6.4 Das Gebet ist eine unerläßliche Pflicht


6.4 Das Gebet ist eine unerläßliche Pflicht

Das Gebet ist den Bahá'í in klaren Worten zur Pflicht gemacht. Bahá'u'lláh sagt in dem Kitáb-i-Aqdas:

»Singt (oder sprecht) die Worte Gottes jeden Morgen und jeden Abend. Wer dies vernachlässigt, ist dem Bündnis Gottes nicht treu, und wer sich an diesem Tag davon

abwendet, gehört zu denen, die sich von Gott abgewandt haben. Fürchte Gott, o mein Volk! Werde nicht stolz durch zu vieles Lesen (des heiligen Wortes). Nur einen Vers

in Freude und Frohsinn zu singen ist besser für euch, als alle Offenbarungen des allmächtigen Gottes achtlos zu lesen. Singt die Tablets Gottes nur, solange ihr nicht von

Müdigkeit und Schwäche befallen werdet. Überbürdet die Seele nicht bis zur Erschöpfung und Abspannung, sondern erquickt sie vielmehr derart, daß sie sich auf den

Schwingen der Offenbarung zum Dämmerungsort der Beweise erheben möge. Dies bringt euch näher zu Gott - o gehörtet ihr doch zu denen, die dies verstehen.«

'Abdu'l-Bahá sagte zu einem Briefschreiber TAB III p.683):

»O du geistiger Freund! Du hast nach der Weisheit des Gebetes gefragt. Wisse, daß das Gebet eine unerläßliche Pflicht ist und daß der Mensch unter keinem Vorwand

davon entbunden werden kann, es sei denn, er ist geistig krank oder ein unüberwindliches Hindernis tritt auf.«

Ein anderer fragte Ihn: »warum beten? Welchen Sinn hat das Beten, nachdem doch Gott alles weislich angeordnet hat und alle Angelegenheiten in bester Ordnung

durchführt? Was für einen Sinn hat darum das Bitten und Flehen, das Vorbringen von Wünschen und Hilfesuchen?«

'Abdu'l-Bahá antwortete :

»Wisse, daß es sich für den Schwachen geziemt, sich an den Starken zu halten, und daß der Sucher nach Gnade den Herrlichen, den Freigebigen, darum bitten soll. Wer

zu seinem Herrn fleht, der wendet sich Ihm zu und sucht Gnade von Seinem Ozean. So ist dieses Flehen schon an sich Licht für sein Herz, Erleuchtung für sein Schauen,

Leben für seine Seele und Erhöhung für sein Wesen.«¹

»Beachte also, wie dein Herz erquickt wird, wenn du zu Gott flehst und sprichst: `Dein Name ist meine Heilung`, wie dann deine Seele durch den Geist der Liebe Gottes

entzückt wird und dein Gemüt zu dem Reiche Gottes sich hingezogen fühlt! Dadurch wachsen deine geistigen Anlagen und Fähigkeiten. Wenn das Gefäß vergrößert wird,

nimmt das Wasser darin zu, und wenn der Durst sich steigert, empfindet der Mensch die Güte der Wolke angenehm. Dies ist das Geheimnis des Bittens und die Weisheit

des Aussprechens der Wünsche.«¹

Bahá'u'lláh hat drei tägliche Pflichtgebete geoffenbart. Dem Gläubigen steht es frei, eines dieser drei Gebete auszuwählen, aber er hat die Pflicht, eines davon zu sprechen,

und zwar in der Art, wie Bahá'u'lláh es vorgeschrieben hat.

¹ Aus einem Sendschreiben an einen amerikanischen Gläubigen, ins Englische übersetzt von 'Alí Kuli Khán, Oktober 1908