Reinheit


Long Road hat folgendes geschrieben:
Damit hat Jesus ja auch recht und das ist gut so. Aber wie gesagt haben dieses Verständnis andere Religionen auch.


Die "äußere Reinheit" als wesentliches Kriterium findest du dennoch in allen nichtchristlichen Weltregionen.

Die Sakramente sind da genau umgekehrt angelegt - sie begründen keine Reinheit durch einen äußeren Vorgang, sondern sind ein sichtbares Zeichen für die innerlich vollzogene Öffnung für das Heilsgeschehen. Das zeigt sich daran, dass z.B. bei Unmöglichkeit der Feier der Taufe der innerlich gefasste feste Wille sich taufen zu lassen genügt, um die gleiche Heilswirkung zu entfalten. Das gilt sinngemäß für alle Sakramente.

Ein Hindu wird z.B. die Waschung im Ganges nicht durch den diesbezüglichen inneren Wunsch ersetzen können. Auch nicht ein Moslem den "Ghusl".
@all!

In Sahaja Yoga besteht das Wurzelchakra ( Moohlhadar ) aus vier Blütenblättern, die göttlichen Qualitäten entsprechen. Diese sind Spontanität, Weisheit, kindliche Unschuld und Reinheit. Diese Qualitäten sind bei den meisten Menschen verdeckt. Betreibt man jedoch Sahaja Yoga und wird das Wurzelchakra erleuchtet, so kommen diese göttlichen Eigenschaften wieder zum Vorschein, gleichsam wie wenn eine Wolke sich verzieht und die Sonne wieder hervorkommt.

Laotse sagt im Tao te King, Kapitel 49: "Ein wahrhaftiger Mensch ist losgelöst und bescheiden. Der Welt ist er ein Rätsel. Die Menschen strengen ihre Augen und Ohren an, doch der wahrhaftige Mensch bleibt wie ein Kind." In Kapitel 55 sagt er: "Ein Mensch, der mit Tugend erfüllt ist, ist wie ein neugeborenes Kind."

Guru Nanak ( Guru Grant Sahib ) sagt: "Wer Gott verehrt, lebt immer in Frieden. Mit seinem kindlichen, unschuldigen Wesen bleibt er lösgelöst und von der Welt abgewandt."

Jesus Christus sagt in Matthäus 18, 3: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr niemals ins Himmelreich eingehen.."

Alles Liebe

Erich
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Ich handle aus reiner Liebe
Burkl hat folgendes geschrieben:


Die "äußere Reinheit" als wesentliches Kriterium findest du dennoch in allen nichtchristlichen Weltregionen.


Bei den Buddhisten bin ich da noch nicht darauf gestoßen. Außer, dass man sich die Hände wäscht bevor man religiöse Schriften anfasst. Das hat aber mehr praktische als "rituelle" Gründe.

Aber vielleicht gibt es das ja und ich bin noch nicht damit konfrontiert worden. Obwohl ich nicht glaube, dass das religiös abgesichert wäre, weil sich Buddha Shakyamuni (ähnlich wie Jesus) gegen diese äußeren Rituale gewehrt hat. Zu den religiösen Waschungen hat er süffisant gemeint, dass wenn man durch ein Bad in einem Fluss seine Sünden abwaschen könnte, dann müssten die darin lebenden Fische und Krebs die heiligsten Lebewesen überhaupt sein (Obwohl ich jetzt aus dem stehgreif auch nicht weiß, ob diese Geschichte überhaupt abgesichert ist)
Long Road hat folgendes geschrieben:
Bei den Buddhisten bin ich da noch nicht darauf gestoßen


Das Rauschmittelverbot würde mir da einfallen. Damit macht Alkoholgenuss in gewisser Weise "unrein".
Burkl hat folgendes geschrieben:

Das Rauschmittelverbot würde mir da einfallen. Damit macht Alkoholgenuss in gewisser Weise "unrein".


Ja, aber das ist dann vergleichbar mit der Sexualmoral wie z.B. Sex vor und außerhalb der Ehe.

Im katholischen Christentum macht ja in gewisser Weise jede Sünde unrein, dafür gibt es ja auch die Beichte um das wieder zu glätten.

Wie du eingangs geschrieben hast "der Mensch per se" wird durch Alkoholgenuss nicht unrein. Wenn man ausgenüchtert ist ist es quasi auch ohne Beichte wieder beREINigt.
Long Road hat folgendes geschrieben:

Ja, aber das ist dann vergleichbar mit der Sexualmoral wie z.B. Sex vor und außerhalb der Ehe.

Im katholischen Christentum macht ja in gewisser Weise jede Sünde unrein, dafür gibt es ja auch die Beichte um das wieder zu glätten.


