5.9 Das sündenbedeckende Auge


5.9 Das sündenbedeckende Auge

Die Bahá'í-Lehre ist in keinem Punkte gebieterischer und unbeugsamer als in der Forderung, sich der Tadelsucht zu enthalten. Christus sprach sehr nachdrücklich über

diesen Punkt, aber es ist jetzt üblich geworden, die Bergpredigt so zu betrachten, als bringe sie sogenannte Ratschläge der Vollkommenheit zum Ausdruck, die zu leben

von einem gewöhnlichen Christen nicht erwartet werden könne. Sowohl Bahá'u'lláh als 'Abdu'l-Bahá gaben sich die größte Mühe, klarzumachen, daß in diesem Punkt Sie in

allem auch meinen, was Sie sagen. Wir lesen in den Verborgenen Worten (ar.27, ar.29):

»O Sohn des Menschen! Sprich nicht über die Sünden anderer, solange du selbst ein Sünder bist. Solltest du dieses Gebot übertreten, würdest du verworfen sein - dies

bezeuge Ich dir.«

»O Sohn des Seins! Traue keiner Seele zu, was du nicht wünschest, daß man dir zutraue, und spricht nicht von dem, was du nicht ausführst. Dies ist Mein Gebot -

gehorche ihm."

'Abdu'l-Bahá fordert von uns:

»Über die Fehler anderer zu schweigen, für sie zu beten und ihnen durch Güte zu helfen, ihre Fehler zu bessern. Immer auf das Gute zu blicken und nicht auf das

Schlechte. Wenn ein Mensch zehn gute und eine schlechte Eigenschaft hat, auf die zehn guten zu blicken und die eine schlechte zu übersehen. Und wenn ein Mensch

zehn schlechte und eine gute Eigenschaft hat, auf die eine gute zu blicken und die zehn schlechten zu übersehen. Sich niemals zu erlauben, ein unfreundliches Wort über

einen andern zu sprechen, selbst wenn dieser unser Feind wäre.«

An einen amerikanischen Freund schrieb Er:

»Die schlimmste Eigenschaft und die größte Sünde ist die Verleumdung, ganz besonders, wenn sie von dem Munde der Gläubigen Gottes ausgeht. Wenn ein Mittel

erfunden wurde, durch das die Tore der Verleumdung für ewig geschlossen werden könnten, und jeder der Gläubigen Gottes seine Lippen zum Lobe der andern öffnen würde,

dann würden die Lehren Seiner Heiligkeit Bahá'u'lláh verbreitet, die Herzen erleuchtet, der Geist der Menschen veredelt und die Menschheit würde ewiges Glück erlangen.«¹

¹ Star of the West IV p.192

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