methode seinen Geist zu Erkennen und vor allem eine Einstellung.
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Das bezweifle ich, dass das Alles so war.

"Den Frauen ist es nicht erlaubt, in der Zeit der Menstruation oder nach der Geburt eines Kindes eine Kirche zu betreten."
(Paucapalea: Summa des Kirchenrechts, 1114-1148)

Frauen wurde wegen ihrer angeblichen Unreinheit alles mögliche Üble nachgesagt, sie wurden deshalb in der katholischen Kirche erst recht nicht in Kirchenämtern zugelassen, was kirchenrechtlich ganz klar festgelegt war.

Corpus Iuris Canonici (1234 – 1916):

- Frauen können nicht geweiht werden
- Einer Frau darf normalerweise nicht taufen
- Eine Frau darf das Corporale nicht berühren
- Frauen dürfen während ihrer Monatsperiode die Kommunion nicht empfangen
- Frauen sollen die Kommunion auf der mit einem eigenen 'Kommuniontuch' verhüllten Hand oder auf der Zunge empfangen
- Frauen sollen beim Empfang der Kommunion einen Schleier tragen
- Frauen dürfen in der Kirche nicht singen

Codex Iuris Canonici 1917:

- Frauen sind die letzte Wahl für die Spendung der Taufe
- Frauen dürfen nicht die heilige Kommunion reichen
- Mädchen oder Frauen sind zum Ministrantendienst am Altar nicht zugelassen
- Nur Männer können die Priesterweihe empfangen
- Frauen sollten in der Kirche ihr Haupt mit einem Schleier bedecken
- Altarwäsche muß zuerst von Männern gewaschen werden, bevor sie von Frauen berührt werden darf
- Frauen ist es verboten, in der Kirche zu predigen
- Frauen ist es verboten, in der Kirche aus der Heiligen Schrift vorzulesen

An manches dieser Kirchengesetze bzw. deren Praxis kann man sich vielleicht noch erinnern, da wie bereits geschrieben, erst 1983 wesentliche Veränderungen kamen.

Grundlage aller kirchlichen Diskriminierung der Frau war ihre aus dem Judentum übernommene angebliche Unreinheit.

Dabei hatten die Urchristen ein ganz anderes Verständnis:

"Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus." (Gal. 3, 27+28 )


Burkl hat folgendes geschrieben:
Und die Frauenordination kann nach katholischer Vorstellung nicht kommen, weil wir ein anderes Sakramentenverständnis haben. Der Priester repräsentiert Christus, wenn er die Wandlungsworte spricht. Und Christus hat nur Männer zu Aposteln gemacht.

Bei Jesus, auch beim Abendmahl, waren mit Sicherheit immer auch Frauen dabei, doch warum sollte ihnen Jesus Aufgaben zuteilen, die sie zur damaligen Zeit in dieser Gesellschaft nicht hätten leben können. Der einzige Grund einer Geschlechterunter-scheidung bezüglich einer Aufgabenzuteilung, war den damaligen Lebensumständen geschuldet.

Weiter vorn schreibst du:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Was Jesus bringt, ist der radikale Vorrang der inneren Reinheit gegenüber dem Äußeren. Äußere Rituale sind ausschließlich dafür da, die innere Reinheit zu fördern. Sonst sind sie wertlos, ja sogar kontraproduktiv.

Es ist kontraproduktiv, wenn hier an Äußerlichkeiten wie dem Unterschied der Geschlechter festgehalten wird, wo Jesus selber sagt, dass es bei Gott in der geistigen Welt kein heiraten oder verheiratet sein, keine Männer und Frauen gibt, sondern alle wie die Engel sind.

Burkl hat folgendes geschrieben:
Aber in diesem Thread geht es ja um die Tugend der Reinheit. Du könntest einen eigenen Thread eröffnen.

Genau darum geht es, in diesem Thread, Doppelmoral in der Behandlung von Männern und Frauen versus Reinheit des Herzens und Begabung durch den Heiligen Geist als Zulassungsgrundlage für Kirchenämter.

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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
@Mara-Devi

Ich bin kein Kirchenrechtshistoriker - aber vom Gefühl her glaube ich Du zeichnest hier ein tendenziöses Bild. Vor Allem kannst du diese Kirchennormen nicht losgelöst von der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung sehen. Kirchengesetze sind abänderbar. Dass die Weihe Männern vorbehalten ist hat nun einmal Jesus Christus selbst vorgegeben. Und das hat - so wie Alles, das er getan und uns aufgetragen hat - sicherlich tieferen Sinn.

