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4.1 'Abdu'l-Baha - Geburt und Kindheit












4.1 'Abdu'l-Baha - Geburt und Kindheit

'Abbás Effendi, der später den Titel 'Abdu'l-Bahá (d.h. Diener von Bahá) annahm, war der älteste Sohn von Bahá'u'lláh. Er wurde in der Nacht zum 23. Mai 1844, kurz vor

Mitternacht, in Tihrán geboren¹, in der gleichen Nacht, da der Báb Seine Sendung verkündete.

¹ Donnerstag, 5. Jamádíyu'l-Avval 1260 d.H.

'Abbás Effendi war neun Jahre alt, als sein Vater, dem er schon damals ergeben anhing, in Tihrán in das Gefängnis geworfen wurde. Ein Volkshaufe plünderte ihr Haus, und

die Familie wurde von ihren Besitzungen vertrieben und der Not ausgeliefert. 'Abdu'l-Bahá erzählt, wie ihm eines Tages erlaubt wurde, den Gefängnishof zu betreten, um

seinen geliebten Vater zu sehen, wie Er zur täglichen Bewegung ins Freie kam. Bahá'u'lláh war erschreckend angegriffen und so krank, daß Er kaum gehen konnte. Sein

Haar und Sein Bart waren verwirrt, Sein Nacken wundgescheuert und geschwollen vom Druck eines schweren stählernen Halseisens, Sein Körper gebeugt vom Gewicht

Seiner Ketten, und der Anblick machte einen unvergeßlichen Eindruck auf das Gemüt des empfänglichen Knaben.

Während der ersten Jahre ihres Aufenthalts in Bagdád, zehn Jahre vor der öffentlichen Erklärung Seiner Sendung durch Bahá'u'lláh, führte seine scharfe Einsicht

'Abdu'l-Bahá, der damals erst neun Jahre alt war, bereits zu der überwältigenden Entdeckung, daß sein Vater in der Tat der Verheißene sei, dessen Manifestation alle Bábí

erwarteten. Etwa sechzig Jahre später beschreibt er den Augenblick, da diese Überzeugung plötzlich von seinem ganzen Wesen Besitz ergriff, wie folgt.

»Ich bin der Diener der Gesegneten Vollkommenheit. In Bagdád war ich ein Kind. Damals und dort verkündigte Er mir das Wort und ich glaubte an Ihn. Sobald Er mir das

Wort verkündete, warf ich mich zu Seinen heiligen Füßen und bat und flehte zu Ihm, mein Blut als Opfer auf Seinem Pfade anzunehmen. Opfer! Wie köstlich finde ich dieses

Wort! Es gibt keine größere Gnade für mich als diese! Welch größeren Ruhm könnte ich mir denken, als diesen Nacken in Ketten gelegt um Seinetwillen, diese Füße

gefesselt für Seine Liebe, diesen Körper verstümmelt oder in die Tiefen des Meeres geworfen zu sehen für Seine Sache! Wenn wir Ihn in Wahrheit aufrichtig lieben, wenn ich

in Wahrheit Sein aufrichtiger Diener bin, dann muß ich mein Leben, mein Alles an Seiner gesegneten Schwelle opfern.«¹

¹ Aus Tagebuchnotizen von Mírzá Ahmad Sohrab, Januar 1914

Während dieser Zeit fing er an, von seinen Freunden »das Geheimnis Gottes« genannt zu werden, ein Titel, der ihm von Bahá'u'lláh gegeben wurde und unter dem er

während der Zeit des Aufenthalts in Baghdád gemeinhin bekannt war. Als sein Vater sich für die Dauer von zwei Jahren in die Wildnis zurückzog, wollte 'Abbás das Herz

brechen. Sein einziger Trost bestand im Abschreiben und im Auswendiglernen der Tablets des Báb, und viel Zeit brachte er in einsamer Gebetsandacht zu. Als schließlich

sein Vater zurückkehrte, war der Knabe von Freude überwältigt.
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