6.6 Das Gebet, die Sprache der Liebe


6.6 Das Gebet, die Sprache der Liebe

Auf die Frage, ob das Gebet notwendig sei, da doch angenommen werden könne, daß Gott die Wünsche aller Herzen kenne, antwortete 'Abdu'l-Bahá:

»Wenn ein Freund für einen andern Liebe fühlt, so wird er es ihm sagen wollen. Obschon er weiß, daß der Freund seine Liebe empfindet, wird er doch den Wunsch haben,

ihm dies zu sagen ... Gott kennt die Wünsche aller Herzen, aber der Drang zu beten ist ein natürlicher, er entspringt aus des Menschen Liebe zu Gott ...«¹

»Das Gebet bedarf nicht der Worte, aber der Gedanken und der Haltung. Wenn diese Liebe und dieses Verlangen fehlen, dann ist es nutzlos, sie erzwingen zu wollen.

Worte ohne Liebe bedeuten nichts. Wäre es dir angenehm, dich mit jemandem zu unterhalten, der ohne Liebe und Freude über sein Zusammensein mit dir, nur aus einem

ihm unangenehmen Pflichtgefühl heraus, mit dir spricht?«¹

Bei einem anderen Gespräch sagte 'Abdu'l-Bahá :

»Im reinsten Gebet beten die Menschen nur um der Liebe Gottes willen, nicht weil sie Ihn oder die Hölle fürchten oder auf die Güte oder den Himmel hoffen ... Wenn sich

jemand in einen Menschen verliebt, so ist es ihm unmöglich, den Namen des geliebten Wesens nicht zu nennen. Wieviel schwieriger ist es für einen Menschen, sich der

Erwähnung des Namens Gottes zu enthalten, wenn er dazu gelangt ist, Gott zu lieben! Der geistige Mensch findet an nichts Freude außer im Gedenken Gottes.«²

¹ Artikel in der `Fortnightly Review`, Juni 1911, von Miss E. S. Stevens
² Aus Notizen von Miss Alma Robertson und andern Pilgern, Nov. und Dez. 1900[/b]