Überlege einmal, dass Frauen von der Kirche in den höchsten Rang, den von Kirchenlehrerinnen erhoben wurden. Große Namen: Katharina von Siena, Theresa von Avila, Therese von Lisiseux, Hildegard von Bingen.
Busshari hat folgendes geschrieben:

Burkl hat folgendes geschrieben:
Das heißt als buddhistischer "Laie" darf man grundsätzlich maßvoll Alkohol trinken?


Du kannst dich auch bis Oberkante Unterlippe volllaufen lassen und dich zwei Tage zugekokst in einem Bordell einschließen.


Tja, soviel zu meinen Wochenendplänen

@Burkl

Als buddhistischer Laie* darfst du grundsätzlich alles tun.

ABER: Es gibt sehr wohl Regeln, wie z.B. die fünf Vorsätze ( http://de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Silas. Wenn man diesen Vorsätzen öffentlich und feierlich zustimmt so sind sie schon ernst zu nehmen und quasi verbindlich (wie auch die Regeln wenn man zum Mönch ordiniert wird). Und es gibt in manchen Traditionen sehr wohl eine obligatorische Laienordination, womit diese Regeln verpflichtenden Status haben.

Was dann passiert, wenn man sich nicht daran hält, ist glaube ich unterschiedlich. In den meisten Fällen ist man aber, so wie ich das sehe, in erster Linie seinem eigenen Gewissen Rechenschaft schuldig.

*(das musst du nicht in Anführungszeichen schreiben, es wird wirklich zwischen Mönchen und Laienanhängern unterschieden)
@Burkl

Mann braucht kein Kirchenrechtshistoriker zu sein, um zu sehen, dass Frauen von und in der Römisch Katholischen Kirche wegen ihres Geschlechts diskriminiert wurden.
Die Frage nur, wie mit Fehlern der Vergangenheit umgegangen wird?

Ich finde keinen biblischen Hinweis, dass Jesus eine Ämterhierarchie und Geschlechterunterscheidung in seiner Nachfolge angeordnet hat, im Gegenteil.

Die "großen Kirchenlehrerinnen", die du nennst, sind alle Heilige.
Und das ist genau das Problem, dass es in der Katholischen Kirche für Frauen nur die Extreme gibt, Unreine oder Reine, Eva oder Maria, Sünderin oder Heilige.

Dennoch gilt:

"Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus." (Gal. 3, 27+28 )
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
"Die makellose Reinheit seines ganzen Lebens ließ Johannes unter dem Kreuz stark bleiben. – Die anderen Apostel flohen vor GoIgotha: er bleibt, zusammen mit der Mutter Christi. Vergiß nicht, daß die Reinheit den Charakter stark und männlich macht."

Hl. Josémaria Escriva, Der Weg Nr. 144

Ich glaube dieser Aspekt der Reinheit ist sehr interessant, gerade weil er dem Zeitgeist stark widerspricht. Heute wird doch eher derjenige als "männlich" gesehen, der sich gerade in Dingen der Reinheit achtlos verhält. So gilt der "Schürzenjäger" oder rücksichtslose Manager wohl landläufig als besonders männlich.
Mara-Devi hat folgendes geschrieben:

Ich finde keinen biblischen Hinweis, dass Jesus eine Ämterhierarchie und Geschlechterunterscheidung in seiner Nachfolge angeordnet hat, im Gegenteil.

Ich denke, die Institution Kirche ist eine menschliche Organisation mit guter Absicht, Gott zu dienen, allerdings gelten da teils auch weltlich-juristische Gesetze, die nicht unbedingt Gottes Gebote sein müssen.
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Jedes Schicksal ist angemessen, individuell zugeschnitten, denn nichts, was Gott tut, ist sinnlos!
Zitat:
"Die makellose Reinheit seines ganzen Lebens ließ Johannes unter dem Kreuz stark bleiben. – Die anderen Apostel flohen vor GoIgotha: er bleibt, zusammen mit der Mutter Christi. Vergiß nicht, daß die Reinheit den Charakter stark und männlich macht."
Hl. Josémaria Escriva, Der Weg Nr. 144


@ Burkl

Es ist bekannt, dass der Begründer des "Opus Dei" extrem konservativ war, aber diese Äußerung, dass die "Reinheit den Charakter stark und männlich macht", ist doch wohl der Gipfel, denn dann wird analog dazu Unreinheit mit schwachem Charakter und weiblich gleichgesetzt.

Sicher weißt du, dass für Escriva und die Mitglieder des Opus Dei "Reinwerden" des Durchschnittsmenschen mit Selbstgeißelung verbunden ist (Tragen eines schmerzhaften mitterlalterlichen Bußgürtels 2 Std. tgl. außer an Feiertagen, wöchentliche Selbstkasteiung mit einer Handgeißel).
In oben genanntem Werk, "Der Weg", soll Escriva geschrieben haben, der Schmerz sei heilig und der Schmerz adle.