Ja - aber es geht immer nur um das Innere. So hat es z.B. keinen religiösen Sinn, sich nach der Verletzung des 6. Gebotes äußerlich zu waschen. Die Beichte ist "Dusche für die Seele".
Burkl hat folgendes geschrieben:
Das Rauschmittelverbot würde mir da einfallen. Damit macht Alkoholgenuss in gewisser Weise "unrein".



Im Buddhismus war Alkohol erlaubt, bis ein Mönch sich die Kante gab und besoffen vor der Stadt lag. Um die Gemeinschaft durch solch peinliche Zwischenfälle nicht in Verruf zu bringen, war er danach (für Mönche) Verboten. Das hat nichts mir Reinheit zu tun.
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Man kann Gläubige nicht überzeugen, da ihr Glauben nicht auf Beweisen beruht, sondern auf dem tiefen Bedürfnis zu glauben. - Carl Sagan.

Die Wahrheit siegt nie, ihre Gegner sterben nur aus.
Busshari hat folgendes geschrieben:
Burkl hat folgendes geschrieben:
Das Rauschmittelverbot würde mir da einfallen. Damit macht Alkoholgenuss in gewisser Weise "unrein".



Im Buddhismus war Alkohol erlaubt, bis ein Mönch sich die Kante gab und besoffen vor der Stadt lag. Um die Gemeinschaft durch solch peinliche Zwischenfälle nicht in Verruf zu bringen, war er danach (für Mönche) Verboten. Das hat nichts mir Reinheit zu tun.


Das wusste ich nicht. Also eigentlich ist es so eine Art "Disziplinarbestimmung" für Mönche.

Das heißt als buddhistischer "Laie" darf man grundsätzlich maßvoll Alkohol trinken?
Burkl hat folgendes geschrieben:


Ja - aber es geht immer nur um das Innere. So hat es z.B. keinen religiösen Sinn, sich nach der Verletzung des 6. Gebotes äußerlich zu waschen. Die Beichte ist "Dusche für die Seele".


Es hat auch keinen religiösen Sinn sich einen Rausch abwaschen zu wollen

Der Rausch macht dich zur Zeit der Berauschung weniger aufmerksam, weniger achtsam etc. Das ist für die buddhistische Übung kontraproduktiv, mehr ist aber nicht dran. Im Prinzip gibt es danach nichts das haften bleibt, das zu beichten wäre oder gar das einen Menschen dauerhaft "unrein" machen würde. So sehe ich das zumindest.
Burkl hat folgendes geschrieben:

Die Problematik, die Jesus aufzeigt ist, dass äußere Reinheitsgebote, wie z.B. Speisevorschriften, Waschungen etc. dazu führen können, dass eine gewisse Blindheit gegenüber dem aufkommt, auf das es ankommt: Eben die Reinheit des Herzens. Oder plakativ: Es bringt nichts gewaschen und alle Opfervorschriften befolgend in den Tempel zu gehen, während ich Groll im Herzen habe. Die Gefahr der Überbetonung des Äußeren ist eindeutig die der "formalistischen" Reinheit.

Was Jesus bringt, ist der radikale Vorrang der inneren Reinheit gegenüber dem Äußeren. Äußere Rituale sind ausschließlich dafür da, die innere Reinheit zu fördern. Sonst sind sie wertlos, ja sogar kontraproduktiv.

"Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe." (Mt 5,23 u. 24)


Basierend auf jüdischen Reinheitsgeboten, wurden dennoch Frauen in der katholischen Kirche von den lateinischen Kirchenvätern aufs Heftigste als "unrein" diskriminiert. (Das ging zeitweise so gar so weit, dass Frauen während der Monatsblutung keine Kirche betreten durften.)

Später war es Frauen verboten, in der Kirche zu singen und noch 1908 wurde in einem Dekret "jede Art von gemischtem Chor von Männern und Frauen strikt verboten, auch dann, wenn er fern vom Altarraum Aufstellung nimmt". (Dekret vom 18. Dez. 1908).

Erst 1983 kam es zu einer wesentlichen Veränderungen im Kirchenrecht und in der kirchlichen Praxis, wodurch letztlich eingestanden wurde, dass die durch 'rituelle Unreinheit' begründeten Vorurteile gegen Frauen gegenstandslos waren.

Die letzte Konsequenz, sich vom Voruteil der rituellen Unreinheit der Frau wirklich endgültig abzuwenden, wäre, das Verbot der Frauenordination in der RKK aufzuheben.


Mara
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OM LOKAH SAMASTHA SUKHINO BHAVANTHU
Mögen alle Wesen in allen Welten glücklich sein.