6.8 Gebet und Naturgesetz


6.8 Gebet und Naturgesetz

Manche finden es schwierig, an die Wirksamkeit des Gebets zu glauben, weil sie denken, die Erhörung des Gebets bedeute eine willkürliche Einmischung in das

Naturgesetz. Ein Gleichnis möge dienen, diese Schwierigkeit zu beseitigen. Wenn ein Magnet über Eisenspäne gehalten wird, so werden diese auffliegen und an dem

Magnet haften. Dies bedeutet aber keine Einmischung in das Gesetz der Schwerkraft. Die Schwerkraft wirkt auch jetzt noch wie zuvor auf die Eisenspäne ein. Was sich

ereignete, ist nur, daß hier eine stärkere Kraft einsetzte - eine andere Kraft, deren Wirkung ebenso regelrecht und berechenbar ist wie die der Schwerkraft. Die

Bahá'í-Anschauung ist, daß das Gebet höhere Kräfte auslöst, die noch verhältnismäßig wenig bekannt sind. Es scheint aber kein Grund zu der Annahme vorzuliegen, daß

diese Kräfte in ihrer Tätigkeit willkürlicher als die physischen Kräfte seien. Der Unterschied ist nur der, daß diese Kräfte noch nicht genügend und nicht experimentell

erforscht sind, und wegen unserer Unkenntnis erscheint uns ihr Wirken geheimnisvoll und unberechenbar.

Eine andere Schwierigkeit, die manche als verwirrend ansehen, ist die, daß ihnen das Gebet als eine zu schwache Kraft erscheint, um die großen Wirkungen, die oft damit

erstrebt werden, hervorzubringen. Auch hier mag ein Gleichnis dazu dienen, diese Schwierigkeit zu beheben. Wenn eine schwache Kraft auf das Schleusentor eines

Stauwerkes gerichtet wird, so ist sie imstande, eine gewaltige Flut von Wasserkräften zu entfesseln und zu regeln, oder wenn eine solche schwache Kraft bei dem

Steuerungswerk eines Ozeandampfers eingesetzt wird, so ist sie imstande, den Kurs dieses Riesenfahrzeuges zu bestimmen. Nach der Bahá'í-Anschauung ist jene Macht,

die auf unsere Gebete antwortet, die unerschöpfliche Macht Gottes. Dem Betenden kommt es nur zu, die schwache Kraft anzuwenden, die nötig ist, um die Flut zu befreien

oder den Lauf der göttlichen Gnadenfülle zu bestimmen, die immer bereit ist, jenen zu dienen, die gelernt haben, wie man sich an sie wendet.

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