Johannes der bis zuletzt unter dem Kreuz bei Jesus ausharrte, hatte eine ganz andere Tugend, genau wie auch Maria, die Mutter Jesu. Diese Tugend ist stärker als jede Angst und lässt sich nicht durch Selbstkasteiung herbei führen.
Es ist bedingungslose Liebe !
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Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.
Mara Devi hat folgendes geschrieben:
"Reinheit den Charakter stark und männlich macht", ist doch wohl der Gipfel, denn dann wird analog dazu Unreinheit mit schwachem Charakter und weiblich gleichgesetzt.


Das ist deine Interpretation.

Die heilige Teresa von Avila hat einmal nach einem Zusammentreffen mit einer Männerrunde von sich selbst gesagt, sie sei hier der einzige Mann. Es geht also um etwas Bestimmtes: Die Männlichkeit drückt hier Charaktereigenschaften wie Mut, Ehrlichkeit, Geradlinigkeit, Tapferkeit aus.

Zitat:
Sicher weißt du, dass für Escriva und die Mitglieder des Opus Dei "Reinwerden" des Durchschnittsmenschen mit Selbstgeißelung verbunden ist (Tragen eines schmerzhaften mitterlalterlichen Bußgürtels 2 Std. tgl. außer an Feiertagen, wöchentliche Selbstkasteiung mit einer Handgeißel).


Ja - es gibt bestimmmte Opus Dei-Mitglieder - nämlich ausschließlich die Zölibatären - die das tun.

Es ist eine alte christliche spirituelle Tradition, die aus den monastischen Gepflogenheiten heraus entstanden ist. Es geht auch nicht wirklich darum, sich selbst zu verletzen, das passiert hier nicht.

Bei diesen Übungen geht es im Kern eigentlich darum, sich im Guten einzuüben. Das Gute trotz widrigen Umständen zu tun.

Wir glauben als Christen, dass der Preis für die wirklich gelebte Liebe, immer auch die Selbstverleugnung ist. Vielleicht wird das Ganze einfacher, wenn ich dir das Grundprinzip dahinter erörtere: Im Alltag geht es darum, bestimmte sogenannte "Abtötungen" zu machen, das bedeutet konkret auf Dinge bewusst zu verzichten und die Gott zu schenken, die einem angenehm sind. Das kann z.B. heißen, die Treppe statt dem Aufzug zu nehmen, beim Essen nur Wasser statt Limonade dazutrinken, sich nicht an einer Wand anlehnen, dem Anderen das bessere Stück lassen, usw.

Es geht im Kern darum in der Liebe zu bleiben, auch und gerade wenn es widrig und schwierig ist. Und diese körperlichen Übungen sind sozusagen ein unterstützendes "Training" dazu.
Schockiert es dich auch, dass Sportler bis zur völligen körperlichen Erschöpfung für ihr großes Ziel trainieren? Ähnlich kannst du es hier sehen - es sind sozusagen "sportliche" Übungen, nur eben in spiritueller Hinsicht. Das große Ziel dabei ist immer stärker in der Liebesfähigkeit zu werden, immer mehr auf das Eigene verzichten zu können und dabei dennoch ein Liebender zu bleiben, ja sogar noch mehr in sie hineinzuwachsen.

Zitat:
In oben genanntem Werk, "Der Weg", soll Escriva geschrieben haben, der Schmerz sei heilig und der Schmerz adle.


Punkt 208 vom Weg gibt folgendes Gebet wieder: „Gesegnet sei der Schmerz.- Geliebt sei der Schmerz.- Geheiligt sei der Schmerz.- Verherrlicht sei der Schmerz.“

Der Hintergrund des Ganzen ist sehr interessant. Es geht um die Bewältigung des Leidens von Todkranken. Hier ein Link dazu:

http://www.de.josemariaescriva.info.....-gesegnet-sei-der-schmerz

Zitat:
Johannes der bis zuletzt unter dem Kreuz bei Jesus ausharrte, hatte eine ganz andere Tugend, genau wie auch Maria, die Mutter Jesu. Diese Tugend ist stärker als jede Angst und lässt sich nicht durch Selbstkasteiung herbei führen.
Es ist bedingungslose Liebe !


Ja - und diese Liebe ist Frucht seines reinen Herzens. Er ruhte an der Brust Jesu. Er war seinem Herzen am nähesten von allen Jüngern - tauchte sein Herz in das von Liebe brennende Herz Jesu.


Was ist eigentlich die Tugend der Reinheit für dich?