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1.2 Der Wandel der Welt












1.2 Der Wandel der Welt

Daß die Welt während des neunzehnten und des ersten Teils des zwanzigsten Jahrhunderts¹ durch die Todesqualen eines alten und die Geburtswehen eines neuen

Zeitalters gegangen ist, das ist jedermann klar. Die alten Grundsätze des Materialismus und des Eigennutzes, die alten sektiererischen und vaterländischen Vorurteile und

Gehässigkeiten sind im Schwinden begriffen, sie haben inmitten der Trümmer, die sie geschaffen, ihren Sinn verloren, und wir sehen in allen Ländern die Anzeichen eines

neuen Geistes des Glaubens, der Brüderlichkeit und übernationalen Denkens, der die alten Bande sprengt und die alten Grenzen überrennt. Umstürzende Veränderungen

von nie dagewesener Größe haben sich auf allen Gebieten des menschlichen Lebens ereignet. Das alte Zeitalter ist aber noch nicht tot. Es ist mit dem neuen in einen

Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Es gibt Übel in Menge, riesenhaft und furchtbar, aber sie sind im Begriff, mit neuer Kraft und Hoffnung klargelegt, erforscht, angegriffen

und verworfen zu werden. Es gibt Wolken in Menge, ungeheuer und drohend, aber das Licht will durchbrechen, den Weg des Fortschritts erleuchten und die Hindernisse und

Fallgruben aufdecken, die den Weg zur Höhe versperren.

¹ Kurz nach dem ersten Weltkrieg geschrieben

Im achtzehnten Jahrhundert war es anders. Damals wurde das geistige und moralische Dunkel, das die Welt umhüllte, kaum durch einen Lichtstrahl erhellt. Es war der

dunkelsten Stunde vor der Dämmerung zu vergleichen, da die wenigen noch leuchtenden Lampen und Kerzen kaum mehr bewirken, als die Dunkelheit noch erkennbarer zu

machen. Carlyle schreibt über das achtzehnte Jahrhundert: »Ein Jahrhundert, das keine Geschichte hat und wenig oder keine haben kann. Ein Jahrhundert, so voll von

angehäuften Falschheiten ... wie kein Jahrhundert zuvor! Das nicht mehr das Bewußtsein hatte, falsch zu sein, so falsch war es geworden; und das so in Falschheit

getaucht und davon bis auf die Knochen durchdrungen war, daß wirklich das Maß der Dinge voll war und eine Französische Revolution es beenden mußte ... Ein äußerst

passendes Ende für solch ein Jahrhundert, wie ich dankbar empfinde ... Denn es wäre noch einmal eine göttliche Offenbarung an die stumpfen, leichtfertigen

Menschenkinder nötig gewesen, wenn sie nicht allesamt auf die Stufe der Affen sinken sollten.«¹

¹ Th. Carlyle, Friedrich der Große, Buch I, Kap.1

Verglichen mit dem achtzehnten Jahrhundert ist die jetzige Zeit wie die Dämmerung auf die Nacht oder wie der Frühling auf den Winter. Die Welt regt sich in neuem Leben,

von neuen Idealen und Hoffnungen durchdrungen. Dinge, die noch vor wenigen Jahren unmögliche Träume schienen, sind jetzt vollendete Tatsachen. Andere, die noch

Jahrhunderte weit voraus zu liegen schienen, sind bereits Gegenstand der `angewandten Politik` geworden. Wir fliegen in den Lüften und fahren unter dem Wasser. Wir

senden Nachrichten rund um die Welt mit Blitzesschnelle. Innerhalb weniger Jahrzehnte haben wir Wunder erlebt, zu zahlreich um sie aufzuzählen.
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